Die Innerste

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Die Innerste ist eine Novelle[1] von Wilhelm Raabe, die im Herbst 1874[2] entstand und 1876 in Westermanns Monatsheften erschien. In Buchform kam die Erzählung 1879 innerhalb der „Krähenfelder Geschichten“ heraus.[3]


Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der junge Müller Albrecht Bodenhagen, ein Rückkehrer aus dem Siebenjährigen Krieg, wird von seinem Vater Christian im Jahr 1760 nicht mit offenen Armen empfangen. Der alte Christian Bodenhagen, der an der Innerste zwischen Groß Förste und Sarstedt eine Wassermühle betreibt, will das Geschwätz des Mühlknappen Barthold Dörries aus Dielmissen nicht hören. Danach sei Albrecht nach der Schlacht bei Kolin aus einem preußischen Freibataillon desertiert und habe sich bei seinem Liebchen, der 22-jährigen rothaarigen Doris Radebrecker, versteckt. Meister Radebreckers Sägemühle liegt am Oberlauf der Innerste in den Harzbergen zwischen Wildemann und Lautenthal.

Albrecht lässt sich nicht abweisen. Der einzige Sohn des Müllers hat den Krieg und das Wandern satt. Auf Bitten der Mutter hin darf der Vagabund und Landläufer zu Hause bleiben. Der autoritäre Vater bestimmt Liese Papenberg, eine „bildsaubere“ Bauerstochter aus Groß Förste, als Braut für den Sohn.

Joachim Brand aus der Bergstadt Grund im Harz, Albrechts alter Korporal, taucht in der Mühle auf. Der Invalide Brand hatte in der Schlacht bei Minden den rechten Arm verloren. Brand will Albrecht hinter den Mehlsäcken hervorholen. Das Vorhaben misslingt. Albrecht bleibt bei den Eltern und heiratet Liese. Der alte Christian Bodenhagen stirbt am Tage nach der Hochzeit des Sohnes. Zuvor hatte der wackere alte Müllermeister die Innerste schreien hören. Der Korporal vermutet im Gespräch mit Albrecht, der Fluss habe nicht geschrien, sondern Doris habe oben an der Sägemühle gelacht. Albrecht will sogar ein Lachen vor dem Fenster der väterlichen Mühle gehört haben.

Am 15. August 1760, Albrecht ist inzwischen Herr der Mühle, verfolgt ein junges rothaariges Weib, hinter den Weiden am Wasser verborgen, mit „hellen, großen, grünblauen, kühlen Augen“ einen Liebesstreit des jungen Paares. Diesmal hört auch Liese den Schrei der Innerste. Eigentlich wäre es „ein Lachen und Kreischen zu gleicher Zeit“ gewesen. Totenbleich versichert Liese ihrem Mann, sie wolle sterben, wenn sie die Stimme noch einmal hörte. Liese lebt weiter, aber Albrechts liebe Mutter stirbt.

Der Erzähler verrät, der Korporal Joachim Brand war von Doris ausgeschickt worden. Brand kehrt zu der rothaarigen Frau in die Sägemühle zurück. Der Sägemüller Radebrecker und seine Kumpane werden wegen Mordes inhaftiert und hingerichtet. Zwar waren Doris und der Korporal mit den Mördern ins Gefängnis gekommen, doch Doris war die Flucht gelungen und der Korporal war freigelassen worden.

Doris hatte zu dem Korporal gesagt, er und Albrecht sollten sie „nicht umsonst die Innerste nennen“. Albrecht hätte sie zu seinem Weibe machen können. Stattdessen habe er eine andere genommen. Dafür solle er nun die Rechnung zahlen. Joachim Brand will seinen Kriegskameraden Albrecht beschützen und kehrt aus dem Gefängnis verwundet zu dem Müller zurück.

Als Doris mit einer kleinen Schar „Marodebrüdern“ aus den Harzbergen die Bodenhagen-Mühle angreift, hat sich der Korporal erholt und schlägt das „Gesindel“ gemeinsam mit dem Müller und zwei Knappen zurück. Doris kommt während des Überfalls in der Innerste um. Zuvor hatte sie dem Korporal im Zweikampf einen tödlichen Messerstich versetzt.

Die Kinder von Albrecht und Liese betreiben die Mühle bis 1803 weiter. Um 1820 wird das Bauwerk abgerissen.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Ein guter Ruf ist das köstlichste Ding auf Erden“.[4]
  • „Wie viele Menschen gehen auf Erden, die nichts von sich wissen und denen es erst die anderen sagen müssen, was sie sind.“[5]

Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beteuert der Erzähler gleich im ersten Satz die Wahrheit seiner Geschichte, so gibt er im letzten Satz klein bei. Ein Fluss, der schreie wie eine Frau, gehöre ins 18. Jahrhundert.[6]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sprengel[7] geht auf die Nixengestalt Doris und ihre strukturbildende Funktion ein.
  • Meyen[8] gibt 15 weiterführende Arbeiten aus den Jahren 1879 bis 1969 an.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendete Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Innerste. S. 101–195. Mit einem Anhang, verfasst von Hans Butzmann, S. 493–522 In: Hans Butzmann (Bearb.), Hans Oppermann (Bearb.): Frau Salome. Die Innerste. Vom alten Proteus. Horacker. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1969. Bd. 12 (2. Aufl., besorgt von Karl Hoppe und Hans Oppermann), ohne ISBN in Karl Hoppe (Hrsg.), Jost Schillemeit (Hrsg.), Hans Oppermann (Hrsg.), Kurt Schreinert (Hrsg.): Wilhelm Raabe. Sämtliche Werke. Braunschweiger Ausgabe. 24 Bde. (Digitalisat der Ausgabe bei Google-Books)

Weitere Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Innerste. Eine Erzählung. Hermann Klemm, Freiburg im Breisgau 1955.
  • Die Innerste. Erzählung. mit Wort- und Sacherklärungen. Verlag Gute Schriften, Zürich 1961.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Meyen: Wilhelm Raabe. Bibliographie. 2. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973, Ergänzungsbd. 1, ISBN 3-525-20144-3 In: Karl Hoppe (Hrsg.): Wilhelm Raabe. Sämtliche Werke. Braunschweiger Ausgabe. 24 Bde.
  • Cecilia von Studnitz: Wilhelm Raabe. Schriftsteller. Eine Biographie. Droste Verlag, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-0778-6.
  • Peter Sprengel: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1870–1900. Von der Reichsgründung bis zur Jahrhundertwende. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44104-1.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eberhard Schlotter hat zehn Radierungen zu der Erzählung geschaffen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. von Studnitz, S. 312, Eintrag 45
  2. Butzmann in der verwendeten Ausgabe, S. 494, 5. Z.v.u. und S. 508, 7. Z.v.o.
  3. Butzmann in der verwendeten Ausgabe, S. 512, Einträge Z und B
  4. Verwendete Ausgabe, S. 164, 16. Z.v.o.
  5. Verwendete Ausgabe, S. 182, 4. Z.v.u.
  6. Verwendete Ausgabe, S. 103 und S. 195
  7. Sprengel, S. 46–47
  8. Meyen, S. 355–356
  9. Meyen, S. 20, Eintrag 13