Die Mörder sind unter uns

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Filmdaten
Originaltitel Die Mörder sind unter uns
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Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1946
Länge 85 Minuten
Altersfreigabe FSK 6 (original: 12)
Stab
Regie Wolfgang Staudte
Drehbuch Wolfgang Staudte
Produktion Herbert Uhlich
Musik Ernst Roters
Kamera Friedl Behn-Grund
Eugen Klagemann
Schnitt Hans Heinrich
Besetzung

Die Mörder sind unter uns ist der erste deutsche Spielfilm der Nachkriegsgeschichte und der erste deutsche Trümmerfilm. Die Dreharbeiten begannen im März 1946 (zwei Monate vor Gründung der DEFA).[1] Gedreht wurde in den Althoff-Ateliers in Babelsberg, den Jofa-Ateliers in Berlin-Johannisthal und an zahlreichen Außenschauplätzen. Regie und Buch stammten von Wolfgang Staudte.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film spielt im Jahr 1945 im zerbombten Berlin. Die junge Fotografin und Illustratorin Susanne Wallner (Hildegard Knef), eine KZ-Überlebende, kehrt nach dem Krieg nach Berlin zurück. In ihrer alten Wohnung in einem Mehrparteienhaus findet sie den ehemaligen Militär-Chirurg Dr. Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) vor und beide werden durch die Umstände gezwungenermaßen Mitbewohner. Mit kaputten Fenstern, wenig Besitz und den weiteren Mängeln in der Nachkriegszeit ist in der Wohnung nur ein sehr karges Leben möglich.

Hans leidet unter schrecklichen Kriegserinnerungen und ist Alkoholiker. Für seine Mitmenschen hat er nur Sarkasmus übrig. Während Susanne versucht, zur Normalität zurückzukehren, ist Hans noch nicht dazu bereit und betrinkt sich regelmäßig. Erst langsam entwickelt er freundschaftliche und dann auch liebevolle Gefühle für sie. Susanne verliebt sich ebenfalls in ihn und wartet darauf, dass er sich ihr öffnet.

Susanne fällt zufällig einen Abschiedsbrief für die Frau von Hans ehemaligen Hauptmann Ferdinand Brückner in die Hände. Als Susanne ihn fragt, ob er diesen vergessen habe, reagiert Hans aggressiv und gibt ihr schreiend zu verstehen, dass er diesen bewußt nicht überbracht habe. Später entschuldigt sich Hans bei ihr und Susanne bringt den Brief zu Brückners Frau (Erna Sellmer). Dabei erfährt sie, dass der totgeglaubte Brückner (Arno Paulsen) überlebt hat und Hans ist schockiert, als er dies wiederum von Susanne hört. Trotzdem willigt er ein Brückner wieder zu treffen.

Brückner ist ein beliebter Bürger und erfolgreicher Geschäftsmann, der aus alten Stahlhelmen Kochtöpfe produziert. Er ist hocherfreut, den „Kriegskameraden“ Mertens wiederzusehen, und lädt ihn zum Essen ein. Zusammen mit seiner Ehefrau und seinen Söhnen führt er wieder ein gutbürgerliches Leben. Zu einem späteren Anlass schlägt Brückner Hans vor, gemeinsam ein Tanzlokal mit hübschen Mädchen zu besuchen. Hans lotst Brückner durch eine einsame Gegend, wo er diesen erschießen will. In dem Moment begegnen sie einer besorgten Mutter, die einen Arzt für ihre kranke Tochter benötigt. Nach etwas Zögern nimmt Hans eine Notoperation vor, um das Mädchen zu retten. Brückner vergnügt sich währenddessen mit den Damen im Tanzlokal.

Das Gefühl, ein Leben gerettet zu haben, führt bei Hans zu einer Stimmungsaufhellung. Am Weihnachtsabend 1945 verfinstert sich seine Stimmung aber wieder. Er verlässt die gemeinsame Wohnung und sagt Susanne, dass er sich noch um etwas kümmern müsse. Die Erinnerung an den Weihnachtsabend 1942 kommt bei Hans wieder auf. Brückner ließ 121 Zivilisten - Männer, Frauen und Kinder - aus einer polnischen Ortschaft erschießen. Hans hatte vergeblich versucht, ihn davon abzubringen. Anschließend feierte Brückner unbeschwert zusammen mit seinen Soldaten den Weihnachtsabend. Hans wartet die betriebliche Weihnachtsfeier Brückners ab und kündigt diesem an, ihn zu erschießen. Brückner, der sich als unschuldig betrachtet, wird durch das Erscheinen von Susanne gerettet. Sie hatte Hans Tagebuch gelesen und geahnt, was er vorhatte. Susanne sagt Hans schließlich, dass man nicht selber richten, sondern nur anklagen dürfe. In der Schlussszene werden verschiedene Motive übereinandergeblendet: ermordete Zivilisten, Brückner im Gefängnis, Soldaten und Massengräber.

Filmdreh und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmcrew drehte direkt in den Trümmern der Stadt. So entstanden eindrucksvolle Bilder, die die Wirkung und Handlung des Filmes verstärken. Der Arbeitstitel lautete Der Mann den ich töten werde, der allerdings umbenannt werden musste, da das Drehbuch umgeschrieben wurde. In der Urfassung tötet Mertens seinen alten Hauptmann, doch die sowjetischen Zensoren befürchteten, dass die Zuschauer darin einen Aufruf zur Selbstjustiz sehen könnten.

Wolfgang Staudte bekam für den Film überwiegend positive Kritiken. Er setzte sich nicht nur mit der deutschen, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit auseinander – Staudte war mit einer Nebenrolle am NS-Propagandafilm Jud Süß beteiligt gewesen. Kritisiert wird manchmal das Auftreten von Filmcharakteren in Anzügen und modischer Kleidung, was nicht der Lebenssituation der damaligen Berliner (insbesondere der Trümmerfrauen und der KZ-Überlebenden) entsprach.

Der Film wurde am 15. Oktober 1946 im sowjetischen Sektor Berlins im Admiralspalast, der zu diesem Zeitpunkt die Deutsche Staatsoper beherbergte, uraufgeführt (siehe auch: Kulturpolitische Ereignisse des Jahres 1946 in der sowjetischen Besatzungszone).

Im Fernsehen wurde der Film durch den Deutschen Fernsehfunk der DDR noch während des „offiziellen Versuchsprogramms“ am 1. November 1955 ausgestrahlt; in der Bundesrepublik Deutschland zuerst am 18. Dezember 1971 durch die ARD.[2]

Zitate in anderen Filmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Szenen aus Staudtes Film zitierte Lars von Trier in seinem Spielfilm Europa.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Aurich: Die Mörder sind unter uns. Analyse, Arbeitshinweise, Materialien. Schriftenreihe Film und Geschichte der Landesmedienstelle Niedersachsen und Gesellschaft für Filmstudien e.V., Hannover, 1: Deutsche Spielfilme der Nachkriegsjahre 1946–1950, Band 1. Friedrich, Seelze 1995.
  • Heinz Baumert, Hermann Herlinghaus (Hrsg.): 20 Jahre DEFA-Spielfilm. Ein Bildband mit 400 Fotos: von „Die Mörder sind unter uns“ bis „Solange Leben in mir ist“. Henschelverlag, Berlin 1968.
  • Die Mörder sind unter uns (Bildtonträger). 1946 – der erste deutsche Nachkriegsfilm; ein Film von Thomas Pfaff und Paul Eisel. Westdeutscher Rundfunk, Köln 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eva Orbanz & Hans Helmut Prinzler (Hrsg.): Staudte. S. 265, Berlin 1991, ISBN 3-89166-096-0.
  2. Die Mörder sind unter uns bei deutscher-tonfilm.de (Memento vom 13. Dezember 2007 im Internet Archive)
  3. Martin Lampprecht: Layers of debris, layers of text. Lars von Trier’s early neo-rubble films., 110