DEFA-Stiftung

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DEFA-Stiftung
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Rechtsform: Stiftung bürgerlichen Rechts
Zweck: Erhalt und Nutzbarmachung des Filmerbes der DEFA, Förderung der deutschen Filmkunst und Filmkultur
Vorsitz: Ralf Schenk (Vorstand)
Andreas Dresen (Vorsitz im Stiftungsrat)
Bestehen: seit 15. Dezember 1998
Sitz: Berlin
Website: www.defa-stiftung.de

kein Stifter angegeben

Die DEFA-Stiftung ist eine rechtsfähige, gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in der Berliner Chausseestraße.

Die Stiftung wurde am 15. Dezember 1998 von der deutschen Bundesregierung errichtet. Als Stiftungsvermögen wurde ihr der Filmbestand der Deutschen Film AG (kurz: DEFA), dem volkseigenen Filmunternehmen der DDR übertragen. Zweck der Stiftung ist die Erhaltung der Filme der DEFA, sowie die Nutzbarmachung der Produktionen für die Öffentlichkeit als Teil des nationalen Kulturerbes. Dafür digitalisiert die Stiftung kontinuierlich den DEFA-Filmbestand, damit die Filme sowohl im Fernsehen als auch im Kino weiterhin gezeigt werden können. Zudem fördert die Stiftung die deutsche Filmkunst und Filmkultur durch die Vergabe von Projektmitteln, Stipendien und Preisen. Einmal jährlich findet seit 2001 die Preisverleihung der Stiftung in Berlin statt, auf der Personen und Institutionen für ihre filmischen Verdienste geehrt werden.

Vorstand der DEFA-Stiftung ist seit dem Jahr 2012 der Journalist, Filmhistoriker und Autor Ralf Schenk. Den Vorsitz im Stiftungsrat übt seit 2013 der Regisseur Andreas Dresen aus.

Organisation[Bearbeiten]

Die satzungsmäßigen Organe der DEFA-Stiftung sind der Stiftungsrat und der Vorstand. Der Stiftungsrat besteht aus neun Mitgliedern. Die Berufung erfolgt für einen Zeitraum von drei Jahren. Die Mitglieder kommen aus dem Ressort der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Bundesarchiv, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und den Bundesländern Berlin/Brandenburg und Sachsen. Außerdem benennen die Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen eine Persönlichkeit aus dem Bereich der Kunst und Kultur. Seit dem Jahr 2013 ist der Regisseur Andreas Dresen Vorsitzender des Stiftungsrats. Weitere bekannte Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur im Stiftungsrat der Stiftung sind unter anderem der Regisseur Peter Kahane und der Filmproduzent Ralf Kukula.[1]

Der Vorstand leitet die Stiftung nach Maßgabe der Satzung in eigener Verantwortung und ist zum gewissenhaften und sparsamen Umgang mit dem Stiftungsvermögen und den sonstigen Mitteln verpflichtet. Seit 2012 bekleidet Ralf Schenk das Amt. Zuvor waren nach der Gründung Wolfgang Klaue (1998-2003) und Helmut Morsbach (2003-2012) Vorstand der Stiftung.

Stiftungsvermögen[Bearbeiten]

Das Stiftungsvermögen besteht aus den unveräußerlichen Leistungsschutz- und Nutzungsrechten am Filmbestand der DEFA und an dem Verkaufserlös einer Berliner Immobilie. Die Stiftung verfügt zurzeit über ein Stiftungskapital in Höhe von etwa acht Millionen Euro. Zur Erfüllung des Stiftungszwecks werden nur die Erträge des Stiftungsvermögens und die Einnahmen aus der Auswertung des Rechtebestandes verwendet. Um das Stiftungskapital in seinem Bestand ungeschmälert zu erhalten, bildet die Stiftung satzungsgemäß Rücklagen. Zur Sicherung und Erfüllung des Stiftungszwecks sollen die Rücklagen langfristig erhalten bleiben.

Filmbestand[Bearbeiten]

Der Filmestand der DEFA-Stiftung umfasst die gesamte Kinoproduktion der DDR-Filmstudios aus fast fünf Jahrzehnten. Dazu gehören rund 950 Spielfilme und Kurzspielfilme, 820 Animationsfilme, 5.800 Dokumentarfilme und Wochenschauen, 4.000 deutschsprachige Synchronisationen ausländischer Filme, nicht veröffentlichte und Restmaterialien aus der DEFA-Produktion, Fotos, Plakate, Drehbücher und ihre literarischen Vorstufen, Werbematerialien, Partituren und Zulassungsunterlagen. Mit den rund 12.000 Filmen versteht sich die DEFA-Stiftung als eine Institution, die kulturelles Wissen vermitteln möchte. Ihre Filme bilden einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen und zur Lebens- und Werteorientierung. Alle Filme sind mit den relevanten filmografischen Angaben in einer Datenbank auf der Homepage der Stiftung verzeichnet.

Seit Mai 2004 ist die DEFA-Stiftung zudem Eigentümer des privaten Zeitzeugen-Archivs von Thomas Grimm. Unter dem Motto „Erinnerungen als Verantwortung“ zeichnete Thomas Grimm 2.500 Stunden Gespräche mit Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts auf. Auf 3.500 sendefähigen Kassetten geben etwa 1.400 Personen zeithistorische Einblicke zur neueren deutschen Geschichte. Dabei kommen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur zu Wort, aber auch Zeitzeugen der Alltagskultur.

Förderung[Bearbeiten]

Die Stiftung ist aktiv fördernd tätig. Zur Entscheidung über Anträge auf Förderung wird ein Ausschuss aus Mitgliedern des Stiftungsrats gebildet. Die DEFA-Stiftung vergibt Fördermittel an Privatpersonen, Körperschaften des öffentlichen Rechts und gemeinnützige Institutionen. Sie fördert die wissenschaftliche und publizistische Erschließung und Auswertung des DEFA-Filmbestands, Ausstellungen, Symposien und Veranstaltungen auf filmkulturellem Gebiet. Sie unterstützt kinemathekarische und museale Projekte und vergibt Stipendien, die der Entwicklung deutscher Filmkultur und der Vorbereitung filmkünstlerischer Arbeiten dienen. Zur Erforschung der verschiedensten Bereiched er deutschen Filmgeschichte wurde 2013 das Rolf-Richter-Stipendium ins Leben gerufen. Die Namensgebung erfolgte zu Ehren des Filmwissenschaftlers und Künstlers Rolf Richter (1932-1992). Seit ihrem Bestehen hat die DEFA-Stiftung rund sechs Millionen Euro für die Förderung von Filmkunst und Filmkultur zur Verfügung gestellt.

Am 13. November 2013 beschloss der Stiftungsrat die Förderungen und Stipendien auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Grund für diesen Entschluss sind die geringen und unregelmäßigen Zahlungen durch die Verwertungsgesellschaften, die aus einer Gesetzesänderung im Urheberrecht aus dem Jahr 2008 resultieren.[2]

Digitalisierung[Bearbeiten]

Die DEFA-Stiftung befasst sich auch mit der Digitalisierung ihres Filmbestandes. Solche Digitalisierungen sind notwendig, da das ursprüngliche Filmmaterial zum einen sehr empfindlich ist und einem natürlichen Alterungsprozess unterliegt, zum anderen aber auch, weil die ursprünglichen 35mm-Filmkopien kaum noch abgespielt werden können. Immer weniger Kinos verfügen über die entsprechenden Filmprojektoren. Damit die Filme weiterhin im Fernsehen und im Kino präsentiert werden können, muss eine digitale Filmkopie des Films geschaffen werden. Die Erstellung einer solchen Kopie in High Definition kostet in der Regel zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro Film.[3]

Seit dem Jahr 2012 ist es der DEFA-Stiftung gelungen viele DEFA-Filme nach neuestem technischen Standard zu digitalisieren. Am 16. Oktober 2014 gab die Stiftung in einer Pressemitteilung bekannt, dass sie dem Verleih der Deutschen Kinemathek die ersten 100 digitalisierten, hochauflösenden Filmkopien übergeben konnte. Die Stiftung sieht sich damit als "der erste Repertoirefilmanbieter weltweit, der den Kinos DCPs von seinen Filmen in diesem Umfang anbieten kann".[4] Dazu zählen unter anderem Dokumentarfilme von Volker Koepp, Filme von Gerhard Scheumann und Walter Heynowski aus dem Studio H & S, mehrere DEFA-Indianerfilme, Märchen- und Kinderfilme, Science-Fiction-Produktionen sowie einige Spielfilme, beispielsweise von Roland Gräf, Konrad Wolf, Herrmann Zschoche oder Frank Beyer.[5] Anlässlich des 60. Jahrestages des DEFA-Studios für Dokumentarfilme am 1. April 2015 digitalisiert die DEFA-Stiftung 60 DEFA-Animationsfilme.[6]

Unterstützt wird die DEFA-Stiftung bei ihren Digitalisierungsvorhaben durch Fördermittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Filmförderungsanstalt, des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, des Ministeriums für Wirtschaft und Europaangelegenheiten Brandenburg, der Thüringer Staatskanzlei, des Hauptstadtkulturfonds Berlin, der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung und durch private Spenden.[5]

Preise[Bearbeiten]

Preisverleihung der Stiftung[Bearbeiten]

Zur Förderung der deutschen Filmkunst und Filmkultur lobt die DEFA-Stiftung seit 2001 jährlich mehrere Preise auf einer eigenen Verleihung aus. Zurzeit werden Auszeichnungen in den folgenden Kategorien verliehen: Preis für Verdienste um den deutschen Film (10.000 Euro), Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst (10.000 Euro), Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses (5.000 Euro) und drei Programmpreise (je 5.000 Euro). Zur Entscheidung über die Vergabe der Preise wird eine Jury aus Mitgliedern des Stiftungsrats gebildet.

Heiner-Carow-Preis[Bearbeiten]

Seit 2013 verleiht die Stiftung auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin den Heiner-Carow-Preis an einen deutschen Spiel-, Dokumentar- oder Essayfilm aus der Sektion Panorama. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis ist dem DEFA-Regisseur Heiner Carow gewidmet, der für die DEFA Filme wie Die Legende von Paul und Paula (1973), Ikarus (1975) oder Coming Out (1989) drehte. Bisherige Preisträger sind die Dokumentarfilme Naked Opera (2013) von Angela Christlieb, Meine Mutter, ein Krieg und ich (2014) von Johann Feindt und Tamara Trampe sowie B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin (2015) von Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange.[7]

Förderpreise[Bearbeiten]

Des Weiteren werden auf internationalen und nationalen Festivals Förderpreise in Höhe von 3.000 bis 4.000 Euro vergeben. Zurzeit (Stand: 2015) erfolgt eine regelmäßige Verleihung auf dem Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, dem Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken, dem Internationalen Filmfestival Schlingel in Chemnitz, dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm und dem Filmfest Dresden.

Publikationen[Bearbeiten]

Publizistische und wissenschaftliche Arbeiten werden in der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung veröffentlicht, insbesondere Ergebnisse aus der öffentlichen Förderung der Stiftung. Die gedruckten Publikationen werden durch die Homepage der Stiftung ergänzt. Dort werden Fragen zum aktuellen Geschehen, zur Geschichte, Förderung, Filmbestand, Digitalisierung und zu Publikationen beantwortet. Neben einer Datenbank, in der alle zum Rechtebestand der DEFA-Stiftung gehörenden Filme erfasst sind, werden auf der Homepage weitere Datenbestände, zum Beispiel eine Chronik und Bibliografie zur DEFA, zur Verfügung gestellt.

Mit dem DEFA-Jahrbuch apropos: Film etablierte die DEFA-Stiftung in den Jahren 2000 bis 2005 eine informative Reihe, die über die Aufarbeitung, Präsentation und Rezeption der ostdeutschen Kinematographie Auskunft gab und das aktuelle Filmgeschehen sowie die Arbeit der DEFA-Stiftung vorstellte.

Partner[Bearbeiten]

Die DEFA-Stiftung arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen. Die Deutsche Kinemathek nimmt die weltweite gewerbliche und nicht gewerbliche Auswertung des DEFA-Filmstocks sowie der Zeitzeugen-Archive, einer Sammlung audiovisueller Autobiografien und zeithistorischer Dokumente zur neueren deutschen Geschichte vor und vergibt Lizenzen für die Aufführung von DEFA-Filmen im Kino. Der Progress Film-Verleih ist Auswerter des DEFA-Filmerbes in den Bereichen Fernsehen, Home Entertainment, Online und Ausschnittdienst. Icestorm Entertainment ist exklusiver Verwerter des DEFA-Filmbestands auf DVD, Video und weiteren Trägermedien. Das Filmarchiv des Bundesarchivs verwahrt die filmischen Ausgangsmaterialien und sieht sich der dauerhaften Erhaltung des DEFA-Filmerbes verpflichtet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stiftungsrat - Amtszeit 2013 bis 2015. DEFA-Stiftung, abgerufen am 30. März 2015.
  2. Der DEFA-Stiftung geht das Geld aus. Frankfurter Rundschau, 16. Dezember 2013, abgerufen am 30. März 2015.
  3. DEFA-Stiftung Digitalisierungdatum=. DEFA-Stiftung, abgerufen am 12. April 2015.
  4. Die DEFA-Stiftung übergibt 100 DCPs an den Kinoverleih der Deutschen Kinemathek. DEFA-Stiftung, 16. Oktober 2014, abgerufen am 12. April 2015.
  5. a b Liste digitalisierter Filme. DEFA-Stiftung, abgerufen am 12. April 2015.
  6. 60 Jahre DEFA-Studio für Trickfilme. DEFA-Stiftung, abgerufen am 12. April 2015.
  7. Heiner Carow Preis. DEFA-Stiftung, abgerufen am 30. März 2015.