Die letzten Kinder von Schewenborn

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„Die letzten Kinder von Schewenborn oder … sieht so unsere Zukunft aus?“ ist der Titel eines 1983 veröffentlichten Romans von Gudrun Pausewang, in dem sie das Szenario eines Deutschlands nach einem Atomkrieg entwickelt. Die Geschichte selbst ist fiktiv, der Ort Schewenborn hat, wie die Autorin im Nachwort des Buchs beschreibt, jedoch ein reales Vorbild: Schlitz in Osthessen, Pausewangs Heimatort.

Handlung[Bearbeiten]

Die Geschichte spielt zur Zeit des Kalten Krieges. Der Ich-Erzähler ist der zu Beginn der Geschichte 13-jährige Roland Bennewitz aus Frankfurt-Bonames, der mit seinen Eltern sowie seinen Schwestern Judith und Kerstin nach Schewenborn fährt, um dort die Großeltern zu besuchen. Trotz einer internationalen Krise zwischen West und Ost entschließt sich die Familie, die Reise anzutreten. Während der Fahrt wird sie, wenige Kilometern von Schewenborn entfernt, Zeugin einer großen, grellen Explosion. Der Vater vermutet sofort, dass eine Atombombe explodiert sein muss. Da sie durch umgestürzte Bäume nicht mehr weiterfahren können, gehen Eltern und Kinder den Rest der Strecke zu Fuß.

Die Familie kommt unversehrt in Schewenborn an. Die Großeltern sind nicht zu Hause, sondern befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion offenkundig im rund dreißig Kilometer entfernten Fulda; Rolands Mutter begibt sich zu Fuß ebendorthin und stellt fest, dass die Stadt vollkommen ausradiert ist. Nach ihrer Rückkehr berichtet sie der Familie, dass dort niemand überlebt hat und hofft, dass die Großeltern „sofort verglüht“ sind. Sie erzählt auch von Überlebenden aus den zwischen Schewenborn und Fulda gelegenen Orten, die schwerverletzt Richtung Schewenborn flüchten. Da die Straßen durch umgestürzte Bäume blockiert sind, kann die Familie nicht mehr nach Frankfurt zurückfahren.

Sie richtet sich daher im beschädigten Haus der Großeltern ein und muss sich fortan mit den Folgen des Angriffs auseinandersetzen: Es gibt keinen Strom und kein Leitungswasser mehr, das Telefonnetz funktioniert nicht und der Ort ist von sämtlichen Nachrichtenquellen abgeschnitten. Im teilweise zerstörten Schewenborn löst sich bald die Ordnung völlig auf, die Nahrungsmittel werden knapp und es kommt zu Plünderungen mit Mord und Totschlag, vor allem nachdem deutlich wird, dass keine Hilfe von außen zu erwarten ist. Schließlich bricht eine Typhusepidemie aus. Roland hilft freiwillig im örtlichen Krankenhaus und sieht dort das Leid der Verwundeten, die zum großen Teil von außerhalb nach Schewenborn gekommen sind und fast alle neben ihren schweren Verletzungen auch an der Strahlenkrankheit leiden. Er kann, wie auch das Personal des Krankenhauses, kaum etwas für sie tun, da es bald keine Medikamente und kein Verbandsmaterial mehr gibt. Eine sterbende Frau bittet ihn, sich um ihre Kinder, Jens und Silke, zu kümmern. Roland nimmt sie mit nach Hause, wo seine Mutter es nicht übers Herz bringt sie wieder wegzuschicken. Trotz der knappen Lebensmittel werden die beiden in die Familie aufgenommen.

Bald erkranken alle Mitglieder der Familie an Typhus - bis auf Rolands ältere Schwester Judith, bei der aber die erstem Symptome der Strahlenkrankheit sichtbar werden. Kerstin, Rolands leibliche Schwester und Silke, seine Stiefschwester, überleben die Krankheit nicht. Als Roland und seine Eltern wieder einigermaßen auf den Beinen sind, stirbt Judith an der Strahlenkrankheit. Da er zu schwach ist, um sie zu beerdigen, muss er sie Männern übergeben, die in der Stadt die Toten einsammeln und verbrennen. Als Roland und sein Vater wieder einigermaßen zu Kräften gekommen sind, beginnen sie Lebensmittel zu sammeln. Bei ihren Wanderungen bemerken sie Spuren der radioaktiven Verseuchung. Roland will zunächst aus Angst vor den Strahlen nichts mehr essen, doch bald ist der Hunger stärker. Noch schwieriger wird die Situation, als Rolands Mutter feststellt, dass sie schwanger ist.

Der Roman lässt offen, wie groß das Ausmaß des nuklearen Schlagabtauschs gewesen ist und ob es überhaupt einen solchen gegeben hat – zumindest scheint ganz Mitteleuropa zerstört zu sein, da Roland und sein Vater auf der Suche nach Nahrung Menschen aus der Tschechoslowakei, den Niederlanden und anderen Ländern begegnen. Sie gelangen eines Tages auch an die nicht mehr bewachte innerdeutsche Grenze und erfahren dort von einem Einheimischen, dass Eisenach und Meiningen zerstört sind und um Berlin herum „kein Stein mehr auf dem anderen“ stehe. Es gibt jedoch nach wie vor keine offiziellen Nachrichten, nur durch Berichte von umherziehenden Überlebenden und Gerüchte kann sich die Familie ein Bild machen.

Dass auch Frankfurt am Main zerstört ist, sehen sie jedoch mit eigenen Augen: Angesichts des Elends in Schewenborn entwickelt Rolands Mutter die fixe Idee, dass in ihrer Heimatstadt Frankfurt schon längst wieder Ordnung herrschen müsse. Obwohl der Vater versucht, sie zu überzeugen, dass Frankfurt mit Sicherheit zerstört sein muss, beharrt sie auf ihrer Vorstellung, dort sei wieder ein halbwegs normales Leben möglich und ist selbst durch Berichte von Augenzeugen nicht davon abzubringen. Alle Tatsachen deutet sie beharrlich um: Da keine Überlebenden aus Frankfurt unterwegs seien, müsse die Stadt noch bestehen! Den Einwand ihres Mannes, auch aus dem völlig zerstörten Fulda seien keine Überlebenden anzutreffen, weil eben kein Bewohner überlebt habe, ignoriert sie.

Schließlich packt die schwangere Mutter ihre Sachen und will mit dem kleinen Jens nach Frankfurt zurückwandern. Da der Vater sie nicht aufhalten kann und es besser findet, wenn alle Familienmitglieder zusammen bleiben, schließen Roland und er sich an. Somit wandert die Familie nach Frankfurt und sieht dort nur ein Trümmerfeld. Auf dem Rückweg stirbt der kleine Jens an der Grippe, die inzwischen ausgebrochen ist und viele Todesopfer fordert. Desillusioniert und völlig entkräftet kehren Roland und seine Eltern zurück.

In Schewenborn erwartet sie eine böse Überraschung: Eine Nachbarin, die auf das Haus der Großeltern aufpassen sollte, betrachtet es nun als ihr Eigentum und verwehrt ihnen den Zutritt. Bei Rolands Mutter haben jedoch die Wehen eingesetzt, so dass das Baby, ein Mädchen, in den Ruinen zur Welt kommt. Die Mutter stirbt bei der Geburt und bei Tageslicht müssen Roland und sein Vater feststellen, dass das Baby schwere Missbildungen durch die Verstrahlung aufweist. Da der Vater sie nicht ernähren kann und sie wegen der Behinderung auch kaum eine Überlebenschance hätte, tötet der Vater die kleine Jessica Martha.

Roland ist am Schluss des Romans 17 Jahre alt und unterrichtet die Kinder des Orts in einer Schule, die er und sein Vater aufgebaut haben. In einem Rückblick wird berichtet, wie die Überlebenden in den letzten Jahren durch Hunger und Strahlenkrankheit weiter dezimiert wurden. Mittlerweile hat sich ihr Leben aber wenigstens ein bisschen normalisiert. Doch sind fast alle der wenigen Kinder, die noch geboren werden, behindert oder sterben nach kurzer Zeit. Mit Rolands Vermutung, dass die kranken und verstörten Kinder seiner Schulklasse wohl „die letzten Kinder von Schewenborn“ seien, endet das Buch.

Einordnung in das Werk der Autorin[Bearbeiten]

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Der Roman lässt sich als Buch „zur Warnung und zum Wachrütteln“ einordnen. Pausewang äußerte bei der Veröffentlichung, „hinterher solle niemand sagen können, wir hätten es nicht gewusst“. Es ist ein vor allem im schulischen Bereich viel gelesenes Buch, das ein jugendliches Lesepublikum gleichermaßen ansprechen wie auch erschüttern kann. In einigen Bundesländern, wie z.B. Sachsen-Anhalt oder Nordrhein-Westfalen gehört es zum Unterrichtsstoff der achten Klasse.

Ein ähnliches Jugendbuch derselben Autorin ist Die Wolke. Beide Bücher spielen am selben Ort und spiegeln die Angst vor einer nuklearen Verseuchung wider, die insbesondere Anfang der 1980er-Jahre und nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 herrschte.

Kritik[Bearbeiten]

Jörg Sundermeier betont in seiner Besprechung für das Magazin „fluter“ die Ambivalenz des Buches. Pausewang schockiere zwar, kläre aber nicht auf. Mit plastischen Beschreibungen der Folgen eines Atomkriegs möchte Pausewang den Leser warnen. Hier sei sie eine typische Vertreterin der Friedensbewegung der 80er Jahre. Aus der heutigen Perspektive wirke das Thema des Buches jedoch anachronistisch. Zudem falle die blutrünstige Sprache auf, sowie die undifferenzierte Behandlung des Begriffs Holocaust und der Sterbehilfe-Thematik. Letztendlich verhindere auch die Perspektive des 13-jährigen Jungen einen objektiven Blick auf die Umstände des Nuklearkriegs.[1]

Preise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gudrun Pausewang: Die letzten Kinder von Schewenborn oder ... sieht so unsere Zukunft aus? Neuauflage, Ravensburger Taschenbuch 8007, Ravensburg 2003 (Erstausgabe 1983), ISBN 978-3-473-58007-1.
  • Wilhelm Roer: Ein Buch macht Schule: "Die letzten Kinder von Schewenborn". Dokumentation von Projekttagen zu diesem Buch und Darstellung des politischen Lernprozesses von Schülern, Eltern, Lehrern und Schulaufsicht. AOL, Lichtenau 1986, ISBN 3-923478-18-6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.fluter.de/de/energie2/buecher/1599/