Schloss Weikersheim

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Schloss Weikersheim
Schloss und Park Weikersheim

Schloss und Park Weikersheim

Entstehungszeit: 12. Jahrhundert
Burgentyp: ehemalige Wasserburg
Erhaltungszustand: erhalten
Ort: Weikersheim
Geographische Lage 49° 28′ 50″ N, 9° 53′ 45″ OKoordinaten: 49° 28′ 50″ N, 9° 53′ 45″ O
Höhe: 231 m ü. NHN
Schloss Weikersheim (Baden-Württemberg)
Schloss Weikersheim

Das Schloss Weikersheim ist der Stammsitz der Herren von Hohenlohe in Weikersheim. Die ursprüngliche Wasserburg im Stau der Tauber wurde ab dem Jahr 1595 als Schloss im Renaissancestil nach der Idealfigur einer Dreiflügelanlage umfassend erweitert. Der dreiachsige Barockgarten aus dem frühen 18. Jahrhundert vor dem Südflügel öffnet die Anlage zu der hier weiten Landschaft des Taubertals hinaus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoch- und Spätmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1153 werden erstmals Konrad und Heinrich von „Wighartesheim“ als Herren einer Wasserburg genannt. Erbaut wurde die Burg aber wahrscheinlich schon einige Jahrzehnte früher. Konrad nannte sich später „von Weikersheim“, Heinrich jedoch „von Hohenloch“ nach dem Dorf Hohlach bei Uffenheim. Der Name Weikersheim verschwand als Familienname, und Hohenloch wurde zu Hohenlohe. Die alte Burg war eine Ringmauerburg mit einem breiten Graben und dem Bergfried neben dem Zugang vom Ort.

Renaissance[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rittersaal mit der um 1605 vollendeten Ausstattung

Bis 1586 wurde zwar immer wieder an- und umgebaut, aber an der (inzwischen mehrfach verpfändeten) Burg änderte sich nichts Entscheidendes. Doch in diesem Jahr kam Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Langenburg durch Erbteilung in den Besitz von Weikersheim und verlegte seinen Wohnsitz dorthin. Der gebildete und kunstliebende Renaissance-Fürst begann nach Reisen durch Frankreich, England und Österreich eine rege Bautätigkeit in seinen hohenlohischen Besitztümern. Weikersheim bot wegen seiner Lage im Taubertal die idealen Voraussetzungen für ein ausgedehntes und repräsentatives Schloss. Auf dem Grundriss eines gleichseitigen Dreiecks und unter Einbeziehung des staufischen Bergfrieds, der eine barocke Haube erhielt, entstand ab dem Jahr 1595 ein Schloss, das der idealen Renaissance-Schlossarchitektur entsprach, aber auch schon barocke Ansätze in sich trug. Im Jahr 1605 war der Bau im Wesentlichen vollendet. Kern und Prachtstück des Schlosses ist der Rittersaal mit seiner von Elias Gunzenhäuser geschaffenen freitragenden Dachkonstruktion mit Kassettendecke,[1] die von Balthasar Katzenberger aus Würzburg bemalt worden war. Der große Kamin stammt von dem Bildhauer Michael Juncker. Im Schloss hatte der Graf auch ein alchemistisches Labor, das einen eigenen Anbau auf der Nordseite erhielt, von dem noch geringe Reste zu sehen sind. Graf Wolfgang II., der die Triebfeder der Bauarbeiten war, zog jedoch nie mit seinem Hofstaat in den Neubau um. Auch die alte Burg wurde nicht wie vielleicht geplant abgebrochen. Der Graf starb 1610 im Alter von 64 Jahren.

Barock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der barocke Eingang zum Schloss Weikersheim mit dem mittelalterlichen Bergfried
Gemälde von Schloss Weikersheim um 1710
Blick auf Schloss Weikersheim und den Barockgarten auf der Südseite

Während des Dreißigjährigen Krieges kamen die Baumaßnahmen zu einem Stillstand. 1634 wurde das Schloss durch die Truppen des Generals Johann von Werth vollständig geplündert, und wenn „… der Türke mit seinem Volk dagewesen wäre, so hätte es nicht schlimmer aussehen können.“

Der Enkel Graf Wolfgangs, Graf Siegfried, setzte die Bautätigkeit ab 1679 fort. Der Umfang der Umbauten ist noch nicht im Detail geklärt, da man sich eng an die Formen der Renaissance anlehnte.

Als Graf Carl Ludwig 1709 die Residenz übernahm und dort über 50 Jahre wirkte, erhielten das Schloss sowie der Garten mit seinen zugehörigen Gebäuden nahezu die Gestalt, in der es noch heute erhalten ist. Zwischen etwa 1709 und 1720 wurden für die gräfliche Familie zahlreiche Appartements im ersten und zweiten Obergeschoss vor allem des Renaissancebaus neu eingerichtet. Der Flügel auf der Ostseite erhielt erst jetzt seine heutige Innenausstattung. Sowohl unter Einschluss des Gartens als auch der Stadt wurden zwei für die Barockzeit typische, großräumige topografische Achsen geschaffen, in deren Schnittpunkt sich das Schloss als Mittelpunkt der gräflichen Herrschaft erhebt.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Carl Ludwig ohne Nachkommen starb, fiel das Schloss an andere hohenlohische Linien. Diese nutzten das Schloss nur zeitweilig (vor allem in den Sommermonaten), da sie eigene Residenzen in Langenburg, Neuenstein und Öhringen besaßen.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dornröschenschlaf endete nach dem Zweiten Weltkrieg, als Constantin zu Hohenlohe-Langenburg aus Böhmen nach Weikersheim kam und das Schloss wieder mit Leben erfüllte. Der kunstsinnige Hohenlohe-Langenburg (selbst Bildender Künstler) richtete im Schloss eine Malschule ein und begann, die vernachlässigten Räume und den Park zu renovieren. Er wurde zum geschickten Förderer des Schlosses und führte „Internationale Sommerkurse“ für Kammermusik ein. Nach seinem Tod erwarb das Land Baden-Württemberg 1967 das Schloss für 5,5 Millionen DM und stellt seitdem die enormen finanziellen Mittel zum Erhalt des Schlosses.

Schloss Weikersheim heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss und Park Weikersheim mit Orangerie
Herkulesbrunnen im Schlosspark

Schloss Weikersheim zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird von den Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Es ist für Besichtigungen geöffnet.[2] Die original ausgestatteten barocken Wohngemächer sind als Schlossmuseum zugänglich.

Blick zur Orangerie und auf die Steinriegel des Taubertals

In den Räumen der ehemaligen Schlossküche befindet sich eine Dauerausstellung zum Thema Alchemie. Im März 2007 wurde die Dauerausstellung „Allerhand Zierrathen - Barocke Kostbarkeiten in Schloss Weikersheim“ eröffnet, die wertvolle und einzigartige Ausstattungsstücke aus den barocken Schlossräumen präsentiert.

Der Schlossgarten zeigt sich seit seiner umfassenden Instandsetzung in den 1990ern wieder in barocker Pracht. Dem Schloss gegenüber wurde die zweiflügelige Orangerie wiederhergestellt. Als architektonischer Höhepunkt des Gartens dient sie heute Hochzeiten und anderen großen Festen sowie Konzerten als beliebtes Ambiente. Über die Zentralachse des Parks hinweg bietet sich ein Blick auf die typischen Steinriegelhänge des Taubertals.

Statue im Schlossgarten

Den Schlossgarten, der von Kastanienalleen eingerahmt wird, bevölkert ein Figurenprogramm von rund 100 steinernen Statuen. Darunter mehrere Reihen damals geschätzter zwergwüchsiger Skulpturen. Hier wirkte zum größten Teil die Künzelsauer Bildhauerfamilie Sommer. Der Garten soll eine Allegorie der gräflichen Herrschaft darstellen, wohlgeordnet und ganz im Sinne der Zeit streng gegliedert. Es gibt Bildnisse der Winde, Elemente, Erdteile, Jahreszeiten, Planeten, antiker Götter und Helden. Hier gibt es mit der Zwergengalerie das einzige vollständig erhaltene Ensemble eines barocken Zwergengartens.

Die Jeunesses Musicales Deutschland hat im Schloss ihren Sitz und betreibt im Prinzessinnenbau seit 1963 die Internationale Musikakademie Schloss Weikersheim. Außerdem betreibt sie ganzjährig Konzerte und zweijährig Opernaufführungen im Schlosshof (im Juli und August). Das Schloss flankierend wurden das Gewehrhaus und das Gärtnerhaus als Veranstaltungs- und Konzerträume (für Klassik, Jazz und Neue Musik) ausgebaut.

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit findet im inneren Schlosshof und auf der Terrasse mit Blick über den Park ein Weihnachtsmarkt statt, der inzwischen einen beliebten Anziehungspunkt für Besucher aus der Region Hohenlohe darstellt.

Seit 1979 wurde das Schloss auch für Tagungen des umstrittenen Studienzentrums Weikersheim, das seinen Sitz in Leinfelden-Echterdingen hat, genutzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. August 2013 erhielt der Schlossgarten die Auszeichnung Garten des Jahres 2013 durch die Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg verliehen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Arens: Schloß Weikersheim – Der Schlüssel zum Garten oder: Ein Gang durchs Universum, Dettelbach 2013, ISBN 978-3-89754-429-1
  • Georg Friedrich Kempter: Zur Rekonstruktion des barocken Gartens von Weikersheim. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 24 (1995), 2, S. 64–72, doi:10.11588/nbdpfbw.1995.2.13944
  • Wilhelm Gradmann: Burgen und Schlösser in Hohenlohe. DRW-Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87181-209-9.
  • Carlheinz Gräter und Jörg Lusin: Schlösser in Hohenlohe. Geschichte und Geschichten. Silberburg-Verlag, Tübingen 2005, ISBN 978-3-87407-685-2.
  • Frank Thomas Lang (Red.): Schloss Weikersheim in Renaissance und Barock: Geschichte und Geschichten einer Residenz in Hohenlohe. Staatsanzeiger-Verlag, Stuttgart 2006. ISBN 3-929981-58-0.
  • Klaus Merten: Schloss Weikersheim. Hg. v.d. Staatl. Schlössern und Gärten Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH. (Graue Reihe der Schlossführer). Heidelberg: Brausdruck, o. J. [= nach 1996] ISBN 3-932489-05-5
  • Jost Weyer: Graf Wolfgang II. von Hohenlohe und die Alchemie: alchemistische Studien in Schloß Weikersheim; 1587 - 1610. Forschungen aus Württembergisch Franken, Band 39. Thorbecke [u. a.], Sigmaringen 1992. ISBN 3-7995-7639-8.
  • Alfons Elfgang, Rosemarie Münzenmayer: Schlossgarten Weikersheim. Hg. v.d. Staatl. Schlössern und Gärten Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH. (Graue Reihe der Schlossführer). Neubearbeitung Brausdruck, Heidelberg 1999. ISBN 3-932489-10-1.
  • Jost Weyer: Graf Wolfgang II. von Hohenlohen und die Alchemie. Eine Dauerausstellung in Schloß Weikersheim. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 22, 2003, S. 529–531.
  • Walter-Gerd Fleck: Schloß Weikersheim und die hohenloheschen Schlösser der Renaissance. Tübingen 1954 (Teilweise zugleich; Tübingen, Univ.-Diss., 1952 mit dem Titel: Das Schloss Weikersheim. seine Baugeschichte und seine Stellung innerhalb der Schlossbaukunst des 16. und fruehen 17. Jahrhunderts.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Weikersheim – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hasso von Poser: Die Deckenbilder im Festsaal von Schloß Weikersheim. Ein Katastrophenfall; in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg - Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, Heft 4/1980, Stuttgart 1980, S. 160-164
  2. www.schloss-weikersheim.de
  3. Garten des Jahres 2013