Digitale Nachhaltigkeit

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Label Digitale Nachhaltigkeit

Das Konzept der Digitalen Nachhaltigkeit beschreibt die langfristig orientierte Herstellung und Weiterentwicklung von digitalen Wissensgütern und behandelt die Tragik der Anti-Allmende. Ausgehend vom Begriff der Nachhaltigkeit, der bisher vorwiegend im Zusammenhang mit ökologischen Themen verwendet wird, beschreibt das Konzept der Digitalen Nachhaltigkeit gemäß Definition der nachhaltigen Entwicklung im Brundtland-Bericht den bewussten Umgang mit Ressourcen in der Weise, dass deren heutige Erstellung und Verwendung die Bedürfnisse kommender Generationen nicht beeinträchtigt.

Definition und Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitale Ressourcen werden dann nachhaltig verwaltet, wenn ihr Nutzen für die Gesellschaft maximiert wird, sodass die digitalen Bedürfnisse gegenwärtiger und zukünftiger Generationen gleichermaßen erfüllt werden. Der gesellschaftliche Nutzen ist dann maximal, wenn die Ressourcen der größten Anzahl zugänglich und mit einem Minimum an technischen, rechtlichen und sozialen Restriktionen wiederverwendbar sind. Digitale Ressourcen sind Wissen und kulturelle Artefakte digital repräsentiert als Text, Bild, Audio, Video oder Software. (Definition nach Dapp)

Digitale Nachhaltigkeit grenzt sich in der Weise von der ursprünglichen Definition von Nachhaltigkeit ab, als dass Digitale Nachhaltigkeit ausschließlich immaterielle Güter, sogenannte Wissensgüter, behandelt. Solche nicht-physischen Ressourcen sind nicht-rivalisierend, sodass kein Verzehr der Güter stattfinden kann. Gleichwohl können digitale Ressourcen sowohl ausschliessbar (ein so genanntes Klubgut) als auch nicht ausschliessbar (ein so genanntes öffentliches Gut) sein. Mittels Schutz des geistigen Eigentums können digitale Ressourcen vom freien Gebrauch und der freien Weiterentwicklung ausgeschlossen werden (siehe auch "Urheberrecht").

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitale Nachhaltigkeit im akademischen Bereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2004 wird die Definition von Dr. Marcus Dapp weiterentwickelt und in einer gleichnamigen Vorlesung an der ETH Zürich vermittelt. [1] Auch die studentischen Organisationen TheAlternative und SUBDiN (Universität Basel) beschreiben diesen neuen Nachhaltigkeits-Ansatz im Detail.[2][3] Der historisch erste Text, der das Konzept schriftlich erläutert war ein Wettbewerbsbeitrag zur Jubiläumsschrift "Essays 2030" der ETH Zürich, Titel "ETH Zurich - A Pioneer in Digital Sustainability".[4] Ein aktuellerer Beitrag beschreibt Digitale Nachhaltigkeit im Kontext von Open Data und Open Source Software.[5]

Seit 2014[6] gibt es an der Universität Bern am Institut für Wirtschaftsinformatik[7] die Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit[8]. Die Stelle wird geleitet durch Dr. Matthias Stürmer[9] und ist im ersten Jahr durch die CH Open[10] mit CHF 80'000[11] finanziert. Die Forschungsstelle behandelt Fragestellungen zu Open Source, Open Data, Open Government, Netzpolitik und ICT-Beschaffung in der Forschung, Lehre und akademischen Beratung.

Open-Source-Software und Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von der Nachhaltigkeits-Definition beschreibt Thorsten Busch im Open Source Jahrbuch 2008 den Zusammenhang zwischen Open-Source-Software und dem Begriff Nachhaltigkeit[12]. Die ausführliche Literaturanalyse thematisiert einerseits die ökologischen Aspekte von Informations- und Kommunikationstechnologien, andererseits auch die gesellschaftlichen Einflüsse von digitalen, immateriellen Ressourcen. Im Zentrum steht die Problematik des Digital Divide, der laut Busch bspw. durch die Förderung von Open Source Software verringert werden könnte. Busch verwendet den von Volker Grassmuck geprägte Begriff „informationelle Nachhaltigkeit“ für denselben Sachverhalt wie das hier beschriebene Konzept der Digitalen Nachhaltigkeit.

Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die langfristige und freie Verfügbarkeit von Wissen sicherzustellen und den wohlbedachten Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien zu fördern, wurde in der Schweiz im Mai 2009 die Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit gegründet [13]. Durch politische Vorstösse wie Motionen und Interpellationen wird die verstärkte Verbreitung von freier und Open-Source-Software, Open Standards, Open Content und Open Access gefordert.[14] Verschiedene Medien berichteten ausführlich über die Gründung der Parlamentarischen Gruppe.[15][16][17][18]

Initiative Digitale Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Umfeld des Vereins Linux-User im Bereich der Kirchen e.V. (LUKi e.V.)[19] wurde ein Projekt gegründet, dass das Anliegen digitaler Nachhaltigkeit zum Anliegen und zum Namen hat.[20] Das Projekt Digitale Nachhaltigkeit bietet eine leicht verständliche Einführung in das Thema und will einerseits zur Reflexion über digitale Nachhaltigkeit anregen, andererseits zum Mitmachen anstoßen. Dazu wurden zehn Grundsätze formuliert, die digitale Nachhaltigkeit aus Sicht des Projekts ausmachen.[21] Es finden sich zahlreiche Schnittpunkte mit den oben genannten Positionen. Zentral ist die freie Verfügbarkeit und Veränderbarkeit von Wissen - konkretisiert durch offene Formate, offene Standards und freie Lizenzen -, im Bereich von Software der Erhalt von Freiheit ("keine Abhängigkeiten") und Transparenz. Genannt werden aber auch Auffindbarkeit und Dokumentation digitaler Güter. Als Beispiele für erste Partizipationsmöglichkeiten nennt das Projekt das Nutzen von freier Software, die Beteiligung an der Wikipedia oder das Verwenden von Creative Commons-Lizenzen.[22]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Nachhaltigkeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Nachhaltigkeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Digitale Nachhaltigkeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.vvz.ethz.ch/Vorlesungsverzeichnis/lerneinheitPre.do?lerneinheitId=62654&semkez=2009W&lang=de Digitale Nachhaltigkeit in der Wissensgesellschaft
  2. TheAlternative – Digitale Initiative innerhalb von [project 21] an der ETH
  3. Studentische Union Basel für Digitale Nachhaltigkeit
  4. ETH - Wettbewerb Visionen ETH 2030 - Online Version. In: www.essays2030.ethz.ch. Abgerufen am 15. Juli 2015.
  5. Open Government Data and Free Software – Cornerstones of a Digital Sustainability Agenda | The 2013 Open Reader. Abgerufen am 19. Juli 2015.
  6. Offizielle Medienmitteilung der Universität Bern zur Gründung der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit
  7. http://www.iwi.unibe.ch/
  8. http://www.digitale-nachhaltigkeit.unibe.ch/
  9. http://www.digitale-nachhaltigkeit.unibe.ch/ueber_uns/personen/dr_stuermer_matthias/index_ger.html
  10. http://www.ch-open.ch/
  11. "Die Nachhaltigkeitsforscher 2.0" Der Bund, 4. September 2014
  12. "Open Source und Nachhaltigkeit" von Thorsten Busch
  13. offizieller Eintrag im Verzeichnis der parlamentarischen Gruppen (PDF; 189 kB)
  14. http://www.digitale-nachhaltigkeit.ch/2009/05/vorstoesse-sommersession-2009
  15. http://www.golem.de/0905/66868.html
  16. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Schweizer-Parlamentarier-setzen-sich-fuer-Open-Source-Software-ein-217323.html
  17. http://www.osor.eu/news/ch-parliamentarians-begin-group-on-digital-sustainability
  18. http://www.netzwoche.ch/News/SendRecommandationNews.aspx?ObjectId=36157&ObjectType=1&Digest=4CUNg6sRgC3GhbmwDJIL0Q
  19. LUKi e.V. - Verein "Linux User im Bereich der Kirchen". Verein LUKi e.V.. Abgerufen am 5. Oktober 2016.
  20. Digitale Nachhaltigkeit. Verantwortung ins Digitale gebracht. Verein LUKi e.V.. Abgerufen am 5. Oktober 2016.
  21. Digitale Nachhaltigkeit - 10 Grundsätze. Verein LUKi e.V.. Abgerufen am 5. Oktober 2016.
  22. Digitale Nachhaltigkeit - Mach Mit!. Verein LUKi e.V.. Abgerufen am 5. Oktober 2016.