Interessenkonflikt

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Ein Interessenkonflikt ist eine Situation, in der das Risiko besteht, dass sekundäre Interessen persönlicher oder institutioneller Art die primären Interessen gefährden.

Ein Interessenkonflikt ist eine spezielle Konfliktsituation, in der ein sachlicher Widerspruch nach Vermeidung verlangt. Er kann aus organisatorischen, oder ethischen, meist berufsethischen, Gründen nicht hingenommen werden, da er sich kontraproduktiv im Sinne höher angesehener Werte, Interessen oder Ziele auswirkt.

Definition[Bearbeiten]

Die häufig verwendete Definition des Interessenkonflikts geht zurück auf Dennis F. Thompson und wurde von diesem 1993 im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

„A conflict of interest is a set of conditions in which professional judgment concerning a primary interest (such as a patient's welfare or the validity of research) tends to be unduly influenced by a secondary interest (such as financial gain).“

Dennis F. Thompson[1]

Wesentlich an der Definition ist, dass der Interessenkonflikt besteht, wenn das Risiko der Beeinflussung besteht und nicht erst, wenn eine solche Beeinflussung tatsächlich auch stattgefunden hat.[2] Sekundäre Interessen müssen dabei nicht materieller oder speziell finanzieller Art sein, sie können auch nichtmaterieller Art sein. Beispiele dafür sind der Wunsch, Freunde zu unterstützen oder das Streben nach Anerkennung.[3]

Auf der Grundlage der Definition von Thompson erarbeitete die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften eine eigene Definition: „Interessenkonflikte sind definiert als Gegebenheiten, die ein Risiko dafür schaffen, dass professionelles Urteilsvermögen oder Handeln, welches sich auf ein primäres Interesse bezieht, durch ein sekundäres Interesse unangemessen beeinflusst wird.“[4]

Beispiele[Bearbeiten]

Beispiele für Interessenkonflikte:

  • Rechtsanwälte unterliegen nach § 3 BORA einem standesrechtlichen Verbot, sich in Ausübung ihrer Tätigkeit in Interessenkonflikte zu begeben.[5]
  • In der Medizin und der biomedizinischen Forschung können Ärzte durch Unterstützung von Pharma- und Medizinaltechnikunternehmen in Interessenkonflikte kommen.[6][7][8] Um die Transparenz zu erhöhen müssen in biomedizinischen wissenschaftlichen Publikationen Interessenkonflikte angegeben werden.[9][10]
  • Ausgeprägte Interessenkonflikte gibt es auch in der Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Berater erhalten Provisionen von Banken und Produktanbietern, wenn sie ihren Kunden gewisse Finanzprodukte empfehlen. Hohe Kosten gehen immer zu Lasten der Rendite des Kunden – Finanzinstrumente mit hohen Gebühren lösen aber auch höhere Rückvergütungen aus. Der Interessenkonflikt wird verstärkt, weil die Provisionen versteckt (auch nach der Einführung von Markets in Financial Instruments Directive) fließen. Die BaFin legt hierzu fest: „Bei etwaigen Interessenkonflikten müssen die Interessen des Wertpapierdienstleistungsunternehmens grundsätzlich hinter den Kundeninteressen zurückstehen.“[11]

Literatur[Bearbeiten]

David Klemperer: Was ist ein Interessenkonflikt und wie stellt man ihn fest? In: Klaus Lieb, David Klemperer, Wolf-Dieter Ludwig (Hrsg.): Interessenkonflikte in der Medizin. Hintergründe und Lösungsmöglichkeiten. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2011 doi:10.1007/978-3-642-19842-7_2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dennis F. Thompson: Conflicts of Interest. In: New England Journal of Medicine. 330, 1994, S. 503–503, doi:10.1056/NEJM199402173300713.
  2. Klemperer (2011) S. 18
  3. Klemperer (2011) S. 17
  4. Empfehlungen der AWMF zum Umgang mit Interessenkonflikten bei Fachgesellschaften. Erarbeitet von einer Ad-hoc-Kommission der AWMF und verabschiedet vom Präsidium der AWMF am 23. April 2010.
  5. Offermann-Burckard: Interessenkollision - Was jeder Anwalt wissen sollte in Anwaltsblatt 6/2008.
  6. G.A. Jelinek, S.L. Neate: The influence of the pharmaceutical industry in medicine. In: Journal of Law and Medicine. 17, Nr. 2, Oktober 2009, S. 216–23. PMID 19998591.
  7. B. Lo: Serving two masters--conflicts of interest in academic medicine. In: NEJM. 362, Nr. 8, Februar 2010, S. 669–71. doi:10.1056/NEJMp1000213. PMID 20181969.
  8. S.N. Young: Bias in the research literature and conflict of interest: an issue for publishers, editors, reviewers and authors, and it is not just about the money. In: J Psychiatry Neurosci. 34, Nr. 6, November 2009, S. 412–417. PMID 19949717. PMC: 2783432 (freier Volltext).
  9. icmje.org (PDF; 42 kB)
  10. wame.org
  11. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: Verhaltenspflichten.