Diisopropylethylamin

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Strukturformel
Strukturformel von Diisopropylethylamin
Allgemeines
Name Diisopropylethylamin
Andere Namen
  • N-Ethyldiisopropylamin
  • N,N-Diisopropylethylamin
  • Hünig-Base
  • DIPEA
  • DIEA
Summenformel C8H19N
CAS-Nummer 7087-68-5
PubChem 81531
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit aminartigem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 129,25 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

0,76 g·cm−3 (bei 20 °C)[2]

Schmelzpunkt

−127 °C [1]

Siedepunkt

127 °C[2][3]

Dampfdruck

16 hPa (20 °C)[2]

Löslichkeit
  • gut löslich in vielen organischen Lösungsmitteln[4]
  • schwer in Wasser: 3,9 g·l−1 bei 20 °C[2]
Brechungsindex

1,4138 (20 °C)[5]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
02 – Leicht-/Hochentzündlich 06 – Giftig oder sehr giftig 05 – Ätzend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 225​‐​301​‐​314​‐​412
P: 210​‐​233​‐​240​‐​273​‐​280​‐​301+330+331​‐​305+351+338​‐​309+310​‐​403+235 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [6][2]
Leichtentzündlich Ätzend
Leicht-
entzündlich
Ätzend
(F) (C)
R- und S-Sätze R: 11​‐​22​‐​34​‐​52/53
S: 16​‐​26​‐​36/37/39​‐​45​‐​61
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Diisopropylethylamin oder Hünig-Base ist ein tertiäres Amin. Sie ist nach dem deutschen Chemiker Siegfried Hünig benannt.

Aufgrund der sterischen Abschirmung ist nur ein Proton klein genug, um von dem freien Elektronenpaar des Stickstoff angegriffen zu werden. Die Hünig-Base wird daher in organischen Synthesen als Base eingesetzt.

Darstellung und Gewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herstellung der Verbindung erfolgt durch die Umsetzung von Diisopropylamin und Acetaldehyd in Gegenwart von Wasserstoff und Platin- oder Zirkonoxidkatalysatoren bei Temperaturen zwischen 100 °C und 150 °C unter erhöhtem Druck.[7][8]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diisopropylethylamin ist eine farblose Flüssigkeit, die unter Normaldruck bei 127 °C siedet.[3] Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in Torr, T in °C mit A = 7,66956, B = 1663,8374 und C = 220,897 im Temperaturbereich von 28,57 bis 149,86 K.[9]

Diisopropylethylamin bildet leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einen Flammpunkt bei 9,5 °C.[2] Der Explosionsbereich liegt zwischen 0,7 Vol.‑% als untere Explosionsgrenze (UEG) und 6,3 Vol.‑% als obere Explosionsgrenze (OEG).[2] Die Zündtemperatur beträgt 240 °C.[2] Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T3.

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der sehr geringen Nucleophilie des Diisopropylethylamins wird es gerne bei Alkylierungsreaktionen von sekundären Aminen mit Alkylhalogeniden eingesetzt, bei denen eine Halogenwasserstoffsäure wie Salzsäure (HCl), Bromwasserstoffsäure (HBr) oder Iodwasserstoffsäure (HI) entsteht. Diese wird durch die basische Stickstofffunktion gebunden und es bilden sich die entsprechenden Ammoniumsalze. Ohne Zusatz von Diisopropylethylamin würde ein Teil des als Ausgangsstoff dienenden sekundären Amins diese Rolle übernehmen, indem es den entstehenden Halogenwasserstoff bindet. Da es danach in protonierter Form vorliegt, kann es nicht weiter zum tertiären Amin reagieren, was die Ausbeute senkt.

Nicht nur als Base, sondern als Synthesebaustein wird es bei der Eintopfreaktion zur Herstellung des heterocyclischen Scorpionins verwendet. Dazu wird es mit Dichlordisulfid (Cl–S–S–Cl) in Gegenwart des Katalysators DABCO umgesetzt.[10]

Scorpioninsynthese

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An efficient and operationally convenient general synthesis of tertiary amines by direct alkylation of secondary amines with alkyl halides in the presence of Huenig’s base, Jason L. Moore, Stephen M. Taylor, and Vadim A. Soloshonok, Arkivoc (EJ-1549C), 2005, 287–292.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Datenblatt Diisopropylethylamin (PDF) bei Merck, abgerufen am 22. März 2010.
  2. a b c d e f g h i j Eintrag zu Ethyldiisopropylamin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016 (JavaScript erforderlich).
  3. a b Eintrag zu Hünig-Base. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  4. Kirk L. Sorgi: Encyclopedia of Reagents for Organic Synthesis. John Wiley & Sons, Ltd, 2001, ISBN 978-0-470-84289-8, Diisopropylethylamine.
  5. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-246.
  6. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  7. Patent WO2006/136571 A1, BASF SE 2006.
  8. Patent US2010/267948 A1, BASF SE 2010.
  9. Yaws, C.L.: The Yaws Handbook of Vapor Pressure – Antoine Coefficients Elsevier 2015, S. 76, ISBN 978-0-12-802999-2.
  10. W. Rees, Carlos F. Marcos, Cecilia Polo, Tomás Torroba, Oleg A. Rakitin: From Hünig's Base to Bis([1,2]dithiolo)-[1,4]thiazines in One Pot: The Fast Route to Highly Sulfurated Heterocycles. In: Angewandte Chemie International Edition in English, 1997, 36(3), 281–283. doi:10.1002/anie.199702811.