Dmitri Alexejewitsch Gluchowski

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Dmitri Gluchowski im Oktober 2018
Unterschrift von Dmitri Gluchowski

Dmitri Alexejewitsch Gluchowski (russisch Дмитрий Алексеевич Глуховский, anglisiert auch Dmitry Glukhovsky transkribiert, wiss. Transliteration Dmitrij Alekseevič Gluchovskij; * 12. Juni 1979 in Moskau, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein russischer Autor der Gegenwart.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gluchowski wuchs in Moskau auf und lernte in der Schule Französisch; anschließend studierte er Journalismus und Internationale Beziehungen an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Er lebt in Moskau und schreibt für Harper’s Bazaar, L’Officiel, Playboy und Russia Today. Im Juli 2007 unternahm er die erste Direktübertragung vom Nordpol in Kooperation mit der Deutsche Welle und Sky News.

Sein Roman Metro 2033 spielt in der Moskauer Metro und war Grundlage für ein gleichnamiges Computerspiel. Die Fortsetzung trägt den Titel Metro: Last Light. Auf der Umgebung von Metro 2033 basieren auch einige Werke anderer Autoren, die auf der gleichen Ausgangslage aufbauen (siehe Metro-2033-Universum).

2009 erschien die Fortsetzung zu Metro 2033, Metro 2034. Der dritte Band der Reihe, Metro 2035, wurde 2015 veröffentlicht.

2018 erschien die deutschsprachige Übersetzung seines Romans Text, der in Moskau im Jahr 2016 spielt. Gluchowski bezeichnet ihn als Techno-Thriller und Krimi-Intrige.[1]

Gluchowski spricht neben seiner Muttersprache Russisch mehrere Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch, Hebräisch, Spanisch).[2][3][4]

Politische Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politisch gilt Gluchowski als scharfer analytischer Kritiker der russischen Verhältnisse unter Wladimir Putin. In Interviews (Zeit 2016, Focus 2018) und dem Buch "Text" beschrieb er seine Sicht auf die Verhältnisse in Russland. Man könne sich dort zwar immer noch relativ frei äußern, aber nahezu sämtliche Medien seien von den Freunden und Anhängern Putins kontrolliert. Im Fernsehen würden zwar Diskussionen stattfinden, an denen auch „einige domestizierte Liberale“ teilnehmen dürften, letztlich sei das Ganze jedoch weitgehend „inszeniert und orchestriert“. Das Internet sei im Gegensatz zu China oder dem Iran zwar frei, jedoch arbeiteten ganze Armeen von bezahlten BloggernInternet-Trollen – daran, Informationen zu bestreiten und zu verwischen. Unwillkommene Nachrichten würden mit „Zusatzinformationen geflutet, mit Details, Simultanversionen, anderen Blickwinkeln, Nebensächlichkeiten und Absurditäten“. Es würden sogar Kommentatoren bezahlt, die gezielt liberale Ansichten verbreiteten, um dann anschließend von Regierungstreuen als „armselige Irre“ vorgeführt zu werden. Der Adressat solle darin „verloren gehen, den Blick für das Wesentliche verlieren, ermüden“.

Jahrelang habe die Staatsmacht nach einer Ideologie gesucht und Verschiedenes ausprobiert – die Modernisierung, die Wiederbelebung der christlich orthodoxen Tradition, aber nichts habe wirklich Wurzeln geschlagen. Seit einiger Zeit sei der „Flaschengeist des Nationalismus und Imperialismus“ wieder hervorgeholt worden. Putin habe keinen „Masterplan für Russland“, er sei „kein Stratege, höchstens ein talentierter Taktiker“, er observiere und reagiere und handele situativ. Er habe kein Projekt, sondern habe eine „private Firma aus Russland gemacht“,[5] womit zwei Klassen in der russischen Gesellschaft existierten: die Leute, die zum Machtapparat gehören, und alle anderen, die ausgeschlossen sind. Dies beinhalte das Fehlen jeglicher Rechtssicherheit.[6]

Im 2017 erwähnte Gluchowski in einem Interview mit der Nowaja Gaseta den Zusammenbruch der Ethik und das Eindringen einer Gefängniskultur in das tägliche Leben: Im Gegensatz zum Westen gebe es in Russland keinen Schutz des Bürgers durch Regeln und Gesetze. Andererseits machten Stiefel und Panzerketten in europäischen Ländern die Russen stolz, ganz gemäß Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew, der postuliert hätte: Die einzige in Russland verwurzelte nationale Idee sei die Expansion. Putin könne sich keine Veränderungen leisten, seine einzige Initiative war die Annexion der Krim gewesen.[7]

Die Rechtsunsicherheit gegenüber russischer Behörden und Sicherheitskräfte nannte Gluchowski im 2019 eine Hydra, der gegenüber die Zivilgesellschaft ohnmächtig sei.[8]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dmitri Gluchowski (rechts) im Oktober 2014
  • Метро 2033, 2007
    • Auf Deutsch: Metro 2033. Aus dem Russischen von David Drevs, 2008
  • Сумерки (Zwielicht), 2007
    • auf Deutsch: Sumerki – Dämmerung. Aus dem Russischen von David Drevs, 2010
  • Метро 2034, 2009
    • auf Deutsch: Metro 2034. Aus dem Russischen von David Drevs, 2009
  • Будущее (Zukunft), 2013
    • Auf Deutsch: FUTU.RE. Aus dem Russischen von David Drevs, 2014
  • Метро 2035, 2015
    • auf Deutsch: Metro 2035. Aus dem Russischen von David Drevs, 2016
  • Текст, 2017
    • auf Deutsch: Text. Aus dem Russischen von Franziska Zwerg, 2018


Hörbücher

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dmitri Gluchowski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Gluchowski beim Europa Verlag, abgerufen am 5. Januar 2019
  2. Dmitry Glukhovsky. Glagoslav Publications, abgerufen am 19. Juni 2016 (englisch).
  3. Dmitry Glukhovsky. Nibbe & Wiedling, abgerufen am 19. Juni 2016 (englisch).
  4. Dmitry Glukhovsky liest aus "Metro 2035" - Lesung von LovelyBooks.de. LovelyBooks.de, abgerufen am 19. Juni 2016 (YouTube Video).
  5. »Er gilt als cooler Typ« – Interview mit Dmitri Gluchowski (Interviewer: Thomas E. Schmidt), Die Zeit N° 26, 16. Juni 2016
  6. „Putin lügt und lügt und lügt“, Focus, 16. September 2018
  7. Dmitri Gluchowski: „Kinder werden unweigerlich gewinnen, die Frage ist, ob die gegenwärtige Regierung Zeit hat, sie zu verderben“, novayagazeta.ru, 19. Juni 2017
  8. Hydra; "Unser Hauptunglück ist nicht die Unfreiheit; Unser Hauptproblem ist die Ohnmacht. Die Bedeutungslosigkeit des Menschen, seine Unsicherheit."