Dmitri Sergejewitsch Mereschkowski

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D. S. Mereschkowski auf einer Zeichnung Ilja Repins, circa 1900

Dmitri Sergejewitsch Mereschkowski (russisch: Дмитрий Сергеевич Мережковский, wiss. Transliteration: Dmitrij Sergeevič Merežkovskij; * 2. Augustjul./ 14. August 1865greg. in Sankt Petersburg; † 9. Dezember 1941 in Paris) war ein russischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Merezhkovsky.jpg

Mereschkowski, dessen Vater Hofbeamter aus ukrainischem Adel war, studierte von 1884 bis 1889 in seiner Geburtsstadt Sankt Petersburg Geschichte. Er ist ein Bruder des Biologen Konstantin Sergejewitsch Mereschkowski. 1888 erschien sein erster Lyrikband, 1889 heiratete er die Poetin Sinaida Nikolaewna Hippius (Gippius). Die Eheleute unterhielten seit 1901 in St. Petersburg und in der Emigration seit 1920 in Paris („Grüne Lampe“) einen theologisch geprägten Literatursalon. Sie gelten als geistige Wegbereiter des Russischen Symbolismus. Ihr Salon galt als ein Einfluss nehmendes Zentrum christlich-religiös völkischer Intellektueller.

Bekannt wurde Mereschkowski durch eine Reihe historischer Romane und Novellen. Sein Roman Leonardo da Vinci (1901, mittlerer Teil der Trilogie Christ und Antichrist), der unmittelbar nach Erscheinen der russischen Ausgabe vielfach übersetzt wurde, erreichte weltweit – auch in Deutschland – enorm hohe Auflagen und befand sich in verschiedenen Übersetzungen im Programm renommierter Taschenbuchverlage wie Knaur oder Piper. Mereschkowski findet Erwähnung in den Tagebüchern Georg Heyms, der Leonardo da Vinci schätzte. Auch der 1896 erschienene erste Teil von Christ und Antichrist mit dem Titel Julian Apostata war zeitweise in Deutschland sehr bekannt und wurde in der Übersetzung von Alexander Eliasberg vom Deutschen Bücherbund ediert. Der dritte Band der Trilogie, Peter und Alexej erschien 1905.

Im November 1919 emigrierte das Ehepaar Mereschkowski im Zuge der Oktoberrevolution nach Warschau und reiste im Oktober 1920 weiter nach Paris.

Mereschkowski war für den Literatur-Nobelpreis nominiert, aber seine Unterstützung für Adolf Hitler soll einer Verleihung nicht zuträglich gewesen sein. Generell ist es zurzeit nicht möglich, Mereschkowkis Verhältnis zum Faschismus genau zu umreißen. In Hanns Martins Elsters Vorwort zu Julian Apostata (Düsseldorf 1951) heißt es, er habe zeitweilig auf Mussolini als Staatstheoretiker gehofft, „ohne dem Faschismus trauen zu können“. Von den Deutschen hat sich Mereschkowski laut Elster ferngehalten.

Erst seit 1987 wird Mereschkowskis Werk wieder in Russland veröffentlicht und aufgeführt.

Denken und Wirkung[Bearbeiten]

Grab von Mereschkowski und seiner Ehefrau Sinaida Hippius auf dem russischen Friedhof von Sainte-Geneviève-des-Bois nahe Paris

Mereschkowskis Werke sind „geprägt von der Idee eines epochenbildenden Widerstreits zwischen Christ und Antichrist und einer Vermischung dekabristischer Traditionen mit mystisch-orthodoxen Elementen“, und er verstand, so Volker Weiß, sein „Schaffen stets auch politisch“. In seinem Ost-West-Dualismus lehnt er das aufklärerische Westliche ab und schwärmt für einen „Osten“ unter Bezug auf das Alte Testament und mystische Traditionen der ägyptischen Antike als das eschatologischeDritte Reich“.

Eine wichtige Rolle in diesem Denken spielte für ihn dabei Dostojewski. In seiner Schrift Der Anmarsch des Pöbels, eine Kritik an die Anarchisten Alexander Herzen und Michail Bakunin, stellt er Dostojewskij als „Ostler“ und Gegenspieler zu Lew Tolstois westlich, weil aufklärerisch geprägter Intellektualität dar. Der Anmarsch des Pöbels erschien bereits 1907 auf Deutsch und sollte, so Weiß, „eine christlich fundierte Kulturkritik an der Konkurrenzbourgeoise leisten und vertritt einen christlichen Antiliberalismus“. Später fand Mereschkowski in seinem Essay Tolstoi und Dostojewski zu einer ausgeglichenen Bewertung der beiden Schriftsteller, die allerdings für ihn nach wie vor antagonistische Positionen einnahmen.

Einfluss auf die „Junge Rechte“ in Deutschland[Bearbeiten]

Insbesondere durch Arthur Moeller van den Bruck, dessen Mentor Mereschkowski in Paris war, bekam die von Moeller van den Bruck als „Ostideologie“ bezeichnete[1]politische Ideologie Mereschkowskis großen Einfluss auf die jungen Rechten in Deutschland. Nach Weiß „säkularisiert“ Moeller Mereschkowskis „politische Theorie“ jedoch „radikal und löst sie von ihren christlich-pazifistischen Elementen.“ Die christliche Reichsidee erfuhr durch Moeller „ihre Nationalisierung“.

Auch Thomas Mann, der bis 1922 dem Juniklub verbunden war, wurde in seiner „antirationale(n) und antiwestliche(n) Haltung“ durch Mereschkowski beeinflusst: „Dmitrij Mereschkowskij! Der genialste Kritiker und Weltpsycholog seit Nietzsche!“ (aus: Russische Anthologie, 1921) und ist ein Grund für seine „Affinität zu den Anfängen der Konservativen Revolution“ (Lehnert/Wessell). Wie Urs Heftrich nachweist, so Weiß, „haben Einflüsse Mereschkowskis in Form der ‚Gedanken von Allmenschentum, Drittem Reich und dem Willen zur Wildheit’ noch lange im literarischen Werk Thomas Manns ihren Niederschlag gefunden. Es lasse sich sogar versuchen, entlang dieser drei Punkte eine Linie zu ziehen, die ins Zentrum des Doktor Faustus zielt - nämlich auf die Erfahrung dämonischer Re-Barbarisierung der Kultur’ (Heftrich 1995)“.

Zitierte Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Urs Heftrich: Thomas Manns Weg zur slavischen Dämonie. Überlegungen zur Wirkung Dmitri Mereschkowskis. In: Thomas Mann Jahrbuch. Bd. 8, 1995, ISSN 0935-6983, S. 71–91.
  • Gerd-Klaus Kaltenbrunner: Von Dostojewski zum Dritten Reich. Arthur Moeller van den Bruck und die ‚konservative Revolution‘. In: Politische Studien. Bd. 20, Heft 184, 1969, ISSN 0032-3462, S. 85–200.
  • Thomas Mann: Russische Anthologie. (1921). In: Thomas Mann: Werke, Briefe, Tagebücher. Band 15: Essays. 2: 1914–1926. 1. Herausgegeben und textkritisch durchgesehen von Hermann Kurzke. S. Fischer, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-10-048352-9, S. 333–347.
  • Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hrsg): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt. Analysen rechter Ideologie (= Edition DISS. Bd. 8). Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-737-9.

Werke[Bearbeiten]

  • Der Anmarsch des Pöbels. Übersetzt von Harald Hoerschelmann. Piper, München u. a. 1907.
  • Alexander I. Historischer Roman. Übersetzt von Alexander Eliasberg. Piper, München 1913.
  • Russland. In: Die Neue Rundschau. Bd. 2, 1919, S. 1288–1302.
  • Der vierzehnte Dezember. Roman. Deutsch von Alexander Eliasberg. Drei Masken Verlag, München 1921, Digitalisat.
  • Julian Apostata. Der letzte Hellene auf dem Throne der Cäsaren. Ein biographischer Roman. Deutsch von Carl von Gütschow. Schulze, Leipzig 1903.
  • Leonardo da Vinci. Historischer Roman aus der Wende des 15. Jahrhunderts. Übersetzt von Carl von Gütschow. Schulze, Leipzig 1903.
  • Gogol. Sein Werk, sein Leben und seine Religion. Deutsch von Alexander Eliasberg. Müller, München u. a. 1911.
  • Peter und Alexej. Übersetzt von Alexander Eliasberg. 2 Bände. Aus dem Russischen von Marianne Kegel. Hesse & Becker, Leipzig 1920.
  • Die Geheimnisse des Ostens. Aus dem russischen Manuskript übersetzt von Alexander Eliasberg. Welt-Verlag, Berlin 1924.
  • Der Messias. Roman. Übersetzt von Johannes von Guenther. Grethlein & Co., Leipzig u. a. 1927.
  • Napoleon. Sein Leben – Napoleon der Mensch. Deutsch von Arthur Luther. Grethlein & Co., Leipzig u. a. 1928.
  • Die Geheimnisse des Westens. Atlantis-Europa. Betrachtungen über die letzten Dinge. Deutsch von Arthur Luther. Grethlein & Co., Leipzig u. a. 1929.
  • Tod und Auferstehung. Aus dem russischen Manuskript von Arthur Luther. Huber, Leipzig u. a. 1935.
  • Franz von Assisi. Deutsch von Elisabeth Kaerrick. Piper, München 1938

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. André Schlüter: Moeller van den Bruck, Leben und Werk (Auszug)

Weblinks[Bearbeiten]