Echter Ehrenpreis

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Echter Ehrenpreis
Echter Ehrenpreis (Veronica officinalis)

Echter Ehrenpreis (Veronica officinalis)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Tribus: Veroniceae
Gattung: Ehrenpreis (Veronica)
Art: Echter Ehrenpreis
Wissenschaftlicher Name
Veronica officinalis
L.

Der Echte Ehrenpreis (Veronica officinalis) oder Wald-Ehrenpreis ist eine Pflanzenart in der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Volkstümliche Bezeichnungen sind unter anderem Arznei-Ehrenpreis, Grundheilkraut, Wundheilkraut, Allerweltsheil und Frauenlist.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Echte Ehrenpreis ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 20 Zentimetern erreicht. Der niederliegende bis aufsteigende Stängel ist graugrün, weich behaart, oben drüsig und wurzelt manchmal. Er bildet vegetativ oft kleine Teppiche. Die breit lanzettlichen bis eiförmigen Laubblätter sind kurz gestielt (2 bis 6 mm) und am Rand fein gesägt.

Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Sie bilden dichtblütige, gestielte traubige Blütenstände. Die hellblauen, blasslila oder weißlichen Blüten haben einen Durchmesser von 6 bis 7 mm. Die Blütenstiele sind kürzer als die dreieckige, abgeflachte Kapselfrucht.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36, seltener 18 oder 34.[1]

Echter Ehrenpreis (Veronica officinalis)

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet des Echten Ehrenpreises umfasst Europa, Vorderasien und Makaronesien.[2] Der Wald-Ehrenpreis wächst gern auf mäßig trockenen, nährstoffarmen, mehr oder weniger basenreichen, sauren, modrig- oder torfig-humosen, meist steinig-sandigen Lehmböden. Er kommt in Mitteleuropa vor in Gesellschaften der Verbände Quercion roboris, Luzulo-Fagenion, Epilobion angustifolii, aber auch der Klasse Nardo-Callunetea, seltener Vaccinio-Piceetea.[1]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann folgende Unterarten unterscheiden[3]:

  • Veronica officinalis L. subsp. officinalis:
  • Veronica officinalis subsp. alpestris (Čelak.) Holub: Sie kommt in Tschechien vor.[3]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wald-Ehrenpreis ist eine bis 50 Zentimeter tief wurzelnde Kriechpflanze. Er ist sommerwärmeliebend, nässescheu und düngerfeindlich. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Insekten oder Selbstbestäubung.[1]

Wichtige Pflanzeninhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iridoidglycoside (0,5-1 %) wie Aucubin, Catalpol sowie Catapolester; des Weiteren Flavonoide, besonders Flavone (Apigenin, Luteolin), Triterpensaponine, geringe Mengen Gerbstoffe, Mannitol, β-Sitosterol, Chlorogensäure und Kaffeesäure.

Medizinische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Heildroge dienen die getrockneten, zur Blütezeit gesammelten oberirdischen Pflanzenteile- Herba Veronicae (Syn. Veronicae herba, Herba Betonicae).

Wirkstoffe: Iridoidglykoside wie Catalpol, Veronicosid, Verprosid, Mussaenosid; Flavonoide, Triterpensaponine, Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Kaffeesäure), Gerbstoffe.

Das Ehrenpreiskraut wird heute praktisch nur noch in der Volksheilkunde bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, vorrangig bei Erkrankungen und Beschwerden der Atemwege, bei Gicht, Rheuma sowie bei Verdauungsbeschwerden. Heute wird es nur noch vereinzelt in Erkältungsteemischungen empfohlen, wo es eine leichte hustenauswurffördernde Wirkung haben soll. Äußerlich wird es als Gurgelmittel bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhäute erwähnt. Da die Wirksamkeit bisher nicht belegt werden konnte, wird von einer Anwendung eher abgeraten.

Verwendung findet der echte Ehrenpreis jedoch in homöopathischen Arzneimitteln.[4]

Pharmazie- und Botanikgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenpreis. Abbildung aus den Kräuterbuch von Leonhart Fuchs, 1543

Erstmals erwähnt wurde der Echte Ehrenpreis unter den Namen „erenbris“, „veronica“ und „über arzt gruntheil“ im Kleinen Destillierbuch des Hieronymus Brunschwig aus dem Jahre 1500.[Anm. 1] Brunschwig schrieb die Namensgebung einem französischen König zu, der durch äußerliche Anwendung des aus Ehrenpreis gewonnenen Safts von einer chronischen Hauterkrankung geheilt wurde. Zur Herstellung des Destillats sollte das im Anfang des Monats Juni gesammelte Kraut eine Nacht und einen Tag lang in Wein gebeizt und anschließend im Marienbad destilliert werden. Die von Brunschwig für das Ehrenpreiswasser angegebenen Indikationen waren – entsprechend dem Namen „über arzt grundtheil“ – sehr zahlreich. Sie lassen sich im Wesentlichen in die Rubriken „giftwidrig“ und „blutreinigend“ einordnen.[5]

In seinen lateinischen und deutschen Kräuterbüchern (1530–1537) erwähnte Otto Brunfels den Echten Ehrenpreis nicht. Sein Schüler Hieronymus Bock jedoch beschrieb ihn ausführlich im Anschluss an den Gamander-Ehrenpreis und er bemerkte:

„Vnsere Doctores brauchen das kraut auch / wiewol / sie nichts in der Schrifft darvon wissen / lernen täglich von den Empirischen Weibern / die der Circes Künst können.“

Hieronymus Bock: Kreuterbuch 1539, I / 68.[6][7]

Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes veröffentlichte im März 1989 eine (Negativ-)Monographie über Veronicae herba (Ehrenpreiskraut).[8]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bund deutscher Staudengärtner (BdS) wählte den Ehrenpreis (Veronica und Veronicastrum) zur „Staude des Jahres 2007“.

Das junge Kraut kann in der Küche ebenso wie Brunnenkresse zu Salat oder Gemüse verarbeitet werden.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Illustriert wurde diese Beschreibung mit einem Druckstock einer Straßburger Ausgabe des Hortus sanitatis vom Jahre 1497, wo er zur Illustration des Kapitels Serpillum gedient hatte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 843.
  2. Veronica officinalis im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  3. a b Karol Marhold, 2011: Scrophulariaceae: Datenblatt Veronica officinalis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  4. Apotheken Umschau: Arzneimittelinformationen zu Lymphomyosot N Tropfen
  5. Hieronymus Brunschwig. Kleines Destillierbuch. Straßburg 1500, Blatt 43v-44v Erenbris Bayerische Staatsbibliothek Digitalisat
  6. Hieronymus Bock. New Kreütter Buch. Straßburg 1539, Buch I, Cap. 68 Ehrenbreiß Bayerische Staatsbibliothek Digitalisat
  7. Leonhart Fuchs. New Kreütterbuch. Straßburg 1543, 59 Cap. 59 Erenbreiß Bayerische Staatsbibliothek Digitalisat
  8. Negativ-Monographie der Kommission E Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Echter Ehrenpreis (Veronica officinalis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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