Ednan Aslan

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Ednan Aslan (geb. 7. November 1959 in Bayburt) ist ein österreichisch-türkischer Professor für islamische Religionspädagogik am Institut für Islamisch-theologische Studien der Universität Wien. Sein Hauptforschungsgebiet ist die religiöse Erziehung muslimischer Kinder.

Studium und Unterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aslan absolvierte 1988 sein Studium als Sozialpädagoge an der Fachhochschule für Sozialwesen in Esslingen. 1990–1992 studierte er Pädagogik und Politikwissenschaft an den Universitäten Tübingen und Stuttgart. Er promovierte 1996 über die Religiöse Erziehung der muslimischen Kinder in Österreich und Deutschland. Danach verschiedene Lehrtätigkeiten im akademischen Bereich sowie seit 2005 Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht an den Pflichtschulen in Wien. Seit 2008 ist Aslan Professor für islamische Religionspädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem der Islam in Europa, die Theorie der islamischen Erziehung in Europa und muslimische Migrantenkinder an den öffentlichen Schulen.

Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aslan hatte ursprünglich ein traditionelles, konservatives Verständnis des Islam. Als junger Mann war er unter anderem von der iranischen Revolution fasziniert, gilt aber als Vertreter eines liberalen Islam.[1] Er geht auf Distanz zu einem Islam als unveränderlichem Dogmengebäude, da sich die Scharia den gegebenen Umständen von Zeit und Ort flexibel anpassen müsse. Darin zeigt sich eine Offenheit für den Säkularismus, ohne dass sich die europäischen Muslime von ihren religiösen und kulturellen Wurzeln entfremden müssten. Im Hinblick auf den Gesichtsschleier muslimischer Frauen spricht er von einer „archaischen und allzu simplen Theologie“, einer „Gewalttheologie“ und „Theologie der geistigen Zerstörung“. Wer den Gesichtsschleier verteidige, bereite der Verherrlichung theologischer Gewalt den Weg.[2]

Einschätzung des Islam in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aslan vermisst in Österreich einen innerislamischen Diskurs. In einem Interview mit der Presse sagte er: „Der Diskurs im Bagdad des 9. und 10. Jahrhunderts war vielfältiger und liberaler als in der Gegenwart in Wien.“ In seiner Einschätzung vertreten manche muslimische Verantwortliche intern einen traditionellen Islam, während sie nach außen hin einen für die Gegenwart aufgeschlossenen Islam präsentieren (sie geben also ein „Scheinbild“ ab).[3]

Er hält eine „Theologie der Gewalt“, die sich seit dem 15. Jahrhundert durchgesetzt habe und zur Norm erstarrt sei, für eine der Ursachen des islamistischen Terrorismus.[4]

In Bezug auf die Änderung des österreichischen Gesetzes zur Anerkennung des Islams als Religionsgemeinschaft verfasste Aslan eine Stellungnahme, in der er der Kritik verschiedener islamischer Organisationen an dem Gesetzesentwurf entgegentrat. Unter anderem verteidigte er das geplante Verbot der Auslandsfinanzierung muslimischer Organisationen und die Neuregelung der Imamausbildung.[5][6][7]

In einer groß angelegten Studie von 310 Seiten kam Aslam 2017 zu dem Schluss, dass islamistische Gewalttäter sehr wohl ein Wissen über ihre Religion, den Islam, haben, anders als in der deutschen Presse oft berichtet. Die Untersuchung beruht auf 29 biografischen Interviews mit straffälligen Muslimen in Österreich.[8]

„Unabhängig von ihrem religiösen Wissensstand sieht eine radikalisierte Person in der Theologie ein Angebot, das ihrem Leben Sinn und Struktur verleiht. Aufschlussreich ist, dass der Großteil der Befragten aus einem gläubigen muslimischen Elternhaus stammt und die Grundlagen des Islam bereits vor der Radikalisierung gekannt hat... Personen, die über ein höheres theologisches Wissen verfügen, fungieren als Autoritäten und spielen bei der Verbreitung der Ideologie eine zentrale Rolle... Wichtig ist ihnen (sc. den Interviewten) die Grenzziehung zur Mehrheit der Gläubigen... Die radikalen Gruppen und Individuen sehen sie als die einzig wahren Muslime... Das soziale Umfeld wird als verkommen wahrgenommen, die Demokratie abgelehnt, der Westen zum Feind der muslimischen Welt erklärt.“

Aslan über muslimische gewalttätige Straftäter in Österreich, 2017

Studie zu islamischen Kindergärten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pilot-Studie über islamische Kindergärten in Wien sollte ursprünglich im Auftrag der Stadt Wien durchgeführt werden, aber es mangelte nach Verhandlungen plötzlich an Geld, sodass Aslan einen Antrag auf Finanzierung beim Integrationsministerium stellte, das die Studie dann finanzierte.[9] Die Studie führte bereits nach der Veröffentlichung eines Zwischenberichtes der Ergebnisse im Dezember 2015 zu kontroversen öffentlichen Diskussionen.[10] Die Vorstudie wurde im März 2016 veröffentlicht (eine flächendeckende Studie zu islamischen Kindergärten in Wien war für Herbst 2017 angekündigt). Aslans Einschätzung nach gibt es in Wien etwa 150 islamische Kindergärten und 450 islamische Kindergruppen; insgesamt werden dort mehr als 10.000 Kinder betreut. Aslans Studie erfasste etwa ein Fünftel dieser Kinder.[11] Der Studie wurden aber auch methodische Mängel vorgeworfen.[12][13] Die Kritik von Aslan richtet sich nicht gegen eine religiöse Erziehung von Kindern, aber er hält sie dann für gefährlich, wenn sie zu „einer religiös-politisch begründeten Isolation“ der Kinder sowie zur Verachtung von Menschen mit anderen Anschauungen führt.[14] Im Juli 2017 berichtete der Falter, dass Beamte des Außenministeriums in die Vorstudie eingegriffen hätten und Inhalte überspitzt formuliert und verändert haben. Aslan entgegnete, dass er Änderungen angeordnet hätte und hinter der Studie stehe.[15] Mouhanad Khorchide sah in der Kritik an Aslans Studie einen Ablenkungsversuch: „Statt sich mit den eigentlichen Fragen nach der Qualität dieser Kindergärten und deren Bildungsauftrag auseinanderzusetzen, wird die Debatte seitens derer, denen die Ergebnisse der Studie zu negativ erscheinen, personifiziert“.[16]

In einer Stellungnahme heben die Mitarbeiter des von Aslan geleiteten Instituts für Islamisch-theologische Studien die freie und transparente Arbeitsweise am Institut hervor, was auch die Arbeit an der Kindergarten-Studie betrifft.[17]

Im Juli 2017 wurde die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) von der Universität Wien mit der Überprüfung der Studie beauftragt.[18][19] Im November 2017 kamen die Prüfer zu dem Ergebnis, dass kein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliege, die Arbeit allerdings Mängel aufweisen würde. So wurde etwa eine Einflussnahme seitens des Ministeriums bestätigt, in den meisten Fällen handle es sich aber um Änderungen, die den Inhalt nicht verändert hätten.[20]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Religiöse Erziehung der muslimischen Kinder in Österreich und Deutschland. Dissertation. Klagenfurt 1997
  • Religious Pluralism in Christian and Islamic Philosophy: The Thought of John Hick and Seyyed Hossein Nasr. Curzon, Richmond 1998, ISBN 0-7007-1025-6
  • (Hrsg.): Islamische Erziehung in Europa. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2009, ISBN 978-3-205-78310-7
  • (Hrsg.): Islamic Textbooks and Curricula. Lang, Frankfurt [u.a.] 2011, ISBN 978-3-631-63013-6
  • (Hrsg.): Zwischen Moschee und Gesellschaft. Imame in Österreich. Lang, Frankfurt [u.a.] 2012, ISBN 978-3-631-63076-1
  • mit Zsófia Windisch (Hrsg.): The Training of Imams and Teachers for Islamic Education in Europe. Lang, Frankfurt [u.a.] 2012, ISBN 978-3-631-63452-3
  • mit Martin Rothgangel & Martin Jäggle (Hrsg.): Religion und Gemeinschaft. Die Frage der Integration aus christlicher und muslimischer Perspektive. Vandenhoeck & Ruprecht, 2012, ISBN 978-3-8471-0074-4
  • (Hrsg.): Islamische Theologie in Österreich. Institutionalisierung der Ausbildung von Imamen, SeelsorgerInnen und TheologInnen. Lang-Edition, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-631-62869-0
  • mit Elif Medeni & Marcia Hermansen (Hrsg.): Muslima Theology. The Voices of Muslim Women Theologians. Lang-Edition, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-631-62899-7
  • mit Margaret Rausch (Hrsg.): Islamic Education in Secular Societies. Lang-Edition, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-631-64586-4

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Kocina, Eva Winroither: „Islamprofessor zwischen den Fronten“, in: DiePresse vom 9. Juli 2017.
  2. Ednan Aslan: Eine Gewalttheologie schlägt Wurzeln. In: Die Presse. 22. November 2008
  3. Erich Kocina: Ednan Aslan: „Muslime brauchen gewisse Impulse“. In: Die Presse, 2. Juli 2012
  4. Islamistischer Terror: „Diese Gewalt wird gepredigt“, in: Die Zeit, 52, 17. Dezember 2014, von Evelyn Finger
  5. Entwurf: Bundesgesetz, mit dem das Gesetz betreffend die Anerkennung der Anhänger des Islam als Religionsgesellschaft geändert wird
  6. Stellungnahme Aslans zum Entwurf des Islamgesetzes
  7. Österreich: Der Islam wird heimisch, in: Die Zeit, 3. März 2015, von Ednan Aslan
  8. Islam spielt bei Radikalisierung größere Rolle als angenommen, Die Welt 3. August 2017, Bericht nach Die Tagespost
  9. Kindergarten-Studie: Islamwissenschafter Ednan Aslan unter Kritik. In: profil.at. 8. Juli 2017 (profil.at [abgerufen am 15. Juli 2017]).
  10. Siehe hinzu:
  11. Vorstudie: „Kindergärten Wirkstätten politischen Islams“. In: Die Presse. 1. März 2016, abgerufen am 6. Juli 2017.
  12. Eva Winroither, Anna Thalhammer: Muslimische Kindergärten: Die Unschärfen der Aslan-Studie. 29. Februar 2016, abgerufen am 6. Juli 2017.
  13. Islam-Studie: "Hat mit Forschung nichts zu tun". In: Der Standard. 6. Juli 2017, abgerufen am 6. Juli 2017.
  14. Aslan in einem Gastkommentar im Standard vom 16.Dez.2015: Eine Studie, viel Aufregung und wenig Augenmaß.
  15. Kindergartenstudie: Ministerium in der Kritik. In: ORF. 4. Juli 2017, abgerufen am 6. Juli 2017.
  16. Studie umgeschrieben? Islam-Theologe verteidigt Aslan, in: Die Presse, 5. Juli 2017
  17. Stellungnahme der Mitarbeiter des Instituts für Islamisch-theologische Studien
  18. ÖAWI: Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität. Abgerufen am 1. November 2017.
  19. Kindergartenstudie: Kommission für wissenschaftliche Integrität der OeAWI nimmt Arbeit auf. Presseaussendung vom 24. Juli 2017, abgerufen am 1. November 2017.
  20. derStandard.at: Studie zu Islamkindergärten: Prüfer sehen kein wissenschaftliches Fehlverhalten. Artikel vom 8. November 2017, abgerufen am 8. November 2017.