Die Tagespost

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Tagespost

Logo
Beschreibung Katholische Wochenzeitung
Sprache Deutsch
Verlag Johann Wilhelm Naumann Verlag GmbH
Erstausgabe 1948
Erscheinungsweise donnerstags
Verkaufte Auflage 10.315 Exemplare
(IVW Q4/2023)
Verbreitete Auflage 10.929 Exemplare
(IVW Q4/2023)
Chefredakteur Guido Horst
Herausgeber Johann-Wilhelm-Naumann-Stiftung
Weblink www.die-tagespost.de
ISSN (Print)

Die Tagespost (Untertitel Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur) ist eine überregionale, wöchentlich im Johann Wilhelm Naumann Verlag in Würzburg erscheinende extrem konservativ-katholische Zeitung.

Sie hieß bis zum 1. April 1999 Deutsche Tagespost. Das Blatt erschien dreimal wöchentlich, die Samstagsausgabe mit leichten Veränderungen und Beilage der wöchentlichen Allgemeine Sonntagszeitung. Seit Januar 2018 erscheint sie mit 32 Seiten gedruckt nur noch donnerstags als Wochenzeitung sowie mit aktuellen Beiträgen online. Seit längerer Zeit werden in der Ausrichtung des Blattes zunehmend rechtskatholische Tendenzen und Verbindungen in die neurechte Szene beobachtet, während eine andere Einordnung die Tagespost eher im „romtreuen, konservativen und klerikalen Bereich“ verortet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit ihrer Erstausgabe vom 28. August 1948 erschien die Zeitung unter dem Namen Augsburger Tagespost. Sie war die erste konfessionell ausgerichtete Zeitung in der amerikanischen Besatzungszone. Der Gründer Johann Wilhelm Naumann hatte zuvor seinen Lizenzanteil an der Schwäbischen Landeszeitung aufgegeben. Die Augsburger Tagespost wurde Ende 1949 wieder eingestellt. 1951 zog der Verlag von Augsburg nach Regensburg, wo die Zeitung von nun an als Deutsche Tagespost erschien und sich als überregionale katholische Zeitung für den deutschsprachigen Raum verstand.[2] Seit 1955 ist Würzburg der Sitz des Verlages und der Erscheinungsort der Zeitung.

Bis 1993 war der Johann Wilhelm Naumann Verlag, in dem die Zeitung erscheint, im Besitz der Familie des Gründungsverlegers. 1993 wurde der Verlag von der katholischen Echter-Gruppe gekauft. Mit Übernahme der Anteile von Echter ist seit November 2017 die Johann-Wilhelm-Naumann-Stiftung Alleineigentümerin der Zeitung.[3][4]

Seit dem 4. Januar 2018 erscheint die Zeitung in rubrikmäßig veränderter Form als Wochenzeitung donnerstags (gedruckt und elektronisch) sowie zusätzlich mit tagesaktueller Online-Redaktion, nachdem ihr weiteres Erscheinen durch die Spendensammelaktion „Rettet die Tagespost“ sichergestellt worden war. Damals erschien die Zeitung nach eigenen Angaben mit rund 9500 Exemplaren.[5]

Inhalt und Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tagespost dokumentiert unter anderem päpstliche Lehrschreiben und Verlautbarungen und informiert ihre Leser regelmäßig über Stellungnahmen des Vatikans und anderer kirchlicher Stellen zu aktuellen innerkirchlichen und politischen Fragestellungen. Das Blatt ist kirchenpolitisch konservativ ausgerichtet,[6][7] wird als „rechtskatholisch“[8][9] oder „neurechts[1] eingeordnet oder als Zeitung „mit rechten Tendenzen“[10] apostrophiert. Wichtige Mitarbeiter werden dem Opus Dei zugerechnet,[11][12] mit dem die Zeitung seit Jahrzehnten verbunden sein soll.[13] Vorsitzender der Eigentümerstiftung ist Norbert Neuhaus (CDU), ein ehemaliger Trierer Wirtschaftsdezernent und Vizebürgermeister, der Opus-Dei-Mitglied ist und von 2004 bis 2006 Generalsekretär des kirchlichen Hilfswerks Kirche in Not International war. Er ist auch Mitherausgeber des Vatican Magazins.[3][14][15][16]

Diskussion um rechtsnationale Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, warnte im Dezember 2019 vor rechtsnationalen Einflüssen auf Gemeinden und Kirchenvorstände und kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Tagespost als Beispiel für „einige scharf agierende kirchliche Medien“.[17][18] Daraufhin erwiderte deren damaliger Chefredakteur Oliver Maksan in der Tagespost, der ZdK-Präsident versuche offenbar, kritische Stimmen zum „Synodalen Weg“ mundtot zu machen.[19] Allerdings zeigten journalistische Recherchen zur „5. Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“, bei der die Tagespost als der offizielle Medienpartner fungierte, dass tatsächlich Kooperationen und Verbindungen in die neurechte Szene existieren.[20]

2019 erklärte Liane Bednarz – die bis 2015 und dann ab 2020 wieder für die Tagespost geschrieben hatte –, dass die Zeitung eine „betrübliche Entwicklung“ durchmache, und verwies darauf, dass in deren Feuilleton „zunehmend in langen Essays neurechte Autoren zitiert“ würden. So sei beispielsweise 2017 der französische Schriftsteller Renaud Camus, auf den die Verschwörungstheorie des „Großen Austauschs“ zurückgeht, als „prominente[r] Intellektuelle[r]“ bezeichnet worden. Der „Große Austausch“ sei dabei sogar als Klammerzusatz erwähnt worden, „und zwar nicht kritisch“.[21] Gregor Dotzauer konstatierte 2021 im Tagesspiegel, dass die Tagespost „neuerdings vermehrt rechte, das christsoziale Spektrum sprengende Stimmen“ anziehe.[22] In ihrer Dissertation über das Verhältnis zwischen Rechtspopulismus und konservativem Christentum aus dem Jahr 2021 ordnet Janina Coronel-Zähringer die Tagespost allerdings innerhalb einer konservativ-katholischen Medienlandschaft nicht als ‚rechts‘ ein, sondern sieht die Meinungsbeiträge der Zeitung „eher im romtreuen, konservativen und klerikalen Bereich“ angesiedelt.[23] Der Historiker Paul Hoser schreibt bezüglich des Forschungsstandes zur Tagespost 2023 im Historischen Lexikon Bayern, dass eine Untersuchung, „sowohl was den Inhalt als auch die redaktionellen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründe betrifft", nicht vorliege. Er erwähnt aber auch, dass die selbst konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits 1969 zum Schluss gekommen war, dass die Tagespost "sogar die Parteizeitung der CSU, den Bayernkurier, gelegentlich rechts überholte".[24]

Der Historiker und Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, ordnete die Tagespost 2022 als rechtskatholisch ein.[25]

Kritische Begleitung des Synodalen Weges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Synodalen Weg, einem 2019 begonnenen Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, stand Die Tagespost schon im Vorfeld skeptisch gegenüber.[26][27][28] Unter dem Titel welt&kirche veröffentlichte sie eine eigene Beilage zur Begleitung des Synodalen Wegs, die während der Dauer des Gesprächsprozesses alle zwei Monate Themen und Ergebnisse der Veranstaltungen „kritisch in den Blick nehmen“ wollte, wobei der Maßstab der Zeitung „der überlieferte Glaube“ sein solle.[29] Koordiniert wurde die 16-seitige Beilage von einem theologischen Beirat, dem die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz – bis 2023 Mitglied der Synodalversammlungen –, die Dogmatiker Karl-Heinz Menke und Christoph Binninger sowie der Kirchenrechtler Christoph Ohly angehörten.[30]

Die Tagespost publizierte 2022 während der noch laufenden Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ein Exklusivinterview mit Kardinal Kurt Koch, in dem dieser die theologische Linie einiger Mitglieder des Synodalen Weges mit den Deutschen Christen verglich, die in den 1930er-Jahren den Protestantismus in Deutschland an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollten. Unter anderen zeigte sich der Antisemitismusbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Felix Klein, irritiert über die in der Tagespost veröffentlichten Aussagen von Kardinal Koch und betonte, die Deutschen Christen hätten sich dem mörderischen nationalsozialistischen Regime angedient und dessen Antisemitismus unterstützt; der Synodale Weg sei jedoch grundverschieden von der durch den Kardinal in seiner Analogie bemühten Bewegung der Deutschen Christen. Kardinal Koch belasse es nicht bei der Kritik am Zeitgeist, wenn er insinuiere, dass in Deutschland „wieder“ etwas geschehe.[31][32][33]

Herausgeber (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefredakteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Redaktionsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Quelle: [35])

  • Guido Horst, Chefredakteur, Vatikan-Korrespondent
  • Stefan Ahrens, Ressortleiter „Außenpolitik“ und „Medien“
  • Stephan Baier, Korrespondent für Österreich, Südosteuropa und Europapolitik, Sitz in Wien
  • Regina Einig, Redakteurin des Ressort „Kirche“
  • Franziska Harter, Redakteurin der Familienseite
  • Maximilian Lutz, Chef vom Dienst Onlineredaktion
  • Sally-Jo Durney, Onlineredaktion
  • Stefan Rehder, Redakteur für „Glaube und Wissen“, Bioethik-Korrespondent
  • Sebastian Moll, Redakteur für „Kultur“
  • Sebastian Ostritsch
  • Sebastian Sasse, Redakteur für „Politik“ und „Wirtschaft & Soziales“, Chef vom Dienst
  • Peter Winnemöller, Onlineredaktion

Ständige Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Quelle: [36])

Verstorbene Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Janina Stefanie Coronel-Zähringer: Rechtspopulismus und konservatives Christentum, Tübingen, 2021, Seite 110
  2. Alois Knoller, Brigitte Schürmann: Augsburger Tagespost. In: Augsburger Stadtlexikon.de. 1. März 2011.
  3. a b Unabhängig und selbstbestimmt. In: Die Tagespost, 3. November 2017, abgerufen im März 2019.
  4. Informationen zur Johann-Wilhelm-Naumann-Stiftung. In: Die Tagespost, 19. Dezember 2018, abgerufen im April 2019.
  5. Jennifer Adam: Spender retten katholische Wochenzeitung. In: Pro – Christliches Medienmagazin. 3. Januar 2018.
  6. Thomas Seiterich: Soll der Reformpapst niedergemacht werden? In: katholisch.de. 6. Januar 2017, abgerufen am 30. Dezember 2018.
  7. Daniel Wirsching: So hetzen rechte Katholiken – auch bei uns in der Region. In: Augsburger Allgemeine, 26. Juni 2019, abgerufen am 16. Oktober 2020 (Interview mit Liane Bednarz).
  8. Thomas Klatt: Streit um evangelisches Medienportal. In: Deutschlandfunk 5. Dezember 2017, abgerufen am 30. Dezember 2018.
  9. Wahrhaftige Unterrichtung. In: Der Spiegel. 49/1985, 2. Dezember 1985, S. 116 f.
  10. Liane Bednarz: Freiheit heißt in der AfD, politisch unkorrekt sein zu dürfen. In: Der Tagesspiegel. 11. Mai 2017, abgerufen am 30. Dezember 2018.
  11. David Neuhold: Franz Kardinal König – Religion und Freiheit. Ein theologisches und politisches Profil (= Studien zur christlichen Religions- und Kulturgeschichte). Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 147.
  12. Matthias Beier: Eugen Drewermann. Die Biografie. Patmos, Ostfildern 2017, ISBN 978-3-8436-0601-1, S. 368 f.
  13. Peter Hertel: Geheimnisse des Opus Dei. Geheimdokumente – Hintergründe – Strategien. 3. Auflage. Freiburg 1995, ISBN 3-451-04386-6, S. 27.
  14. Roland Morgen: Ein Mann für alle Fälle. In: Trierischer Volksfreund, 22. Februar 2010, abgerufen im März 2019.
  15. Dr. Norbert Neuhaus. Lebenslauf auf der Internetpräsenz des Forum Deutscher Katholiken, gesehen im März 2019.
  16. Martin Haidinger: Opus Dei – Das katholische Rätsel. In: ders. mit Heiner Boberski u. a.: Mächtig. Männlich. Mysteriös. Geheimbünde in Österreich. Ecowin Verlag, Salzburg 2005, ISBN 3-902404-16-7, S. 189–220 (hier: S. 199).
  17. Jörg Köpke: Katholisch und nationalistisch. In: Berliner Zeitung, Nummer 294, 18. Dezember 2019, S. 4.
  18. ZdK-Präsident Sternberg kritisiert „kath.net“ und „Die Tagespost“. In: katholisch.de. 18. Dezember 2019, abgerufen am 6. November 2022.
  19. Die Tagespost: Die Tagespost. 19. Dezember 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  20. Jan-Hendrik Herbst: Rechte Normalisierung und Politische Theologie. Gegenstandsbestimmung, Forschungsdiskurs und exemplarische Zusammenhänge, in: Jan Niklas Collet, Julia Lis, Gregor Taxacher (Hrsg.): Rechte Normalisierung und politische Theologie. Eine Standortbestimmung. Regensburg 2021, 17–50, S. 46.
  21. Daniel Wirsching: So hetzen rechte Katholiken – auch bei uns in der Region www.augsburger-allgemeine.de, 26. Juni 2019.
  22. Gregor Dotzauer: Rechtskonservatismus. Alter Wein in neuen Schläuchen. In: Der Tagesspiegel, 11. Januar 2021. Abgerufen am 24. Januar 2022.
  23. Janina Stefanie Coronel-Zähringer: Rechtspopulismus und konservatives Christentum, Abschnitt Konservativ-katholischer Journalismus: Die Tagespost, Dissertation Tübingen, 2021, S. 108.
  24. Paul Hoser, Die Tagespost in Historisches Lexikon Bayerns, veröffentlicht am 10. Oktober 2023, online.
  25. Jens-Christian Wagner: Romantik – Konservative Revolution – Neue Rechte: Ideologische Kontinuität?. In: Romantisierung von Politik. Historische Konstellationen und Gegenwartsanalysen. Athenäum - Jahrbuch der Friedrich Schlegel Gesellschaft, Band: Sonderheft 2022, 165–177 S. 165, doi:10.30965/9783657708383_008
  26. Martin Spilker: «Wenn wir nicht bei der Botschaft des Herrn bleiben, sterben wir aus». In: Kath.ch. 12. April 2019, abgerufen am 23. Juni 2020.
  27. Andreas Öhler: "Ein neues Lied, ein bessres Lied". In: Die Zeit. 10. Januar 2020, abgerufen am 23. Juni 2020.
  28. Regina Einig: Synodaler Weg: Ein deutscher Spaltpilz. In: Die Tagespost. 6. Februar 2020, abgerufen am 23. Juni 2020.
  29. Aktuelle Beilage | Die Tagespost (die-tagespost.de)
    "Tagespost" startet mit Sonderbeilagen. In: Domradio. 28. November 2019, abgerufen am 18. Juni 2020.
  30. „Neue Beilage zur Tagespost“, in: Die Tagespost, 28. November 2019, S. 22.
  31. Antje Dechert: Nach NS-Vergleich: Kardinal Koch sieht sich missverstanden. In: br.de. 30. September 2022, abgerufen am 1. Oktober 2022.
  32. Text des Interviews: Martin Lohmann: Die Wahrheit macht frei, nicht die Freiheit wahr! Ein Gespräch mit Kurt Kardinal Koch über den Zeitgeist, vermeintliche neue Quellen der Offenbarung und den christlichen Dienst an der Wahrheit. In: Die Tagespost. 29. September 2022, abgerufen am 29. September 2022.
  33. Kurt Kardinal Koch: Koch antwortet Bätzing: Nehme Aussage nicht zurück. 29. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.
  34. Wechsel an der Spitze der Tagespost. Tagespost-Chefredakteur Oliver Maksan verlässt die Zeitung auf eigenen Wunsch zum 30. Juni. Die Tagespost, 31. Mai 2021, abgerufen am 31. Mai 2021.
  35. Unsere Redakteure. Die Tagespost, abgerufen am 14. Februar 2023.
  36. Unsere Autoren. Die Tagespost, abgerufen am 3. Januar 2024.