Eibingen

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49.9875947.932987140Koordinaten: 49° 59′ 15″ N, 7° 55′ 59″ O

Eibingen
Wappen der ehemaligen Gemeinde Eibingen
Höhe: 140 m
Einwohner: 2800 (2001)
Eingemeindung: 1. April 1939
Postleitzahl: 65385
Vorwahl: 06722

Eibingen im Rheingau ist mit etwa 2.800 Einwohnern[1] der größte Stadtteil von Rüdesheim am Rhein, Rheingau-Taunus-Kreis, Hessen, Deutschland.

Am 1. April 1939 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde mit damals über 1000 Einwohnern gegen ihren Willen nach Rüdesheim eingemeindet. Die Bebauung von Rüdesheim und Eibingen ist nach dem Krieg zusammengewachsen. Gleichwohl gibt es nach wie vor eine Gemarkung Eibingen, die beide Stadtteile klar voneinander abgrenzt. Eibingen ist neben der Kernstadt der einzige Stadtteil, für den 1977 ein Ortsbezirk mit gewähltem Ortsbeirat nicht eingerichtet wurde.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der Ortskern von Eibingen liegt im Süden der Gemarkung in 140 Meter Höhe auf dem Südhang, der sich von den Rheinauen zum Ebental hinaufzieht. Die Eibinger Gemarkung bildet einen Streifen, der in Höhe der Ortslage gut einen Kilometer Breite hat und sich bergwärts unter Einbeziehung der Abtei St. Hildegard, der Siedlungen Windeck und Trift über das Ebental und das frühere Kloster Nothgottes in einem schmalen Streifen von 350 bis 250 Meter Breite bis kurz vor das Forsthaus Weißenturm bei Presberg auf über acht Kilometer Länge erstreckt. Nachbargemarkungen sind im Süden und Westen die Gemarkung der Kernstadt Rüdesheim und im Osten die Gemarkung von Geisenheim. Die südliche Gemarkungsgrenze liegt zwischen der Hugo-Asbach-Straße und deren nördlichen Anliegergrundstücken. Hinter dem Haus Nummer 17 – westlich der Friedrich-Ebert-Straße – wendet sich der Grenzverlauf von der Hugo-Asbach-Straße nach Norden ab. In diesem Bereich ist die Bebauung von Eibingen und Rüdesheim zusammengewachsen. Im Norden und Osten grenzt die Ortslage an Weinlagen. Oberhalb der Weinberge und mit einer steilen Straße erreichbar liegen die Abtei und die nach dem Krieg entstandenen Siedlungen Windeck und Trift. Nördlich des Ebentals beginnt der Eibinger Gemeindewald.[2]Dieser hat Anteil an dem größten und wertvollsten Eichenwaldbestand im Rheingau.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Endung „ingen“ im Ortsnamen kommt im Rheingau nur einmal vor und lässt auf frühesten alemannischen Ursprung (um 213) schließen. Wahrscheinlich ist Eibingen daher eine der frühesten Besiedlungen am Rheindurchbruch. Einige Keltengräber im Eibinger Wald zeugen von der frühen Besiedlung.

Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 942. Hildegard von Bingen mit Ihren Benediktinerinnen übernahm 1165 ein Augustiner-Doppelkloster von 1148, heute Standort der Pfarr- und Wallfahrtskirche „St. Hildegard und St. Johannes der Täufer“ – St. Hildegard (Eibingen). In der Kirche befinden sich der vergoldete Schrein der Hl. Hildegard sowie der Eibinger Reliquienschatz. Unweit der Kirche bergen die Keller des Kirchenkomplexes den Hildegardisquell. Genutzt wird er vom Bischöflichen Weingut Rüdesheim, das diese Keller bewirtschaftet.[3]

Bürgermeister von Eibingen:

  • 1639–1649 Nicolaus Franz
  • 1649–1667 Nicolaus Rinck
  • 1667–1676 Joannes Friederich
  • 1676–1677 Joannes Lucas Franz
  • 1677–1679 Joannes Adamus Rinck
  • 1679–1693 Joannes Dorfeller
  • 1693–1699 Joannes Petrus Algesheimer
  • 1699–1703 Christianus Kniesling
  • 1703–1720 Jacobus Münch
  • 1720–1744 Henricus Corvers
  • 1744–1755 Joannes Petrus Bachmann
  • 1755–1757 Joannes Jacobus Zimmer
  • 1757–1793 Georgius Adamus Sahl
  • 1793–1820 Joannes Georgius Engelmann
  • 1822–1848 Joannes Adamus Körppen
  • 1848–1874 Petrus Fuhrmann
  • 1874–1898 Philippus Wallenstein
  • 1898–1906 Theodorus Weis
  • 1906–1910 Henricus Krancher
  • 1911–1933 Carolus Weis
  • 1933–1936 Henricus Schäfer
  • 1936–1939 E. Nägler (NSDAP)

Politische Einordnung im Dritten Reich[Bearbeiten]

Eibingen hatte durch seine streng katholisch geprägte Geschichte besonders unter der NS-Diktatur zu leiden. Die Gemeinde hatte durch ihr Stimmverhalten bei Wahlen für Aufmerksamkeit gesorgt, da nahezu einstimmig gegen die NSDAP und deren Ziele votiert wurde. Die Zufahrtsstraßen des Ortes wurden von den Rüdesheimer NS-Gefolgsleuten nach solchen Wahlen mit dicken Buchstaben "Zum Nein-Dorf Eibingen" gekennzeichnet. Aus der in Eibingen liegenden Abtei St. Hildegard wurden die Schwestern von der Gestapo vertrieben. Die 1000-Jahr-Feier 1942 wurde den Einwohnern verwehrt. Auf Vorschlag des Rüdesheimer Bürgermeisters wurden der Eibinger Bürgermeister und der Gemeinderat unter Rechtsbruch gegen Rüdesheimer NSDAP-Mitglieder ausgetauscht, die dann eine Eingemeindung zum 1. April 1939 beschlossen. Dieser Beschluss besteht bis zum heutigen Tag fort. Eibingen wurde zudem kein eigener Ortsteil, sondern Alt-Rüdesheim eingegliedert. Große Teile der Eibinger Bevölkerung sehen ihren Widerstand gegen die NS-Herrschaft darin nicht ausreichend gewürdigt und wünschen sich eine Änderung der Situation.

Religiöses Leben[Bearbeiten]

Schrein mit den Gebeinen der heiligen Hildegard von Bingen in der Pfarrkirche von Eibingen

Hildegard hat als eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters eine große Anzahl von Reliquien geschenkt bekommen und zusammengetragen. Diese als "Eibinger Reliquienschatz" bezeichneten Reliquien befinden sich, wie der Hildegardisschrein selbst, in der Pfarrkirche "Sankt Hildegard und St. Johannes d.T." in Eibingen. Der Reliquienschatz wird in dem südlichen Teil des Hauptschiffes in einem gläsernen Altar aufbewahrt. Der Hildegardisschrein befindet sich im Altarraum der Kirche in einem Hochgrab. Weiterhin gehören zum Eibinger Reliquienschatz:

  • Das Haupt der Heiligen Gudula, der Nationalheiligen von Belgien und Patronin der Stadt Brüssel.
  • Das Haupt der Heiligen Berta, der Mutter des heiligen Rupert von Bingen
  • Das Haupt des Heiligen Valerian
  • Der Arm des Heiligen Rupert von Bingen
  • Das Haupt des Heiligen Wipert

Hildegardisfest in Eibingen[Bearbeiten]

Das religiös katholisch geprägte Hildegardisfest wird jährlich am 17. September in Eibingen gefeiert. Es gliedert sich traditionell in das am Morgen gehaltene Pontifikalamt und die mittags stattfindende Reliquienfeier mit anschließender Reliquienprozession durch die Straßen von Eibingen. Der Reliquienschrein wird an diesem Tag geöffnet. Das Fest schließt mit der Hildegardisvesper in der ebenfalls in Eibingen gelegenen Abtei "St. Hildegard".

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Abtei St. Hildegard, auf dem Klosterberg oberhalb des Ortskerns gelegene Abtei, erbaut 1900–1904.
  • Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegard und St. Johannes der Täufer mit dem historischen Pfarrhaus (ehemaliges Hildegardiskloster Eibingen im Ortskern gelegen). Die Baupläne für den Neubau des Ostflügels (heute Pfarrhaus) im 18. Jahrhundert wurden vom Mainzer Architekten Johann Valentin Thoman (1695–1777) entworfen. Die feierliche Setzung des Grundsteins erfolgte am 21. März 1737, dem Fest des Heiligen Benedikt. Bei der Ausführung wurde tragfähiges Gemäuer aus Hildegards Zeit mit einbezogen.
  • Eibinger Zehnthof, historisches Gebäude, ehemaliges Eibinger Rathaus, Zehnthof der Mainzer Regentschaft, heute ein Gasthaus
  • Wallensteiner Hof, Gebäudeensemble im Ortskern, Eibinger Oberstraße
  • Eibinger Oberstraße, ehemaliger Ortskern
  • Eibinger Untergasse; heute Marienthaler Straße, Zweite Hauptstraße in Eibingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrer Ludwig Schneider, der die Echtheit der Hildegardreliquien nachgewiesen hat und die Genealogie der Eibinger Familien katalogisiert hat.
  • Die deutsche Weinprinzessin 2004/2005 Nadine Jäger ist die höchste Vertreterin des Eibinger Weines in der Bundesrepublik
  • Gerhard Münch, Pfarrer von Wöllstein und Jakobiner, gefallen im Aufstand der Vendée[4][5]

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: Stilisiert der Buchstabe „Ypsilon“
Bedeutung: Den alten Schreibweisen von Eibingen „Hybingun“ bzw. „Ybingen“ wird durch das Wappen Rechnung getragen.

Weinbau[Bearbeiten]

Eibinger Weine werden nicht als solche gekennzeichnet und vermarktet sondern als Rüdesheimer Wein. Weine aus Eibingen können nur mit einem der folgenden Rüdesheimer Lagennamen bezeichnet sein:

Einzellage Größe in Hektar
Kirchenpfad 20,09
Klosterlay 37,80
Klosterberg 39,04
Magdalenenkreuz 48,09

Dabei erstrecken sich die Lagen Klosterlay und Klosterberg bis an die Straße zum Niederwalddenkmal, mithin über die Gemarkungsgrenze nach Rüdesheim hinein. Alle vier Lagen zusammen umfassen in Eibingen etwa 112 Hektar. In drei der vier Weinlagen kann grundsätzlich Erstes Gewächs als Spitzenqualität erzeugt werden. Somit beheimatet Eibingen einige der besten Weinlagen im Rheingau. Sie reihen sich aneinander auf dem Südhang, der von der Hochfläche des Ebentals mit einer Neigung von 5° bis 12° zum Rhein hin abfällt. Bestockt ist die Rebfläche zu 85 % mit Riesling und zu 12 % mit Spätburgunder.[1]

Kulturhistorische Vereinslandschaft[Bearbeiten]

Eibingen besitzt aus eigenständiger Kultur eine vielfältige Vereinslandschaft, die sich vereinsgemäß mit der Gemeinde Eibingen verbunden fühlt:

  • Freiwillige Feuerwehr Eibingen e. V.
  • Männergesangverein Cäcilia Eibingen
  • Tischtennisverein Eibingen
  • Winzerkapelle
  • Weinbauverein Eibingen
  • Der Runde Tisch der Eibinger Vereine

Literatur[Bearbeiten]

  • Adelheid Simon: Aus der Baugeschichte des ehemaligen Eibinger Klosters, in: JbBistumMainz 2, 1947, S. 151–161.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Weinbauverein Eibingen 2001: Festschrift zum 100-jährigen Bestehenpdf-Datei 6 MB
  2. Geodaten Hessen: Online-Katasterkartenausschnitt und Topogafische Karte 1:25.000
  3. Bischöfliches Weingut Rüdesheim: Historie des Gewölbekellers
  4. Alain Ruiz: Interférences franco-allemandes et révolution française, Presses universitaires de Bordeaux, Universität Michel de Montaigne Bordeaux III, 1994, ISBN 2-86781-152-X
  5. [http://www.oestrich-winkel.de/data/articles/pdf/268_796.pdf Jakobiner aus dem Rheingau, Jakobiner im Rheingau & ihre Sympathisanten.] Walter Hell, abgerufen am 13. März 2011 (PDF; 28 kB).

Weblinks[Bearbeiten]