Eisenbahnunfall von Aßling

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Eisenbahnunfall von Aßling war ein Auffahrunfall, der sich am 16. Juli 1945 gegen 21.40 Uhr auf der Bahnstrecke München–Rosenheim zwischen den heutigen Bahnhöfen von Aßling und Grafing bei Elkofen bei km 43,2 ereignete. Mindestens 102 Menschen starben.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegsbedingt waren die Bahnanlagen in Deutschland im Sommer 1945 noch stark beschädigt, automatische Zugsicherungen funktionierten nur noch teilweise und der Eisenbahnbetrieb wurde improvisiert. Die Züge fuhren dann mit schriftlichem Fahrbefehl aufgrund telefonischer Absprachen der jeweils benachbarten Fahrdienstleiter. Für den Abschnitt der Strecke, auf dem sich dann der Unfall ereignete, war im Stellwerk des Bahnhofs Aßling (Oberbay) ein US-amerikanischer Transportoffizier als Fahrdienstleiter tätig.

Am Unfalltag war ein Zug, der mit etwa 1200 ins Rheinland und nach Westfalen zurückkehrenden entlassenen Kriegsgefangenen besetzt war, auf der Strecke von Rosenheim nach München unterwegs. Der Zug bestand aus älteren Personenwagen mit hölzernem Aufbau. Seine Lokomotive, eine der Baureihe E 75, blieb wegen eines Maschinenschadens zwischen Aßling (Oberbayern) und Grafing b. München auf freier Strecke liegen.

Diesem ersten Zug folgte ein Güterzug der US-Army, mit Panzern beladen und von der Elektrolokomotive E 94 159 gezogen.

Unfallhergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Transportoffizier im Stellwerk von Aßling (Oberbay) hatte den Personenzug „vergessen“, der in Aßling zunächst hätte durchfahren müssen. Vielmehr gab er die Strecke für den nachfolgenden Güterzug frei. Dieser fuhr auf den liegen gebliebenen Personenzug von hinten auf.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein großer Teil der hölzernen Personenwagen wurde durch den Aufprall zerstört. Die Zahl der Opfer ist nicht genau bekannt und schwankt – je nach Quelle – zwischen 102 und 110 getöteten Passagieren.

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

96 Opfer des Unglücks wurden in Oberelkofen, etwa drei Kilometer von der Unglücksstelle entfernt, auf einer Kriegsgräberstätte beigesetzt. 4 der 96 dort begrabenen Opfer des Zugunglücks konnten nicht mehr identifiziert werden. Insgesamt ruhen dort 113 Opfer des Zweiten Weltkrieges. Im Jahre 1962 wurde dort eine Gedenkstätte errichtet und am 27. Mai desselben Jahres eingeweiht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Lebmeier: Aßling auf dem Weg ins 20. Jahrhundert. Geiger, Horb am Neckar 1995, ISBN 3-89570-069-X, S. 339–343.
  • Hans-Joachim Ritzau, Jürgen Höstel: Die Katastrophenszenen der Gegenwart = Eisenbahnunfälle in Deutschland Bd. 2. Pürgen 1983. ISBN 3-921304-50-4, S. 15f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Koordinaten: 47° 58′ 22″ N, 12° 0′ 25″ O