Brutpflege

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Küken des Kaiserpinguins (Aptenodytes forsteri) in der Bauchfalte eines Elterntieres

Unter Brutpflege versteht man die Fürsorge der Eltern (meistens des Weibchens) für ihre Nachkommen (Brut) aufgrund angeborener Instinkte über die Brutfürsorge hinaus. Darunter fällt die Pflege und – beim Menschen – auch die Erziehung der Nachkommen während des Aufwachsens.

Intensität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenig Brutpflege betreiben z. B. Insekten, die meisten Fische, Amphibien oder Reptilien: die befruchteten Eier werden meist sich selbst überlassen. Eine aufwändigere Form der Brutpflege ist zum Beispiel die Betreuung bei Geburtshelferkröten oder das Bebrüten der Eier und Füttern der Jungtiere bei den Vögeln. Eine besondere Form der Brutpflege bei Fischen ist das Maulbrüten. Auch bei Webspinnen ist Brutpflege bis hin zur Fütterung durch Regurgitation zu beobachten.

Säugetiere betreiben durch das Säugen und andere Formen der Fütterung eine besonders intensive Brutpflege. Bei allen bislang darauf untersuchten Säugetierarten einschließlich des Menschen sowie bei vielen anderen Wirbeltieren löst das Hormon Prolaktin Brutpflegeverhalten aus, und zwar sowohl bei Weibchen als auch bei Männchen, wenn sie an der Brutpflege beteiligt sind. Man unterscheidet bei Jungtieren zwischen Nesthockern und Nestflüchtern. Ein Bestandteil des Brutpflegeinstinkts vieler Säugetiere ist auch das Eintrageverhalten.

Die Brutpflege des Menschen reicht teilweise bis ins Erwachsenenalter (Erziehung). Brutpflege ist eine soziale Interaktion.

Familienformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nachdem, in welcher Form sich die Elternteile an der Brutpflege beteiligen, unterscheidet man folgende Familienformen [1][2]:

  • Elternfamilie, Weibchen und Männchen üben die Brutpflege gemeinsam aus, wobei das Männchen meist einen größeren Anteil an der Revierverteidigung hat. In den meisten Fällen ist das die dauerhafteste Familienbindung im Tierreich. (z. B. bei den Buntbarschen der Tribus Cichlasomatini, den Schakalen und Menschen).
  • Mann-Mutter-Familie, das Weibchen übt die Brutpflege allein aus, während das Männchen das Revier verteidigt. Auch nach dem Freischwimmen der Jungfische betreut das Weibchen allein die Jungen. (z. B. bei Buntbarschen der Gattung Crenicara und Telmatochromis.) Diese Familienform ist oft mit Polygamie verbunden. Dann spricht man von einer Mann-Mütter-Familie.
  • Mutterfamilie, das Weibchen übt die Brutpflege allein aus, das Männchen beteiligt sich nicht an der Brutpflege. (z. B. bei den maulbrütenden Buntbarschen des Malawisees, aber auch, verbunden mit Polygamie, bei den meisten Säugetieren)
  • Vaterfamilie, das Männchen übt die Brutpflege und brutpflegevorbereitende Tätigkeiten wie Nestbau allein aus. (z. B. bei den Laufhühnchen, Stichlingen, Seenadeln, Groppen, Fadenfischen, beim Südamerikanischen Schmetterlingsbuntbarsch und bei den Antennen-Harnischwelsen.)
  • Vater-Mutter-Familie, das Weibchen übt die Brutpflege zuerst allein aus, während das Männchen das Revier verteidigt. Schwimmen die Jungfische frei, so werden sie von beiden Eltern betreut. (z. B. bei offenbrütenden Buntbarschen wie der Gattung Pelvicachromis.)

Brutpflege durch Außenstehende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch andere Individuen als die Mütter und Väter sind bei Tieren und Menschen im Notfall mit der Pflege fremden Nachwuchses betraut, z. B. bei Herdentieren wie Rindern („Ammenkühe“, Mutterkuhhaltung), Fledermäusen, Primaten und eusozialen Tieren wie den staatenbildenden Insekten und dem Nacktmull.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Grundriss der vergleichenden Verhaltensforschung. Verlag Blank, München 1999, ISBN 3-937501-02-9
  2. Claus Schaefer, Torsten Schröer: Das große Lexikon der Aquaristik, Ulmer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9