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Emiliano Zapata

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Emiliano Zapata um 1915
Das ikonische Bild mit Sombrero

Emiliano Zapata Salazar, genannt „El Caudillo del Sur“,[1] (* 8. August 1879 in San Miguel Anenecuilco, Morelos, Mexiko; † 10. April 1919 in Chinameca) war ein Protagonist der mexikanischen Revolution. Er entzog sich der Machtpolitik der revolutionären Fraktionen durch sein Beharren auf die für ihn zentrale Landreform.

Emiliano Zapata (Mitte sitzend) im Kreis seiner Offiziere, links sein Bruder Eufemio (Juni 1911)

Emiliano Zapata wurde in dem Dorf San Miguel Anenecuilco im Bundesstaat Morelos geboren. Seine Eltern, Gabriel Zapata und Cleofas Salazar, waren indigener und weißer Abstammung.[2] Insgesamt ist über seine Jugend wenig bekannt. Er und andere Bauern in Morelos beteiligten sich 1909 während des Wahlkampfes um den Posten des Gouverneurs an der Kampagne der legalen Opposition. Im selben Jahr wurde der dreißigjährige Zapata zum Präsidenten des Verteidigungsrates („junta de defensa“) von Anenecuilco gewählt, um zu verhindern, dass auch noch das übriggebliebene ejido-Gemeindeland vom benachbarten Grundbesitzer beschlagnahmt wurde.[3] Zunehmend wurden die Bauern in die Saisonarbeit gedrängt und schnitten für die Grundbesitzer Zuckerrohr. 1910 gab es rund 47.000 Kleinbauern (peones) in Morelos, davon waren 30.000 landlose Bauern. Indes gehörten 84 % aller Haciendas in Morelos nur 17 Einzelpersonen.[4]

1910 schloss sich Zapata unter der Führung Francisco Maderos den mexikanischen Revolutionären an. Ihr Ziel war es, das Regime von Porfirio Díaz zu stürzen und den Bauern in Übereinstimmung mit der Erklärung Maderos in San Luis Potosí das enteignete Land zurückzugeben.[3]

Im April 1911 wurde Zapata zum obersten Chef der revolutionären Bewegung des Südens gewählt. Seine Armee bestand hauptsächlich aus besitzlosen Landarbeitern. Obwohl sie den Bundestruppen zahlenmäßig und waffentechnisch weit unterlegen waren, errangen die Revolutionäre erhebliche Erfolge im Guerillakrieg im bergigen Bundesstaat Morelos, wo sie von weiten Teilen der Bevölkerung unterstützt wurden. Im Mai 1911 besetzten die Zapatistas – die bereits über rund 4000 Kämpfer verfügten – Cuernavaca, die Hauptstadt von Morelos.

Ausschnitt des Fotos, das Emiliano Zapata (rechts) und Pancho Villa (links) im Präsidentenpalast nach ihrem Einzug in Mexiko-Stadt zeigt.

Die Enttäuschung über die nur sehr schleppend durchgeführte Landreform gipfelte Ende November 1911 im Plan von Ayala, in dem Madero zum Rücktritt aufgefordert wurde und das Land an die verteilt werden sollte, die es bearbeiten und denen die Rückgabe versprochen worden war. Anfang 1912 liefen Bundestruppen in Ciudad Juárez zu Zapata über. Im Dorf Ixcamilpa[4] machte er vorwärts mit der Landreform und ließ am 30. April 1912 erstmals Land umverteilen. Im Gegenzug zog er von den Großgrundbesitzern eine Steuer ein. Zapatas Truppen, die größtenteils tagsüber ihrer landwirtschaftlichen Arbeit nachgingen, agierten bald in den Bundesstaaten Guerrero, Tlaxcala, Oaxaca, Veracruz, Hidalgo und Jalisco, während in San Luis Potosí und Chihuahua die Brüder Cedillo[4] unter seiner Flagge kämpften.

Durch einen Putsch gelangte im Februar 1913 der unbeliebte Oberst Victoriano Huerta an die Macht und Francisco Madero wurde vom Militär ermordet. Zapata verbündete sich 1914 in der Convención de Aguascalientes[3] mit Pancho Villa, der die Aufständischen im Norden befehligte und in Chihuahua-Stadt bereits eine Armee gegen die Regierung aufgestellt hatte. Bald nach dem Sturz Huertas im Frühjahr 1914 kam es jedoch zu Streitigkeiten unter den revolutionären Gruppierungen und ihrem nominellen Befehlshaber Venustiano Carranza, der das Präsidentenamt anstrebte und sich schließlich mit Hilfe seines militärischen Führers Alvaro Obregón gegen Villas Truppen durchsetzte. Zapata kämpfte noch einige Zeit im Süden weiter, obwohl Carranzas Sieg bereits feststand. Zugleich wurde seine Bewegung dadurch geschwächt, dass die Regierung einzelne seiner Forderungen umsetzte, so im Landwirtschaftsgesetz[4] vom 6. Januar 1915.

Zapata erhielt Unterstützung durch anarchistische Intellektuelle wie Antonio Díaz Soto y Gama und Octavio Paz (Senior),[3] von denen behauptet wurde, sie seien die geistigen Inspiratoren seiner Stellungnahmen, zumal Zapata als bäuerlicher Haudegen galt. Auch Manuel Palafox[4] war ein wichtiger politischer Mitstreiter Zapatas. Anténor Sala,[4] selbst Grundbesitzer, unterstützte ihn ebenfalls. Zapata lehnte 1916 Carranzas Antiklerikalismus ab,[4] seine Kämpfer verehrten die Jungfrau von Guadalupe, dennoch überbot sich die konservative Presse mit Beschimpfungen gegen ihn. Andere behaupteten, Zapata fehle es an einer Vision für ganz Mexiko, wobei viele Kritiker verkannten, wie groß die Unterstützung für ihn unter den Bauern war.[3]

Zapatas Leiche, ausgestellt in Cuautla, Morelos

Auf Anweisung Carranzas wurde Zapata am 9. April 1919 von Oberst Jesús Guajardo freundlich auf dessen Hacienda San Juan bei Chinameca eingeladen, wobei dieser vorgab, er wolle zu den Revolutionären überlaufen. Als Zapata am folgenden Tag auf der Hacienda erschien, wurde er von Guajardos Leuten mit einem Kugelhagel empfangen und regelrecht durchsiebt. Man brachte seine Leiche nach Cuautla, um die ausgesetzte Belohnung einzufordern. Dort wurde der tote Zapata öffentlich ausgestellt und schließlich auch begraben.[3] Nach dem Tod Zapatas wählten die Zapatisten Gildardo Magaña als seinen Nachfolger. Wenige Monate später schlossen die zapatistischen Anführer ein Unterstützungsabkommen mit Álvaro Obregón, der sich mittlerweile einen Kampf um die Macht mit Carranza lieferte.

Nach Zapatas Tod entstanden einerseits viele Volkserzählungen, wonach Zapata in Wirklichkeit seiner heimtückischen Ermordung entgehen konnte und sich in den Bergen oder sogar in Arabien versteckte,[3] um den Unterdrückten zu helfen, andererseits wird er seither als Märtyrer verehrt. Das Bürgertum der Städte indes reagierte mit Häme. Ein Journalist mit dem Pseudonym El Excelsior verbreitete zum zweiten Todestag 1921 Verunglimpfungen, und eine junge Feministin und Anhängerin Obregóns hatte ihn in einem Artikel 1920 als „lebendes Beispiel der menschlichen Rückständigkeit aus der Zeit der Troglodyten[3] bezeichnet.

Der staatliche postrevolutionäre Diskurs aber versuchte sehr rasch, das Andenken Zapatas für sich zu nutzen. Bereits 1920, am ersten Jahrestag seines Todes, fand an seinem Grabmal in Cuautla der erste offizielle Gedenkakt statt, wobei der zwölf Monate zuvor verlesene Anspruch bestätigt wurde, demzufolge Zapata „der Apostel des Agrarismus [...] Erlöser der indigenen Rasse, kraftvoller Ausdruck der mexikanischen Seele, von überbodender Manneskraft, unbeugbar und unbefleckt“[3] gewesen sei, was auch zahlreiche Corridos besangen. Unter Lázaro Cárdenas del Río wurde Zapata in den 1930er Jahren in Schulbüchern als „unbeflecktes Symbol der Revolution und der Emanzipation der ländlichen Massen“[3] kanonisiert und zum Bannerträger des Partido Revolucionario Institucional (PRI).

Die mexikanischen Muralisten, allen voran Diego Rivera und José Clemente Orozco, stellten ihn in den Mittelpunkt ihrer Werke.[3] Sein Zitat „Lieber stehend sterben als kniend leben“ wurde von der spanischen Kommunistin Dolores Ibárruri 1936 im dortigen Bürgerkrieg verwendet.[5]

In der Phase des autoritären Militarismus unter Gustavo Díaz Ordaz in den 1960er Jahren, wurde Zapata als Figur von den Machthabern aus dem Verkehr gezogen. 1969 veröffentlichte der US-Amerikaner John Womack mit Zapata and the Mexican Revolution[3] die bisher autoritativste Biografie Zapatas. Von Luis Echeverria wurde er von 1970 bis 1976 wieder als Modell gepriesen. Präsident Carlos Salinas de Gortari, der den 1917 von Zapata erkämpften Artikel 27 aus der mexikanischen Verfassung strich, wollte Zapata ab 1992 in den Schulbüchern als Rebell ohne politische Ziele dargestellt sehen.[3]

Die Ejército Zapatista de Liberación Nacional EZLN („Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung“) sieht sich in der Tradition Emiliano Zapatas.[3] Daher nennen sich Mitglieder der Bewegung selbst Zapatistas (auf Deutsch Zapatisten). Die EZLN trat erstmals am 1. Januar 1994 mit einem bewaffneten Aufstand öffentlich in Erscheinung und hat ihre Wurzeln in Chiapas, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos. Sie besteht zum überwiegenden Teil aus Indigenas.

1952 wurde Zapatas Leben von Elia Kazan verfilmt. In Viva Zapata! spielte Marlon Brando die Hauptrolle.[3] Eine mexikanische Neuverfilmung 2004 von Alfonso Arau stieß auf gemischte Reaktionen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Verfilmungen, in denen es um Leben oder Legende des Revolutionärs geht.

„Besser aufrecht sterben, als ein Leben lang auf den Knien leben!“
(Original: ¡Es mejor morir de pie que vivir toda una vida de rodillas!)

Reforma – Libertad – Justicia y Ley (Plan de Ayala, 1911)

  • Barbara Beck, Horst Kurnitzky: Zapata: Bilder aus der mexikanischen Revolution. Wagenbach, Berlin 1978, ISBN 3-8031-2014-4.
  • Paul Hart: Emiliano Zapata: Mexico’s Social Revolutionary. Oxford University Press, Oxford 2017, ISBN 978-0-19-068808-0.
  • Ralf Höller: Emiliano Zapata. In: ders.: Der Kampf bin ich. Rebellen und Revolutionäre aus sechs Jahrhunderten. Aufbau TB Verlag, Berlin 2001, S. 231 ff.
  • Markus Kampkötter: Emiliano Zapata. Vom Bauernführer zur Legende. Eine Biographie. 2. Aufl., Unrast, Münster 2002 (Erstausgabe 1996), ISBN 978-3-89771-012-2.
  • Enrique Krauze: Emiliano Zapata. El amor a la tierra. Fondo de Cultura Económica, Mexiko-Stadt 1987, ISBN 968-16-2288-X.
  • Frank McLynn: Villa and Zapata. A Biography of the Mexican Revolution. 2000; Neuauflage 2020, 467 Seiten, ISBN 979-8-6726-1791-6 (englisch).
  • John Womack: Sterben für die Indios. Zapata und die mexikanische Revolution (Originaltitel: Zapata and the Mexican Revolution, Random House, New York NY 1968, übersetzt von Eva Bänninger-Bonomo), Atlantis, Zürich / Freiburg im Breisgau 1972, ISBN 3-7611-0392-1 (spanisch: Zapata y la Revolución Mexicana, Cien de México, 24. Auflage, Siglo Veintiuno, México 2000, ISBN 968-23-0322-2); spätere deutschsprachige Ausgabe unter dem Titel: Land und Freiheit. Emiliano Zapata und die mexikanische Revolution in Morelos 1910–1920, Edition Julio Lopez Chavez, 1995.
Commons: Emiliano Zapata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Enrique Krauze: Emiliano Zapata. El amor a la tierra. Fondo de Cultura Económica, Mexiko-Stadt 1987.
  2. Alicia Hernández Chávez: Anenecuilco. Memoria y vida de un pueblo. El Colegio de México, Mexiko-Stadt 1991, ISBN 968-12-0490-5.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o Annick Lempérière: Immortel Zapata! In: Olivier Compagnon (Hrsg.): Une histoire de l’Amérique latine des Conquistadors à nos jours. Nouveau monde éditions/L’Histoire, Paris 2025, ISBN 978-2-38094-752-6, S. 189–198.
  4. a b c d e f g Leslie Manigat: L’Amérique latine au XXe siècle – 1889–1929 (= Collection Points Histoire. H146). Éditions du Seuil, Paris 1991, ISBN 978-2-02-012373-0, S. 224–230 (première édition aux Éditions Richelieu 1973).
  5. Götz Eisenberg: „Es ist besser, stehend zu sterben, als kniend zu leben! No pasarán“ (PDF; 0,4 MB), auf magazin-auswege.de.