Energy Exchange Austria

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EXAA, Energy Exchange Austria
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2001
Sitz Wien, Österreich
Leitung Jürgen Wahl
(Mitglied des Vorstandes)

Rudolf Schneider
(Mitglied des Vorstandes)
Branche Börsen, Energie
Website www.exaa.at

Die Energy Exchange Austria (EXAA) ist ein elektronischer Marktplatz für den Energiehandel. Sie fungiert als österreichische Strombörse und ist in der österreichischen APG-Regelzone und in allen vier deutschen Regelzonen aktiv. Seit Dezember 2012 wird auch der Handel mit Grünstrom an der EXAA in den fünf Regelzonen abgewickelt.

Neben den klassischen Börseagenden kümmert sich die EXAA um die Abrechnung der finanziellen Transaktionen (Clearing) und übernimmt das Risiko, dass Marktteilnehmer die den Geschäften zugrunde liegenden Werte nicht wie vereinbart kaufen oder verkaufen (Counterparty risk).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der vollständigen Liberalisierung des österreichischen Strommarktes am 1. Oktober 2001 wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Errichtung einer Strombörse geschaffen. Der Handel begann am 21. März 2002 mit zwölf Marktteilnehmern. Mittlerweile umfasst der EXAA-Spothandel mehr als 70 Stromhandelsfirmen aus über 15 Ländern.[1]

In weiterer Folge wurden die Handelsgebiete und -agenden kontinuierlich erweitert:[2]

  • 2004: Eröffnung der TenneT-Regelzone (damals: E.ON, später: transpower)
  • 2005: Eröffnung der Amprion-Regelzone (damals: RWE)
Handelsstart mit CO2-Zertifikaten
  • 2002–2006: Auction Office für Kapazitätsauktionen (abgewickelt von RIECADO, einem mit smart technologies fusionierten Unternehmen der ehemaligen CISMOgroup)
  • 2006: Eröffnung Regelzone Schweiz
Etablierung von zwei Market Makern für den Spothandel Strom
Eröffnung einer Regelzone in der Schweiz
  • 2008: Umstellung des Algorithmus zur verlässlicheren Ausführung von Market Orders
Durchführung und Veröffentlichung von regelmäßigen Marktanalysen des Strom-Spotmarktes durch die EXAA zur Steigerung der Transparenz
  • 2009: Eröffnung der Regelzonen TransnetBW (damals: EnBW) und der 50Hertz Transmission (damals: Vattenfall)
  • 2011: Übernahme des operativen Geschäfts für das Marktgebiet Ungarn durch die EXAA von der Prager Energiebörse PXE
Beginn der Kooperationsvereinbarung mit Greenmarket-Exchange (Tochter der Bayerischen Börse) am CO2-Markt und gleichzeitige Stilllegung des CO2-Spotmarktes an der EXAA
  • 2012: Ende der Betreuung des ungarischen Day-Ahead Markets PXE durch die EXAA
Ausfall des Handels an der EXAA am 12. November aufgrund eines Ausfalls des Rechenzentrums und aller Backup-Lösungen
Einführung des Grünstrommarkts
  • 2013: Einführung von negativen Preisen an der EXAA (Preisgrenzen: – 150 EUR/MWh bis + 3.000 EUR/MWh)
  • 2014: Start der ersten 1/4-Stunden-Auktion in Europa
  • 2015: Identifizierung der EXAA als einer der ersten europäischen Marktteilnehmer gemäß REMIT-Verordnung als RRM (englisch Registered Reporting Mechanism) durch die Stromregulierungsbehörde ACER (Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden) im Februar, welche dazu berechtigt, Daten direkt und ohne Umweg über einen Dienstleister an die ACER zu melden
Start der Datenmeldung entsprechend der Datenmeldeverpflichtung gemäß REMIT-Verordnung
Ernennung der EXAA zum NEMO (englisch Nominated Electricity Market Operator) in Österreich durch die E-Control

Handelsplattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptziel beim Betrieb einer elektronischen Handelsplattform mit einem Auktionssystem besteht darin, die Liquidität optimal zu bündeln. Zusätzlich wird die Effizienz der Handelstätigkeit gefördert, indem der Aufwand für das Abschließen von Geschäften im Vergleich zum bilateralen Handel deutlich reduziert wird. Die Neutralität einer Energiebörse, die garantierte Anonymität der Gebote und die umgehende Veröffentlichung von Preisinformationen tragen wesentlich dazu bei, die Fairness im gesamten Markt zu fördern. Die Börse ist ein organisierter Handelsplatz, dessen Abläufe gesetzlichen Bestimmungen unterliegen.[3]

Gehandelte Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der EXAA sind grundsätzlich alle 24 Stunden eines Tages einzeln handelbar. Als Blockprodukte (Zusammenfassung mehrerer Stunden zu einem gemeinsamen Block) wurden sowohl die Standardblöcke Base, Peak, Offpeak als auch entsprechend der Bedürfnisse der Marktteilnehmer, weitere Spezialblöcke definiert. Zusätzlich können auch alle 96 1/4-Stunden eines Tages an der EXAA gehandelt werden. Die physische Erfüllung der Geschäfte erfolgt wahlweise in einer der vier Regelzonen in Deutschland (Amprion, TenneT, TransnetBW oder 50Hertz) oder in der österreichischen APG-Regelzone. In der Auktion um 10:15 Uhr erfolgt die Zusammenführung der Gebote für alle Regelzonen und die Ermittlung gemeinsamer Preise. An den Börsentagen von Montag bis Freitag werden die Orders der einzelnen Marktteilnehmer in einem geschlossenen Orderbuch gesammelt. Danach wird täglich jeweils eine Auktion für Grau- und Grünstrom durchgeführt. Der bei der Auktion ermittelte Preis (englisch Market Clearing Price, MCP) sowie die den einzelnen Marktteilnehmern zugeteilten Mengen werden diesen unmittelbar nach der Auktion mitgeteilt. Die physische Erfüllung der Geschäfte erfolgt jeweils am nächsten Tag (Day-Ahead-Handel).[3]

Handelssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Screenshot des Handelssystem der EXAA (2013)

Die Produkte der EXAA-Spotmärkte werden in Auktionen gehandelt. Zur Übermittlung der Kauf- bzw. Verkaufsgebote ist auf Händlerseite lediglich ein Webbrowser erforderlich. Damit werden sowohl Softwareinstallation und -wartungen an den IT-Systemen des Händlers als auch teure Standleitungen vermieden. Die Zugangssicherung zum System erfolgt mit elektronischen Schlüsseln (RSA Token) und damit auch ohne jeglichen Hardwareanschluss am PC des Traders.

Ein Marktgebiet für Österreich und Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gemeinsame Marktgebiet

Mit der Möglichkeit der Fahrplananmeldung von Geschäften aus der EXAA-Auktion in allen deutschen Regelzonen wird der Zugang zum EXAA-Markt wesentlich erleichtert. Unternehmen, die bereits Bilanzkreisverträge für das deutsche Netz haben, können uneingeschränkt an der EXAA handeln. Da zwischen den deutschen und österreichischen Regelzonen keine Kapazitätsengpässe bestehen, wird in der EXAA-Auktion ein gemeinsamer Market-Clearing-Preis für alle Regelzonen ermittelt.

TEEM-Schulungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Jänner 2009 bietet EXAA unter dem Markennamen teem – training for energy and environmental markets Schulungen zum Strom- und Gashandel an. Das Angebot individuell buchbarer TEEM-Module richtet sich sowohl an Branchenneulinge als auch an spezialisierte Mitarbeiter. Die Schulungen werden in Deutsch präsentiert und finden in Wien statt.[4]

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktionäre sind mit folgenden Anteilen an der EXAA beteiligt:[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Energy Exchange Austria – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handelsteilnehmer, Energy Exchange Austria (EXAA)
  2. Company News, Energy Exchange Austria (EXAA)
  3. a b Handelskonzept der EXAA (Memento des Originals vom 22. Oktober 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.exaa.at abgerufen am 21. Oktober 2013
  4. training for energy and environmental markets vom 21. Oktober 2013
  5. Aktionäre EXAA abgerufen am 25. Februar 2017