Epterode

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Epterode
Koordinaten: 51° 14′ 42″ N, 9° 47′ 24″ O
Höhe: 474 m ü. NHN
Fläche: 2,5 km²[1]
Einwohner: 373 (Nov. 2019) HW+NW[2]
Bevölkerungsdichte: 149 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 37247
Vorwahl: 05604
Kirche in Epterode

Epterode ist ein Ortsteil der Stadt Großalmerode im hessischen Werra-Meißner-Kreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Epterode liegt im Geo-Naturpark Frau-Holle-Land (Werratal.Meißner.Kaufunger Wald) 1,4 km südlich der Kernstadt von Großalmerode und 7,2 km nordöstlich der Kernstadt von Hessisch Lichtenau. Es befindet sich zwischen dem beim Ort gelegenen Hohekopf (539,4 m) im Osten und dem nahen Hirschberg (643,4 m) im Westen; etwa 5 km südöstlich erhebt sich das Bergmassiv Hoher Meißner (753,6 m). Südwestlich des Stadtteils liegen in Richtung Rommerode die Exbergseen, westlich davon der Stadtteil Faulbach.

Geologie, Bodenschätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in einem etwa 300 m mächtigen Tertiärgebiet, dessen Entstehung Ergebnis tektonischer Störungen und Verwerfungen durch Vulkantätigkeit ist. Dementsprechend gibt es im Gemeindegebiet Buntsandstein-, Basalt-, Sand-, Ton-, Wascherde-, Braunkohlen- und Alaunerzvorkommen. Am Ortsrand befindlichen Bühlchen findet man den weltweit nur an wenigen Fundorten vorkommenden Porzellanjaspis.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung findet sich als Everharderot im Jahr 1182. Der Ortsname ist mit Epterodte 1459 und Epterode 1717 belegt. Nach urkundlicher Überlieferung gehörte ein Teil der Gemarkung (4 Höfe mit 4 Hufen) bis zum Jahr 1182 zum Kloster Hasungen, das diese Güter mit Landgraf Ludwig III. von Thüringen für Güter in Salzaha (heute: Bad Langensalza), wahrscheinlich dem heutigen Stadtteil Ufhoven, tauschte. Diese Güter dürften nach Ende des thüringischen Erbfolgekrieges und der Gründung des hessischen Territorialstaats 1264 zur Landgrafschaft Hessen gekommen sein.

1305 wird der Ort als Eberharderode urkundlich mit Rotemanrode, heute Rommerode, erwähnt. Danach erwarben die Ritter Friedrich und Hermann von Spangenberg aus dem Geschlecht der Treffurter Güter in den genannten Orten von Siffriede und Bertram von Hundelshausen von Eberhard, Bürger der Herren von Spangenberg in der Stadt Spangenberg, die sie sogleich denen von Hundelshausen als Lehen übertrugen. Seit 1355 waren die von dem Berge vom Landgrafen mit einem Teil des Waldes Querenberg beliehen, 1391 die von Hundelshausen mit halb Epterode.

1413 verlieh Landgraf Ludwig I. denen von Hundelshausen das Dorf Ebterodte mit dem Querenberg zur Hälfte. 1428 übertrug Landgraf Ludwig I. eine Hälfte des Ortes mit dem Querenberg den Brüdern Bernd und Bruno von dem Berge als Mannlehen, die andere Hälfte hatten ab 1458 die von Hundelshausen mit Gericht als hessisches Lehen inne.

Nach dem Aussterben derer von dem Berge ging 1623 deren Hälfte an die Vogtei Rückerode, die andere Hälfte blieb bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts hessisches Lehen derer von Hundelshausen. Das Dorf hatte das Recht, Bier selbst zu brauen, eine Braugerechtigkeit regelte die zu brauende Menge und die Zuteilung von Hopfen, Hefe und Malz. Die Kirche wurde 1733 unter Pfarrer J. L. B. Cannengießer erbaut, sie ist vermutlich nicht die erste, denn auf einer Steinplatte in der Kirche findet man die Inschrift: “1596 KS”.

Der Ort hatte von 1883 bis 2002 einen Bahnhof an der Bahnstrecke Walburg–Großalmerode West. 1973 wurde der Personenverkehr eingestellt. Der zuletzt noch zwischen Walburg und Epterode aufrechterhaltene Güterverkehr wurde mit Schließung der Zeche Hirschberg, deren Rohstoffe im Bahnhof Epterode verladen wurden, am 15. Dezember 2002 eingestellt.[3] Im Sommer 2003 wurde der markante Kohlebunker am Bahnhof Epterode abgerissen.[4]

Gebietszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf unterstand 1569 und von 1575 bis 1585 dem Amt Lichtenau, 1585–1817 dem Amt Ludwigstein/Witzenhausen (1807–1813 dem Kanton Kaufungen), 1817–1821 dem Amt Großalmerode und seit 1821–1974 gehörte es zum Kreis Witzenhausen, ab 1974 zum Werra-Meißner-Kreis.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 31. Dezember 1970 die bis dahin selbständige Gemeinde Epterode auf freiwilliger Basis eingegliedert.[5] Für Epterode wie für alle nach Großalmerode eingegliederten Gemeinden sowie für die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit über 800 Jahren waren die Gewinnung und Verarbeitung von Ton, Sand und Kohle die Haupterwerbsquellen der Bewohner. So siedelten und produzierten hier Töpfer, Alaunsieder, Schmelztiegelmacher und Waldgläsner. Aufgrund der unfruchtbaren Höhenlage spielte die Land- und Viehwirtschaft nur eine untergeordnete Rolle. Heute gibt es in Epterode noch einige Betriebe, die feuerfeste Materialien (Schmelztiegel) und andere, die noch Schneiderkreide herstellen. Die Zeche Hirschberg, die im Nordhessischen Braunkohlerevier als letzte letzte Tiefbaugrube Deutschlands Braunkohle förderte, wurde 2002 geschlossen.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Epterode 387 Einwohner. Darunter waren 3 (0,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 60 Einwohner unter 18 Jahren, 150 zwischen 18 und 49, 102 zwischen 50 und 64 und 75 Einwohner waren älter.[8] Die Einwohner lebten in 168 Haushalten. Davon waren 48 Singlehaushalte, 48 Paare ohne Kinder und 54 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 33 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 114 Haushaltungen lebten keine Senioren.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1575/85: 22 Hausgesesse
• 1681: 29 Hausgesesse
• 1747: 43 Mannschaften mit 44 Feuerstellen
Epterode: Einwohnerzahlen von 1771 bis 2019
Jahr  Einwohner
1771
  
284
1800
  
?
1834
  
368
1840
  
352
1846
  
390
1852
  
364
1858
  
376
1864
  
402
1871
  
405
1875
  
397
1885
  
389
1895
  
446
1905
  
502
1910
  
495
1925
  
461
1939
  
532
1946
  
632
1950
  
632
1956
  
579
1961
  
544
1967
  
534
1982
  
455
1992
  
438
1997
  
446
2006
  
447
2011
  
387
2015
  
373
2019
  
379
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: bis 2006[1]; Stadt Großalmerode[2]; Zensus 2011[8]

Historische Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1885: 0256 evangelische (= 99,61 %), ein katholischer (= 0,39 %) Einwohner[1]
• 1961: 469 evangelische (= 86,12 %), 58 katholische (= 12,50 %) Einwohner[1]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung

Ein urkundlicher Hinweis auf eine Schule bereits im Jahr 1633 liegt vor, denn bis zu dieser Zeit war Nikolaus Heyse Lehrer in Epterode, danach bis zum Jahr 1667 Lehrer in Laudenbach und Hausen. Vermutlich gab es ein erstes Schulhaus im Oberdorf (heute Dorfstraße 37). Im August 1913 erfolgte die Grundsteinlegung der neuen Schule auf dem ehemaligen Hüttenplatz eines Alaunwerkes am Repsch. Die Einweihungsfeier fand am 15. April 1915 statt. Viele Jahre bestand eine achtklassige Volksschule mit einer Lehrkraft bei zeitweise 90 bis 105 Schülern. Es gab immer wieder Unterrichtsausfall und häufige Vertretungsstunden durch Lehrer aus Großalmerode, insbesondere während und nach den Weltkriegen. Es folgte ein Rückgang der Schülerzahlen nach dem Jahr 1949. Die Schulauflösung fand Ende 1965 mit der Versetzung der Schüler ab 5. Januar 1966 zur Mittelpunktschule Rommerode und nach den Sommerferien 1970 zur Gesamtschule Großalmerode statt. Zu dieser Zeit erfolgte auch Abriss des letzten Schulgebäudes am Repsch.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Krummel: Die hessischen Ämter, Melsungen, Spangenberg, Lichtenau und Felsberg. 1941, S. 75.
  • Friedrich Bleibaum: Kreis Witzenhausen, Handbuch des Hessischen Heimatbundes IV, 1971, S. 116ff.
  • Waldemar Küther: Historisches Ortslexikon des Landes Hessen. 1973, Heft 1 (Kreis Witzenhausen), S. 35 f.
  • Wolfram Echle: Mineralbestand und Entstehung des Porzellanjaspis von Epterode (Nordhessen). In: Beitr. Mineral. Petrogr., 1964, 10: S. 32–41; DNB 369425901.
  • Wolfram Echle: Der Porzellanjaspis von Epterode, ein Gesteinstyp der Sanidinitfazies. In: Der Aufschluss, 1978, Sonderband 28, S. 205–207 (überarbeitete Fassung aus dem Sonderheft 17 zum Aufschluss 1968).
  • Wilhelm Brübach: Epterode 1182-1982, Berichte aus der Geschichte eines Dorfes und Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses am 20. August 1982 (Festschrift). 1982, S. 82.
  • Peter Naumann: Tonjaspis (Porzellanjaspis) vom „Bühlchen“ bei Epterode (Meißner). In: Geologisch-mineralogische Mitteilungen aus Nordhessen, Selbstverlag, Nr. 3, 1984.
  • Peter Naumann: Tonjaspis und Porzellanjaspis vom Bühlchen bei Epterode/Meißner. In: Hessischer Gebirgsbote, 1986, Heft 3, S. 105f.
  • Hermann Nobel: Heimat- und Gesangverein Epterode anlässlich der 10-Jahr-Feier (Hrsg.): Chronik und Festschrift. 1992, S. 68.
  • Hermann Nobel: Epteröder Bühlchen – eine geologische Rarität. In: Mitteilungsblatt Heimatzeitung Großalmerode, 1997, Nr. 8, S. 7 f., Nr. 9, S. 5 f.
  • Hermann Nobel: Hofkapellmeister Johannes Becker 275 Jahre, In: Hessische Familienkunde, 2002, Bd. 36, Heft 1, S. 42 ff.
  • Hermann Nobel: Geläute zu einem besonderen Segen – 50-jähriges Glockenjubiläum in Epterode. In: Ev. Kirchengemeinde Epterode (Hrsg.); 2005, S. 3.
  • Hermann Nobel: Vorfahren von Erich Honecker aus der Region Großalmerode. In: Hessischer Gebirgsbote, 1–2006, S. 29 f.
  • Hermann Nobel: Magistrat der Stadt Großalmerode anlässlich der 825-Jahr-Feier (Hrsg.): Chronik Epterode – Von Euerharderot zu Epterode – 825 Jahre Epterode, 2007, S. 453, ISBN 978-3-00-022051-7; dazu Karl Kollmann in Eschweger Geschichtsblätter (EGB 19/2008), S. 64 ( ... jahrelange Arbeit des Ortschronisten ... grundlegende Chronik ...).
  • Hermann Nobel (Verfasser, Hrsg. im Selbstverlag): Schulchronik Epterode – 1885–1955 und Fortschreibung bis 1965/70. 2013, S. 105, Abb. 104.
  • Literatur über Epterode nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Epterode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Epterode, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. Februar 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Hauptsatzung. Vorbemerkungen zur Haushaltssatzung. (Nicht mehr online verfügbar.) Stadt Großalmerode, archiviert vom Original am 12. September 2020; abgerufen im September 2020.
  3. https://www.entlang-der-gleise.de/ubergabe-grossalmerode.html
  4. Bahnhof Epterode auf vergessene-bahnen.de, aufgerufen am 19. September 2020
  5. Eingliederung der Gemeinde Epterode in die Stadt Großalmerode, Landkreis Witzenhausen vom 7. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 4, S. 142, Punkt 183 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,3 MB]).
  6. Hauptsatzung. (PDF; 205 kB) § 6. In: Webauftritt. Stadt Großalmerode, abgerufen im September 2020.
  7. Die Braunkohlezeche Hirschberg in Hessen, aufgerufen am 19. September 2020
  8. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 54 und 110;.