Erich Bloch (Schriftsteller)

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Else Levi-Mühsam und Dr. Bloch, ca. 1982

Erich Bloch (geboren am 4. August 1897 in Konstanz; gestorben am 5. Februar 1994 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller.

Blochs Vater Moritz Bloch (1868–1946) war Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Konstanz.[1] Erich Bloch, Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, studierte Jura, Philosophie, Literatur- und Kunstgeschichte in Freiburg und war dann als Schriftsteller, Dozent und Verlagsleiter (Druckerei Jakob Stadler) tätig. 1925 heirate Bloch Paula Friedmann (* 1902 München − † 1993). Aus dieser nur wenige Jahre haltenden Ehe ging der Sohn Walter (* 1928 in München) hervor, der auf Vermittlung seines Onkels Fridolin Friedmann am 6. Januar 1939 mit einem Kindertransport nach England ausreisen und dort die Bunce Court School besuchen konnte. Das Schulgeld für das erste Jahr übernahm ein in London lebender Cousin von Erich Bloch. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Walter Zusammen mit seiner Mutter, die ebenfalls noch nach England hatte ausreisen können, in Großbritannien und hat dort Chemie studiert.[2]

1930 heirate Erich Bloch in zweiter Ehe Lisel Levinger (* 1903 Konstanz). Aus dieser Ehe gingen insgesamt drei Kinder hervor: Elisabeth (* 1932), Eva (* 1935) und Michael (* 1938).[3] 1933 mussten Erich Bloch und seine Frau sich infolge der nationalsozialistischen Verfolgung auf einen Bauernhof auf der Höri-Halbinsel (Michaelshof in Horn[4]) zurückziehen, wo sie gemeinsam mit jüdischen Flüchtlingen als Landwirte arbeiteten, solange das noch möglich war. Bei diesen Flüchtlingen handelte es sich vor allem um sogenannte Umschichtler, um Menschen, die von den Nazis Berufsverbot erhalten hatten und jetzt in Vorbereitung auf eine Auswanderung praktische Berufskenntnisse erwerben mussten. Viele Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte oder Richter erwarben bei Erich Bloch Grundkenntnisse in Landwirtschaft und Ackerbau.[5]

Der Hof wurde nach biologisch-dynamischen Grundsätzen bewirtschaftet, da sich Erich Bloch früher schon für die Lehren Rudolf Steiners interessiert hatte. In der Erinnerung von Blochs Sohn Walter war der Hof im Sommer „ein richtiges Paradies. Es gab viele Kühe, Pferde und Hühner, einen riesigen Gemüsegarten und wunderbare Obstbäume. Mein Vater verstand sich sogar auf das Imkern. Ich sehe es noch, wie er ganz in Weiß gekleidet war, mit festen Handschuhen und einem seltsamen Helm auf dem Kopf. Er hantierte ganz gelassen mit den honigtriefenden Holzrahmen, während er von den Bienen umschwärmt wurde. Er hatte geschickte Hände, und ich bewunderte ihn dafür.“[5]

Nachdem Erich Bloch 1938 schwer misshandelt worden war [3], konnte er seinen Hof 1939 unter Wert an eine Gruppe entlassener Waldorflehrer aus Kassel verkaufen.[5] Er und seine Familie wanderten anschließend nach Palästina aus. Nach vorübergehendem Aufenthalt in einem Kibbuz arbeitete und lebte Erich Bloch als Landwirt in den deutschsprachigen Siedlungen Shavei Zion und Nahariya im Norden Israels. Hier gründete und organisierte er über einen Zeitraum von 25 Jahren den Kulturzirkel „Oneg Shabat“. 1969[6] (nach anderen Quellen 1968 oder 1970) kehrte Bloch aus Israel nach Deutschland zurück und nahm seine schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Sein bekanntestes Werk ist die Geschichte der Juden von Konstanz (1971), für die Bloch sämtliche nicht vernichteten Unterlagen aufgearbeitet und die Überlebenden befragt hatte. 1982 gründete Dr. Bloch die Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz; heute Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek. Die Bücher kaufte er oder erhielt sie aus Schenkungen. Nach seinem Tod übergab Blochs Frau den Großteil seiner privaten Büchersammlung, seinem Wunsch gemäß, an die Bibliothek. Sein Nachlass wird im Stadtarchiv von Konstanz aufbewahrt. Im Chérisy-Quartier ist eine Straße nach Erich Bloch benannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert. Stadler, Konstanz, 1971; 3. unveränd. Auflage 1996, ISBN 3-7977-0355-4.
  • zusammen mit W. Trapp: Das verlorene Paradies. Ein Leben am Bodensee 1897–1939. Thorbecke Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-7995-6833-6.
  • Licht und Finsternis, Seekreis-Verlag, Konstanz, 1992, ISBN 978-3-924246-13-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Bosch: Bloch, Erich, in: Baden-Württembergische Biographien. Band 3. Kohlhammer, Stuttgart 2002, S. 22–24.
  • Barbara Buchmann: Unermüdlich für die Versöhnung. Erich Bloch (1897–1994), in: 400 Jahre Heinrich-Suso-Gymnasium Konstanz. Bad Buchau 2004, S. 127–131.
  • Lena Kreppel: Deutsch.Jüdisch.Israelisch. Identitätskonstruktionen in autobiographischen und essayistischen Texten von Erich Bloch, Jenny Cramer und Fritz Wolf, in: Epistemata. Würzburger wissenschaftliche Schriften. Reihe Literaturwissenschaft. Band 750. Königshausen & Neumann, Würzburg 2012.
  • Anja Salewsky: »Der olle Hitler soll sterben!« Erinnerungen an den jüdischen Kindertransport nach England. Econ Ullstein List Verlag, München, 2002, ISBN 3-548-60234-7. Darin auf den Seiten 78–112 die Reportage mit Interviews über Walter Bloch, die viele weitere Informationen über die Familien Bloch und Fridolin, aus der Erich Blochs erste Frau stammte, enthält.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konstanzer Stolperstein für Moritz Bloch
  2. Anja Salewsky: »Der olle Hitler soll sterben!«, S. 78-112
  3. a b Kurzbiografie bei LEO-BW (siehe Weblink)
  4. Broschüre "Literarische Radwege" des Deutschen Literaturarchivs Marbach (PDF; 1,1 MB)
  5. a b c Anja Salewsky: »Der olle Hitler soll sterben!«, S. 78-112
  6. Datum lt. Verlagstext in seinem Buch „Die Geschichte der Juden“