Naharija

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Naharija
Wappen von Naharija
Naharija
Basisdaten
hebräisch: נהריה
arabisch: نهاريا
Staat: Israel Israel
Bezirk: Nord
Koordinaten: 33° 0′ N, 35° 6′ O33.00583333333335.09972222222215Koordinaten: 33° 0′ 21″ N, 35° 5′ 59″ O
Höhe: 15 m
Fläche: 10,233 km²
 
Einwohner: 51.000 (2007)
Bevölkerungsdichte: 4.984 Einwohner je km²
 
Gemeindeart: Stadt
Website:
Naharija (Israel)
Naharija
Naharija

Naharija (hebräisch נהריה [naha'rija], arabisch نهاريا, DMG Nahārīyā; Alternativschreibweise Nahariya bzw. Nahariyya) ist eine Stadt am Mittelmeer nördlich von Haifa im Nordbezirk Israels mit knapp 51.000 Einwohnern.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Altertum bestand an der Stelle Naharijas zwar schon einmal ein phönizischer Hafen, die heutige Stadt wurde aber erst 1934 von jüdischen Einwanderern aus Deutschland gegründet und war zunächst eine landwirtschaftliche Siedlung privat wirtschaftender Bauern (Moschawa). Zu den Gründern gehörten der Investor Joseph Loewy (1885–1949), der Agronom Selig Eugen Soskin (1873–1959), der Bankier Heinrich Cohn (1895–1976) und der Ingenieur Simon Reich (1883–1941). Zunächst ließen sich etwa hundert Familien, die zwischen 1933 und 1939 vor den anwachsenden Diskriminierungen und Verfolgungen in Nazi-Deutschland geflohen waren, in Naharija nieder. Es kamen viele Handwerker aus Mitteleuropa und Arbeiter aus Osteuropa dazu, sodass die Siedlung bis zum Kriegsbeginn 1939 etwa tausend Einwohner zählte. Die Landwirtschaft reichte als Ernährungsgrundlage damit nicht mehr aus. Schon früh begannen einzelne Siedler, kleine Hotels einzurichten, um Erholungssuchende aufnehmen zu können. Aus kleinen Betrieben wurden im Lauf der Zeit Großunternehmen der Lebensmittelindustrie wie etwa die Molkerei Strauss oder die Fleischerei Soglowek. Der Handwerksbetrieb von Stef Wertheimer aus Kippenheim entwickelte sich zu Israels größtem Industrieunternehmen. Weltbekannt wurde auch „Naharija-Glas“ von Andreas Meyer aus Rheda.


Naharija war in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens ein Zentrum deutschsprachiger Kultur in Israel. Die Bedeutung von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren wie Erich Bloch (1897–1994) aus Konstanz, Jenny Cramer (1887–1975) aus Stuttgart oder Fritz Wolf (1908–2006) aus Heilbronn wurde erst in jüngster Zeit gewürdigt. Das von Israel Shiloni (1901–1996) in Naharija gegründete Museum des Deutschsprachigen Judentums wird heute im nahe gelegenen Industriepark Tefen weitergeführt.

Lange Zeit war der Ort die einzige jüdische Siedlung in der Küstenebene nördlich von Akkon. Deswegen war Naharija 1948 während des israelischen Unabhängigkeitskrieges von der Außenwelt abgeschnitten und konnte nur mit Booten über das Meer versorgt werden.

Strand in Naharija, links unter der Brücke mündet der Fluss Ga'aton ins Mittelmeer
Die Promenade in Naharija

Am 22. April 1979 wurde Naharija Ziel eines Anschlags durch die Palästinensische Befreiungsfront, dessen Anführer Samir Kuntar war. Smadar Haran-Kaiser, die bei dem Überfall ihren Ehemann Danny und ihre beiden kleinen Töchter Einat und Yael verlor, schildert im Interview mit der Washington Post vom 18. Mai 2003 [1] den Ablauf der Ereignisse: In der Nacht vom Samstag auf Sonntag den 22. April 1979 seien sie um Mitternacht in ihrem Apartment von Schüssen und explodierenden Handgranaten aufgewacht, als vier Terroristen, die von Abu Abbas aus dem Libanon entsandt worden wären, mit einem Schlauchboot zwei Apartmentblocks entfernt an Land gegangen seien. Diese hätten bereits einen Polizisten getötet und seien dann, nachdem sie zunächst in das darübergelegene Stockwerk gestürmt wären und beim Umdrehen Smadar Haran-Kaiser gesehen hätten, gewaltsam in die Wohnung der Familie Haran eingedrungen. Dabei hätten sie um sich geschossen und Handgranaten geworfen. Bei Ankunft der Polizei habe die Gruppe daraufhin den 28-jährigen Danny Haran und seine vierjährige Tochter Einat als Geiseln genommen und aus der Wohnung an den Strand verschleppt. Samir Kuntar habe dort, nachdem er Danny und Einat als menschliche Schutzschilde gegen die israelischen Sicherheitskräfte missbraucht habe[2] nach Augenzeugenberichten den Vater vor den Augen seiner Tochter erschossen und dann eigenhändig das kleine Mädchen getötet, indem er dessen Schädel mit dem Kolben seines Gewehres gegen einen Fels geschmettert habe. Samir Kuntar bestreitet, Einat getötet zu haben.[2] Der Polizist Eliyahu Shahar[3][4] und zwei Männer aus Samir Kuntars Gruppe seien ebenfalls getötet worden. Während des Schusswechsels habe sich Smadar Haran-Kaiser mit ihrer jüngeren Tochter Jael und einer Nachbarin aus dem Stockwerk über ihnen, die Zuflucht bei den Haran-Kaisers gesucht hätte, in einem Kriechgang über dem Schlafzimmer verborgen. Dabei habe sie das zweijährige Mädchen unbeabsichtigt erstickt, als sie verzweifelt versucht hätte, es stillzuhalten. Ihr sei klar gewesen, dass die Angreifer eine Handgranate in ihr Versteck geworfen hätten und sie alle gestorben wären, falls Jael geweint hätte. Am nächsten Tag habe Abu Abbas von Beirut aus erklärt, der Überfall in Naharija sei ausgeführt worden, um gegen die Unterzeichnung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages zu protestieren, der nach dem von US-Präsident Jimmy Carter vermittelten Gipfeltreffen zwischen Anwar as-Sadat und Menachem Begin in Camp David im März 1979 zustande gekommen war.

Während des Libanonkriegs 2006 wurde Naharija von der Hisbollah mit Raketen beschossen.

Im Januar 2009 wurde Naharija während des Gaza-Krieges erneut mit einigen Raketen beschossen. Die Hisbollah bestritt eine Verwicklung, militante autonome Palästinensergruppierungen im Libanon sollen verantwortlich dafür sein.

Heute ist Naharija ein gern besuchter Badeort. Die Innenstadt liegt am Flüsschen Ga'aton, das in der Stadt kanalisiert ist und von einer Allee gesäumt wird. Von touristischem Interesse sind in der Umgebung vor allem die nahe gelegenen Kreidefelsen von Rosch haNikra an der libanesischen Grenze und die Stadt Akko einige Kilometer südlich.

Als ausgewiesener Naharija-Experte gilt der deutsche Historiker Klaus Kreppel, auf dessen Veröffentlichungen im Literaturverzeichnis hingewiesen wird.[5]

Sonnenuntergang in Naharija

Partnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften

Städtefreundschaft

Schulpartnerschaft

  • DeutschlandDeutschland Gymnasium Heepen in Bielefeld mit Amal-Schule in Naharija, seit 1988

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Klaus Kreppel: Wege nach Israel. Gespräche mit deutschsprachigen Einwanderern in Nahariya. Westfalen-Verlag, Bielefeld 1999, ISBN 3-88918-097-3.
  •  Klaus Kreppel: Israels fleißige Jeckes. Zwölf Unternehmerportraits deutschsprachiger Juden in Nahariya. Westfalen-Verlag, Bielefeld 2002, ISBN 3-88918-101-5.
  •  Klaus Kreppel: Nahariyya – das Dorf der „Jeckes“. Die Gründung der Mittelstandssiedlung für deutsche Einwanderer in Eretz Israel 1934/35. The Open Museum, Tefen 2005, ISBN 965-730-101-7.
  •  Klaus Kreppel: Nahariya’s Early Years 1934–1949 The historical introduction and the prefaces to the 15 categories were written by the historian Dr. Klaus Kreppel from Bielefeld. (http://museum.rutkin.info/en/node/27).
  •  Klaus Kreppel: Nahariyya und die deutsche Einwanderung nach Eretz Israel. Die Geschichte seiner Einwohner von 1935 bis 1941. The Open Museum, Tefen 2010, ISBN 978-965-7301-26-5.
  •  Klaus Kreppel: Nahariyya Moshewet haYekkim. Sippur Dor HaMeyassdim 1935–1941. The Open Museum, Tefen 2011, ISBN 978-965-7301-32-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nahariyya – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Belege[Bearbeiten]

  1. Smadar Haran Kaiser: The World Should Know What He Did to My Family (Englisch), The Washington Post. 18. Mai 2003, S. Seite B02.
  2. a b Orly Halpern: "The man Hezbollah wants", US News, 6. August 2006, engl.
  3. Goel Beno: He Must Not Go Free, Jedi’ot Acharonot, 3. Juli 2003, engl.
  4. Israel National News: Who is Samir Kuntar?, 9. November 2003, engl.
  5. Michael Neuberger: Nahariya: Haus für Haus. In: MB Yakinton. Tel Aviv Januar 2011. Jg. 79, Nr. 244, S. 13–14. Ebenfalls: Nahariya: Haus für Haus / Von Michael (Mucky) Neuberger. In: irgun-jeckes.org. Abgerufen am 23. Januar 2015.
  6. Offenbach und seine Partnerstädte. Auf: offenbach.de, vom 9. Februar 2004, abgerufen am 6. November 2013.