Erik Simon

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Dieser Artikel beschreibt den Schriftsteller Erik Simon. Zum Skispringer siehe Erik Simon (Skispringer).
Erik Simon auf dem Elstercon in Leipzig (2004)

Erik Simon (* 1950 in Dresden) ist ein deutscher Science-Fiction-Schriftsteller, -Übersetzer und -Herausgeber.

Leben[Bearbeiten]

Nach Abitur und Ausbildung zum Elektromonteur studierte Erik Simon an der TU Dresden Physik. In dieser Zeit wurde er auch aktives Mitglied des später von staatlichen Stellen zerschlagenen Stanislaw-Lem-Klubs, wo er das Aktiv für Auslandsphantastik leitete, das Übersetzungen für die Klubbibliothek anfertigte und Veranstaltungen über ausländische Autoren vorbereitete. Hier wurden bereits zwei seiner Hauptinteressen deutlich: Science-Fiction (SF) und Sprachen. Parallel zu seinem Diplom als Physiker erwarb Simon den staatlichen Abschluss als Fachübersetzer für Russisch; er hat seither SF und Phantastik aus dem Englischen, aus mehreren slawischen Sprachen und aus dem Niederländischen übersetzt. Nach einer kurzen Tätigkeit als Ingenieur in einem Betonwerk wurde Simon 1974 Lektor im Verlag Das Neue Berlin, wo er hauptsächlich SF aus dem sozialistischen Ausland betreute. Dabei war ein besonderes Verdienst die Publikation der Werke der Brüder Arkadi und Boris Strugazki.

Durch seine Tätigkeit als Lektor, Herausgeber, Übersetzer und SF-Theoretiker hatte er einen herausragenden Einfluss auf die Entwicklung der SF in der DDR. Als Herausgeber erlangte er – neben vielen Anthologien und Erzählungsbänden, die den DDR-Lesern beispielsweise die angloamerikanische und bulgarische SF näherbrachten –, große Verdienste vor allem mit den Lichtjahr-Almanachen, in denen neben in- und ausländischen Erzählungen viele theoretische Arbeiten zur SF erschienen. Zusammen mit Olaf R. Spittel gab er 1988 das Lexikon Die Science-fiction der DDR. Autoren und Werke heraus, an dem auch Heinz Entner, Otto Werner Förster, Karsten Kruschel, Steffen Peltsch, Ekkehard Redlin und Karlheinz Steinmüller mitarbeiteten.

Als Science-Fiction-Autor bevorzugt Simon die kurze Form. Neben vielen Storys in Zeitschriften und Anthologien veröffentlichte er in der DDR die Erzählungsbände Fremde Sterne (1979) und Mondphantome Erdbesucher (1987), einen Gedichtband, zusammen mit Reinhard Heinrich den Erzählungszyklus Die ersten Zeitreisen (1977) und zusammen mit Olaf R. Spittel eine Broschüre über DDR-SF (den Vorläufer des Lexikons). Seit der Verlag Das Neue Berlin Ende 1991 sein SF-Programm einstellte, ist Erik Simon als freischaffender Übersetzer und Herausgeber tätig und veröffentlicht Artikel und Buchbesprechungen in dem Jahrbuch Das Science Fiction Jahr.

Neben Werken der Strugazkis hat er unter anderem auch Romane und Erzählungen von Andrzej Sapkowski und Vernor Vinge sowie den populärwissenschaftlichen Teil in den Bänden über die Wissenschaft der Scheibenwelt von Pratchett, Stewart und Cohen übersetzt.

Er errang mehrfach den Kurd-Laßwitz-Preis sowie andere SF-Preise. Bücher von ihm erschienen in bulgarischer, polnischer, schwedischer und tschechischer Übersetzung, einzelne Erzählungen und Essays in zwölf weiteren Fremdsprachen. Seit 2002 gibt der Berliner Verlag Shayol seine Werkausgabe Simon's Fiction heraus (Stand 2014: fünf Bände).

Werke[Bearbeiten]

als Autor

  • Die ersten Zeitreisen (Erzählungen), Kompass-Bücherei; 224, Verlag Neues Leben, Berlin 1983, zusammen mit Reinhard Heinrich; (in Band 3 der Werkausgabe enthalten).
  • Fremde Sterne (Erzählungen), Verlag Das Neue Berlin 1979 (in Band 1 der Werkausgabe enthalten).
  • Science-fiction. Personalia zu einem Genre in der DDR (zusammen mit Olaf R. Spittel), Verlag Das Neue Berlin, 1982
  • Wenn im Traum der Siebenschläfer lacht (Nacht- und Nebelverse), Eulenspiegelverlag, Berlin 1983.
  • Mondphantome, Erdbesucher (Erzählungen), Verlag Das Neue Berlin, Berlin 1988, ISBN 3-360-00061-7 (in Band 2 der Werkausgabe enthalten)
  • Werkausgabe: Simon's Fiction: Phantastische Geschichten, herausgegeben von Hans-Peter Neumann und Sara Riffel. Shayol-Verlag, Berlin 2002 ff.
    • Bd. 1 Sternbilder. Sternschnuppen. Fremde Sterne. Voraussichten, Nachbilder. Erzählungen, Balladen und Gedichte. 2002, ISBN 3-926126-20-5.
    • Bd. 2 Mondmysterien. Mondphantome, Erdbesucher. Schlangweisers Modellbaukasten. Mysteria fantastica. Erzählungen und andere Fictionen. 2003, ISBN 3-926126-24-8.
    • Bd. 3 Reisen von Zeit zu Zeit. Die ersten Zeitreisen. Von letzten Ursachen. Von Zeit zu Zeit. Erzählungen und ein Opernlibretto. 2004 (zusammen mit Reinhard Heinrich), ISBN 3-926126-35-3.
    • Bd. 4 Zeitmaschinen, Spiegelwelten. Maschinen. Zeiten. Die Zeit und die Spiegel. Erzählungen, Gedichte und Alternativhistorien. 2013, ISBN 3-943279-08-1.
    • Bd. 5 Die Wurmloch-Odyssee, 2014, gemeinsam mit Angela und Karlheinz Steinmüller (Bd. 7 in deren Werkausgabe), 2014, ISBN 978-3-943279-21-4

als Herausgeber

  • 1980–1989, 1999 Lichtjahr 1–6 (Verlag Das Neue Berlin, Bd. 1 mit E. Redlin), Lichtjahr 7 (FKSF Leipzig)
  • Kontaktversuche (bulgarische SF, Verlag Das Neue Berlin, 1978) (auch in SF Utopia)
  • Der Weg zur Amalthea (sowjetische SF, Verlag Das Neue Berlin, 1979)
  • Maschinenmenschen (anglo-amerikanische SF, Verlag Das Neue Berlin, 1980)
  • Die Rekonstruktion des Menschen (Verlag Das Neue Berlin, 1980) (auch in SF Utopia)
  • Das elektronische Glück (sowjetische SF, Verlag Das Neue Berlin, 1982)
  • Der Traumfabrikant (klassische SF-Erzählungen, mit O. R. Spittel, Verlag Das Neue Berlin, 1985)
  • Lichtspruch nach Tau (Auswahl aus »Lichtjahr« 1 - 3, Verlag Das Neue Berlin, in der Reihe SF Utopia), 1986
  • Duell im 25. Jahrhundert (klassische SF-Erzählungen, mit O. R. Spittel, Verlag Das Neue Berlin, 1987)
  • Fahrt durch die Unendlichkeit (klassische SF-Erzählungen, mit O. R. Spittel, Verlag Das Neue Berlin, 1988)
  • Science-fiction in der DDR. Autoren und Werke. Ein Lexikon (mit O. R. Spittel, Verlag Das Neue Berlin, 1988, ISBN 3-360-00185-0)
  • Kontakte mit dem Unbekannten (bulgarische SF, Verlag Das Neue Berlin, 1989)
  • Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod und andere abwegige Geschichten: Erzählungen und Berichte aus Parallelwelten (Alternativweltgeschichten, Heyne-Verlag, 1999).
  • Schöne Bescherungen. Komische phantastische Geschichten (mit Friedel Wahren, Heyne Verlag, 2000)
  • Retter der Ewigkeit. Geschichten zwischen Diesseits und Jenseits (mit Friedel Wahren, Heyne Verlag, 2001)
  • Tolkiens Erbe (Fantasy, mit Friedel Wahren, Heyne Verlag)
  • Tolkiens Geschöpfe. Von Orks, Zwergen, Drachen und anderen phantastischen Wesen (mit Franz Rottensteiner, Heyne Verlag, Piper Verlag)

Außerdem:

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Erik Simon erhielt

  • 1987: den Preis der Europäischen Science-Fiction-Gesellschaft für die Herausgabe von Lichtjahr
  • 1989: die Wilhelm-Bracke-Medaille des Börsenvereins der deutschen Buchhändler zu Leipzig für seine Arbeit als Verlagslektor
  • 1990: den (vom SF-Klub Andymon unter Beteiligung der anderen organisierten SF-Fans der DDR vergebenen) Preis »Traumfabrikant« in der Kategorie „Sonderpreis“ zusammen mit Olaf R. Spittel für die Herausgabe des Lexikons Die Science-fiction der DDR.

Er erhielt den Kurd-Laßwitz-Preis für:

  • Von der Zeit, von der Erinnerung (Beste Erzählung 1992)
  • Leichter als Vakuum (Beste Erzählung 1994) mit Angela und Karlheinz Steinmüller als „Simon Zwystein"
  • Vernor Vinge: Ein Feuer auf der Tiefe (Beste Übersetzung 1995)
  • für die Herausgabe von Lichtjahr 7 (Sonderpreis 1999) zusammen mit dem Freundeskreis Science Fiction Leipzig e.V.
  • Spiel beendet, sagte der Sumpf [1] (Beste Kurzgeschichte 2002)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. http://www.epilog.de/PersData/S/Simon_Erik_1950/Texte/Spiel_beendet_sagte_der_Sumpf_Story_01.htm