Ermetheis

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Ermetheis
Koordinaten: 51° 13′ 47″ N, 9° 19′ 52″ O
Höhe: 343 (316–379) m ü. NHN
Fläche: 1,96 km² (LAGIS)
Einwohner: 701 (30. Jun. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 358 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. September 1970
Postleitzahl: 34305
Vorwahl: 05624

Ermetheis ist ein Stadtteil von Niedenstein im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Ermetheis im Winter

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermetheis liegt östlich der Kernstadt Niedenstein im Naturpark Habichtswald am Südostfuß des Niedensteiner Kopfes und am Südwestfuß des Laufkopfes. Im Ort entspringt der Ems-Zufluss Matzoff. Im Norden führt die Landesstraße 3219 an der Ortschaft vorbei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf wird erstmals als Ermeteus (Ermenteus) im Jahre 1344 urkundlich erwähnt, als die miteinander eng verwandten Adelsfamilien Hund und Hund von Holzhausen das bisher ihnen gehörende Dorf im Tausch für jeweils die halbe Wüstung Ludenbach (Lautenbach) an Landgraf Heinrich II. von Hessen abgaben. 1353 bewilligte Heinrich II. dem Ort ein eigenes Gericht; als landgräfliches Kammerdorf waren festgesetzte Abgaben zu leisten. Curd und Tile, die Söhne von Happel Blynar, verkauften 1361 ihr Burglehen an Cord von Wichdorf. Thomas von Gleichen erklärte 1372, dass Landgraf Heinrich die ihm versetzten sechs Malter Korngülte aus dem Zehnten zu Ermetheis für 60 Pfund Pfennige einlösen könne. Heinrich II. und Hermann II. von Hessen verkauften 1376 ihr Dorf Ermetheis an Widerhold von Wichdorf. 1378 übergaben sie den Herren Hund den erblichen vierten Teil des Dorfes; dieser bestand bis 1497. Reinhard von Dalwigk und sein Neffe Friedrich IV. von Hertingshausen brannten 1443 das gesamte Dorf mitsamt der Kirche nieder. Ab 1459 gehörte der Ort zum Amt Gudensberg, das die niedere und peinliche Gerichtsbarkeit innehatte. Ekkebrecht von Grifte setzte 1478 für seine Frau einen Zins zu Ermetheis. Das Kloster Merxhausen erhielt 1535 1½ Tonnen Heringe, die zuvor an den Hof des Landgrafen nach Kassel geliefert werden mussten. Im Zinsregister des Jahres 1552 der Pfarrei von Kirchberg wurden Hermann Stauchen und Junghana Spernigk (auch Sinnigk genannt) als Fruchtzinspflichtige aufgeführt.

Während des Dreißigjährigen Krieges waren die Ermetheiser zu verschiedensten Zeiten auf der Flucht. Während des Siebenjährigen Kriegs blieb der Ort verschont.

Ab 1807, während der Zeit des Königreichs Westphalen, war Ermetheis dem Friedensgericht Niedenstein und dem Distrikt Kassel zugeordnet.

Im Jahr 1814 kam der Ort dann zum Kreis Fritzlar und gehörte wieder zum Amt Gudensberg. Nach der Aufteilung des Kurfürstentums Hessen in vier Provinzen gehörte Ermetheis dann zum Amt Niedenstein.

Am 1. September 1970 verlor Ermetheis im Rahmen der Gebietsreform in Hessen seine Selbstständigkeit und wurde ein Stadtteil von Niedenstein[2] im Landkreis Fritzlar-Homberg, der 1974 im Schwalm-Eder-Kreis aufging.

Evangelische Dorfkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das tonnengewölbte Untergeschoss des Westturms ist romanisch. Zum Schiff öffnet es sich in einem Rundbogen. Darüber befindet sich ein steinernes Geschoss mit kleinen Schlitzfenstern und darüber ein geschieferter Holzaufbau von 1667 mit achtseitigem Spitzhelm-Zeltdach und vier Ecktürmchen aus dem 17. Jahrhundert. Die Wetterfahne zeigt die Jahreszahl 1754. Das inzwischen baufällig gewordene Schiff wurde 1775 durch einen Fachwerkneubau mit Sandsteinummauerung ersetzt und 1830 nach Osten verlängert. Mitte der 1970er Jahre wurde das sich inzwischen bedrohlich zur Seite neigende Schiff durch Einziehen einer Stahlkonstruktion stabilisiert. Gleichzeitig wurde der Innenraum neu gestaltet und außen das Fachwerk wieder freigelegt.[3]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kulturelle Leben gestalten die Ortsvereine und Interessengemeinschaften:

  • FC Rot-Weiß Ermetheis
  • Freiwillige Feuerwehr Ermetheis
  • Heimat- u. Trachtenverein Ermetheis e.V.
  • Jugendclub Ermetheis e.V.
  • Ski-Club Ermetheis e.V.
  • SPD-Ortsverein Ermetheis
  • Seniorenclub Ermetheis
  • Waldinteressenten Ermetheis

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Ide: Von Adorf bis Zwesten: Ortsgeschichtliches Taschenbuch für den Kreis Fritzlar-Homberg. A. Bernecker, Melsungen, 1972 (S. 93–94)
  • Historisches Ortslexikon des Landes Hessen, Heft 2: Fritzlar-Homberg, S. 76 f.
  • R. Haarberg: Siedlungskundliche Untersuchung des Einzugsgebietes der Wiehoff und Matzoff in Niederhessen (Kreis Fritzlar-Homberg). In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 20 (1970), S. 20.
  • Ermetheis - Chronik eines Dorfes. Konzeption und Gestaltung: Waltraud Giesler, Gerhard Heinemann, Elisabeth Lindner, Katja Steinmetz, Hrsg. zur 650-Jahrfeier 1994, Hof- und Waisenhaus-Buchdruckerei, Kassel.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Gebiet, Bevölkerung“ im Internetauftritt der Stadt Niedenstein, abgerufen im September 2015.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 391.
  3. Kirchspiel Metze-Ermetheis-Gleichen: Kirchengemeinde Ermetheis