Erwin M. Ruprechtsberger

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Erwin M(aria) Ruprechtsberger (* 22. März 1952 in Linz) ist ein österreichischer Archäologe und Altertumswissenschaftler, der sich vor allem um die Erforschung der Stadt Linz und des oberösterreichischen Zentralraums verdient machte. Im Bereich der Urgeschichte leitete Ruprechtsberger zusammen mit Otto H. Urban ab 1989 das Projekt "Urgeschichtliche Siedlungen im Großraum Linz, im Zuge dessen die Entdeckung des mittlerweile überregional bekannten "Keltenschatzes von Linz" gelang. Von 2005-2016 folgte das Schwerpunktprogramm "Steinzeit", dessen Ergebnisse in mehrere Ausstellungen (zuletzt "Rätsel der Steinzeit zwischen Donau und Alpen", Linz-Regensburg 2011) sowie in eine Reihe von Monographien einfIossen. Diese wurden mit dem Geoarchäologen Alexander Binsteiner veröffentlicht. In Linz konnte Ruprechtsberger neue Erkenntnisse zum frühkaiserzeitlichen sowie spätantiken Lentia und dessen Gräberfeld (4./5. Jahrhundert n. Chr.) vorlegen und die Lage des mittelkaiserzeitlichen Kastells klären. Hand in Hand mit der Ausgrabungs- und Forschungstätigkeit gingen zahlreiche Expositionen, für deren Konzeption und Organisation Ruprechtsberger im Rahmen seiner musealen Tätigkeit verantwortlich zeichnete.

Erwin M. Ruprechtsberger studierte klassische Altertumskunde, Altphilologie sowie Byzantinistik und Christliche Archäologie an den Universitäten Wien und Salzburg. Mit einer Dissertation zum Thema Die Terra sigillata des Ennser Museums wurde er 1975 promoviert. 1978 wurde er zum Stadtarchäologen von Linz ernannt, wo er ab 1990 auch die Funktion des stellvertretenden Direktors des Stadtmuseums Linz (Nordico) ausgeübt hatte. 1986 habilitierte sich Ruprechtsberger mit der Arbeit Beiträge zur provinzialrömischen und spätantiken Archäologie für Römische Altertumskunde und Provinzialrömische Archäologie. Seitdem lehrte er an der Universität Salzburg als Dozent, von 1995-2006 als a.o.Professor; von 2006-2016 dozierte er als Gastprofessor an der Universität Graz. 2017 trat Ruprechtsberger in den Ruhestand.

Ruprechtsberger hat bislang weit über 500 Publikationen veröffentlicht, davon mehr als 50 mit monografischem Charakter, oftmals im Bereich der Museumspublikation. Er führte Ausgrabungen im Großraum Linz, in Burgund unter der Leitung von Otto H. Urban sowie im Nahen Osten durch. Genannt seien hier seine Forschungen in Baalbek (Libanon), in Palmyra und am Mount Hermon (Syrien), wo er das Gipfelheiligtum in 2814 m Höhe mit Unterstützung und unter der Ägide des österreichischen UNO-Kontingents im Djolan in Syrien freigelegt hat. Viele Surveys führten ihn in die Sahara Nordafrikas und in die Maghrebstaaten. In Tobruk (Libyen) widmete er sich der topographischen Erschließung des römischen Kastells von Antipyrgos und der Freilegung eines Eck- und Zwischenturmes. Daneben kommt ihm das Verdienst zu, das antike Berbervolk der Garamanten in Libyen dem deutschen Sprachraum erschlossen und bekannt gemacht zu haben.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Beitrag zu den römischen Kastellen von Lentia. Die Terra sigillata. Stadtmuseum, Linz 1980 (Linzer archäologische Forschungen = LAF 10)
  • Römerzeit in Linz. Bilddokumentation. Mit einem Ausblick auf Ur- und Frühgeschichte, Linz 1982 (LAF 11).
  • Archäologische Ausgrabung 1982 in der Lessingstrasse in Linz. Stadtmuseum, Linz 1984 (LAF 12).
  • (Hg.) Etrusker. Aspekte etruskischer Kunst, Linz 2. Aufl. 1985 (LAF 13/1).
  • Die Archäologische Sammlung im Stift St. Florian, Linz 1986 (SchrROÖMusVer 12).
  • (Hg.) Palmyra. Geschichte, Kunst und Kultur der syrischen Oasenstadt, Linz 1987 (LAF 16).
  • (Hg.) Armenien. Frühzeit bis 1. Jahrtausend. Sprache, Kunst und Geschichte, Linz 1989 (LAF 18).
  • (Hg.) Syrien. Von den Aposteln zu den Kalifen. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1609-7 (LAF 21).
  • Vom Mount Hermon zum Djebel Burqush. Archäologische Forschungen in Syrien 1992-1993, Linz 1994 (LAF Sh 11).
  • Die römische Limeszone in Tripolitanien und der Kyrenaika, Tunesien, Vom Steinbruch zum Jupitertempel von Heliopolis/Baalbek (Libanon – Libyen), Stuttgart 1993 (Schriften Limesmuseum Aalen 47).
  • Ein spätantikes Säuglingsgrab mit reichen Beigaben aus Lentia/Linz, Linz 1996 (LAF 24).
  • Geschichte von Enns, zus. mit W. Katzinger und J. Ebner, Linz 1996.
  • Berge, Beile, Keltenschatz, zus. mit O. H. Urban, Linz 1998 (LAF 27).
  • (Hg.) 1200 Jahre Martinskirche Linz, zus. mit B. Prokisch, Linz 1999 (KatOÖLandesmus 143)
  • Die Garamanten. Geschichte und Kultur eines libyschen Volkes in der Sahara. Zabern, Mainz 1997. ISBN 3-8053-1544-9 (Sonderhefte der Antiken Welt/Zaberns Bildbände zur Archäologie).
  • Das spätantike Gräberfeld von Lentia (Linz). Ausgrabung Tiefer Graben/Flügelhofgasse, Mainz 1999, ISBN 3-88467-045-X (Monographien des Römisch-Germanisches Zentralmuseum zu Mainz Band 18).
  • Vom Steinbruch zum Jupitertempel von Baalbek/Heliopolis (Libanon), Linz 1999 (LAF 30).
  • Eine Töpferwerkstätte in Linz aus der Zeit um 1600, zus. mit P. Trebsche, Linz 2003 (LAF Sh 28).
  • Ritzinschriften auf Keramikfunden aus dem antiken Lentia/Linz, Linz 2004 (LAF Sh 30).
  • Neufunde von bronzezeitlichen Schwertern aus Luftenberg und Steyregg – Zur Spätbronzezeit im Linzer Raum, zus. mit O. H. Urban, Linz 2004 (LAF Sh 31).
  • Einige Gedanken zum zeitlichen und kulturellen Umfeld des Märtyrers Florianus von Norikum – ein Essay, Linz 2003 (LAF Sh 29).
  • Neue Beiträge zum Kastell von Lentia/Linz, Linz 2005 (LAF 36).
  • Tobruk/Antipyrgos (Libyen) – Ein Beitrag zur Archäologie und Topographie der Stadt, Linz 2005 (LAF Sh 32).
  • Mondsee-Kultur und Analyse der Silexartefakte von See am Mondsee, zus. mit A. Binsteiner, Linz 2006 (LAF Sh 35).
  • Linzer Keltenforschung, zus. mit O. H. Urban, Linz 2007 (LAF Sh 36).
  • Zwei frührömische Erdkeller und deren Inhalt. Linz/Keplerwiese 2008, zus. mit O. H. Urban, Linz 2010 (LAF Sh 44).
  • Jungsteinzeitliche Silexartefakte und Keramik im Raum Linz und in Oberösterreich, zus. mit A. Binsteiner, Linz 2008 (LAF Sh 41).
  • Antikes Mactaris. Die Schnitterinschrift CIL VIII 11.824, zus. mit R. Lukits, Linz 2008 (LAF Sh 42).
  • (Hg.), Libyen. Geschichte-Landschaft-Gesellschaft-Politik, zus. mit F. Edlinger, Wien 2009.
  • Urgeschichte(n) aus Linz und dem Linzer Raum, Linz 2009 (LAF 39).
  • Späte Altsteinzeit im Linzer Raum, zus. mit A. Binsteiner, Linz 2009 (LAF 43).
  • Das Donau-Enns-Paläolithikum, zus. mit A. Binsteiner, Linz 2011 (LAF Sh 45).
  • Von der Alt- zur Jungsteinzeit. Die Berglitzl bei Gusen im Spannungsfeld der Forschung, zus. mit A. Binsteiner, Linz 2010 (StKulturGeschOberöst 29).
  • Die Kyrenaika als römische Provinz. Mit Blick auf Urgeschichte und frühislamische Zeit, Linz 2012 (LAF 42). ISBN 978-3-85484-441-7.
  • Ein hochmittelalterliches Schwert aus dem Donauschotter bei Steyregg, Linz 2012 (LAF Sh 46).
  • Vom Keltenschatz zum frühen Linze, zus. mit O. H. Urban, Linz 2013 (LAF 43).
  • Neue Steinzeitfunde im Unteren Mühlviertel, zus. mit A. Binsteiner, Linz 2013 (LAF Sh 48).
  • Vom Libanongebirge in die Syrische Wüste, Linz 2014 (LAF Sh 49).
  • Steinzeit im Mühlviertel, zus. mit A. Binsteiner und O. Chvojka (LAF Sh 50).
  • Archäologische Forschungen (1983-2014) im Nordwesten der Provinz Norikum, Linz 2014 (LAF 52).
  • Steinzeit an der Enns, zus. mit A. Binsteiner, Linz 2016 (LAF 47).
  • (Hg.), Tunesien – Beiträge zur Archäologie, Geologie und Geschichte, Linz 2017 (LAF 48)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]