Esaias Compenius der Ältere

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Esaias Compenius der Ältere (* 1566; getauft am 8. Dezember 1566 in Eisleben; † 1617 in Hillerød?) war ein deutscher Orgelbauer.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beginn einer Abschrift des Traktates Orgeln Verdingnis

Esaias Compenius, der bis 1606 mit Cumpenius unterschrieben hat, wurde am 8. Dezember 1566 in Eisleben, St. Andreas getauft. Er war Organist sowie fürstlicher Orgel- und Instrumentenmacher. Schon sein Vater, Heinrich Compenius der Ältere, war ein Orgelbauer von Rang, ebenso wie sein Bruder Heinrich Compenius der Jüngere und Timotheus Compenius.[1] Esaias war der begabteste der Söhne Heinrichs und bedeutendste Vertreter der Orgelbauerfamilie.[2] Bis 1585 wurde er in der väterlichen Werkstatt in Nordhausen ausgebildet und war dort im Anschluss von 1586 bis 1589 Mitarbeiter.[3]

Esaias Compenius war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe, die um 1588 geschlossen wurde, ging sein Sohn Adolph (um 1588–1650) hervor, der ebenfalls Organist und Orgelbauer wurde. Ein zweiter Sohn war der Wolfenbütteler Hofmusiker Christoph Compenius.

1589 kam es beim Bau der Orgel in Hettstedt zum Streit mit seinem Vater, sodass Esaias sich verärgert aus dem Bau zurückgezogen hat. Nur vordergründig ging es um die unterschiedlichen Arten der Windlade. Während Heinrich das System der Springlade bevorzugte, favorisierten Esaias und auch Timotheus Compenius die Schleiflade. Das Verhältnis war offensichtlich so gestört, dass sich Esaias zunächst in Magdeburg selbständig machte. Zwischen 1588 und 1602 verliert sich weitgehend die Spur von ihm. Ab 1605 stand im Dienst des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel als Fürstlich Braunschweigischer Orgel- und Instrumentenmacher.[4] Dort lernte er den Komponisten Michael Praetorius kennen, mit dem ihn offensichtlich eine Freundschaft verband. Compenius hatte nicht unerheblichen Einfluss auf das Praetorius’ Schrift De organographia (Syntagma musicum, Bd. 2, 1619).[5] Darin erwähnt Praetorius die Orgeln Verdingnis von Compenius, eine Anleitung zur Orgelprüfung, deren Veröffentlichung jedoch nicht mehr zustande kam.[6] In seiner Zeit in Wolfenbüttel/Braunschweig (1606–1612) war Compenius als zweiter Wolfenbütteler Hoforganist Lehrer seines Neffen Johannes Heckelauer (um 1610).[3] Ab 1612 wohnte er wieder in Magdeburg.

Compenius erhielt bedeutende Aufträge, die er allein nicht alle fertigstellen konnte. Zudem zog er sich um 1610 eine Augenverletzung zu, die möglicherweise beim Löten entstanden war, was den Kroppenstedter Orgelneubau zusätzlich verzögerte.[7] Aufgrund der sich hinziehenden Bauzeit, die schließlich zehn Jahre umfasste, entstand ein Streit, der in einem heftigen Briefwechsel seinen Niederschlag fand. Im Jahr 1616 plante Compenius einen Umzug nach Braunschweig. Seine 1610 erbaute Orgel zu Schloss Hessen überführte er 1617 in die Kapelle von Schloss Frederiksborg bei Kopenhagen. Dass er dort erkrankte, starb und begraben wurde,[7] ist nicht dokumentiert.

Die Orgel von Schloss Frederiksborg ist vollständig erhalten. Mit seinen Registern aus erlesenen Hölzern steht das Instrument in der Tradition des organo di legno. Es ist besonders kostbar ausgestattet und unterlag offensichtlich keinen finanziellen Beschränkungen. Die Registerzüge sind aus reinem Silber gefertigt, die Prospektpfeifen, Manualuntertasten und die Pedalklaviatur mit Elfenbein belegt.[8]

Oft wird Esaias Compenius der Ältere mit seinem Neffen, dem Orgelbauer Esaias Compenius dem Jüngeren, verwechselt.

Nachgewiesene Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1589 Hettstedt St.-Jacobikirche Umbau und neues Rückpositiv, gemeinsam mit seinem Vater; nicht erhalten
um 1590 Magdeburg St. Katharinen nicht näher bekannte Arbeiten; nicht erhalten
1603–1605 Gröningen Schloss Halberstadt St Martini Orgel 2.jpg II/P 59 Reparatur und Wartungsarbeiten; Gehäuse mit Prospektpfeifen in St. Martini (Halberstadt) erhalten → Gröninger Orgel
1605–1610 Hessen am Fallstein bei Wolfenbüttel Schloss FrederiksborgCompeniusPipesWide.JPG II/P 27 Neubau;[9] 1617 von Compenius nach Schloss Frederiksborg umgesetzt; dort vollständig erhalten → Orgel von Schloss Frederiksborg
1603–1613 Kroppenstedt Martinikirche Kroppenstedt Orgel.JPG II/P 20 Neubau; Gehäuse und 3 Register erhalten
1615 Wolfenbüttel Marienkapelle Neubau; nicht erhalten
vor 1617 Magdeburg-Sudenburg St. Ambrosius Neubau; nach 1606 von Heinrich Compenius dem Jüngeren vollendet; nicht erhalten
1615–1617 Bückeburg Bückeburger Stadtkirche Bückeburg Stadtkirche Orgel op. 114.jpg III/P 33 Neubau; von Adolph Compenius vollendet? Die bei Praetorius überlieferte Disposition III/P/48 scheint nicht zur Ausführung gekommen zu sein.[7] Pfeifenwerk nach mehreren Umbauten ersetzt; Gehäuse 1962 einem Brandanschlag zum Opfer gefallen; 1997 Rekonstruktion durch Rudolf Janke[10]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Michael Praetorius: Orgeln Verdingnis, Bau und Liefferung sowohl in neuer Verfertigung als revision alter Orgeln. 1619.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Aumüller, Helga Brück, Ernst Bittcher: Die Compenius-Orgel der Prediger-Kirche in Erfurt. Die Familie Cumpenius/Compenius und der mitteldeutsche Orgelbau im 17. Jahrhundert. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt. 73 (N.F. 20). Gütersloh 2012, S. 185–207 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Gerhard Aumüller, Wolf Hobohm, Dorothea Schröder: Harmonie des klanglichen und der Erscheinungsform – Die Bedeutung der Orgelbauerfamilien Beck und Compenius für die mitteldeutsche Orgelkunst der Zeit vor Heinrich Schütz. In: Schütz-Jahrbuch. Band 32, 2010, S. 51–105.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Compenius. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1115–1116.
  • Salomon Kümmerle: Compenius, Familie. In: Encyklopädie der evangelischen Kirchenmusik. Band 1. Gütersloh 1888, S. 286 f.
  • Uwe Pape (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 1: Thüringen und Umgebung. Pape, Berlin 2009, ISBN 978-3-921140-86-4, S. 43.
  • Gottfried Rehm: Die Compenius-Orgel zu Kroppenstedt. Niebüll 2002, S. 73.
  • Winfried Schlepphorst: Compenius, Familie. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart 2. Personenteil, Band 4. Bärenreiter/Metzler, Kassel/Stuttgart 2000, Sp. 1438–1446.
  • Thekla Schneider: Die Orgelbauerfamilie Compenius. In: Archiv für Musikforschung. Band 2, 1937, S. 8–76.
  • Thekla Schneider: Compenius. Esaias. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 334 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Esaias Compenius der Ältere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Esaias Compenius – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Er wird in der Literatur auch als sein Bruder oder sein Onkel bezeichnet. Nachgewiesen als Sohn ist er bei Günter Dippold: Timotheus Compenius (erwähnt 1585–1608). Orgelbauer und Organist. In: Günter Dippold, Alfred Meixner (Hrsg.): Staffelsteiner Lebensbilder. Staffelstein 2000, S. 51–54 (Staffelsteiner Schriften 11) (online, PDF-Datei, gesehen 31. Dezember 2012).
  2. Schlepphorst: Compenius, Familie. 2000, Sp. 1439.
  3. a b Pape: Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 1. 2009, S. 43.
  4. Thekla Schneider: Compenius. Esaias. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 334 (Digitalisat).
  5. Thekla Schneider: Compenius. Esaias. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 334 f. (Digitalisat).
  6.  Wikisource: Orgeln Verdingnis – Quellen und Volltexte
  7. a b c Schlepphorst: Compenius, Familie. 2000, Sp. 1440.
  8. Dorothea Schröder: Orgeln und Orgelbau im Herzogtum Wolfenbüttel 1580–1650, S. 11 (PDF-Datei; 438 kB), gesehen 30. Dezember 2012.
  9. Weitere Beispiele für die ungewöhnliche Pedaldisposition mit Bauernflöte/Blockflöte 1′ und Regal/Schalmei 4′ werden genannt bei Franz Bösken, Hermann Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte. 29,1). Band 3: Ehemalige Provinz Oberhessen. Teil 1: A–L. Schott, Mainz 1988, ISBN 3-7957-1330-7, S. 250.
  10. Orgel in Bückeburg, gesehen 29. Dezember 2012.