Essek William Kenyon

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Essek William Kenyon (auch E.W. Kenyon; * 24. April 1867 in Hadley, New York (Bundesstaat); † 19. März 1948) war ein evangelikaler Pastor der New Covenant Baptist Church und Präsident des Bibelinstitutes in Spencer, Massachusetts. Er gilt als Vorläufer der Word of Faith - Bewegung.

Leben[Bearbeiten]

Kenyon wurde als Sohn einer armen Familie geboren. Obwohl er in seiner Jugendzeit selbst kaum zur Kirche ging, wurde er mit Anfang 20 Mitglied einer Methodistischen Kirche in Amsterdam (New York) - dort hielt er auch seine erste Predigt. Er bestritt seinen Lebensunterhalt zu dieser Zeit als Klavier- und Orgelverkäufer. Entsprechend seinem Wunsch Schauspieler zu werden besuchte er ab 1892 die Emerson School of Oratory in Boston, brach dieses Studium jedoch schon nach einem Jahr wieder ab. Während seiner Zeit auf der Emerson School kam er in Kontakt mit dem so genannten New Thought Movement, welches sein Verständnis der christlichen Lehre bedeutend prägte. In seinen jungen Jahren bezeichnete sich Kenyon selbst als Agnostiker.

1893 heiratete Kenyon Evva Spurling, die sich ebenfalls als Agnostikerin verstand. Kurz nach ihrer Hochzeit besuchten die beiden zusammen einen baptistischen Gottesdienst und wurden gläubige Christen - daraufhin gab Kenyon sein Vorhaben Schauspieler zu werden auf und wurde Pastor einer kleinen Gemeinde in Elmira (New York).

1898 eröffnete er das Bethel Bible Institute in Spencer (Massachusetts), welches er bis 1923 als Präsident leitete, um dann nach einer kurzen Zeit als Pastor einer baptistischen Gemeinde in Pasadena (Kalifornien) im Jahr 1931 die New Covenant Baptist Church in Seattle aufzubauen. Dort startete er auch ein Radio-Predigtprogramm, Kenyon's Church of the Air.

Obwohl Kenyon zu Lebzeiten keine sehr große Bekanntheit genoss, haben seine Lehren - vor allem im Bezug auf Heilung und Glaube - viele Prediger der nachfolgenden Zeit bis in die Gegenwart geprägt. Vor allem bei Vertreter eines so genannten Wohlstandsevangeliums sind seine Ideen bis heute weit verbreitet.[1] Obwohl Kenyon selbst - wie auch viele, die heute noch seinen Lehren folgen - stets eine inhaltliche Verbindung zum New Thought Movement abstritten, so wird diese doch bei genauerer Betrachtung seiner Theologie offenbar.[2]

Theologie[Bearbeiten]

Kenyon betonte den Gedanken, dass sich die Natur Gottes und der menschliche Verstand vereinigen können, so dass das Göttliche ein Teil des Bewusstseins des Gläubigen wird. Durch die Erkenntnis der göttlichen Offenbarung könne man die Grenzen der Sinne und des Verstandes überschreiten, und so "im Glauben" handeln. Das In-Worte-Fassen der eigenen Bedürfnisse und Wünsche - also des "Innern" einer Person - ist für Kenyon eine Art Vermittlung zwischen physischen und spirituellen Bereichen. So stammt von ihm auch der bis heute im Word of Faith - Movement weit verbreitete Satz:[3] "Was ich bekenne, besitze ich." [4]

Daniel Ray McConnell setzt sich in seiner Publikation "Ein anderes Evangelium" ausführlich mit Kenyon auseinander. Er sieht in Kenyons Lehren eine dualistische Erkenntnistheorie, welche für ihn wiederum vom New Thought Movement abgeleitet ist: Der Geist bilde die grundlegende, idealerweise allmächtige göttliche Identität einer Person. Aus von Kenyon immer wieder betonten Annahme, dass Heilung zuerst auf spiritueller Ebene geschehe, bevor sie sich auf der physischen Ebene manifestiert, ergibt sich eine hierarchische Struktur der Realität: Der geistige, spirituelle Bereich ist sowohl Entwurf als auch Vorwegnahme von Ereignissen in der physischen Welt. Das Individuum befinde sich so im ständingen Wettstreit der Kräfte Begrenzung (z.B. Menschliche Fehlbarkeit) und Transzendenz (das Grenzenlose der göttlichen Identität).[5]

Publikationen[Bearbeiten]

  • The Wonderful Name of Jesus. Westcoast Publishing Co., Los Angeles, 1927
  • Jesus the Healer. Kenyon's Gospel Publishing Society, 1940
  • The Two Kinds of Faith. Seattle, 1942
  • New Creation Realities. Seattle, 1945
  • What happend from the Cross to the Throne. Seattle, 1945
  • In His Presence. 14. Auflage, Lynnwood; Washington, Kenyon Gospel Publishing Society, 1969
  • The Bible in the Light of Our Redemption. Kenyon's Gospel Publishing Society, Our Redemption, 1969
  • The Hidden Man. Kenyon's Gospel Publishing Society, 1970
  • Two Kinds of Life. Kenyon's Gospel Publishing Society, 1971
  • Identification: A Romance in Redemption. Kenyon's Gospel Publishing Society, 1986
  • The Father and His family; or, A restating of the plan of redemption. Reality press, Spencer (Mass.), 1916
  • Power of Your Words. Whitaker Distributors, 1995, ISBN 0883683482 (zusammen mit Don Gossett)
  • The Power of Spoken Faith. Whitaker House, 2003, ISBN 0883686759 (zusammen mit Don Gossett)
  • Die zwei Fragen der Gerechtigkeit. Die wichtigste Botschaft, die der Gemeinde jemals angeboten wurde. Shalom Verlag, Runding. Ohne Jahr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joe McIntyre: E.W. Kenyon and His Message of Faith: The True Story. Creation House, 1997, ISBN 0884194515
  • Dale H. Simmons: E. W. Kenyon and the Postbellum Pursuit of Peace, Power, and Plenty. Scarecrow Press, 1997, ISBN 081083264X
  • D. R. McConnell: Ein anderes Evangelium?. Verlag C. M. Fliß, 1. Auflage 1990.
  • Geir Lie: E.W. Kenyon, Cult founder or evangelical minister?: An historical analysis of Kenyon's theology with particular emphasis on roots and influences. Refleks Publishing, 2003.
  • Simon Coleman, The Globalisation of Charismatic Christianity: Spreading the Gospel of Prosperity, Cambridge University Press, 2000 (S.43ff).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Randall Herbert Balmer, Encyclopedia of Evangelism, Artikel "Kenyon, E(ssek) W(illiam)", Westminster John Knox Press, 2002 (S. 317).
  2. Simon Coleman, The Globalisation of Charismatic Christianity: Spreading the Gospel of Prosperity, Cambridge University Press, 2000 (S.44).
  3. Simon Coleman, The Globalisation of Charismatic Christianity: Spreading the Gospel of Prosperity, Cambridge University Press, 2000 (S.44f).
  4. Im Original: "What I confess, I possess." E. W. Kenyon,The Hidden Man, Kenyon's Gospel Publishing Society, 1970.
  5. Simon Coleman, The Globalisation of Charismatic Christianity: Spreading the Gospel of Prosperity, Cambridge University Press, 2000 (S.45).

Weblinks[Bearbeiten]