Eveline Lemke

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Eveline Lemke (2014)

Eveline Lemke (* Juni 1964 in Hamburg) ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen in Rheinland-Pfalz. Von 2008 bis 2011 war sie Sprecherin des grünen Landesverbands Rheinland-Pfalz. Vom 18. Mai 2011 bis 18. Mai 2016 war sie dort Stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung.[1]

Lemke engagiert sich im Sport, früher als Trainerin für Step-Aerobic, dann als Vorsitzende des VfL Kirchen.[2] Am 12. März 2011 wurde sie zur Präsidentin des Leichtathletik-Verbandes Rheinland gewählt.[3] Sie lebt in Bad Bodendorf.

Vor Rheinland-Pfalz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundespressekonferenz mit Anton Hofreiter und Simone Peter (von links)

Ihr Vater Dietrich Lemke war GEW-Vorsitzender in Hamburg, dessen Bruder Willi Lemke in Bremen Senator und Manager von Werder Bremen (beide Mitglieder der SPD). Im Juli 1981 machte sie ein High-School-Diplom in Burlington (Vermont)/USA. Ihr deutsches Abitur erwarb Lemke im Juni 1984 am Gymnasium Bramfeld, Hamburg. Es folgte eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin in den Sprachen Englisch und Spanisch an der Staatlichen Fremdsprachenschule Mittelweg, Hamburg-Rotherbaum, die sie 1985 erfolgreich abschloss. Anschließend machte sie bei der Carl Spaeter GmbH in Hamburg eine Ausbildung im Groß- und Außenhandel und erwarb im Mai 1987 ihren Abschluss. Zwischen Juli 1987 und November 1991 arbeitete Lemke bei der DEUMU Deutsche Erz- u. Metall-Union GmbH als Assistentin der Geschäftsführung, wo sie auch für Projektarbeit in der Datenverarbeitung und Organisation abgestellt wurde. Nach einem nicht abgeschlossenen Studium der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre (Vordiplom 1993) an der Universität Hannover bildete sie sich während der Familienpause im Bereich der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität in Hagen weiter.

Ihren beruflichen Wiedereinstieg als kaufmännische Angestellte fand sie ab März 2000 bis August 2005 bei Bündnis 90/Die Grünen im Hochtaunuskreis. Im Netzwerk Verband für Wirtschaft und Umwelt war sie von 2001 bis 2007 mit ELZ – Büro für betriebliche Beratung als Unternehmensberaterin tätig. Lemke ist seit 1995 aktives Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Von 2001 bis 2005 war sie Fraktionsvorsitzende in der Gemeindevertretung Neu-Anspach und gehörte kurze Zeit dem Kreistag des Hochtaunuskreises an. Im Jahr 2005 zog sie in den Westerwald.

Politische Tätigkeit in Rheinland-Pfalz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Daniel Köbler (von links) und Cem Özdemir unmittelbar nach der Wahl zur Spitzenkandidatin
Eveline Lemke und Claudia Roth kurz vor Beginn der närrischen Traditionssitzung Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht

Von Mai 2006 bis Dezember 2007 war sie Mitglied im Vorstand des Kreisverbands Altenkirchen. Im Juni 2008 wurde sie Beisitzerin im Vorstand des Ahrweiler Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen und ist seit 2010 deren Vorstandssprecherin.

Im November 2006 wurde Eveline Lemke (zu dieser Zeit noch E. Lemke-Ziebeil) als Nachfolgerin von Tabea Rößner zur Sprecherin des Grünen Landesverbands Rheinland-Pfalz gewählt; dieses Amt trat sie zeitgleich mit ihrem Co-Sprecher Nils Wiechmann an.[4] Zu dieser Zeit befand sich die Landespartei in einer schweren Krise, da sie ein halbes Jahr zuvor den Wiedereinzug in den Landtag nicht geschafft hatte. Im November 2008 bestätigte die Landesdelegiertenversammlung Lemke in ihrem Amt als Sprecherin, das sie bis 2011 innehatte. Vom 18. Juni 2011 bis zur Auflösung des Gremiums im Jahr 2013 war sie im Landesparteirat.[5]

Als Spitzenkandidatin der rheinland-pfälzischen Grünen aus dem Wahlkreis Remagen/Sinzig wurde Eveline Lemke bei der Landtagswahl am 27. März 2011 in Rheinland-Pfalz in den Landtag gewählt. Sie führte zusammen mit Daniel Köbler die Koalitionsverhandlungen mit der SPD unter Kurt Beck. Der Koalitionsvertrag wurde im Mai 2011 geschlossen.[6]

Am 18. Mai 2011 wurde Lemke vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck zur Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung der rot-grünen Landesregierung sowie zur stellvertretenden Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz ernannt (Kabinett Beck V, Kabinett Dreyer I).

Lemke koordinierte für die Rot-Grün regierten Länder die Verhandlungen im Gesetzesverfahren Standortauswahlgesetz[7] zur Endlagerung von atomarem Müll. Das Gesetz passierte 2013 den Bundesrat.

Auf Landesebene widmete Lemke sich zunächst den Rahmengebungen zur Energiewende, wie der Landesplanung LEP IV[8], Gründung der Energieagentur[9] RLP und einer Innovationsstrategie für Rheinland-Pfalz. Im Mittelpunkt[10] ihrer Arbeit im Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung RLP (MWKEL) stand eine ressourcenschonende Industriepolitik, der Fachkräftemangel, die berufliche Bildung und eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sowie die Klimapolitik. Unter ihrer Leitung führte das Ministerium einen regionalen Wohlfahrtsindex ein.[11]

Lemke wurde erneut mit Daniel Köbler als Spitzenkandidaten für Bündnis 90/Die Grünen zur Landtagswahl 2016 aufgestellt. Die Grünen zogen jedoch nur mit einem Wahlergebnis von 5,3 % in den Landtag ein. Mit der darauf folgenden Bildung am 18. Mai 2016 der ersten rheinland-pfälzischen Ampel-Regierung (bestehend aus SPD, FDP und den GRÜNEN) endete ihre Amtszeit als Ministerin. In der laufenden Wahlperiode war sie vom 18. Mai 2016 bis 1. April 2017 Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtages.[12] Ihre Nachfolgerin wurde Katharina Binz.

Berufliche Tätigkeit ab 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eveline Lemke wurde am 1. April 2017 Präsidentin der privaten Karlshochschule in Karlsruhe, die sie jedoch im Juli 2017 "aus unterschiedlicher Auffassungen zur künftigen Ausrichtung der Hochschule", so ein Sprecher der Hochschule, bereits wieder verließ.[13][14] Bei Lemkes Amtsantritt wurde kritisiert, dass sie als Hochschulpräsidentin keinen Studienabschluss habe.

Funktionen und Gremien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitglied des Vorstandes der Stiftung für Innovation[15]
  • Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation[16]
  • Mitglied im Kuratorium des Forums für Zukunftsenergien[17]
  • Mitglied des Bundesrates von Mai 2011 bis Mai 2016
  • Mitglied im Kuratorium AFS Interkulturelle Begegnungen[18]
  • Stellvertretendes Mitglied der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 03/2011, Koalitionsvertrag, Den sozial-ökologischen Wandel gestalten, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Rheinland-Pfalz, Mainz, 101 Seiten
  • 2011, Wachstum erreicht immer das Niveau unserer Lebensphilosophie, TOP-Magazin-Mainz, Ausgabe 3, 5. Jahrgang, Mainz, Seite 8 - 10
  • 2011, Mit neuen Kompetenzen auf Herausforderungen reagieren in Rheinland-Pfalz, Das Wirtschaftsmagazin, Büro für Publizistik GmbH, Neckarzimmern, Seite 4, 5
  • 02/2012, Rheinland-Pfalz auf dem Weg zur regenerativen Stromversorgung bis 2030 in 'Ein Jahr Energiewende - Erfahrungsberichte", Forum für Zukunftsenergien, Berlin, Schriftenreihe Band 5, Seite 104 - 110
  • 02/2012, Die Energiewende ist auch ein Lebensgefühl in 'Bundesländer mit neuer Energie', Agentur für Erneuerbare Energien, Berlin, Jahresreport 2011/2012, S. 134 - 127
  • 2013, Tradition trifft Innovation - Rheinland-Pfalz packt die Zukunft an in 'Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz', Europäischer Wirtschaftsverlag, Darmstadt, Seite 13 - 17
  • 2012, Perspektiven für Rheinland-Pfalz, Nachhaltigkeitsstrategie des Landes, Fortschreibung 2011, Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, Mainz, Seite 5
  • 4.7.2013, Das Morgen Denken, das Morgen gestalten, Regierungserklärung zu Nachhaltiger Wirtschaftspolitik in Rheinland-Pfalz im Landtag, Mainz, Plenum-Protokoll 3354
  • 2013, Nachhaltiges Wirtschaften durch Kreislaufwirtschaft in 'Bio- und Sekundärrohstoffverwertung VIII', Witzenhausen-Institut Neues aus Forschung und Praxis, Wieder, Kern, Russen, Witzenhausen, S. 100 - 106 2013, Healthcare Management in Rheinland-Pfalz in Healthcare-Guide, Ghorfa, Arab-German Chamber of Commerce and Industry, Berlin, Seite 86 - 89
  • 02/2014, Die Energiewende als Triebkraft für die europäische Integration in 'Wie kann die Energiewende im Europäischen Kontext gelingen', Forum für Zukunftsenergien, Schriftenreihe Band 7, Berlin, Seite 134 - 140
  • 02/2014, Wirtschaftsförderung für Green Economy in 'Wirtschaft mit Weitblick', ZIRP Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz e. V., Mainz, Seite 11
  • 13.05.2014, Innovationsstrategie des Landes Rheinland-Pfalz in Beschluss des Ministerrates der Landesregierung von Rheinland-Pfalz, Vorlage MWKEL, Mainz
  • 03/2015, Netzumbau ist keine Hürde für Energiewende in 'Bundesländer mit neuer Energie', Agentur für Erneuerbare Energien, Jahresreport 2014/2015, Berlin, S. 122 - 125
  • 02/2015, Integrierte Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien in 'Wie soll das System der Energieversorgung der Zukunft aussehen', Forum für Zukunftsenergien, Schriftenreihe Band 8,  Berlin, Seite 126 - 133 04/2015, Der lange Weg zu einem Wertstoffgesetz, in 'Wasser und Abfall 04-2015', Springer Viewer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Seite 4
  • 12.11.2015, Unternehmen Klimaschutz, Regierungserklärung zur Vereinbarkeit von Klimaschutz und wirtschaftlichem Handeln in Rheinland-Pfalz, im Plenum des Landtages, Mainz, Protokoll 16/108, Ziffer 7135
  • 2015, Perspektiven für Rheinland-Pfalz , Nachhaltigkeitsstrategie des Landes, Fortschreibung 2015, Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, Mainz, Seite 5.
  • 11.11.2015, Der ländliche Raum, ein wirtschaftlicher Zukunftsstandort in 'Starke Wirtschaft, starke Regionen', ZIRP Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz e.V., Mainz, Seite 17 - 20
  • 06/2015, Briefe zur Transformation: Flächenverbrauch stoppen: Das Beispiel Rheinland-Pfalz, in Novum Heft 6 "Boden", Gut Wetter Verlag UG, Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft e. V., Berlin, Seite 6[20]
  • 1. Dezember 2016, Politik hart am Wind. GRÜNE Perspektiven für ein gutes Leben, Eveline Lemke, Oekom Verlag, München, ISBN 978-3-86581-846-1
  • Eveline Lemke, in: Internationales Biographisches Archiv 26/2011 vom 28. Juni 2011, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eveline Lemke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. mwkel.rlp.de
  2. VfL Kirchen 1883 e.V.: Der VfL (Memento vom 9. April 2008 im Internet Archive); Version der Seite vom 9. April 2008.
  3. Bodendorferin heute zur LVR-Präsidentin gewählt; www.wir-in-bad-bodendorf.de vom 12. März 2011
  4. Joachim Winkler: Nils Wiechmann und Eveline Lemke-Ziebeil gewählt. Die Grünen suchen neue Wege; Rhein-Zeitung vom 27. November 2006.
  5. Bündnis 90/Die Grünen Rheinland-Pfalz: Landesparteirat
  6. Koalitionsvertrag
  7. Standortauswahlgesetz
  8. Landesplanung LEP IV
  9. Energieagentur
  10. [1]
  11. https://mwvlw.rlp.de/de/themen/wirtschafts-und-innovationspolitik/nachhaltigkeit/regionaler-wohlfahrtsindex/
  12. Landtag Rheinland-Pfalz: [http://www.landtag.rlp.de/Abgeordnete/Ausgeschiedene-Nachruecker/ Landtag Rheinland-Pfalz - Ausgeschiedene/Nachrücker.] Abgerufen am 11. April 2017.
  13. Zur Jahreswende 2016, für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt!
  14. Lemke verlässt Karlshochschule
  15. Vorstandes der Stiftung für Innovation
  16. Kuratoriums der Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation
  17. Kuratorium des Forums für Zukunftsenergien
  18. Kuratorium AFS Interkulturelle Begegnungen
  19. [2]
  20. Eveline Lemke:  Evelines Lebenslauf. In: eveline-lemke.de. Abgerufen am 7. November 2016.