Explorer (Schiff, 1969)

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Explorer
Die Explorer zwischen lockerem Packeis und Schelfeisteilen vor dem antarktischen Schelfeis.

Die Explorer zwischen lockerem Packeis und Schelfeisteilen vor dem antarktischen Schelfeis.

Schiffsdaten
Flagge LiberiaLiberia Liberia
andere Schiffsnamen
  • Society Explorer
  • Lindblad Explorer
Schiffstyp Kreuzfahrtschiff
Rufzeichen ELJD8[1]
Heimathafen Monrovia
Eigner G.A.P. Shipping, Bahamas
Reederei G.A.P. Adventures
Bauwerft Nystads Varv, Nystad[1]
Baunummer 260
Stapellauf 14. Dezember 1969
Verbleib am 24. November 2007 gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
72,88[1] m (Lüa)
Breite 14,0 m
Tiefgang max. 4,2 m
Vermessung 2.346 BRZ / 773 NRZ
Maschine
Maschine dieselmechanisch
2 × Dieselmotor (Atlas-MaK 8M452C)[1]
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
2.795 kW (3.800 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
11 kn (20 km/h)
Propeller 1 × 4-Blatt-Verstellpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 560[1] tdw
Zugelassene Passagierzahl 118
Sonstiges
Klassifizierungen

Det Norske Veritas

Registrier-
nummern

IMO-Nr.: 6924959[1]

Die Explorer war ein Kreuzfahrtschiff, das vom kanadischen Reiseveranstalter G.A.P. Adventures für Expeditionskreuzfahrten eingesetzt wurde. Sie sank am 23. November 2007 in antarktischen Gewässern, nachdem sie vermutlich einen Eisberg gerammt hatte.

Geschichte des Schiffes[Bearbeiten]

Society Explorer 1988 im Panamakanal

Die Explorer wurde 1969 auf der Nystads Varv im finnischen Nystad gebaut und als Lindblad Explorer unter der Flagge Norwegens in Dienst gestellt. Das Kreuzfahrtschiff war eines der ersten, das speziell für Reisen in entlegene Gegenden der Erde, insbesondere auch in die Polarregionen, gebaut wurde. Es verfügte über einen Verstellpropeller sowie ein Bugstrahlruder und war mit Stabilisatoren ausgerüstet. Die Reichweite des Schiffes betrug mindestens 5300 Seemeilen.

Nachdem das Schiff mehrfach verkauft worden war, kam es 1985 zum ehemaligen, auch die World Discoverer betreibenden Bremer Reiseveranstalter Society Expeditions und wurde in Society Explorer umbenannt. Seit 1992 hieß das Schiff Explorer[1], seit Ende 2004 fuhr es für G.A.P. Adventures unter der Flagge Liberias.

Im Februar 1972 lief das Schiff in der Antarktis in der Nähe des La Plaza Point auf Grund, konnte aber vom Hochseeschlepper Arctic wieder freigeschleppt werden.[2] 1989 war es an einer Rettungsaktion für ein vor der Anvers-Insel auf Grund gelaufenes, argentinisches Versorgungsschiff beteiligt.

Das Schiff, das aufgrund seiner Farbe auch liebevoll das „kleine rote Schiff“ genannt wurde,[3] befuhr als erstes Kreuzfahrtschiff 1984 die Nordwestpassage.[4] Weiterhin war es das erste Kreuzfahrtschiff, das 1970 in die Antarktis fuhr und sie 1973 von Neuseeland nach Argentinien teilweise umrundete, das den Amazonas von Brasilien nach Perú befuhr und 1988 Prowidenija in Sibirien anlief.[5][6] Südgeorgien widmete dem Schiff ein Briefmarkenmotiv.

Unfall in der Antarktis im November 2007[Bearbeiten]

-62.4-57.266666666667Koordinaten: 62° 24′ 0″ S, 57° 16′ 0″ W

Karte: Antarktis
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Ort der Havarie
Magnify-clip.png
Antarktis
Sinkende Explorer

Am Morgen des 23. November um 5:24 Uhr UTC kollidierte die Explorer, die sich auf einer Kreuzfahrt vom argentinischen Ushuaia zur Antarktischen Halbinsel befand, etwa 26 Seemeilen östlich der zu den Südlichen Shetlandinseln gehörenden King-George-Insel vermutlich mit einem Eisberg und schlug dabei leck. Etwa 15 Stunden nach der Kollision, nach Angaben von G.A.P. Adventures bereits gegen 19 Uhr UTC,[7] sank sie in etwa 1.100 Meter Tiefe.[8]

91 Passagiere, neun Expeditionsleiter und Lektoren sowie 52 Besatzungsmitglieder begaben sich in die Rettungsboote und wurden von der sich in der Nähe befindenden Nordnorge, ein in den Sommermonaten der Südhemisphäre auch für Kreuzfahrten in die Antarktis eingesetztes Schiff der norwegischen Hurtigruten, aufgenommen.[9] Der Kapitän und der Erste Offizier blieben an Bord und versuchten, das Schiff schwimmfähig zu halten, gaben jedoch im Laufe des Tages auf.[3] Die Nordnorge brachte die Schiffbrüchigen zur chilenischen Antarktisstation Presidente Eduardo Frei Montalva auf der King-George-Insel.[10] Von dort wurden sie in den folgenden beiden Tagen mit einem Lockheed C-130 Hercules-Transportflugzeug der chilenischen Luftwaffe zum Stützpunkt Punta Arenas geflogen.[11][12]

Durch den Untergang des Schiffes flossen etwa 185.000 Liter Treibstoff ins Meer. Argentinien kündigte an, sich für eine Einschränkung des Antarktistourismus einsetzen zu wollen.[13]

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Auch Wissenschaftler forderten, es sollten weniger Touristen in den sensiblen Lebensraum Antarktis reisen, um die Gefahr derartiger Unfälle zu verringern.[14]

Im Januar 2008 wurde das Wrack der Explorer durch das britische Forschungsschiff Endurance am Nordwest-Ende der Bransfieldstraße auf der Position 62° 24′ 18″ S, 57° 11′ 46″ W-62.404881666667-57.196246666667 und damit rund vier Kilometer von der Stelle des Untergangs entfernt in einer Tiefe von 1.130 m lokalisiert.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Explorer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Lindblad Explorer (1969), Fakta om Fartyg (Schwedisch), aufgerufen am 18. Dezember 2010.
  2. Jan Mordhorst: Schlepper. Einsatz im Hafen und auf hoher See. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2008, S. 65, ISBN 978-3-7822-0974-8
  3. a b Havarie im Eis: Kapitän gibt Passagierschiff auf, Spiegel Online, 23. November 2007.
  4. Havarie in der Antarktis: Kreuzfahrtschiff rammt Eisberg - Leck im Rumpf, Spiegel Online, 23. November 2007.
  5. Information about the M/S EXPLORER, G.A.P. Adventures (via Internet Archive).
  6. M/S Explorer, Eagle-Eye Tours (via Internet Archive).
  7. Explorer News, G.A.P. Adventures (via Internet Archive).
  8. Kreuzfahrtschiff nach Eisberg-Kollision gesunken, Die Welt, 23. November 2007.
  9. Stricken Antarctic ship evacuated, BBC News, 24. November 2007.
  10. Drama in der Antarktis: „Explorer“ rammt Eisblock, n-tv, 23. November 2007.
  11. „Explorer“-Unglück: Militär fliegt Schiffbrüchige aus, Spiegel Online, 25. November 2007.
  12. Glückliches Ende nach Drama im Eismeer, Lübecker Nachrichten, 25. November 2007 (via Internet Archive).
  13. Untergang der „Explorer“: Drama im Eismeer findet glückliches Ende, Spiegel Online, 25. November 2007.
  14. Bestand der Adelie-Pinguine stark gesunken, Die Welt, 11. März 2008.
  15. HMS Endurance finds sunken Little Red Ship, MV Explorer, BYM Marine & Maritime News, 28. Januar 2008 (Englisch).