Ferchesar

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Ferchesar
Koordinaten: 52° 39′ 21″ N, 12° 26′ 50″ O
Höhe: 35 m ü. NN
Fläche: 28 km²
Einwohner: 328 (30. Aug. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 12 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 2002
Postleitzahl: 14715
Vorwahl: 033874
Ferchesar (Havel)

Lage von Ferchesar in Havel

Ferchesar [fəʁˈçeːzaʁ] ist ein Ortsteil der zum Amt Nennhausen gehörigen und seit der Gemeindegebietsreform am 31. Dezember 2002 bestehenden Gemeinde Stechow-Ferchesar.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferchesar liegt im Westen des Landes Brandenburg im Landkreis Havelland ca. 12 km nordöstlich von Rathenow und ca. 60 km westlich von Berlin-Spandau. Die Region um Ferchesar ist sehr wald- und seenreich. Der Ort selbst liegt am Ende des Hohennauener-Ferchesarer Sees. Als weitere Seen in unmittelbarer Nähe zu Ferchesar gehören der Fennsee, Trintsee und Lochower See.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Ferchesar entspringt, wie viele Orte des Landkreises Havelland, einer slawischen Siedlung. Schon der Name des Ortes lässt diesen slawischen Ursprung erkennen. Er leitet sich vom polabischen verch für oberen Teil und jezer für See ab (vgl. niedersorbisch wjerch und jazor). Verch-jezer kann also als „Ort auf einer Höhe am See gelegen“ oder auch als „Ort am oberen Teil (Kopf) des Sees“ übersetzt werden. Urkundlich wurde Ferchesar erstmals im Jahr 1438 erwähnt. In diesem Schriftstück hatte Markgraf Friedrich der Jüngere Eggert von Stechow mit den von ihm erkauften und ererbten Güter zu Ferchesar und Stechow belehnt.

Der Ort Ferchesar war über Jahrhunderte viergeteilt, in vier Rittergütern. Den 1. Anteil besaß 1438–1686 ein Herr von Knoblauch zu Ferchesar. Den 2. vor 1476 Herr Wennemar und von 1467 bis 1686 die von Lochows zu Nennhausen und Bamme. Ab 1737 ging dieser Anteil an die von Bredows auf Wagenitz über. Der 3. Anteil wurde von ca. 1540 bis nach 1745 von den Bredows auf Friesack, Wagenitz und Senzke belehnt. Der 4. Teil wurde gemäß einer Urkunde des Kurfürsten Johann von 1496 bis 1872 von den Knoblauchs zu Pessin und Ferchesar belehnt. Nachfolgend wird nur noch von einem Rittergut Ferchesar geschrieben. Inmitten brannte Ferchesar bis auf die Kirche im Jahr 1612 ab.

Für die Familie von Knoblauch auf Ferchesar steht zu Beginn der langen Ahnenreihe prägend der Arend von Knoblauch-Pessin, verstorben 1536. Ferchesar ist zu jener Zeit ein Nebengut, kein Hauptsitz. Arend ist auch der Stammvater verschiedener Familienlinien. Aus dem Paus Pessin II und III beginnt mit Lorenz von Knoblauch die Stammreihe zu Ferchesar. Drei Generationen später findet sich Kuno von Knoblauch auf Ferchesar, verheiratet mit Katharina Tugendreich von Lochow-Nennhausen. Deren Enkel wiederum, Friedrich Ludwig von Knoblauch-Ferchesar (1696–1771),[3] wurde Senior und Domherr des Hochstifts zu Brandenburg. Er war verheiratet mit Katharina Hedwig von Willmersdorff. Danach sind der Obergerichtsdirektor Otto Friedrich von Knoblauch und sein unverheirater Sohn Ludwig die Gutsherren. So folgt der Neffe Major Werner von Knoblauch-Logow (1833–1888).

In den Jahren 1830–70 entdeckten viele Grundbesitzer reiche Tonvorkommen auf ihren Feldern, womit der Aufschwung des Ziegelhandwerkes begann. Am 16. August 1846 brannte Ferchesar erneut fast nieder. Die Westseite des Dorfes sowie der Gutshof wurden dabei vernichtet. Als Folge daraus, wurden nach und nach die Rohrdächer der alten Fischer- und Bauernhäuser mit Ziegelsteinen eingedeckt, um die Brandgefahr im Dorf zu verringern. Mitte des 19. Jahrhunderts wird dann auch mehrfach neben der genealogischen Fachliteratur über den brandenburgischen Adel der jeweilige Gutsbesitz nach alten Handmatrikeln ausgewiesen. Ferchesar gilt als altes Lehngut, im Besitz des oben genannten Herrn Ludwig von Knoblauch.[4] Etwa zwei Jahrzehnte danach führt das Generaladressbuch der Rittergutsbesitzer im Königreich Preußen das Rittergut Ferchesar mit einem Umfang von 578 ha, davon 323 ha Wald, im Besitz des genannten Majors von Knoblauch.[5]

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Ferchesar oft als „Perle des Havellandes“ bezeichnet. Der Ort wurde und wird durch seine naturnahe ruhige Lage an der Ostspitze des Hohennauener-Ferchesarer See als Urlaubsort geschätzt.

Kurz vor der großen Wirtschaftskrise 1929/1930 war das Rittergut Ferchesar mit Vorwerk Alt- und Neu-Lochow bei Stechow damals mit gesamt 919 ha an Karl Schaper verpachtet. Eigentümer war Werner von Knoblauch-Ferchesar.[6] Werner von Knoblauch war Major und Ehrenritter des Johanniterorden. Als er 1938 in Ferchesar stirbt übernimmt seine Witwe Melanie, geborene von Thümen-Göbel, den Besitz. Sie lebte nach der Bodenreform in der DDR und wohnte bis zuletzt in Rathenow.[7]

Vom 2. April 1900 bis 1945 war Ferchesar ein Bahnhof an der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen.

Der Gastwirt Seeger eröffnete 1903 die erste Badestelle des Ortes. Die Badestrände und die gut ausgebauten Wander- und Radwege um den See und der Umgebung ziehen auch heute Touristen an.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den ältesten Gebäuden des Dorfes zählen einige alte Fachwerkgebäude und -scheunen aus dem 17. Jahrhundert. Die auf dem Dorfanger stehende Kirche wurde zwischen 1735 und 1737 erbaut. Allerdings sind von der alten Fachwerkkirche nur noch einige Wände des Kirchenschiffes erhalten. Der Turm wurde 1838 wieder in Fachwerkbauweise erneuert, 1906 abgerissen und 1907 als massiver Backsteinturm im neubarocken Stil wieder aufgebaut. Das doppelte Zwiebeldach vom Turm erinnert an das Wappen der Familie von Knoblauch. Die Kirche besitzt eine frühgotische Glocke. Aus dem 19. Jahrhundert stammt die Turmuhr, die ein Uhrwerk mit Gewichtszügen hat, welches alle 8 Tage aufgezogen werden muss.

Protestantische Dorfkirche
Turmuhr der Kirche

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr findet in Ferchesar Ende Juli/Anfang August ein Sommerfest statt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenamtlicher Ortsteilbürgermeister ist Lorenz Rauser.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heidrun Chmura: Ferchesar. In: Die Herrenhäuser des Havellandes. Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis in die Gegenwart. Hrsg. Almut Andreae, Udo Geiseler, Lukas-Verlag, Berlin, 2001, S. 115–118. ISBN 978-3-931836-59-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ferchesar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ferchesar – Einwohnerzahl. In: amt-nennhausen.de. Abgerufen am 22. August 2021.
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  3. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1902. Der in Deutschland eingeborene Adel (Deutscher Uradel). Adelige Häuser nach alphabetischer Ordnung, Dritter Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 9. November 1901, S. 480–483 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 4. Dezember 2021]).
  4. Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. 1857. In: Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Vorgängerausgabe der Güter-Adressbücher ab 1879. Provinz Brandenburg. Im Selbstverlag des Autors, Berlin 1857, S. 75 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 4. Dezember 2021]).
  5. P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 90–91, doi:10.18452/377 (hu-berlin.de [abgerufen am 4. Dezember 2021]).
  6. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher. Band VII. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. In: Mit Unterstützung von Staats-und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. 4. Auflage. Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe. Verlag Niekammer’s Adreßbücher G.m.b.H., Leipzig 1929, S. 136 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 4. Dezember 2021]).
  7. Walter v. Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser A (Uradel), 1973. In: Deutsches Adelsarchiv e. V., Ausschuss für adelsrechtliche Fragen der deutschen Adelsverbände (Hrsg.): GHdA Gesamtreihe von 1951 bis 2015. Band XII, Nr. 55. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1973, S. 180–190 (d-nb.info [abgerufen am 4. Dezember 2021]).
  8. Lorenz Rauser, auf: amt-nennhausen.de, abgerufen am 24. August 2016