Ferchland

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Dieser Artikel behandelt den Ortsteil der Einheitsgemeinde Elbe-Parey in Sachsen-Anhalt. Zu Personennamen siehe Britta Ferchland und Gertrud Ferchland.
Ferchland
Einheitsgemeinde Elbe-Parey
Wappen von Ferchland
Koordinaten: 52° 26′ 25″ N, 12° 0′ 9″ O
Höhe: 38 m ü. NHN
Fläche: 12,02 km²
Einwohner: 582 (1. Jan. 2015)
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. September 2001
Postleitzahl: 39317
Vorwahl: 039349
Kirche in Ferchland

Ferchland ist ein Ortsteil der Einheitsgemeinde Elbe-Parey im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Ferchland liegt am Ostufer der Elbe. Während das Ferchlander Steilufer der Elbe am Galgenberg eine Höhe von 61,8 Metern über dem Meeresspiegel erreicht,[1] fällt das Gelände in Richtung Osten bis zum Nachbarort Nielebock auf 35 Meter ab. Ein schmaler Streifen landwirtschaftlicher Flächen wird nördlich und südlich von Waldflächen gesäumt. Die Erhebung des Galgenberges setzt sich im Süden als Derbenscher Berg fort.[2]

Durch Ferchland verläuft die Kreisstraße 1196, die hier mittels Fährbetrieb die Elbe quert und die Verbindung zu den Nachbarorten Grieben (jenseits der Elbe) und Nielebock im Osten herstellt. Über die nordsüdlich durch den Ort führende Landesstraße 54 erreicht man Klietznick im Norden und Derben im Süden. Das in Parey gelegene Verwaltungszentrum der Einheitsgemeinde ist sieben Kilometer entfernt, bis zur Kreisstadt Burg sind es 26 Kilometer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon vor 4600 Jahren zur Steinzeit lebten Menschen im Raum des heutigen Ferchlands, so haben es archäologische Funde bewiesen. Außerdem wurden Überreste slawischer und germanischer Niederlassungen gefunden. Slawischen wie germanischen Ursprung schreiben Sprachwissenschaftler auch dem Ortsnamen zu, so soll die erste Silbe vom slawischen „vruchu“ – Gipfel abgeleitet sein, während „land“ eindeutig dem deutschen Sprachraum zuzuordnen ist. Von einem Ort „Verchlande“ ist in einer Urkunde vom 4. Dezember 1302 die Rede, in der Gerhard von Plotho mit dem Kloster Jerichow einen Vertrag über Waldnutzung abschließt. Es war die erste urkundliche Erwähnung Ferchlands.

Anhand von Scherbenfunden kann davon ausgegangen werden, dass es bereits zur Mitte des 12. Jahrhunderts einen beiderseits bewohnten Straßenzug gab. In einer weiteren Urkunde von 1376 ist von zwei Rittersitzen die Rede, einer im Besitz der Familie von Rauneberg, der andere gehörte Henning von Barby. 1435 werden die Familien von Redekin und von Clöden als Rittergutsbesitzer erwähnt. 1559 ist von einem Ritter von Randau die Rede, der sich wegen seiner Raubzüge mit der Stadt Magdeburg anlegte. Auch eine Anordnung des Magdeburger Erzbischofs Siegmund über die an die Kirche zu leistenden Abgaben um 1560 nennt zwei Rittergüter, daneben 29 Hauswirte.

Links der Kirche steht die Friedenseiche von 1871
Stockanker der Schiffsmühle

1722 wurde erstmals eine Elbfähre erwähnt, und 1729 wurde die alte bisher am Elbufer stehende Kirche durch einen Neubau am damaligen nordöstlichen Ortsausgang ersetzt. Nach schriftlicher Überlieferung soll es 1754 bereits eine Feuerwehr in Ferchland gegeben haben, und 1783 berichtet die Ortschronik über zahlreiche Todesfälle bei Kleinkindern durch Pocken, Fleckfieber und Ruhr. Als nach dem Wiener Kongress Preußen seine Territorialverwaltung neu ordnete, wurde Ferchland in den Kreis Jerichow II mit der Kreisstadt Genthin eingegliedert. 1820 gab es in Ferchland ein königliches Forsthaus, ein Fährhaus, zwei Krüge, zwei Windmühlen und eine Schiffsmühle, die 333 Einwohner lebten in 59 Wohnhäusern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Ort etwa 760 Einwohner. Die Gründung des Handwerkervereins „Deutsches Haus“ im Jahre 1902, weist auf eine starke Präsenz dieser Zunft hin. Die 1925 fertiggestellte Bahnstrecke Güsen–Jerichow mit ihrem Bahnhof „Ferchland“ bewirkte keine bedeutenden Strukturveränderungen, zumal sie in einiger Entfernung am Ort vorbeiführte.

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Ferchland mit der Landgemeinde Ferchland vereinigt.[3]

Größere Veränderungen brachten das Vorhaben der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft Berlin mit sich, in Ferchland ein Treibstofflager einzurichten. In Vorbereitung darauf wurde 1935 auf dem Galgenberg eine Wohnsiedlung errichtet, 1939 nahm das Lager seinen Betrieb auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden durch die von der sowjetischen Besatzungsmacht angeordnete Bodenreform die Rittergüter enteignet und der Grundbesitz an 66 Kleinbauern aufgeteilt. Sie wurden in den 1950er Jahren in genossenschaftliche Bewirtschaftung überführt. Der Fährverkehr wurde eingestellt und damit die Verbindung zum westlichen Elbufer unterbrochen. Als 1952 die DDR eine Gebietsreform durchführte, kam Ferchland in den Kreis Genthin. 1957 wurde eine katholische Kapelle eingeweiht, die 1991 wieder aufgegeben wurde.[4] 1964 lebten 1041 Menschen im Ort.

Die Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung stand zunächst im Zeichen der Struktursanierung, so die Installation eines zentralen Abwassernetzes. Am 4. April 1998 konnte nach fast fünfzigjähriger Unterbrechung wieder der Fährverkehr aufgenommen werden. Mehrere kleine Gewerbebetriebe, ein großer Holzverarbeitungsbetrieb und eine Tierproduktionsgenossenschaft etablierten sich. Daneben wurde mit der Einrichtung einer größeren Touristenstation die Voraussetzung für den Fremdenverkehr geschaffen. Anlässlich der 700-Jahr-Feier wurde am 8. Juni 2002 ein Windpark in Betrieb genommen. Am 1. September 2001 schloss sich Ferchland mit anderen Gemeinden zur Einheitsgemeinde Elbe-Parey zusammen.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortschaftsrat Ferchland besteht aus fünf Mitgliedern.

Ortsbürgermeister ist Otto Schmidt (WGFE).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber pfahlweise drei rote Fische, der obere und untere linksgewendet.“

Ferchland verwendete seit dem 18. Jahrhundert drei Fische im Bildsiegel. Diese Fische beziehen sich auf den einstigen Fischreichtum der Elbe, an der Ferchland mit seiner historischen und jetzt wieder eingerichteten Fähre liegt. Da sich die Fische mit der sogenannten Fettflosse ausweisen, handelt es sich offenbar um die Bezugnahme auf den Lachs. Auch die in beide Richtungen gerichteten Fische deuten den Lachszug in seinem Kommen und Gehen an.

Es war Beschluss der Gemeinde Ferchland vom 21. April 1998, die bisher verwendete Symbolik der Fische in das neu zu gestaltende Wappenbild aufzunehmen. Um sich vom Wappen der Gemeinde Derben, die mit Fischerei- und Fährrecht seit alters her mit Ferchland verbunden war, deutlich abzugrenzen, wurden die Fische im Wappen von Ferchland spiegelbildlich angeordnet und anders tingiert. Das Wappen gestaltete der Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch und führte es 1998 ins Genehmigungsverfahren.

Historisches Wappenbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Gemeinde Ferchland führte in ihrem Gemeindesiegel schon einmal ein wappenähnliches Siegelbild. Dieses wurde im Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg bis etwa der Einführung der Bezirke und Kreise in der DDR (1945-1952) benutzt. Eine weitere Quelle ist das Kreisheimatmuseum in Genthin.

Fähre Ferchland–Grieben, Blick Richtung Westufer

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Fähre Ferchland–Grieben zur Verbindung der Orte Ferchland und Grieben über die Elbe konnte ihren Betrieb 1998 wieder aufnehmen.[6]
  • Die in den Jahren 1729–1730[7] als Fachwerk-Kreuzkirche errichtete Dorfkirche Ferchland steht heute im Zentrum des Dorfes.[8] Der Kirchturm musste 1935 bis auf den massiven Sockel abgerissen und nach Vorgabe der Denkmalschutzbehörde in Höhe und Form des alten Fachwerkturmes neu errichtet werden.[9]
Die romanische Vorgängerkirche, vermutlich aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, lag früher am Elbufer und musste schließlich wegen drohender Einsturzgefahr abgebrochen werden.[10]
  • Zwei Gedenksteine auf dem Kirchplatz erinnern an alle Dorfbewohner, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen sind.[11]
  • Vor der Kirche befindet sich die Friedenseiche von 1871.
  • Einen weiten Ausblick auf die Elbauen hat man vom Galgenberg nahe der Fähre, der sich am Steilufer mehr als 30 Meter (61,8 Meter über NN) über die Elbe erhebt.[12]
  • Eine Dampf-Holländermühle von 1892 ist heute stillgelegt und ohne Flügel. Sie wurde zuletzt mit Strom angetrieben.
  • Vor dem ehemaligen Fährhaus liegt der Stockanker aus dem 18. Jahrhundert, der hier in früheren Zeiten eine Schiffsmühle auf seiner Position in der Elbe hielt.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • CD Sachsen-Anhalt – Amtliche Topografische Karten, Landesamt für Landesvermessung und Geoinformation, 2003.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Wedau: Meine Heimat im Jerichower Land. Ferchland in alten Bildern und Berichten. Ferchland 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ferchland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hafenstadt am „Blauen Band“ - die Magdeburger Elbschiffahrt, Heimatmuseum Tangermünde, Havelschiffahrt unterm Segel, Die Elbe bei Ferchland v. Paul Ahlemann, Dorfchronik
  2. Geographische Karte von Dr. Aribert Kampe
  3. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 223.
  4. Katholische Kapelle auf Internetpräsenz der Pfarrei Genthin
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
  6. Fähre Ferchland-Grieben
  7. Kirchen im Jerichower Land, Seite 37, Dorfkirche Ferchland
  8. Dorfkirche Ferchland auf Touristinfo
  9. Genthiner Wochenblatt v. 1935, Volksstimme vom 6. August 2014, Familienwissen
  10. Dorfchronik und Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abt. Magdeburg, A 9c XI Kriegs- und Domänenkammer zu Magdeburg. Amt Derben mit Ferchland, Nr. 28, Bl. 171.
  11. Weltkriegsopfer auf www.volksstimme.de
  12. Info zum Galgenberg auf der Ferchlandseite der Gemeinde