Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin

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Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin
Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin
Daten
Ort Berlin-Lichterfelde
Architekt Gerd Hänska
Kurt Schmersow
Bauherr Freie Universität Berlin
Baustil Brutalismus
Baujahr 1981
Bauzeit 1971–1981 (mit Unterbrechungen)
Koordinaten 52° 26′ 12,4″ N, 13° 19′ 1,5″ OKoordinaten: 52° 26′ 12,4″ N, 13° 19′ 1,5″ O

Die Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin der Charite, ehemals Zentrale Tierlaboratorien der Freien Universität Berlin, ist ein wissenschaftliches Forschungsgebäude. Sie gehört seit 2003 zur Charité und werden heute als Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin bezeichnet. Umgangssprachlich ist das Gebäude als Mäusebunker bekannt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit Klinikum Steglitz (Universitätsklinikum Benjamin Franklin) und dem Institut für Hygiene und Umweltmedizin bildet sie den zentralen Bereich des Campus Benjamin Franklin der Charité in Berlin-Lichterfelde. Die Lage der Forschungseinrichtung befindet sich an der Krahmerstraße, zwischen Hindenburgdamm und Teltowkanal. Der längliche Bau steht in etwa in Nord-Süd-Ausrichtung mit der nördlichen Giebelseite an der Krahmerstraße; der südliche Giebel zeigt in Richtung Bäkestraße.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gesamtform des Gebäudes handelt es sich um einen in die Länge gezogenen Pyramidenstumpf, dessen Oberfläche vollkommen aus Sichtbeton besteht. Besonders Merkmal sind die blau lackierten Belüftungsrohre, die an vielen Stellen weit aus den Längsfassaden herausragen. Fassadenöffnungen an den Längsseiten sind als dreieckige Fensterelemente ausgeführt, deren Tetraeder ebenfalls aus der Fassadenebene herausstehen. Eine Besonderheit besteht in der Dimensionierung des Lüftungssystems. Jedes zweite Geschoss ist als Technikgeschoss ausgeführt, um so große raumlufttechnische Anlagen zu beherbergen. Die Abstände von Geschossoberdecke zu Geschossoberdecke unterschieden sich jeweils danach, ob es sich um ein Technikgeschoss (2,70 m) handelt oder ein Regelgeschoss (3,20 m) handelt. Die innere Struktur ist kleinteilig und besitzt eine große Anzahl zellenartiger Räume. Im Inneren wurde viel Edelstahl verwendet, vor allem bei Türen und Wandverkleidungen der Labore.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude war sowohl Ort für Tierversuche als auch Ort der Aufzucht der Versuchstiere. Das Gebäude enthält sowohl Labore und Büros als auch Tierställe für die Tierhaltung. Der Umfang von Tierversuchen im Rahmen der medizinischen Forschung ist mittlerweile so weit zurückgegangen, dass die Charité die Nutzung des Gebäudes aufgegeben hat. Ein Abriss ist geplant.

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planungsbeginn der Forschungseinrichtung ist nicht eindeutig belegbar. Angaben in der Literatur nennen als Planungsbeginn 1965, 1966 oder 1967. Ein vollständiger Gebäudeentwurf lag spätestens 1967 vor. Baubeginn war 1971, jedoch wurde der Bauprozess von 1975 bis 1978 unterbrochen, wegen hoher Kostenüberschreitung. Fertigstellung war erst 1981. Der Entwurf stammt von dem Ehepaar Gerd Hänska (1927–1996) und Magdalena Hänska. Bei der Ausführung arbeitete Gerd Hänska stattdessen zusammen mit dem Architekten Kurt Schmersow. Um die Konstruktion und Materialien der Fassaden testen, errichtete man zuerst einen Versuchsbau an der Bäkestraße.[1] Dieser sogenannte Kleine Mäusebunker wurde bereits abgerissen.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die öffentlichen Reaktionen auf das Gebäude waren zu allen Zeiten kontrovers. Die Kritik richtete sich gegen die Nutzung für Tierversuche, gegen die hohen Kosten und gegen die wehrhafte Gestaltung als Betonpyramide.[2] Besondere Bedeutung hat das Gebäude erlangt, seit die Phase der späten Nachkriegsmoderne zum Gegenstand für Architekturgeschichte und Denkmalpflege geworden ist. Die gestiegene Wertschätzung für Bauten des Brutalismus hat dazu geführt, dass die Aufmerksamkeit für die Forschungseinrichtung stark zugenommen hat. An mehreren Stellen ist das Gebäude als eins der bedeutenden Beispiele für Brutalismus in Deutschland bezeichnet worden.

Abrissdebatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bekanntwerden der Abrisspläne seitens der Charité begann eine öffentliche Debatte um den Erhalt. Sowohl Berliner Landesdenkmalamt als auch der Denkmalrat der Stadt haben sich dahingehend geäußert, dass das Gebäude die Kriterien eines Baudenkmals erfüllt. Ein Eintrag in die Denkmalliste des Landes Berlin wurde allerdings noch nicht vorgenommen. Eine Petition, die Denkmalschutz für das Gebäude und das benachbarte Hygieneinstitut fordert, hat innerhalb von vier Wochen mehr als 4000 Unterstützer gefunden.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Teil V, Band B: Hochschulen. Michael Imhof, Petersberg 2004, ISBN 3-937251-48-0.
  • Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert, Gabi Dolff-Bonekämper (Hrsg.): Baukunst der Nachkriegsmoderne – Architekturführer Berlin 1949–1979. Reimer, Berlin 2013, ISBN 978-3-496-01486-7.
  • Oliver Elser, Philip Kurz, Peter Cachola Schmal (Hrsg.): SOS Brutalismus – Eine internationale Bestandsaufnahme. Park Books, Zürich 1997, ISBN 3-03860-074-1.
  • Falk Jaeger: Bauen in Deutschland. Ein Führer durch die Architektur des 20. Jahrhunderts in der Bundesrepublik und in West-Berlin. Hatje, Stuttgart 1985, ISBN 3-7757-0182-6.
  • Rolf Rave, Hans-Joachim Knöfel, Jan Rave: Bauen der 70er Jahre in Berlin. G + H, Berlin 1994, ISBN 3-920597-40-0.
  • Martina Schilling (Hrsg.): Freie Universität Berlin – Ein Architekturführer zu den Hochschulbauten. Braun, Berlin 2011, ISBN 978-3-03768-017-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Flickr-user Pete Shacky: Kleiner Mäusebunker, Baekestr., Berlin Lichterfelde. In: Flickr.com. 24. März 2010, abgerufen am 2. Mai 2020.
  2. Peter-Matthias Gaede: Ein Platz für viele Tiere. In: GEO. Nr. 11. Gruner + Jahr, Hamburg 1984, S. 148–170.
  3. Petition unterschreiben. In: change.org. Abgerufen am 3. Mai 2020.