Johann König (Galerist)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Johann König (* 22. Juli 1981 in Köln) ist ein deutscher Unternehmer und Kunstvermittler.

Johann König (2019)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann König wurde als Sohn der Illustratorin und Schauspielerin Edda Köchl-König und des Kunstprofessors und Kurators Kasper König geboren.[1][2]

Aufgrund der Ernennung Kasper Königs zum Direktor der Städelschule zog die Familie 1988 von Köln nach Frankfurt am Main. Bei einem Unfall mit explodierenden Schwarzpulverkügelchen aus eigenmächtig zerbrochenen Patronen einer für sportliche Wettkämpfe gedachten Startschusspistole verlor Johann König 1992 im Alter von elf Jahren einen Großteil seines Augenlichts.[3] Außerdem erlitt König durch die Explosion schwere Verletzungen an beiden Händen, weshalb er jahrelang in den Fingerkuppen kein Gefühl mehr besaß.[4] Nach mehreren Operationen und teilweiser Genesung konnte Johann König seine Schulzeit an der Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg mit Abitur abschließen.[5]

2002 gründete König die Galerie für zeitgenössische Kunst in Berlin. Er realisierte Ausstellungen von später international etablierten Künstlern wie Tue Greenfort, Jeppe Hein, Annette Kelm, Michael Sailstorfer oder Tatiana Trouvé.

Die Galerie hatte ihren ersten Standort am Rosa-Luxemburg-Platz gegenüber der Volksbühne und zog 2006 in eine ehemalige Industriehalle in der Nähe des Martin-Gropius-Baus und der Neuen Nationalgalerie.

Signatur von Galerist Johann König (Oktober 2019)

2012 pachtete König gemeinsam mit seiner Frau Lena vom Erzbistum Berlin das Gemeindezentrum St. Agnes in Berlin-Kreuzberg für 99 Jahre. Nach den Plänen der Berliner Architekten Brandlhuber+ Emde, Burlon wurde der Kirchenraum durch Riegler Riewe Architekten zum Galerieraum umgebaut. Im Jahr 2015 bezog die KÖNIG GALERIE die Räume. 2016 erhielten Johann und Lena König als Bauherren, Brandlhuber+ Emde, Burlon und Riegler Riewe Architekten sowie Werner Düttmann als ursprünglicher Architekt der St. Agnes-Kirche, den Architekturpreis Berlin.[6] Johann König ist Jurymitglied des Architekturpreises Berlin 2020.[7] Er ist außerdem Jurymitglied von PArt, einer Initiative der Spiegelberger Stiftung die Künstler während der Corona-Pandemie unterstützt[8] und der Berlin Masters Foundation, die jährlich den TOY BERLIN MASTERS AWARD vergibt.[9]

Durch seine immer wieder aufsehenerregenden Ausstellungen in den beeindruckenden Räumen der St. Agnes-Kirche hat König seine Galerie zu einem der wichtigsten Orte für zeitgenössische Kunst in Deutschland gemacht. So bezeichnete die FAZ ihn 2019 nicht umsonst als „Popstar unter den Galeristen“.[10]

Im Jahr 2017 eröffnete König eine weitere Galerie in einer ehemaligen Tiefgarage in London.[11] Im Jahr 2019 folgte eine weitere Dependance in Tokio im MCM-Haus in Ginza, die mit einer Ausstellung von Juergen Teller eröffnet wurde.[12]

Die KÖNIG Galerie vertritt zurzeit fast 40 Künstlerinnen und Künstler, darunter international bedeutende Positionen wie Katharina Grosse, Jorinde Voigt, Alicja Kwade, Elmgreen & Dragset, Jeppe Hein, Norbert Bisky, Erwin Wurm und Chiharu Shiota.

Seit Herbst 2017 erscheint halbjährlich das KÖNIG Magazin, das vor allem die Künstlerinnen und Künstler aus dem eigenen Galerieprogramm bespricht. Unter dem Namen KÖNIG Souvenir vertreibt die Galerie zudem eine eigene Linie an Designartikel, die oft in engem Zusammenhang zu aktuellen Ausstellungen herausgebracht werden.

Im Jahr 2019 veröffentlichte König zusammen mit Daniel Schreiber seine Biografie unter dem Titel „Blinder Galerist“.

Im März 2020 begann Johann König die „10am series“, eine Serie von Live Talks auf Instagram mit Künstlern, Kunstsammlern und Kreativen aus aller Welt, um während des Covid-19 bedingten Lockdowns weiterhin Zugang zu Kunst zu ermöglichen.[13]

Im Juni 2020 veranstaltete Johann König die erste Kunstmesse in seinen Galerieräumen, die unter dem Titel „Messe in St. Agnes“ mehr als 200 Kunstwerke aus dem Primär- und Sekundärmarkt zum Verkauf anbot.[14] In ihrer zehntägigen Laufzeit zog sie 4000 Besucher an.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2002 lebt Johann König in Berlin. 2012 heiratete er die Kunsthistorikerin Lena König. Er hat zwei Söhne und zwei Töchter.[15][16]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009 war Johann König als Galerist mehrfach in der „Power-100-List“ der englischen Zeitschrift Art Review vertreten (2009: Platz 88, 2010: Platz 84, 2011: Platz 96, 2012: Platz 99)[17] nachdem er zusammen mit seinem Vater und Onkel bereits 2005 auf Platz 27 gelistet war.[18]

In der 2008 von der italienischen Zeitschrift Flash Art International durchgeführten Künstlerbefragung nach den 100 international wichtigsten Galerien wurde Johann König auf Platz 14 gewählt.[19]

2011 erhielt Johann König zusammen mit der britischen Künstlerin Helen Marten für deren Einzelpräsentation auf seinem Messestand bei der Pariser Kunstmesse FIAC den Prix Lafayette.[20]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg Diez Königs Familie, in: DIE ZEIT vom 13. Oktober 2006, abgerufen am 2. Juni 2015
  2. Tanja Kewes, Carina Kontio: Johann König: "Das ist ja das Tolle an der Kunst, dass sie so frei ist". In: Handelsblatt. Abgerufen am 26. Oktober 2020.
  3. Johann König: Blinder Galerist. Autobiographie, Propyläen Verlag, Berlin, 1. Auflage, 2019. S. 44 ff.
  4. Böttinger trifft: Johann König. Dokumentarfilm von Fernsehjournalistin Bettina Böttinger, 30 Min. Produziert von Encanto Film- und Fernsehproduktions GmbH, Köln. Erstmalige Ausstrahlung im WDR Fernsehen am 9. Dezember 2019
  5. Jina Khayyer: Der King of Kunst oder auch „The Boy is a Genius“. In: The Germans. Nr. 3, 2013, S. 39–49. Text online verfügbar über waahr.de, abgerufen am 6. April 2016.
  6. Architekturpreis Berlin e.V.: Preisträger 2016. Abgerufen am 18. August 2020.
  7. Architekturpreis Berlin: Architekturpreis Berlin 2020. Abgerufen am 30. September 2020.
  8. PArt - Spiegelberger Stiftung. Abgerufen am 8. Oktober 2020.
  9. Berlin Masters Foundation. Abgerufen am 8. Oktober 2020.
  10. Hans Riebsamen: Fast blind: Der Popstar unter den deutschen Galeristen. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 18. August 2020]).
  11. Berliner König Galerie eröffnet Zweigstelle in London | Monopol. Abgerufen am 18. August 2020.
  12. Johann König: Dependance in Tokyo. Abgerufen am 18. August 2020 (deutsch).
  13. 'It Was a Long Day': We Spent 18 Frenzied Hours With Art Dealer Johann König as He Raced to Reopen His Berlin Gallery. 12. Mai 2020, abgerufen am 18. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  14. Kevin Hanschke: Messe in St. Agnes: Hybrid. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 19. August 2020]).
  15. https://www.hr2.de/podcasts/doppelkopf/ich-finde-wichtig-dass-man-sich-mit-kunst-auseinandersetzt--galerist-johann-koenig-ueber-bedeutung-von-kunst,podcast-episode-73582.html
  16. Hans Riebsamen: Fast blind: Der Popstar unter den deutschen Galeristen. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 18. August 2020]).
  17. „Power 100“ in: Art Review, Nr. 36.2009 (Nov.), S. 127; Nr. 45.2010 (Nov.), S. 144; Nr. 54.2011 (Nov.), S. 152
  18. "Power 100" in: Art Review, Nr. 58.2005 (Nov.), S. 86
  19. „Artist's Choice: Top 100 Galleries“ in: Flash Art International, Nr. 258.2008 (Jan./Feb.), S. 96, Mailand : Politi
  20. FIAC - Prix Lafayette 2011 (Memento des Originals vom 25. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fiac.com. Website der Reed Expositions France Ltd. Abgerufen am 1. Februar 2012.