Francisco Tárrega

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Francisco Tàrrega an der Konzertgitarre
Francisco Tàrrega von Vicent Castell (1904)

Francisco de Asís Tárrega y Eixea, auf Katalanisch Francesc d’Assís Tàrrega i Eixea, (* 21. November 1852 in Villarreal, Spanien; † 15. Dezember 1909 in Barcelona) war ein spanischer Gitarrist und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tárrega mit Freunden (v.l.n.r. Tonico Tello, Pascual Roch, José Orellana, Francisco Corell, Baldomero Cateura, Santacruz, Manuel Loscos, Francisco Tárrega und Vicente Puchol) im Museu de la Ciutat in Valencia, 1906

Francisco Tárrega stammte aus einer musikalischen Familie. Seinen ersten Gitarrenunterricht erhielt er als Achtjähriger. Da zu dieser Zeit das Klavier die Gitarre mehr und mehr verdrängte, empfahl Tárregas Vater ihm, das Klavierspiel zu erlernen, so dass Tárrega bereits in jungen Jahren beide Instrumente weitgehend beherrschte. 1862 wurde Tárrega Schüler des berühmten Gitarristen Julián Arcas (1832–1882).[1]

1869 erwarb Tárrega bei dem spanischen Gitarrenbauer Antonio de Torres (1817–1892) eine Gitarre, die sich von den bisherigen Instrumenten deutlich unterschied: durch eine moderne Form und eine auf 65 cm verlängerte Mensur (Abstand von Sattel und Steg). Dadurch war das neue Modell ungewöhnlich laut und klangvoll. Diese Gitarre sollte für Tárregas weiteres Gitarristenleben entscheidend werden.

1885 zog Tárrega mit seiner Frau María Josefa Rizo und dem Sohn Francisco nach Barcelona. Dort traf er auf die nationalspanischen Komponisten Isaac Albéniz (1860–1909) und Enrique Granados (1867–1916). Mit ihnen schloss er Freundschaft und transkribierte viele der Werke von Albéniz als erster für die Gitarre.

Drei Jahre vor seinem Tod erlitt Tárrega einen Schlaganfall, der zu einer halbseitigen Lähmung führte.[2]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schaffen und Wirken Tárregas bedeutet einen Markstein für die Entwicklung der Gitarrentechnik. Er gilt als der profilierteste Gitarrist und Lehrer seiner Epoche, als der Begründer einer neuen Schule, der sogenannten neuen spanischen Gitarrenschule.

Die charakteristische Besonderheit dieser Richtung ist der kraftvolle Ton, ein großer Klang, den Tárrega durch den bereits von Fernando Sor (1778–1839) beschriebenen angelegten Anschlag (Apoyando)[3] aus dem Instrument herauszuholen verstand. Ab 1902 musste er aufgrund einer Nagelbetterkrankung auf das mehrheitlich gepflegte Nagelspiel verzichten und zum hauptsächlichen Fingerkuppenanschlag wechseln, wenngleich er den Nagelanschlag in einzelnen Stücken weiterführte. Seine bekannteste Komposition, das Tremolostück "Recuerdos de la Alhambra", erhielt dadurch eine neue Klangdimension. Sein letzter und bedeutendster Schüler, Emilio Pujol, hat Tárregas Wiedergabe über Jahrzehnte als unvergleichlich hingestellt.[4] Hervorgegangen aus dem klassischen Spiel seiner Vorgänger Fernando Sor und Mauro Giuliani (1781–1829) entwickelte Tárrega deren Interpretationskunst weiter.

Tárrega hat mit seinen Kompositionen und didaktischen Werken Richtlinien geschaffen, die heute noch in aller Welt Gültigkeit haben. Dabei sind insbesondere der Apoyando-Anschlag und die bereits von Dionisio Aguado[5] vermittelte rechtwinklige Stellung der Anschlagfinger zu den Saiten zu erwähnen.

Tárregas Erben: Andrés Segovia (1893–1987), Miguel Llobet (1878–1938), Daniel Fortea (1878–1953) und Emilio Pujol (1886–1980)

Durch diese Neuerungen erweiterte Tárrega die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten der Gitarre. Seine Schüler, vor allem Emilio Pujol (1886–1980), Miguel Llobet (1878–1938) und Daniel Fortea (1878–1953) entwickelten Tárregas Stil in ihren Interpretationen wiederum weiter und halfen dadurch mit, Tárregas Methode zu einem heute in der ganzen Welt verbreiteten Stil zu machen.

Tárrega erweiterte das Gitarren-Repertoire durch zahlreiche Transkriptionen, die bis heute zu den erfolgreichsten und meistgespielten Stücken der Konzertprogramme zählen.

Zu seinen Kompositionen gehören zahlreiche Etüden und Tänze, Bearbeitungen einzelner Werke von J. S. Bach, Händel, Beethoven, Haydn, Mozart, Chopin, Schubert, Schumann. Eine der in der gegenwärtigen Alltagskultur verbreitetsten Melodien überhaupt, der Nokia Ringtone (Klingelton der Mobiltelefone der Firma Nokia), beruht auf Tárregas Gran Vals (Grande Valse).

Die Stadt Benicàssim richtet zu seinen Ehren seit 1967 jährlich den Wettbewerb Certamen Internacional de Guitarra Francesc Tàrrega aus.

Besondere Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Recuerdos de la Alhambra

Von besonderer Bedeutung und oft zu hören sind seine Werke (darunter auch Transkriptionen[6])

  • Gran Vals (Großer Walzer, die Takte 13–17 werden vom Handy-Hersteller Nokia als Audio-Logo und Klingelton Nokia Tune verwendet)
  • Recuerdos de la Alhambra (Erinnerungen an die Alhambra in Granada, Tremolo-Etüde)
  • Sueño (Traum, Mazurka)
  • Sueño (gleicher Titel, Tremolostudie)
  • Alborada (Morgenlied, Studie mit Flageoletttönen und gleichzeitigen Aufschlags- und Abzugsbindungen der linken Hand)
  • Lágrima (eines von 30 Präludien)
  • Capricho Árabe
  • Danza Mora
  • Adelita (Mazurka)
  • Marieta (Mazurka)
  • Tango María
  • Oremus (eines von 30 Preludes, geschrieben 15 Tage vor seinem Tod, ein Arrangement eines Auszuges des Klavierstücks „Phantasietanz“, No. 5 op. 124 Albumblätter von R. Schumann)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf Moser: Francisco Tárrega. Werden und Wirkung. Die Gitarre in Spanien zwischen 1830 und 1960. Edition Saint-Georges, Lyon 1996, ISBN 3-00-012750-X.
  • Torge Braemer: Sehr geehrter Herr Tárrega! Erinnerungen an die Familie. BoD, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5966-3.
  • Francisco Tárrega Eixea/ Torge Braemer: Francisco Tárrega Eixea. Tagebuch und Briefe - diario y cartas. BoD, Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8448-0033-3.
  • Emilio Pujol: Tárrega. Ensayo biográfico. Ramos, Afonso & Moita, LDA., Lissabon 1960.
  • Adrián Rius: Francisco Tárrega 1852–2002. Biografía Oficial. Guada Impresores, Vil-real 2002, ISBN 84-88331-82-7.
  • Matanya Ophee: Die Begünstigung von Francisco Tárrega. Teil I. In: Gitarre & Laute 3, 1981, 6, S. 22–27.
  • derselbe: Worin besteht eigentlich die Tárrega-Schule. In: Gitarre & Laute 4, 1982, Heft 1, S. 38–41, und Heft 3, S. 160–162.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Francisco Tárrega – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Graham Wade: A Concise History of the Classic Guitar, Mel Bay, Pacific 2001, S. 96
  2. Wolf Moser: Das Repertoire aus zweiter Hand. Die Geschichte der Übertragung und ihrer Aufgaben. In: Gitarre & Laute 9, 1987, 3, S. 19–26; hier: S. 23
  3. Matanya Ophee: Die Geschichte des Apoyando. In: Gitarre & Laute 4, 1982, 6, S. 354–365, insbesondere S. 365
  4. Matanya Ophee: Worin besteht eigentlich die Tárrega-Schule. In: Gitarre & Laute 4, 1982, 1, S. 38–41; hier: S. 40 f.
  5. Matanya Ophee: Die Geschichte des Apoyando, insbesondere S. 360–346
  6. Wolf Moser (1987), S. 22–24