Franz von Ballestrem

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Graf Franz von Ballestrem
Wappen der Grafen von Ballestrem

Graf Franz Karl Wolfgang Ludwig Alexander von Ballestrem (* 5. September 1834 auf Schloss Plawniowitz, Landkreis Gleiwitz, Oberschlesien; † 23. Dezember 1910 ebenda) war ein preußischer Gutsbesitzer, Montan-Industrieller und Politiker.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er entstammte dem Hause Ballestrem, einem vormals norditalienischen, später schlesischen Adelsgeschlecht und war der erste Sohn des Carl Wolfgang von Ballestrem (1801–1879) und dessen Ehefrau Betha von Leithold (1803–1874).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ballestrem diente ab 1855 als Offizier in der preußischen Armee beim traditionsreichen 1. Kürassierregiment (Schlesisches) in Breslau, ab 1860 als Regimentsadjutant und von 1867 an als Eskadronchef. Nach der Teilnahme am Krieg 1870/71 schied er verletzungsbedingt aus dem aktiven Dienst. Im Jahre 1895 wurde er zum Major der Reserve befördert.

Der überzeugte Katholik und „Drahtzieher schlesischer Kirchenpolitik“[1] wurde 1873 päpstlicher Geheimkämmerer di spade i cappa. Im Jahr 1890 war er Gründungs- und Vorstandsmitglied des „Volksvereins für das katholische Deutschland“. 1900 wurde er zum Wirklichen Geheimrat mit der Anrede „Exzellenz“ ernannt.

Politisch betätigte sich Ballestrem als Mitglied des schlesischen Provinziallandtags, war in den Jahren 1872 bis 1893 sowie 1898 bis 1907 als Abgeordneter der Deutschen Zentrumspartei Mitglied des deutschen Reichstags, dabei war er ab 1890 Fraktionsvorsitzender, wurde am 7. Mai 1890 an Stelle des verstorbenen Zentrum-Politikers Georg Arbogast von und zu Franckenstein (1825–1890) zum Vizepräsidenten gewählt (bis 1893) und war von 1898 bis 1906 Präsident des Reichstags. In den Jahren von 1904 bis 1906 hatte er im Reichstagspräsidentenpalais Amtssitz und Dienstwohnung. Von 1891 bis 1903 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses[2] und ab 1903 Mitglied des Preußischen Herrenhauses.[3]

Ballestrem war Ehrenritter des Malteserordens und in seinem Todesjahr 1910 noch dessen Komtur der Ballei Schlesien.[4]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er heiratete am 21. Juni 1858 auf Gut Tworkau (heute Ort in der Gemeinde von Krzyżanowice; Landkreis Ratibor, Oberschlesien) Hedwig Gräfin von Saurma, Freiin von und zu der Jeltsch (* 12. November 1838 in Breslau, Niederschlesien; † 5. März 1915 ebenda), die Tochter des Gustav Graf von Saurma, Freiherr von und zu der Jeltsch (1797–1879) und der Anna Gräfin von Schaffgotsch genannt Semperfrei (1800–1859). Das Paar hatte mehrere Kinder, darunter:

  • Valentin Wolfgang Gustav Alexander Joseph Christian (* 21. Dezember 1860; † 17. Mai 1920) ∞ Gräfin Agnes zu Stolberg-Stolberg (* 11. Mai 1874; † 26. März 1940)
  • Johann Baptists Wolfgang Karl Raphael (* 24. Oktober 1866; † 27 Juli 1929)
  • Pia Hedwigis Luise Katharina Viktoria (* 10. Februar 1869; † 10. Juli 1918)
  • Bertha Maria Ludmilla Maritia (* 7. April 1870; † 19. Mai 1939)
  • Gustav Franz Xaver Wolfgang Maria Friedrich Meinrad (* 16. April 1872; † 24. April 1909)[5]
  • Leo Wolfgang (* 20. Oktober 1873; † 4. Juli 1915) ∞ Eva von Durant (* 18. Oktober 1882; † 10. April 1958)
  • Ludwig-Carl (* 5. Oktober 1875; † 6. März 1957)
  • Elisabeth (* 16. April 1878; † 15. März 1969)
  • Marco (* 26. April 1881; † 17. April 1965)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Neubach: Franz Graf von Ballestrem, ein Reichstagspräsident aus Oberschlesien. Oberschlesischer Heimatverlag, Dülmen (Westfalen) 1984.
  2. Thomas Kühne: Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 6). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5182-3, S. 354–358.
  3. Bernhard Mann u. a. (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste Verlag, Düsseldorf 1988, S. 53.
  4. Lebenslauf aus Acta Borussica Band 8–10, siehe unter „Literatur“.
  5. Vermutlich der erste tödliche Autounfall in Oberschlesien Gedenkstein

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]