Frieda Fischer-Wieruszowski

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Frieda Fischer-Wieruszowski, geb. Bartdorff (* 24. März 1874 in Berlin; † 27. Dezember 1945 ebenda) war eine deutsche Kunstsammlerin und Stifterin. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Adolf Fischer leitete sie von 1914 bis zu ihrer Entlassung 1937 durch die Nationalsozialisten das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln. Sie verfasste zahlreiche Reisetagebücher und Publikationen über ostasiatische Kunst.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frieda Bartdorff wurde 1874 als Tochter eines Berliner Wäschefabrikanten geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin für Höhere Töchterschulen lernte sie Ende 1896 bei einer privaten Einladung in Gegenwart von Erich Schmidt den Privatgelehrten und Weltreisenden Adolf Fischer in seiner, im asiatischen Stil eingerichteten Wohnung Nollendorfeum kennen. Bereits einen Tag später, am 26. Dezember 1896, verlobte sich Frieda Bartdorff mit dem 19 Jahre älteren Fischer. Am 1. März 1897 heiratete das Paar. Die 20-monatige Hochzeitsreise führte im September 1897 über Wien, Ahmedabad, Hongkong, Formosa nach Japan und weckte auch bei Frieda Fischer das Interesse an ostasiatischer Kunst. Die umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen, die sie auf den Reisen anfertigte, schufen den Grundstock für ihr Japanisches Tagebuch, welches sie 1938 veröffentlichte. Die aus Asien mitgebrachten Kunstschätze stellte das Paar im Jahr 1900 während VI. Ausstellung der Wiener Secession aus und sammelte erste Erfahrungen mit der Planung und Präsentation von Ausstellungen.

Im Jahr 1901 löste das Ehepaar das Nollendorfeum auf und übereignete die Kunstschätze dem Preußischen Staat, in der Hoffnung, dass sie Eingang in das Völkerkundemuseum finden. Für das Überlassen der Sammlung Fischer gewährte das Völkerkundemuseum Frieda Fischer eine lebenslange Rente.[1] Nachdem sich das Ehepaar von Besitz und Verpflichtungen in Berlin getrennt haben, begannen sie mit der Planung für ihre zweite Asienreise. Im September 1901 reiste das Ehepaar über London nach Birma, Japan und China. Auf dieser Reise kamen die ersten Überlegungen auf, ein eigenes Museum für asiatische Kunst losgelöst von ethnologischen Aspekten aufzubauen. In der Folgezeit begleitete Frieda ihren Mann, der an der Gesandtschaft in Peking als wissenschaftlichen Sachverständiger tätig war auf diverse Reisen durch Ostasien. Das Ehepaar kaufte sowohl Kunstgegenstände für das Völkerkundemuseum Berlin als auch in eigenem Namen an.[2]

Fingernagelschützer mit Halbedelsteinen besetzt, Qing-Dynastie (Geschenk von Frieda Fischer)

Es war geplant, die private Sammlung in einem neuzubauenden Museum in Kiel auszustellen. Im Jahr 1909 zerschlugen sich die Pläne und das Ehepaar nahm das Angebot an, das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln aufzubauen. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Museum am 25. und 26. Oktober 1913 nach Plänen von Franz Brantzky als neuer Anbau am Kunstgewerbemuseum Köln am Hansaring als erstes Museum auf europäischem Boden, das Kunstschätze aus Ostasien präsentiert, eröffnet.[3] Nur sechs Monate nach der Eröffnung des Museums starb am 14. April 1914 Adolf Fischer auf einer Reise in Meran.

Aufgrund vertraglicher Vereinbarungen mit der Stadt Köln übernahm Frieda Fischer nach dem plötzlichen Ableben ihres Mannes im Alter von 40 Jahren – als erst zweite Frau in Deutschland – die Leitung des Museums.[4] In der Folgezeit erwarb sie sich – auch durch zahlreiche Reisen und Publikationen – den Ruf einer Expertin und Gutachterin für ostasiatische Kunst. Im Jahr 1918 musste sie sich einem Sanatoriumsaufenthalt unterziehen, den sie jedoch aus Sorge um ihr Museum vorzeitig abbrach. 1921 bot Frieda Fischer der Stadt Köln an, einen höheren Geldbetrag gegen Zahlung einer 5%igen Verzinsung und Gewährung einer lebenslangen Leibrente zu überlassen.[5] Ein Jahr später schenkte sie der Stadt eine umfangreiche Büchersammlung.

Im Jahr 1921 heiratete sie den Juristen und Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Köln Alfred Ludwig Wieruszowski. Die jüdische Abstammung ihres Mannes nahmen sie Nationalsozialisten zum Anlass, sie 1937 entgegen den vertraglichen Vereinbarungen mit der Stadt Köln aus dem Amt zu entlassen und die Zahlung der Leibrente einzustellen. Ihr wurde selbst als Stifterin des Museums untersagt, das Gebäude nach 1937 zu betreten. Auf Antrag Otto Kümmels wurde davon "abgesehen", sie 1937 erneut in den Vorstand der Gesellschaft für Ostasiatische Kunst zu wählen.[6] Trotz der Entlassung als Museumsleiterin publizierte sie 1938 und 1942 die Reisetagebücher von ihren Reisen mit Adolf Fischer durch Japan und China. Ohne nennenswerte finanzielle Einkünfte verarmte das entrechtete Ehepaar Fischer-Wieruszowski.[7] Sie wurden gezwungen, in ihrem Haus in der Voigtelstraße 26 in Köln-Braunsfeld mehrere jüdische Familien aufnehmen und sich mit einem Zimmer zu begnügen. Der drohenden Deportation entgingen sie durch Hilfe von befreundeten Geistlichen und eines katholischen Professors. Am 20. Oktober 1944 wurden sie von der Gestapo gezwungen, ihr Haus zu verlassen.

„Man nahm mir mein Museum, mein geistiges Kind, das Rathaus verbot mir den Zutritt zu ihm. Man riet mir dort, mich von meinem Mann scheiden zu lassen, die Gestapo wies mich aus . .“

Brief von Frieda Fischer-Wieruszowski, Dresden 1944

Das Ehepaar flüchtete über mehrere Stationen nach Dresden zu Bekannten, wo Alfred Wieruszowski schwer erkrankte. Anfang 1945 wurde er in das jüdische Krankenhaus in Berlin eingewiesen, wo er im Februar 1945 verstarb. Die zu diesem Zeitpunkt bereits ebenfalls schon schwerkranke Frieda Fischer-Wieruszowski starb zehn Monate später – am 27. Dezember 1945 – in Berlin. Sie wurde dort an der Seite ihres zweiten Mannes auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beerdigt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grabstelle für Adolf und Frieda Fischer (Flur 74 A)

Frieda Fischer-Wieruszowski war Mitglied mehrerer Fachgesellschaften, wie der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Ostasiatische Kunst, in der sie auch bis 1937 im Vorstand tätig war.

Im Jahr 1952 wurden die sterblichen Überreste Frieda Fischer-Wieruszowskis vom Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee nach Köln überführt, wo sie auf dem Melaten-Friedhof an der Seite ihres ersten Mannes, Adolf Fischer begraben wurde. Das Grabmal, das bereits am 3. November 1920 eingeweiht wurde, schuf der Bildhauer Georg Grasegger.[8] Das Grab, das umfassend mit Mitteln des Förderkreises des Museums für Ostasiatische Kunst restauriert wurde, wird heute als Ehrengrab von der Stadt Köln gepflegt.[9]

Anlässlich des 100. Gründungstages des Museums beschloss die Bezirksvertretung Köln-Innenstadt im März 2014, den Weg um den Aachener Weiher in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum für Ostasiatische Kunst nach Frieda Fischer zu benennen.[10][11]

Veröffentlichungen von Frieda Fischer-Wieruszowski[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Alfred Salmony: Die chinesische Steinplastik. (= Veröffentlichungen des Museums für Ostasiatische Kunst, Köln, Band 1). Köln 1922.
  • Museum für ostasiatische Kunst. Haas & Grabherr, Augsburg 1922.
  • Die Kunst des Ostens. das Ostasiatische Museum Köln. Deutsche Kunst und Dekoration, Band 51, 1922, S. 32–43.
  • mit Karl With: Die japanische Plastik. (= Veröffentlichungen des Museums für Ostasiatische Kunst, Köln, Band 2).
  • Museum für ostasiatische Kunst der Stadt Köln Hansaring 32a. DuMont Schauberg, Köln 1927.
  • Museum für ostasische Kunst – Schätze aus Kölner Museen in Köln-Deutz, Staatenhaus. Ausstellungskatalog. Köln 1928.
  • Kriegerischer Einfall der Mongolen in Japan : eine japanische Bildrolle. De Gruyter, 1935, Ostasiatische Zeitschrift, Neue Folge Band 11, S. 121–124.
  • Wohnkultur in Japan. Ostasiatische Zeitschrift, Neue Folge, Band 12, 1936, S. 204.
  • Japanische Lackkunst des 18. Jahrhunderts im Dienst einer europäischen Satire. Ostasiatische Zeitschrift, Neue Folge, Band 12, 1936, S. 213–215.
  • Japanisches Tagebuch: Lehr- u. Wanderjahre. Bruckmann, München 1938.
  • Chinesisches Tagebuch: Lehr- und Wanderjahre. Bruckmann, München 1942.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Findbuch des Museums für Völkerkunde. (PDF) Abgerufen am 25. Juli 2016.
  2. 100 Jahre Museum für Ostasiatische Kunst Köln. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.museenkoeln.de. Archiviert vom Original am 23. Juli 2016; abgerufen am 24. Juli 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.museenkoeln.de
  3. Museum für Ostasiatische Kunst: Geburtstagsfeier am Ehrengrab. Abgerufen am 25. Juli 2016.
  4. Ulrich S. Soénius (Hrsg.), Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Kölner Personen-Lexikon. Greven, Köln 2007, ISBN 978-3-7743-0400-0, S. 157.
  5. A113 Ankäufe und Geschenke. In: Historisches Archiv der Stadt Köln - Bestand 608 Kulturdezernat. Stadt Köln, abgerufen am 25. Juli 2016.
  6. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Ostasiatische Kunst. In: Ostasiatische Zeitschrift. Band 13, 1937, S. 260.
  7. 100 Jahre Ostasiatisches Museum in Köln. Adolf und Frieda Fischer gründeten 1913 das MOK. In: www.rheinische-art.de. Abgerufen am 25. Juli 2016.
  8. A19 – Verein zur Förderung des Museums für ostasiatische Kunst. In: Historisches Archiv der Stadt Köln - Bestand 608 Kulturdezernat. Stadt Köln, abgerufen am 25. Juli 2016.
  9. Musenblätter - Das unabhängige Kulturmagazin. In: www.musenblaetter.de. Abgerufen am 24. Juli 2016.
  10. Stadt Köln: Tagesordnungspunkt: Benennung des Weges rund um den Aachener Weiher. In: ratsinformation.stadt-koeln.de. Abgerufen am 24. Juli 2016.
  11. Offenes Ratsinformationssystem. In: politik-bei-uns.de. Abgerufen am 24. Juli 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]