Friedrich Curtius (Sportfunktionär)

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Friedrich Curtius, 2019

Friedrich Curtius (* 9. September 1976 in Bonn) ist ein deutscher Sportfunktionär.

Seit dem 18. März 2016 ist er Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei dem er die DFB-Zentralverwaltung leitet und u. a. die Bereiche Marketing, Sponsoring und Kommunikation verantwortet.[1] Curtius ist zudem Mitglied im Aufsichtsrat der TV-Produktionsfirma Sportcast, einem Tochterunternehmen der DFL.[2]

Leben und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur besuchte Curtius für einige Monate das Dickinson College in Pennsylvania. Ab dem Wintersemester 1996/97 studierte er Rechtswissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt in Montpellier schloss Curtius sein Jurastudium 2001 mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab. Mit einer Arbeit über „Entwicklungstendenzen im Genehmigungsrecht“ wurde er 2004 am Institut für deutsches und europäisches Verwaltungsrecht der Universität Heidelberg promoviert.[3] Anschließend absolvierte er am Landgericht Hamburg seinen juristischen Referendardienst, den er im August 2006 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen abschloss.

Er lebt heute in Frankfurt am Main.[2]

Aktiver Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Curtius ist Mitglied beim SV Darmstadt 98. Er spielte in seiner Jugend dort sowie bei der TG Bessungen aktiv Fußball.[4]

Fußballfunktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Curtius arbeitet seit 2006 beim Deutschen Fußball-Bund.[5] Er absolvierte eine Station in seinem juristischen Referendariat beim Organisationskomitee für die Fußball-WM 2006.[4] 2007 wurde er Referent im Generalsekretariat, später dann Büroleiter des damaligen DFB-Generalsekretärs Wolfgang Niersbach.[6][7][8]

Mit der Wahl von Wolfgang Niersbach zum Präsidenten des DFB übernahm Curtius die Leitung des Präsidialbüros.[9] Curtius wurde am 18. März 2016 zum Generalsekretär des DFB berufen. Er folgte in dieser Funktion auf Helmut Sandrock. Mit seiner zehnjährigen Erfahrung an den unterschiedlichen Stellen des DFB sollte Curtius in den Augen des DFB für Kompetenz und Neubeginn stehen und dem Verband eine neue Struktur geben.[10] Curtius war nach der Sommermärchen-Affäre und dem Rücktritt des DFB-Präsidenten Reinhard Grindel mit der Umstrukturierung der Arbeit der DFB-Zentralverwaltung betraut.[7] Zudem verantwortet er den Aufbau der neuen DFB-Akademie.

Nach seinem Amtsantritt wurden umfangreiche Maßnahmen in der Struktur des Verbands ergriffen, um eine „striktere Trennung des ideellen Bereichs vom wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb“ zu erreichen.[11] Curtius bildet seither gemeinsam mit vier Direktoren und dem Chefjustiziar die Geschäftsführung des DFB.

Im Zuge eines Professionalisierungsprozesses sollen alle wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe in die Tochtergesellschaft DFB GmbH ausgegliedert werden.[12] Die DFB GmbH soll von Curtius und Oliver Bierhoff geführt werden.[13]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streit mit Präsident Keller und DFL[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verhältnis von Curtius sowohl zum DFB-Präsidenten Fritz Keller als auch zum Ligaverband DFL gilt mit Stand Januar 2021 als zerrüttet. Zwischen Präsident und Generalsekretär tobte ein Machtkampf.[14][15] Das Präsidium der DFL beschloss Ende 2020 einstimmig, den DFB zu bitten, Curtius nicht in Sitzungen der DFL zu entsenden.[14] Ein zentraler Punkt ist der Einsatz der Firma Esecon,[16] die nicht nur den Skandal um die Vergabe der WM 2006 aufklären soll, sondern angeblich vom DFB bezahlt wird, den Wikipedia-Artikel von Curtius zu verfälschen.[15] Im Januar 2021 beschloss das DFB-Präsidium, dass die beiden „unverzüglich letztmalig einen gemeinsamen Versuch unternehmen“, „Regeln und Rollen für eine künftige gemeinsame professionelle Zusammenarbeit zu diskutieren und festzulegen“.[17]

Kooperationsvertrag mit Sporttotal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Spiele von Amateurfußballern mittels eines speziellen 180-Grad-Kamerasystems zu streamen, schloss der DFB einen Rahmenvertrag mit dem Sportvermarkter Sporttotal über eine Laufzeit von zehn Jahren ab.[18] Die Vergabe geriet nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel im Juni 2018 in die Schlagzeilen, da der Verdacht der Vetternwirtschaft entstand.[19] Die Vergabe erfolgte ohne Ausschreibung und der Geschäftsführer von Sporttotal, Peter Lauterbach, war mit Curtius zusammen zur Schule gegangen.

Curtius gab an, auf die persönliche Verbindung hingewiesen und den Vorgang an die zuständigen Stellen im DFB übergeben zu haben. Curtius verwies zudem darauf, dass der Konkurrent von Sporttotal, Soccerwatch, erst 2017 über ein vergleichbares technisches Angebot verfügte und Curtius weiterhin mit dem Unternehmen Gespräche führt.[4] Seit 2019 gibt es auch eine Rahmen-Vereinbarung zwischen DFB und Soccerwatch.[20]

Mandatsvergabe an Freshfields[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Aufarbeitung der Sommermärchen-Affäre beauftragte der DFB die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, eine Untersuchung durchzuführen.[21] Im Oktober 2015 wurde Kritik an der Vergabe des Mandats an die Kanzlei laut, da der mandatsführende Anwalt Christian Duve persönlich mit Curtius, damals Büroleiter des DFB-Präsidenten Niersbach, über einen Rotary-Club in Frankfurt am Main bekannt war.[22] Der DFB verwies darauf, dass die Mandatierung aufgrund einer Empfehlung seitens des Medienrechtlers Christian Schertz zustande gekommen sei, was Schertz jedoch nicht bestätigte.[23] Sowohl die Kanzlei als auch der DFB sahen keinen Hinweis auf einen Interessenskonflikt.[24] Der DFB wies zudem darauf hin, dass Freshfields bereits für das Organisationskomitee der Fußballweltmeisterschaft 2006 tätig war und somit bereits vor dem Dienstantritt von Curtius. Dies stellte jedoch die Unabhängigkeit der Untersuchung der Kanzlei in Frage.[24]

Vertrag zum Wikipedia-Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2021 machte Der Spiegel publik, dass der DFB im Juni 2019 das Beratungsunternehmen Esecon beauftragt hat, den Wikipedia-Artikel Friedrich Curtius (Sportfunktionär) zu erweitern und zu pflegen. Esecon kalkulierte dafür einmalig 15.000 Euro (für den Artikel-Aufbau) und 1.200 Euro pro Monat für die Artikel-Pflege. Das Nachrichtenmagazin beruft sich in seinem Artikel auf den Vertrag zwischen dem DFB und dem Unternehmen Esecon. Den Vertrag unterschrieben Friedrich Curtius als Generalsekretär und der Schatzmeister Stephan Osnabrügge;[25] Der Spiegel konnte ihn einsehen.[15][26] In einer Pressemitteilung vom 22. Januar 2021[27] entschuldigte sich der DFB dafür, die Beiträge nicht als paid editing gekennzeichnet zu haben; das Vorgehen selbst hält der DFB für unproblematisch.[28] Zu welchen Zwecken der DFB einen Dienstleister mit der Überarbeitung beauftragte, ist (Stand 22. Januar 2021) unbekannt.[29] In einem Artikel der F.A.Z. vom 1. Februar 2021 wird das Wirken von Friedrich Curtius unter der Überschrift „Der Karrierist“ als Folge 1 über die „Drahtzieher im DFB“ dargestellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Friedrich Curtius – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Friedrich Curtius – Generalsekretär. DFB, abgerufen am 22. August 2019.
  2. a b Interessenregister. DFB, abgerufen am 22. August 2019.
  3. Friedrich Curtius – deutscher Fußballfunktionär. Munzinger-Archiv, abgerufen am 22. August 2019.
  4. a b c phoenix persönlich: Friedrich Curtius zu Gast bei Alfred Schier am 8. Juni 2018. Phoenix, abgerufen am 22. August 2019 (Video auf Youtube).
  5. Friedrich Curtius neuer DFB-Generalsekretär, echo-online.de. Abgerufen am 18. Januar 2021.
  6. Cathrin Gilbert, Moritz Müller-Wirth: "Der Schuss vor den Bug ist angekommen". Die Zeit, 2017, abgerufen am 22. August 2019 (Abruf registierungspflichtig).
  7. a b Diana Fröhlich, René Bender: Der DFB-Generalsekretär will dem Verband eine neue Struktur geben. Handelsblatt, 7. April 2019, abgerufen am 22. August 2019.
  8. Jan Christian Müller: Dieser Mann soll den DFB wieder auf Kurs bringen. Frankfurter Rundschau, 4. September 2016, abgerufen am 22. August 2019.
  9. Wolfgang Niersbach (2012–2015) Vom Journalisten zum DFB-Präsidenten. DFB, abgerufen am 22. August 2019.
  10. DFB-Präsidium beruft Dr. Friedrich Curtius zum Generalsekretär. DFB, 18. März 2016, abgerufen am 22. August 2019.
  11. DFB unterstützt Prozess zur strukturellen Weiterentwicklung. DFB, 3. Mai 2019, abgerufen am 22. August 2019.
  12. DFB-Bundestag unterstützt Prozess zur strukturellen Weiterentwicklng. DFB, 27. September 2019, abgerufen am 18. Oktober 2019.
  13. Keller preist DFB als „letztes Lagerfeuer der Gesellschaft“. Die Welt, 27. September 2019, abgerufen am 18. Oktober 2019.
  14. a b Johannes Aumüller, Thomas Kistner: DFB: Finale im Machtkampf zwischen Fritz Keller und Friedrich Curtius. In: sueddeutsche.de. 14. Januar 2021, abgerufen am 17. Januar 2021.
  15. a b c Gerhard Pfeil: Capo gegen Karrierist. In: Der Spiegel. Nr. 3/2021, 16. Januar 2021, S. 122 f. (Spiegel.de (Bezahlschranke)).
  16. Johannes Aumüller, Thomas Kistner: DFB: Keller sucht die Entscheidung. In: sueddeusche.de. 11. Januar 2021, abgerufen am 17. Januar 2021.
  17. DFB: Fritz Keller und Friedrich Curtius geben sich »letztmalig einen gemeinsamen Versuch« - DER SPIEGEL - Sport. In: spiegel.de. 15. Januar 2021, abgerufen am 17. Januar 2021.
  18. Holger Rehms: Amateurfußball automatisch ins TV – ist das der Tesla des Sportbusiness? Manager Magazin, 3. April 2017, abgerufen am 22. August 2019.
  19. Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch, Jörg Schmitt: Wie der DFB-Generalsekretär seinem Schulfreund einen Exklusivvertrag zuschanzte. Der Spiegel, Ausgabe 23/2018, 1. Juni 2018, abgerufen am 22. August 2019 (Bezahlschranke).
  20. Kooperation zwischen DFB und Soccerwatch.tv. DFB, 12. April 2019, abgerufen am 22. August 2019.
  21. Freshfields-Bericht. DFB, abgerufen am 22. August 2019.
  22. Zweifel an Unabhängigkeit der DFB-Untersuchung. Die Zeit, 28. Oktober 2015, abgerufen am 22. August 2019.
  23. René Bender: DFB-Affäre: Immer mehr Berater bekannt, Kritik an Freshfields-Mandatierung. Juve-Verlag, 29. Oktober 2015, abgerufen am 22. August 2019.
  24. a b Johannes Aumüller, Thomas Kistner: Zweifelhafte Aufklärer. Süddeutsche Zeitung, 21. Februar 2019, abgerufen am 22. August 2019.
  25. Laut Versionsgeschichte wurden am 22. August 2019 18.361 Bytes hinzugefügt.
  26. Jan Christian Müller: Grobes Foul des DFB. Verband lässt Wikipedia-Seite von Funktionär frisieren. In: Frankfurter Rundschau. 19. Januar 2021, abgerufen am 19. Januar 2021.
  27. Stellungnahme des #DFB hinsichtlich des @Wikipedia -Eintrags zu DFB-Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius. In: Twitter.com. DFB (@DFB), 22. Januar 2021, abgerufen am 22. Januar 2021.
  28. DFB entschuldigt sich für Wikipedia-Artikel von Generalsekretär Friedrich Curtius. Der Spiegel, 22. Januar 2021, abgerufen am 22. Januar 2021.
  29. Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Der DFB entschuldigt sich in aller Form“