Friedrich Franz von Unruh

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Friedrich Franz von Unruh (* 16. April 1893 in Berlin; † 16. Mai 1986 in Merzhausen) war ein deutscher Schriftsteller. Er war Bruder des Schriftstellers Fritz von Unruh und des Malers Kurt von Unruh.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Franz von Unruh zählt zu den bedeutenden Novellisten der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Geboren 1893 in Berlin, aufgewachsen unter anderem im ostpreußischen Königsberg, geprägt durch seine Ausbildung in der Kadettenanstalt Berlin-Lichterfelde, begann er nach dem Abitur eine militärische Ausbildung, wurde Offizier und – zuletzt als königlich-preußischer Hauptmann – Kompanieführer im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 in Karlsruhe. Im Ersten Weltkrieg wurde von Unruh schwer verwundet, betätigte sich in der Weimarer Republik als Journalist, unter anderem in einer Vielzahl von Beiträgen für die Frankfurter Zeitung und Die Neue Rundschau, und als Schriftsteller.

1931 wurde er einem breiteren Publikum bekannt durch seine – auch im Ausland – vielbeachtete Artikelserie National-Sozialismus, eine äußerst kritische Analyse der nationalsozialistischen Bewegung, in der Frankfurter Zeitung. Im NS-Staat näherte sich von Unruh dem Nationalsozialismus jedoch an, in der Bundesrepublik vollzog sich dann eine entschiedene Wende des Dichters ins rechtskonservative Lager und eine Annäherung an Positionen des rechtsextremen Milieus v.a. seit den Sechziger Jahren – eine Entwicklung, die in zahlreichen Schriften ihren weltanschaulichen Niederschlag fand. 1986 starb der als Novellist geschätzte 93-jährige Dichter in Merzhausen bei Freiburg im Breisgau, wo er rund fünfzig Jahre gelebt hatte.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1973 wurde von Unruh die Humboldt-Plakette als Ehrengabe verliehen. 1975 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fichte. Eine Textsammlung, 1935
  • Der Tod und Erika Ziska, 1937
  • Der innere Befehl, Essen 1938
  • Der Verräter. Essener Verlagsanstalt 1941
  • Bruderdorf, Kriegserzählung, Essen 1942
  • Vineta, Erzählung, Düsseldorf 1948
  • Tresckow, 1952
  • Das Wagnis, Zwei Novellen, Rothenburg 1955
  • Die Apfelwiese, 1957
  • Nach langen Jahren, Bodmann/Bodensee 1960
  • Wo aber Gefahr ist, Bodmann/Bodensee 1965
  • Ehe die Stunde schlug. Eine Jugend im Kaiserreich, 1967
  • Der Besuch, Bodmann/Bodensee 1971
  • Schlußbericht, Ludwigsburg 1974
  • Der Teufel im Ruhestand Bodmann/Bodensee 1977
  • Ermutigung. Ein Appell an die Deutschen.Bodmann/Bodensee 1981
  • Jahrtausendwende, Bodmann/Bodensee 1983
  • Freundliche Fügungen, Bodmann/Bodensee 1984
  • Erschütterungen. Drei Erzählungen. Bodmann/Bodensee 1983
  • Kritische Werkausgabe. Sechs Bände in sieben Teilbänden. Hrsg. im Auftrag der Friedrich Franz von Unruh Gedächtnisstiftung von Leander Hotaki. Freiburg i.Br./Berlin/Wien: Rombach 2007. ISBN 978-3-7930-9495-1. (Editionsplan)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Fröschle: Unruh, Friedrich Franz von. In: Walther Killy: Literaturlexikon, Bd. 11, S. 490–491.
  • Hermann Pongs: Ist die Novelle tot? Untersuchungen zur Novellen-Kunst Friedrich Franz von Unruhs. Stuttgart o.J. (1961)
  • Sarah Reuss: Friedrich Franz von Unruh (1893–1986). Eine biographische Skizze. In: Friedrich Franz von Unruh. Kritische Werkausgabe. Bd. V (Weltanschauliche Schriften), Teilband 1, Freiburg i. Br./Berlin/Wien 2007, S. IX–CXCV.
  • Leander Hotaki/Günter Schnitzler: Gesteigertes Dasein und die Liebe zum „Unbedingten“. Der Dichter Friedrich Franz von Unruh. In: Friedrich Franz von Unruh. Kritische Werkausgabe. Bd. I (Meisternovellen und Erzählungen), Freiburg i. Br./Berlin/Wien 2007, S. XIII–LXI (mit Bibliographie sowie Literaturangaben).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]