Güldendorf

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Güldendorf
Koordinaten: 52° 18′ 43″ N, 14° 32′ 33″ O
Höhe: 55 m ü. NHN
Fläche: 2,8 km²
Einwohner: 869 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 310 Einwohner/km²
Postleitzahl: 15236
Vorwahl: 0335
Karte
Gebietsgliederung der Stadt Frankfurt (Oder), Lage Güldendorfs hervorgehoben
Seestraße
Seestraße

Güldendorf (bis 1937 Tzschetzschnow) ist der älteste Ortsteil der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) in Brandenburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begrenzungen Güldendorfs

Güldendorf liegt etwa 5 Kilometer südlich des Stadtgebietes von Frankfurt (Oder), sieben Kilometer nordöstlich des Helenesees und etwa 100 Kilometer östlich von Berlin. Es grenzt im Norden an die Stadtteile Neuberesinchen und Gubener Vorstadt, im Osten an Polen mit der Oder als Grenze, im Süden an Lossow und im Westen an Markendorf.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich von Güldendorf liegt acht Kilometer entfernt Brieskow-Finkenheerd, eine Gemeinde im Landkreis Oder-Spree.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tzschetzschnow (auch Cessonovo, Cetzenow, Tscheczczenow, Tzschetzschnow, Czetzenow, Zetzenow) entstand während der Völkerwanderung etwa um das Jahr 800, als Slawen sich westlich der Oder niederließen. Das Dorf wurde 1230 erstmals urkundlich im Privilegienverzeichnis des Moritzklosters in Halle als Cessonovo erwähnt.

„Privilegium Erzbiſchoff Albrechts, worin er dem Cloſter zu Sankt Moritz gibt das Dorff, welches genannt wird Ceſſonovo, im Land zu Lebus gelegen, mit aller Gerechtigkeit und dem Pfarrlehen, und über das Hundert Huffen in demselbigen Lande, außgenommen die Vogtey, die imo der gnaden Erzbiſchoff alleine fürbeheldett. de Dato Ao. 1230“

Privilegienverzeichnis des Moritzklosters in Halle

Seit etwa 1423 übte die Stadt Frankfurt (Oder) das Kirchenpatronat (lateinisch Jus Patronatus) über das Dorf Tzschetzschnow aus. Seit 1536 gehörte zudem der Freihof der Stadt Frankfurt. Somit war Tzschetzschnow ein Kämmereidorf. 1628 – während des Dreißigjährigen Krieges – wurde Tzschetzschnow durch kaiserliche Truppen besetzt. Im Siebenjährigen Krieg besetzten russische Truppen nach der Schlacht bei Kunersdorf (12. August 1759) Frankfurt (Oder) mit seinen umliegenden Dörfern, so auch Tzschetzschnow. Ab 1827 gehörte Tzschetzschnow zum Kreis Lebus. 1884 gab es die erste Post. Am 16. September 1902 wurde im Kolonialwarenladen eine Fernsprechzelle eröffnet und 1907 gab es die erste gasbetriebene Straßenbeleuchtung für deren Anzünden und Löschen jeder Anlieger selbst verantwortlich war. Von 1827 bis 1945 gehörte Tzschetzschnow zum Landkreis Lebus. Mit dem Beginn des Baus der Autobahnstrecke Fürstenwalde-Frankfurt am 22. September 1934 mussten viele Anlieger ihr Land an die Reichsautobahnleitung verkaufen.

Im Rahmen der nationalsozialistischen Germanisierung von sorbischstämmigen Ortsnamen wurde der Ort am 29. Oktober 1937 in „Güldendorf“ umbenannt. Im Gegensatz zu anderen Orten erhielt es seinen ursprünglichen Ortsnamen nie zurück. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurden die meisten Autobahn-Bauarbeiter zum Wehrdienst eingezogen. Zu dieser Zeit war nur die vertiefte Trasse für die vierspurige Autobahn ausgehoben. Auf Befehl der sowjetischen Stadtkommandantur gehörte Güldendorf ab 1945 zum Stadtkreis Frankfurt (Oder). Die Gemeindevertretung entschied die Eingemeindung am 27. Oktober 1946; am 29. Oktober 1947 wurde Güldendorf der Stadt Frankfurt zugeordnet.[2]; die Verkündung erfolgte am 30. Mai 1947. In den 1950er Jahren wurde der Bau der Autobahn fortgeführt.

Einwohnerzahlen von Tzschetzschnow/Güldendorf
Jahr Einwohnerzahl
1791 578
1939 1.404
1989 700
2008 1.000
2012 869
Dorfschulzen, Gemeindevorsteher, Bürgermeister, ehrenamtliche Bürgermeister und Ortsbürgermeister von Tzschetzschnow/Güldendorf
Name von bis
Symon Drentzig (auch Symon Dientzig, Symon Drentzigk[3]) 1500 1525
Georgen Conradt[4] 1525 1550
Albrecht Conradt 1550 1576
Georgius Grund 1635 1660
Endras Erdmann 1660 ?
Johann Georg Wonschkin 1759 1767
Johann Gottfried Matschdorff 1767 1810
Martin Fuhrmann 1810 1815
Christian Friedrich Zeidler 1815 1821
Johann Höde 1821 1833
Friedrich Wilhelm Matschdorff 1833 1844
Johann Friedrich Schulze 1844 1847
Martin Fielbeck 1847 1851
Carl Puls 1851 1873
Heinrich Julius Sporleder 1873 1878
Friedrich „Fritz“ Puls 1878 1913
Fritz Birkholz 1913 1933
Friedrich „Fritz“ Puls 1933 1945
Herbert Mildebrand 1945 1946
Hermann Gärtner 1946 1949
Fritz Krause 1949 1972
Kurt Krause 1972 1991
Erdmann Greiser 1991 2003
Brunhild Greiser 2003 heute

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Güldendorfer Dorfkirche
Gedenkstein auf dem Ehrenfriedhof für Kriegsgefangene

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gaststätte „Lindengarten“ Buschmühlenweg 57
  • Wohnhaus Weinberge 53.

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehrenfriedhof für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter

Landschaftsschutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fauler See
  • Güldendorfer Mühlental
  • Märkische Naturgarten
  • Buschmühle
  • Steile Wand

Die Niederungsburg, direkt an der Oder gelegen, mit einem Durchmesser von 60 bis 80 Metern wurde Burghübbel oder auch Burgjübble genannt. Der Tzschetzschnower Burgwall liegt heute circa 300 Meter vom Burghübbel entfernt. Wegen der veränderten Wasserführung der Oder wurde er wahrscheinlich nach oben verlegt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedingt durch das hügelige Gebiet des Dorfes gab es eine hohe Verdichtung von Wasserquellen, die es ermöglichten, bis in das 20. Jahrhundert mehrere Mühlen anzutreiben. Weiterhin wurde lange Landwirtschaft und Weinbau betrieben. Die Wirtschaft nach 1990 ist geprägt von privatem Handwerk und Dienstleistungsbetrieben.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Güldendorf liegt südlich an der A 12 und östlich an der B 112 in Richtung Eisenhüttenstadt an der Oder-Lausitz-Straße, sowie an der Bahnstrecke Cottbus–Frankfurt (Oder).

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Güldendorf wurde im Jahr 1906 gegründet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elfriede Thum (1886–1952), deutsche Malerin und Grafikerin, lebte von 1910 bis 1945 in der Villa Katzengrund

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Güldendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cathrin Knop, Henry Maus: Einwohner mit Hauptwohnsitz - Stadt Frankfurt (Oder) - Stadtteile - 31.12.2012. (PDF, 26 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Einwohnermelderegister/Kommunale Statistikstelle der Stadt Frankfurt (Oder), 22. Mai 2013, archiviert vom Original am 31. Dezember 2013; abgerufen am 30. Dezember 2013. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.frankfurt-oder.de
  2. Chronik Tzschetzschnow/Güldendorfs auf der privaten Website von Arne Bischoff
  3. Versuch einer historischen Entwickelung der märkischen Städteverfassungen ... - A. Zimmermann - Google Books. In: books.google.de. Abgerufen am 29. Januar 2019.
  4. Versuch einer historischen Entwickelung der märkischen Städteverfassungen ... - A. Zimmermann - Google Books. In: books.google.de. Abgerufen am 29. Januar 2019.