Telefonzelle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Links eine Telefonhaube TelHb82, auch für Rollstuhlfahrer geeignet, rechts ein Telefonhäuschen TelH78 aus Zeiten der Deutschen Bundespost

Eine Telefonzelle, in der Schweiz Telefonkabine, in Deutschland fachlich als Telefonhäuschen (TelH) bezeichnet, ist ein kleines Häuschen mit einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter, an dessen innerer Rückwand ein Telefonapparat angebracht ist. Die Gebühren des Telefonats werden je nach Eingabeausrüstung mit Münzgeld, einer Telefon-, Kredit- oder Geldkarte beglichen. Telefonzellen stehen in der Regel im öffentlichen Raum.

Begriffe[Bearbeiten]

Ursprünglich bezeichnete der Begriff Fernsprechzelle konkret die in Gebäuden eingebaute Kabinen mit einem Telefon. Anfangs waren diese in den für die Telekommunikation zuständigen Postämtern vorhanden und mit einer (oft schallgedämmten) Tür ausgestattet um die Intimität des Anrufenden zu schützen. Im Freien aufgestellte Kabinen wurden als Fernsprechhäuschen oder Fernsprechkioske bezeichnet. Mit der Zeit hat ein Begriffswandel stattgefunden und so wird sowohl für Innen- (also in Gebäuden), wie auch freistehende offene Außen-Kabinen nur noch der Begriff Zelle verwendet.

Rufsäulen sind auf voreingestellte Telefonnummern (z.B. Feuerwehr, Polizei, Taxi) gelegt und daher nicht als Telefonzelle zu betrachten.

Ein Clubtelefon ist ein halböffentliches Münztelefon.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem Aufkommen der Telefonie war es notwendig „öffentliche Fernsprecher“ in Form von Telefonzellen aufzustellen, um die begrenzte Leitungszahl für einen größeren Personenkreis zu erschließen. Die weltweit erste öffentliche Telefonzelle wurde am 28. Januar 1878 in New Haven (Connecticut, USA) aufgestellt.[1]

Mit dem Ausbau des verbesserten Netzes von Privatanschlüssen und der seit den 1990er Jahren wachsenden Zahl an Mobiltelefonen ist die Bedeutung der Telefonzellen gesunken. Um die Einrichtungen leichter zu unterhalten, sind sie meist nur noch mit Telefon- oder Geldkarten, kaum als Münzautomaten eingerichtet. In der Schweiz beispielsweise sank die Anzahl der Telefonzellen von 4900 im Jahr 2007 auf 3200 im Jahr 2014, und die Behörden beabsichtigen, ab 2018 auf die Vorschrift zu verzichten, wonach Swisscom als Telefoniegrundversorgungsanbieter in jeder politischen Gemeinde eine Zelle zur Verfügung stellen muss.[2]

Länderspezifika[Bearbeiten]

Missbrauch[Bearbeiten]

Nicht selten werden Telefonzellen für die vorsätzliche Fehlalarmierung von Polizei und Feuerwehr missbraucht. Dies geschieht vor allem aufgrund der fehlenden Videoüberwachung der Fernsprecheinrichtungen und an wenig frequentierten Standorten. Demgegenüber sind sowohl Feuerwehren als die Polizei gesetzlich verpflichtet jedem Notruf nachzugehen. Der Missbrauch des Notrufs wird in Deutschland mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bedroht.[3]

Kunst[Bearbeiten]

Telefonzellen werden in Kriminalfilmen als Quelle anonymer Hinweise dargestellt. Tatsächlich bietet die Telefonzelle nach wie vor eine der wenigen Möglichkeiten anonym zu telefonieren. Bei Mobilfunkanrufen ist sowohl der ungefähre Standort als auch die Identität des Anrufers bekannt (Stammdaten zur SIM-Karte, IMEI-Nummer des Endgerätes). Zwar ist der Standort einer Telefonzelle ebenfalls bekannt, aber nicht die Identität des Anrufers.

Beispiele:

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Telefonzellen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Telefonzelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. derstandard.at, Historischer Kalender, abgerufen am 28. Januar 2013.
  2. Die Telefonkabine stirbt aus, Der Bund vom 23. November 2014
  3. nach § 145 StGB
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!