Günther Christoph Schelhammer

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Günther Christoph Schelhammer (auch Schellhammer) (* 13. März 1649 in Jena; † 11. Februar 1716 in Kiel) war ein Mediziner und Professor.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Günther Christoph Schelhammer wurde als Sohn einer aus Hamburg stammenden Arztfamilie geboren. Sein Vater Christoph Schelhammer (1620–1651) war Professor der Anatomie und Chirurgie und Rektor an der Universität Jena.[1]

1679 heiratete er Maria Sophia Conring, eine Tochter des Medizinprofessors Hermann Conring, der als entschiedener Gegner von Paracelsus galt. Schellhammers einzige Tochter Henrica Maria, geboren 1684 in Helmstedt; gestorben am 28. Mai 1720 in Rostock; war verheiratet mit Christoph Martin Burchard (1680–1742). Das Paar hatte keine Kinder.[2]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schelhammer nahm ein Medizinstudium in Jena auf, wechselte 1666 nach Leipzig, anschließend unternahm er eine ausgedehnte Bildungsreise nach Holland, England, Frankreich und Italien. Nach seiner Rückkehr 1677 promovierte er in Medizin und nahm den Ruf auf eine Professur für Botanik in Helmstedt an. 1689 wechselte Schellhammer auf eine Professur für Anatomie, Chirurgie und Botanik nach Jena, 1695 als ordentlicher Professor für Medizin nach Kiel. Er war herzoglicher Leibarzt der Herzöge von Gottorf.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schelhammers Schriftwerk umfasst botanische, chemische und physikalische Themengebiete sowie zahlreiche medizinische Dissertationen. Sein Hauptwerk „Ars medendi vindicata“ (Kiel 1704) wurde erst nach seinem Tod 1747 herausgegeben. Unter den medizinischen Schriften findet sich auch eine Dissertation seines Schwiegersohnes Christoph Martin Burchard, die sich mit dem Magiethema beschäftigte.

Schelhammer nutzte seine Sprachkenntnisse auch für literarische Übersetzungen. Sein bedeutendstes Werk in dieser Hinsicht ist der „Große Alexander“. Diese Übersetzung wird fälschlich in der Literatur seiner Frau Maria zugeschrieben.[3]

Wissenschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schelhammer war Mitglied der Academia Naturae Curiosorum[4] und der Academia Recuperatiorum in Padua. Als einer der ersten teilte er Krankheiten nach dem unterschiedlichen Alter der Menschen ein („De morbis aetatum“, Jena 1694). Er gilt als Anhänger von Franciscus de le Boë Sylvius und der von Paracelsus in Grundzügen entwickelten Iatrochemie, die auch sein Ziehvater und Onkel Werner Rolfinck, Professor für Iatrochemie an der Universität Jena, intensiv verfocht. Er stand in intensivem Briefwechsel mit Gottfried Wilhelm Leibniz, der sich von Schellhammer eine Erneuerungsbewegung in der Medizin versprach.

Lebenstragik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod seines Auftraggebers von Gottorf wurde er, wohl auf Reputation seiner Frau und Schwägerin, wieder nach Kiel berufen. Hier jedoch lebte er im Zwist mit Baron von Görtz, der sich darin äußerte, dass er nur unzureichend oder gar nicht bezahlt wurde. In seinem Briefwechsel mit Leibnitz führte er Klage, dass er fast am Bettelstab gelandet sei. Schelhammer wurde damit eines der berühmtesten Opfer der Reformen seines ehemaligen Dienstherren des Herzogs von Gottorf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen und Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rektorenliste der Universität Jena (PDF; 911 kB) (Memento vom 5. November 2012 im Internet Archive)
  2. Landesbibliothek MV
  3. Rhetorizität des hohen Stils: der deutsche Racine in französischer Tradition von Alexander Nebrig
  4. Mitgliedseintrag von Günther Christoph Schelhammer bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 21. Juni 2016.