Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr

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Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr

Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr (* 21. März 1900 in Lützow; † 31. Januar 1949[1] in Magadan) war ein deutscher SS-Gruppenführer, Generalleutnant der Waffen-SS und Polizei während des Zweiten Weltkriegs.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aus dem mecklenburgischen Adelsgeschlecht Bassewitz stammende Gutsbesitzer wuchs nebst vier jüngeren Schwestern auf einem Gutshof in Lützow in Mecklenburg auf. Im Alter von 15 Jahren verlor er seinen Vater. Das Abitur bestand er 1918. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, wo er keinen Kriegseinsatz mehr hatte, bewirtschaftete von Bassewitz-Behr die Güter in Mecklenburg und versorgte seine Familie. Im Wintersemester 1919/20 studierte er Landwirtschaft an der Universität Rostock.[2] Er heiratete Ilse Gräfin von Pfeil und Klein-Ellguth (1900–1987), die Tochter eines adligen Offiziers, und wurde Mitglied des Stahlhelms. Nachdem er 1930 vergeblich eine neue Existenz als Farmer in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika aufzubauen versucht hatte, kehrte er nach Deutschland zurück und wurde ein Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie.[3]

Er trat am 1. Februar 1930 der NSDAP (Mitgliedsnummer 458.315) und 1931 der SS (SS-Nr. 35.466)[4][5] sowie dem NSKK bei.[3] 1938 wurde er als Mitglied des Stabs des SS-Hauptamts Inspekteur der Kraftfahrkampftruppe.[4]

Im Zuge des geplanten Unternehmens Barbarossa war er von Ende April bis Ende Juli 1941 Quartiersmeister beim Kommandostab Reichsführer SS. Anschließend war er während des Kriegs gegen die Sowjetunion in Riga „Landwirtschaftlicher Referent“ im Stab des dortigen Höheren SS- und Polizeiführers (HSSPF) Hans-Adolf Prützmann.[3] Von Mitte November 1941 bis Anfang August 1942 war er SS- und Polizeiführer in Dnepropetrowsk,[4] wo er für den Mord an tausenden Zivilisten, Partisanen und Juden verantwortlich war.[3] Vom 22. November 1942 bis 24. März 1943 war er HSSPF Russland-Mitte in Mogilew.[6]

Vom 16. Februar 1943 bis zum 8. Mai 1945 war er HSSPF des Wehrkreises X (HSSPF Nordsee) in Hamburg. Am 1. Juli 1944 erfolgte die Ernennung zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS, nachdem er bereits am 20. April 1943 zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei befördert worden war.[6] Durch den Hamburger Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar für den Wehrkreis X Karl Kaufmann wurde Bassewitz-Behr nach der Operation Gomorrha im August 1943 zum dortigen Generalkommissar für das Sicherheitswesen ernannt.[7] Bassewitz-Behr leitete auch das Kriegsgefangenenwesen im Wehrkreis X und war verantwortlich für die Repressionen gegen die ausländischen Zwangsarbeiter.[3]

Bei Kriegsende war er hauptverantwortlich für die „Evakuierung“ des KZ Neuengamme und dessen Außenlager.[1] Auf Weisung bzw. mit Zustimmung von Bassewitz-Behr wurden 71 zur Exekution bestimmte Häftlinge aus dem Polizeigefängnis Fuhlsbüttel während des Endphaseverbrechens im KZ Neuengamme im April 1945 ermordet.[8]

Nach Kriegsende wurde er im September 1945 festgenommen und wegen der im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel begangenen Straftaten im Rahmen der Hamburger Curiohaus-Prozesse vor ein britisches Militärgericht gestellt.[1] Nachdem er im August 1947 im Curiohaus als Kriegsverbrecher freigesprochen worden war, wurde er am 16. September 1947 den sowjetischen Behörden überstellt.[3] Für den Mord an den 45.000 Zivilisten in der Gegend von Dnjepropetrowsk wurde er zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er starb zwei Jahre später in einem Arbeitslager in Ostsibirien.

Dienstränge, Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bassewitz-Behrs SS- und Polizeiränge
Datum Rang
September 1938 SS-Oberführer
Juni 1940 SS-Obersturmbannführer (Waffen-SS)
Januar 1942 SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei
10. April 1943 SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei
1. Juli 1944 Generalleutnant der Waffen-SS

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tino Jacobs: Himmlers Mann in Hamburg – Georg Henning Graf von Bassewitz-Behr als Höherer SS- und Polizeiführer im Wehrkreis X 1943–1945. Dölling u. Galitz, Hamburg 2001, 191 S. ISBN 3-87916-063-5 und ISBN 3-935549-74-1 (TB)[3]
  • Tino Jacobs: „Besitzt die Eignung zum höheren Führer“ – Georg Henning Graf von Bassewitz-Behr – eine SS-Karriere. In: ISHZ, 44, Oktober 2004, S. 50–65[9]
  • Linde Apel, Hamburger Behörde für Kultur, Sport, Medien, in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.): In den Tod geschickt – Die Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Hamburg, 1940 bis 1945. Metropol Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-940938-30-5.
  • Ruth Bettina Birn: Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und in den besetzten Gebieten. Droste Verlag, Düsseldorf, 1986. ISBN 3-7700-0710-7.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Fischer, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-596-16048-8. (Aktualisierte 2. Auflage).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Herbert Diercks: Dokumentation Stadthaus. Die Hamburger Polizei im Nationalsozialismus. Texte, Fotos, Dokumente, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg 2012, S. 48.
  2. Eintrag im Rostocker Matrikelportal, WS 1919/20, Nr. 279.
  3. a b c d e f g Tino Jacobs: Himmlers Mann in Hamburg. akens.org
  4. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 30.
  5. a b Kurzbiografie (Memento vom 26. Oktober 2009 auf WebCite) auf Axis Biographical Research
  6. a b Ruth Bettina Birn: Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und in den besetzten Gebieten., Düsseldorf 1986, S. 331.
  7. Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Hrsg.): Hamburg im Dritten Reich., Göttingen 2005, S. 137.
  8. Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg (Hrsg.): Hamburg im Dritten Reich., Göttingen 2005, S. 533.
  9. Tino Jacobs: Besitzt die Eignung zum höheren Führer. akens.org