Georg Heinrich von Langsdorff

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Hercule Florence: Georg Heinrich von Langsdorff (um 1828)

Freiherr Georg Heinrich von Langsdorff (auch Langsdorf, russisch auch Grigori Iwanowitsch Langsdorf, Григорий Иванович Лангсдорф; * 18. April 1774 in Wöllstein, Rheinhessen; † 29. Juni 1852 in Freiburg im Breisgau) war ein deutsch-russischer Arzt, Naturforscher und Forschungsreisender. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Langsd.“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Heinrich von Langsdorffs Geburtsort Wöllstein lag im damaligen Herzogtum Nassau-Usingen. Sein Vater, Johann Gottlieb Emil, war Oberamtmann in Lahr und zuletzt Vice-Kanzler am Cassationshof des Großherzogtums Baden in Bruchsal.[1] Die Familie hatte von dem Adelsprädikat, das ihr seit 1375 zukam, keinen Gebrauch gemacht; mehrere Mitglieder der Familie, unter diesen auch Georg Heinrich, erneuerten aber ihren Adelsstand durch persönliche Verdienste oder durch die besondere Gunst ihrer Landesherren.

Langsdorff besuchte die Schule zu Buchsweiler im Elsass und das Gymnasium in Idstein. In Göttingen nahm er das Studium der Medizin auf und schloss es bereits 1797 als 23-Jähriger mit der Promotion ab. Danach begleitete er den Prinzen Christian August von Waldeck-Pyrmont (1744–1798) nach Lissabon und trat nach dem Tod des Prinzen 1801 als Arzt in den Dienst der Hilfstruppen in dem Feldzug gegen Spanien ein. Nach dem Frieden von Amiens im März 1802 kehrte er nach Deutschland zurück. 1803 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[2] Durch die in Deutschland gewonnenen Kontakte zu russischen Wissenschaftlern nahm er an der Krusensternschen Expedition nach Russisch-Amerika und Japan mit dem Segelschiff Nadeschda teil. Seine Eindrücke und Erlebnisse aus der Forschungsreise hielt er in seinen zweibändigen Bemerkungen auf einer Reise um die Welt in den Jahren 1803 bis 1807 fest. Sie erschienen im Jahre 1812 in Frankfurt am Main. Im Band 1 werden die Eindrücke als Teilnehmer der russischen Weltumseglung unter Adam Johann von Krusenstern (1770–1846) geschildert. Seine Berichte gehören zu den frühesten und besten wissenschaftlichen Quellen über dieses Gebiet. Die Bücher enthalten viele Tafeln mit anschaulichen Illustrationen (unter anderem auch die erste Ansicht von San Francisco).

Wohnung des Herrn von Langsdorff in Mandioca in der Nähe von Rio de Janeiro, gemalt von Thomas Ender, 1817–1818

Nach seiner Rückkehr wurde er Hofrat und Adjunkt bei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. Ab 1813 fungierte Langsdorff neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit als russischer Generalkonsul in Brasilien. 1822 segelte er mit 90 angeworbenen Auswanderern, mit dabei auch der Zweiraderfinder Karl Drais als Landmesser, zu seinem Landgut Mandioca in der Nähe von Rio de Janeiro. Dieses Landgut hatte er 1816 erworben und wollte es zu einem Mustergut ausbauen und die Kolonisation fördern. Auf diesem Landgut waren unter anderem auch die beiden bayerischen Naturwissenschaftler Spix und Martius im Jahre 1817.

1824 bis 1828 unternahm Langsdorff eine mehrjährige Brasilien-Expedition, an der mehrere Zoologen und Botaniker teilnahmen. Zeitweise beteiligten sich auch die Maler Johann Moritz Rugendas und Hercule Florence an dieser Expedition. Nach vielen Schwierigkeiten und Abenteuern musste er, lebensgefährlich erkrankt und geistig verwirrt, die Expedition abbrechen. Er litt an Gehirntyphus und Malaria.

1830 ist Langsdorff mit seiner Familie nach Deutschland zurückgekehrt und lebte zunächst in Baden-Baden und dann in Freiburg. Langsdorff starb 1852 in Freiburg, nachdem er sich nach seiner Brasilien-Expedition nie wieder vollständig erholt hatte. Seine handschriftlichen Berichte, Tagebücher und Illustrationen zu dieser Expedition sind im Staatsarchiv der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg verwahrt. In Brasilien sammelte Langsdorff Insekten, Vögel und Pflanzen. Von Langsdorff erstbeschriebene Arten werden in der biologischen Nomenklatur mit der Abkürzung „Langsd.“ versehen.

Bereits 1808 war er zum korrespondierenden Mitglied der Mathematisch-physikalischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt worden, 1823 folgte seine Ernennung zum auswärtigen Mitglied.

Einer seiner Söhne war Georg von Langsdorff, der sich an der Revolution 1848 beteiligte und später für die Prophylaxe in der Zahnheilkunde wirkte.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanzengattung Langsdorffia Mart. ist nach ihm benannt worden.[3] Ferner wurden die Moosarten Mittenothamnium langsdorffii Hook. und Thamniopsis langsdorffii Hook. zu seinen Ehren benannt. Coenraad Jacob Temminck widmete im 1821 den Namen der Brustband-Fadenelfe (Discosura langsdorffi).[4] Auch ein Tukan, der Langsdorffarassari (Selenidera reinwardtii langsdorffii Wagler, 1827) wurde nach Langsdorff benannt.[5]

In seinem Geburtsort Wöllstein erinnert der Name einer Straße an den Wissenschaftler.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bemerkungen auf einer Reise um die Welt in den Jahren 1803 bis 1807, 2 Bände, Frankfurt am Main 1812 (Digitalisat; auch Gekürzte Version als E-Text)
  • Bemerkungen über Brasilien. Mit gewissenhafter Belehrung für auswandernde Deutsche, Heidelberg 1821 (Digitalisat bei der SUB Göttingen)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelreferenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurzbiografie des Vaters: Langsdorff, Karl Christian von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 145.
  3. Robert Zander: Zander Handwörterbuch der Pflanzennamen. Hrsg. von Fritz Encke, Günther Buchheim, Siegmund Seybold. 13., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1984, ISBN 3-8001-5042-5.
  4. Coenraad Jacob Temminck u. a., S. 89, Tafel 66, Figur 1.
  5. Johann Georg Wagler, S. 12.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georg Heinrich von Langsdorff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien