Georg Kretschmar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Georg Kretschmar (* 31. August 1925 in Landeshut/Schlesien (heute polnisch: Kamienna Góra); † 19. November 2009 in München) war ein evangelischer Theologe und ehemaliger Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS) mit Sitz in Sankt Petersburg.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Kretschmar studierte von 1945 bis 1948 Theologie in Tübingen, Bonn, Heidelberg und Oxford. Im Jahr 1950 wurde er in Heidelberg promoviert und zwei Jahre später habilitierte er sich in Tübingen bei Hanns Rückert. 1954 wurde er zum Pfarrer ordiniert.

Von 1956 bis 1967 war er Professor für Neues Testament und Kirchengeschichte in Hamburg. 1967 wurde er Professor für Kirchengeschichte und Neues Testament an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er zu den Mitbegründern einer neuen Evangelisch-Theologischen Fakultät wurde. Forschungsschwerpunkte waren Kirchengeschichte und Patristik (Lehre der Alten Kirche), aber auch für die kirchliche Zeitgeschichtsforschung gab er wesentliche Impulse. Er lehrte bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1990.[1]

Seit 1990 war Georg Kretschmar eng mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien verbunden. Zunächst - noch zur Zeit der Sowjetunion - ging er nach Riga in Lettland. Nach der lettischen Unabhängigkeit siedelte er über nach Sankt Petersburg in Russland, um weiter am Wiederaufbau der evangelisch-lutherischen Kirche Russlands und der Länder der ehemaligen Sowjetunion mitzuwirken.

Tatsächlich gelang es ihm und seinen Mitstreitern, die theologische Ausbildung in St. Petersburg und das Zentrale Kirchenamt wieder zu öffnen sowie mehrere Diözesen der ELKRAS und eine Synode zu bilden, die an der Leitung der Kirche beteiligt sind. Mehrere Jahre war er Leiter des Theologischen Seminars der ELKRAS, ab 1992 stellvertretender Bischof.

Im Jahr 1994 wurde ihm das Amt des Bischofs der ELKRAS übertragen, das er bis zum Jahre 2005 (ab 1999 mit der Bezeichnung Erzbischof) innehatte. In seinem 80. Lebensjahr wurde er von seinen Verpflichtungen entbunden. Der bisherige Bischof der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine (DELKU), Edmund Ratz, wurde zu seinem Nachfolger berufen.

Sonstige Funktionen/Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vorsitzender des Fakultätentages der Evangelisch-Theologischen Fakultäten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (1969–1971)
  • Mitglied der internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften für Neutestamentler, Patristiker und Liturgiewissenschaftler
  • Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie
  • Mitglied des Moskau-Ausschusses, später auch des Rumänien-Ausschusses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
  • Vorsitzender der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Zeitgeschichte
  • Mitglied der Studienkommission des Lutherischen Weltbundes (LWB)
  • Mitglied der Gemeinsamen Orthodox-Lutherischen Kommission

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachruf auf Kretschmar auf der Seite der ev.-theol. Fakultät der LMU München, abgerufen am 24. November 2013