Deutsch-Russisches Forum

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem in Berlin ansässigen Verein zur Organisation des Dialogs und der Begegnung zwischen den Gesellschaften Deutschlands und Russlands. Für das von der Landsmannschaft Ostpreußen durchgeführte Forum siehe Deutsch-Russisches Forum – Zukunft braucht Vergangenheit.
Deutsch-Russische Forum e. V.[1]
Zweck: Organisation des Dialogs und der Begegnung zwischen den Gesellschaften Deutschlands und Russlands
Vorsitz: Matthias Platzeck, Vorsitzender des Vorstands
Gründungsdatum: 1993
Mitgliederzahl: 409
(Januar 2016)[2]
Sitz: Berlin, Deutschland
Website: www.deutsch-russisches-forum.de

Das Deutsch-Russische Forum ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der sich seit 1993 für einen breiten gesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und Russland engagiert.

Michail Gorbatschow, junge Pianistin und Lothar de Maizière am 15. Mai 2007 in Berlin.

Trägerschaft und Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wird konzeptionell und finanziell durch Mitglieder aus Politik, Wirtschaft, Massenmedien und Kultur getragen. Die Mitgliedschaft wird durch Kooptation erworben.

Bei seiner Gründung im Februar 1993 vereinte das Forum 59 Gründungsmitglieder. Heute engagieren sich über 400 Persönlichkeiten in leitender Position in Konzernen, in kleinen und mittleren Unternehmen wie auch in Politik, Medien, Wissenschaft und Kultur.[3] Die Mitgliedschaft ist öffentlich.[4]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Aktivitäten und Projekten des Deutsch-Russischen Forums gehören unter anderem die Organisation von Praktika für Journalisten, deutsch-russische Städtepartnerkonferenzen, der Schüler- und Jugendaustausch sowie die Durchführung der Potsdamer Begegnungen. Diese wurden durch den vormaligen Bundespräsident Roman Herzog initiiert und dienen dem Treffen von Akteuren aus dem kulturellen Bereich.

In Kooperation mit der deutschen Botschaft Moskau und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) organisiert das Deutsch-Russische Forum das Alumni-Netzwerk hallo deutschland!, das sich an russische Absolventen deutscher Förderinstitutionen richtet.

Dr.-Friedrich-Joseph-Haass-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Deutsch-Russische Forum verleiht seit 1994 jährlich den Dr.-Friedrich-Joseph-Haass-Preis an Personen, die sich um die deutsch-russischen Beziehungen verdient gemacht haben. Der Preis ist benannt nach dem deutschen Arzt Friedrich Joseph Haass, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Russland wirkte.

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuratorium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Ukrainekrise wurde dem Deutsch-Russischen Forum, insbesondere wegen der Wortmeldungen seines Vorsitzenden Matthias Platzeck, wiederholt eine zu unkritische Haltung gegenüber der umstrittenen Politik des russischen Präsidenten vorgeworfen. Auch in diesem Zusammenhang berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 22. November 2014 von einem Eckpunktepapier, das von Kanzleramt und Auswärtigem Amt unterstützt wird. In ihm wird gefordert, der Petersburger Dialog müsse „auch Raum für die kritische Auseinandersetzung mit der russischen Politik geben“. Die Anbindung an das Deutsch-Russische Forum soll beendet werden, da es in beiden Gremien große personelle Überschneidungen gibt: Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ist stark vertreten.[5] Im Rahmen der Reform soll der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck an Einfluss in dem Forum verlieren. Dieses Zugeständnis habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am 19. November 2014 „abgerungen“.[6]

Auf einer Sitzung der Organisation erklärte am 26. März 2015 die Journalistin und langjährige Moskau-Korrespondentin Elfie Siegl ihren Austritt. In ihrer Erklärung, die ihr Kollege Boris Reitschuster auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, heißt es, das Forum habe sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom in der Satzung festgeschriebenen Vereinszweck entfernt und setze nunmehr andere Prioritäten: „Es geht ihm weniger darum, Verständnis für Russland zu wecken, als vielmehr darum, der Politik des Putin-Regimes Verständnis entgegen zu bringen, sie zu billigen.“ Ferner kritisiert Siegl, dass mehrere bekannte Mitglieder und Vorstandsmitglieder des Forums den Appell „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ unterzeichnet haben. Dazu führt sie aus: „In diesem Aufruf wird auf den Kriegszustand in einigen Teilen der Ukraine und die Annexion der Krim mit keinem Wort eingegangen. Schon allein aus diesem Grund fühle ich mich als unabhängige Journalistin und Russland-Expertin vom Deutsch-Russischen Forum und seiner Leitung nicht mehr angemessen vertreten.“ Aus ähnlichen Gründen haben laut Siegl der Politologe Hannes Adomeit und der Jurist Otto Luchterhandt die Organisation verlassen. Zudem plane die Journalistin und Autorin Christine Hamel ihren Austritt. Boris Reitschuster schreibt außerdem, ein Mitglied habe ihm gesagt, „im Forum würde offenbar durch Neuaufnahmen gezielt die Pro-Putin-Mehrheit gefestigt“.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung des Deutsch-Russischen Forums e. V. von 2016 (PDF; 591 kB) deutsch-russisches-forum.de. März 2016. Abgerufen am 21. Februar 2017.
  2. FAQ: 4. Wer sind die Mitglieder des Deutsch-Russischen Forums?, abgerufen am 25. Januar 2016
  3. deutsch-russisches-forum.de
  4. deutsch-russisches-forum.de
  5. faz.net
  6. spiegel.de Russland-Politik: Merkel bootet Platzeck aus, in SPIEGEL vom 22. November 2014, abgerufen am 22. November 2014
  7. Facebook-Seite von Boris Reitschuster