George Friedman

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George Friedman (2012)

George Friedman (* 1949 in Budapest) ist ein US-amerikanischer Politologe und Publizist. Er gründete und leitete 1996 das private Beratungsinstitut Stratfor wie auch 2015 die Firma Geopolitical Futures, die geopolitische Prognosen erstellt.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedman entstammt einer jüdischen Familie, die den Holocaust überlebte und in den 1950er Jahren in die USA emigrierte. Er studierte am City College der City University of New York und wurde 1976 an der Cornell University promoviert.

Danach lehrte Friedman zwei Jahrzehnte als Professor für Politikwissenschaft am Dickinson College in Carlisle, Pennsylvania, wo er sich mit dem Marxismus und der Frankfurter Schule beschäftigte. In dieser Zeit schulte er auch Kommandeure der US-Streitkräfte, des Office of Net Assessments, SHAPE Technical Center, des US Army War College, der National Defense University und der RAND Corporation in Fragen der Sicherheit und nationalen Verteidigung.

Im Jahr 1996 gründete Friedman die private „Intelligence Corporation“ Stratfor in Austin, Texas, die sich mit Sicherheitsfragen, Geopolitik und strategischen Voraussagen ("Strategic forecasting" = Stratfor) befasst.

Er verfasste mehrere Bücher, darunter „The Next 100 Years“, „America's Secret War“, „The Edge Intelligence“ und „The Future of War.“ Zu seiner Arbeit äußerte Friedman einmal in einem Videoclip auf der Stratfor-Webseite: „Journalisten erklären, was in der Welt passiert, wir bei Stratfor erklären, was passieren wird.“[1]

Seine Prophezeiungen sind nach dem Urteil seiner Kritiker oft nicht nur gewagt. 1991 erläuterte Friedman im Buch „Der kommende Krieg mit Japan“, warum nach dem Zerfall des Kommunismus die USA mit neuen Rivalen um die Weltherrschaft kämpfen. Im 2009 erschienenen Buch „Die nächsten 100 Jahre“ beschreibt Friedman einen Krieg zwischen den USA und Polen auf der einen und Japan und der Türkei auf der anderen Seite. Friedman erwartet einen Aufstieg der Türkei zur politischen und militärischen Vormacht – Deutschland sei bis 2050 bedeutungslos.[2]

Der Hackerangriff, vermutlich durch Anonymous, auf die Stratfor-Webseite am Heiligen Abend 2011 und die darauf folgende Publikation von Millionen E-Mails und Kundendaten bedeuteten für Friedman und sein Unternehmen einen schweren Rückschlag, den er aber durch Sicherheitsmaßnahmen, personelle Verstärkung und einen neuen Webauftritt wettzumachen versuchte.[3] Zeitweise kursierten Gerüchte, dass Friedman wegen der Attacken auf sein Unternehmen zurücktreten wolle, doch sein Pressesprecher dementierte, Stratfor werde sich nicht einschüchtern lassen.[4]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedman ist verheiratet mit Meredith Friedman (geborene LeBard). Sie haben vier Kinder und leben in Austin, Texas. Meredith Friedman ist ebenfalls in der Firma an der Seite ihres Mannes tätig - als Vizepräsidentin zuständig für Internationales und Kommunikation.[5][6] Sie wirkte an mehreren seiner Veröffentlichungen mit, darunter an einem Buch über einen Krieg der USA gegen Japan.[7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Political Philosophy of the Frankfurt School. Cornell University Press, 1981, ISBN 0-8014-1279-X.
  • The Coming War With Japan. Mit Meredith LeBard. St Martins Press, 1991, ISBN 0-312-07677-0.
  • America's secret war: inside the hidden worldwide struggle between the United States and its enemies. New York: Anchor Books, 2005, ISBN 978-0-7679-1785-8.
  • Die nächsten hundert Jahre. Campus, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-593-38930-1 (deutsche Ausgabe).
  • The Next Decade: What the World Will Look Like. 2010, ISBN 0-385-53294-6
  • Flashpoints: The Emerging Crisis in Europe. Doubleday, 2015, ISBN 0-385-53633-X
    • Flashpoints - Pulverfass Europa : Krisenherde, die den Kontinent bedrohen. Übersetzung Matthias Schulz. Kulmbach : Plassen, 2015

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: George Friedman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Video: Friedman about Stratfor: Intelligence vs. Journalism.
  2. US-Denker – Spielt Deutschland ab 2050 keine Rolle mehr? Die Welt, 19. Juli 2015, abgerufen am 27. Oktober 2015.
  3. Der enttarnte Chef der Schatten-CIA, von Sönke Iwersen, 2. März 2012
  4. Leak-Check: Stratfor's CEO Has Not Resigned After WikiLeaks Release, 27. Februar 2012.
  5. Cheryl Hall: The most dangerous spot in the world? Europe, not the Middle East. 2. November 2014. Abgerufen am 18. März 2015.
  6. Katie Rucke: What Was Going On Between Reddit’s Alexis Ohanian And Stratfor?. 28. August 2013. Abgerufen am 18. März 2015.
  7. Booknotes interview with Friedman and Meredith LeBard on The Coming War With Japan, June 9, 1991.