George Perkins Marsh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
George Perkins Marsh

George Perkins Marsh (* 15. März 1801 in Woodstock, Vermont; † 23. Juli 1882 in Vallombrosa, Italien) war ein US-amerikanischer Diplomat, Philologe und Schriftsteller. In manchen Kreisen gilt er als der erste amerikanische Umweltschützer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marsh wurde in Woodstock als Sohn einer prominenten Familie geboren. Sein Vater Charles war Bundesstaatsanwalt in Vermont und saß später für den Staat im US-Repräsentantenhaus. Marsh verließ 1820 das Dartmouth College mit höchster Auszeichnung und verfeinerte seine Gesetzeskenntnisse in Burlington. 1835 wurde er in den obersten Rat des Staates Vermont gewählt. Von 1842 bis 1849 nahm er als Mitglied der Whigs wie zuvor sein Vater einen Sitz im Kongress ein und wurde dann zum Gesandten in Konstantinopel berufen. Dieses Amt nutzte er, um eine mehrmonatige Reise durch Italien sowie eine achtmonatige Expedition nach Ägypten, den Sinai und das heutige Jordanien zu unternehmen.Auch Griechenland Österreich lernte er kennen.[1] 1851 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1852 ging er in einer besonderen Mission nach Griechenland, kehrte 1854 nach einer größeren Reise durch Europa in seine Heimat zurück und übernahm 1861 während des Bürgerkrieges den Gesandtschaftsposten der neu entstandenen italienischen Nation in Rom, den er bis 1882 bekleidete. 1874 wurde er mit der Schlichtung im italienisch-schweizerischen Grenzstreit im Valle Cravariola beauftragt. Als Unternehmer betätigte sich Marsh durchwegs erfolglos mit Schafzucht, Inhaber einer Wollspinnerei, als Grundstücksspekulant und Betreiber eines Marmorsteinbruchs. Alle Engagements endeten in finanziellen Desastern.[2]

Marsh beherrschte 20 Sprachen in Wort und Schrift. Deutsch war seine Lieblingssprache. Er verfügte über ein außerordentliches Gedächtnis, konnte sich alles merken, was er gelesen hatte und war in der Lage, sich eine neue Sprache in kurzer Zeit aneignen.[3] Eine seiner Leidenschaften galt der vergleichenden Sprachforschung. So übersetzte er bereits 1838 RasksIsländische Grammatik“. Seine gesammelten Werke erschienen 1882 in drei Bänden. Ferner gilt er als einer der ersten Verfechter des Umweltschutzes in den Vereinigten Staaten. Seine Forderung nach Erhaltung der natürlichen Wälder führte zur Anlage des Adirondack State Parks.

Marsh starb am 23. Juli 1882 in Vallombrosa und wurde in Rom beerdigt.

Der Marsh-Billings-Rockefeller National Historical Park in Vermont beinhaltet seinen Namen, weil er hier aufgewachsen ist. Frederick Billings war ebenfalls ein früher Umweltschützer, auf der ehemaligen Marsh Farm eine professionell geführte Meierei einrichtete und den Wald schützte. Schließlich ging das Grundstück an Frederick Billings' Enkeltochter, Mary French Rockefeller, und ihrem Ehemann, dem Umschützschützer Laurance S. Rockefeller, die dafür sorgten, dass daraus 1968 ein Nationalpark wurde.

Man and Nature[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marsh’s 1864 erschienenes Hauptwerk Man and Nature war das Ergebnis seiner umfangreichen jahrelangen Reisen und Lektüre. Er studierte Beschreibungen von Landschaften und landwirtschaftlicher Nutzung in vielen Ländern und historisch bis ins antike Griechenland und Rom. Diese Lektüre ergänzte er durch eigene Beobachtungen in Europa. Einen Sinn für den Zusammenhang zwischen Menschlichem Wirken und der Natur gewann Marsh besonders durch die Lektüre der Werke Alexander von Humboldts,[4] der früh auf die Gefahren durch die Abholzung der Wälder hingewiesen hatte.[5] Marsh führte diese Gedanken weiter und sah den Mensch überall als „einen Störfaktor“. Er beabsichtigte daher, seinem Buch den Titel „Der Mensch, der Störenfried der Harmonien in der Natur“ zu geben, was sein Verleger jedoch ablehnte.[4]

Marsh führte in Man and Nature eine Vielzahl von Beispielen für den Eingriff des Menschen in den Rhythmus der Natur auf, so etwa das Aus-der-Mode-kommen von Pelzmützen in Europa, was zu einer Erholung der Biberbestände in Kanada führte oder das Erlegen von Vögeln durch Landwirte, die ihre Ernten schützen wollten, was Schwärme von Insekten entstehen ließ.[6] Marsh prangte eine Ausbeutung der Natur durch den Menschen an. Dazu zählte er die Überfischung der Gewässer, die Verschmutzung durch Industrie, die Vergiftung durch Chemikalien oder die hemmungslose Nutzung des Wassers mit der Folge der Verkleinerung großer Flüsse und salziger unfruchtbarer Böden ebenso wie die rigorose Abholzung der Wälder in den USA. Sie war eine direkte Folge des Homestead Act von 1862, der Grundbesitzern, die neues Land erwarben, bedingungslos zugestand, die Bäume auf ihrem Grund abzuholzen.[7]

Man and Nature war das erste naturhistorische Werk in den USA. Es war ungewohnt kritisch und beeinflusste die Politik langsam aber nachhaltig in einer Phase des industriellen Aufschwungs, in der keine Rücksicht auf die Natur genommen wurde. Erst der Forest Reserves Act von 1891 für den Schutz der amerikanischen Wälder zeigte den Einfluss von Marsh’s Werk. Der Einfluss des Buchs reichte bis in Grundlagen für Umweltschutz-Gesetzgebungstexte etwa von Italien, Frankreich oder Neuseeland. Man and Nature prägte eine Generation von Umweltaktivisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurde für sie zum „Ursprung der Naturschutzbewegung“.[8]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A Compendious Grammar of the Old Northern or Icelandic Language (1838)
  • Lectures on the English language (1861)
  • The origin and history of the English language (1862)
  • Man and Nature, Or Physical Geography as Modified by Human Action Publisher: Sampson Low, Son and Marston, London 1864 (1862)
  • The earth as modified by human action (1874)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lowenthal, D. (2000): George Perkins Marsh: Prophet of Conservation. Seattle: University of Washington Press. ISBN 0-295-97777-9
  • Wulf, A. (2016): Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. Kap. 21: Mensch und Natur - George Perkins Marsh und Alexander von Humboldt. C. Bertelsmann. ISBN 978-3-570-10206-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann 2016. ISBN 978-3-570-10206-0. S. 358ff
  2. Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann 2016. ISBN 978-3-570-10206-0. S. 356
  3. Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann 2016. ISBN 978-3-570-10206-0. S. 355ff
  4. a b Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann 2016. ISBN 978-3-570-10206-0. S. 366
  5. Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann 2016. ISBN 978-3-570-10206-0. S. 362
  6. Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann 2016. ISBN 978-3-570-10206-0. S. 367
  7. Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann 2016. ISBN 978-3-570-10206-0. S. 368
  8. Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann 2016. ISBN 978-3-570-10206-0. S. 371