Bernie Sanders

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bernie Sanders (2007)
Unterschrift

Bernard „Bernie“ Sanders (* 8. September 1941 in New York) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei, der seit 2007 den Bundesstaat Vermont im US-Senat vertritt und am 29. April 2015 seine Kandidatur für die Vorwahlen seiner Partei für die US-Präsidentschaftswahl 2016 bekanntgab. Sanders, der seine politische Orientierung als „Demokratischer Sozialismus“ (Democratic Socialism) bezeichnet,[1][2] war der parteiinterne Hauptkonkurrent von Hillary Clinton, ehe er am 12. Juli 2016 seine Unterstützung für ihre Kampagne bekanntgab[3].

Nachdem er lange Zeit als Unabhängiger der Fraktion der Demokraten angehört hatte, trat er der Partei im November 2015 bei. Von 1991 bis 2007 war Bernie Sanders zuvor parteiloses Mitglied des Repräsentantenhauses.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernard Sanders wurde in Brooklyn im Osten von New York geboren, wo er seine komplette Jugend verbrachte. Sein älterer Bruder Lawrence „Larry“ (* 25. April 1934)[4] und er waren die Söhne von Eli(as) Sanders (1904–1962) und dessen Ehefrau Dorothy „Dora“ (geb. Glassberg; 1912–1960).[5][6] Der Vater war 1921 im Alter von 17 Jahren mit dem Namen Eliasz Gitman aus dem im südlichen Polen (Woiwodschaft Kleinpolen) gelegenen Dorf Słopnice (Landkreis Limanowa) in die Vereinigten Staaten eingewandert.[7] Die Mutter wurde in New York als Tochter ebenfalls jüdischer Eltern geboren, die etwa um 1904 aus dem östlichen Polen (Powiat Radzyński/Woiwodschaft Lublin, zu dieser Zeit noch zum zaristischen Russland gehörend) in die Vereinigten Staaten eingewandert waren.[8] Eli Sanders' Job als Verkäufer von Farblacken ernährte die kleine Familie, erlaubte aber kaum Luxus. Sanders sagt, dass ihn das nachhaltig geprägt und politisiert habe:[9][10][11][12]

“It’s not that we were poor, but [there was always] the constant pressure of never having enough money. … The money question to me has always been very deep and emotional.”

„Es war nicht [gerade] so, dass wir arm waren, aber [es gab immer] den permanenten Druck nie genug Geld zu haben. … Die Geld-Frage betraf mich immer sehr tief und emotional.“

Bernie Sanders: The Jews of Capitol Hill: A Compendium of Jewish Congressional Members (Kurt Stone)

Sanders pflegt enge Beziehungen zur Heimat seines Vaters, der südpolnischen Gemeinde Słopnice, die er mit seinem Bruder zuletzt 2013 besuchte.[13] Seine Mutter starb 1960 im Alter von 48 Jahren kurz nach dem Schulabschluss ihres Sohnes.

Ausbildung und frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sanders besuchte die P. S. 197 Elementary School[14] und gewann während dieser Zeit mit seiner Mannschaft die Stadtbezirksmeisterschaft (Borough Championship) im Basketball.[15] An den Nachmittagen besuchte er eine hebräische Schule und feierte 1954 seine Bar Mitzwa. Danach wechselte er zur James Madison High School, in Midwood. Sanders war ein talentierter Leichtathlet/Lang- und Querfeldeinläufer (u.a. lief er bei den 1957er Brooklyn-Bezirksmeisterschaften über eine Meile – One-mile-race – mit der Zeit von 4:37 als Dritter ins Ziel) und wurde Co-Kapitän der Leichtathletikteams dieser Schule.[15][16] Durch seinen älteren Bruder Larry wurde Bernie Sanders früh an politisches Handeln herangeführt. Larry Sanders war am Brooklyn College Vorsitzender der Young Democrats of America, der Jugendorganisation der Demokratischen Partei, und nahm seinen jüngeren Bruder mit zu den verschiedenen Meetings.[10] Sanders sagt, dass ihm dann vor allem der Aufstieg Adolf Hitlers die Bedeutung von Politik beigebracht habe.[17][18]

1959 studierte Sanders zunächst ein Jahr Psychologie am Brooklyn College der City University of New York, bevor er zur University of Chicago wechselte und dort Soziologie, Geschichte und Psychologie belegte.[19] Sanders schreibt allerdings in seiner Autobiographie Outsider in the House, dass er den regulären Unterricht an der Uni stark vernachlässigte, stattdessen – autodidaktisch – die Werke von Jefferson, Lincoln, Marx, Friedrich Engels, Trotzki, Debs und Freud verschlang. “I read everything I could get my hands on—except what I was required to read for class.” (deutsch: „Ich las alles, was immer ich in die Hand bekommen konnte – außer den Büchern, die für den Unterricht erforderlich waren.“)[10] Er begeisterte sich für den Sozialismus, trat der Young People’s Socialist League, der Jugendorganisation der Sozialistischen Partei der USA bei, wurde beim Congress of Racial Equality (CORE) aktiv, war einer der Initiatoren des Student Nonviolent Coordinating Committee und organisierte 1962 ein Sit-in gegen die Rassentrennung in den zur Universität gehörenden Studentenwohnheimen. 1963 nahm er am Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit teil.[20] Sein Studium finanzierte er mit Teilzeitjobs, Zuschüssen und Darlehen.[20][20][21] 1964 schloss er dieses mit einem Bachelor of Arts in Politikwissenschaft ab.[22][23]

Im selben Jahr heiratete er in Baltimore, in erster Ehe, Deborah Shiling, die er während seiner Studienzeit kennengelernt hatte.[19][24] Ebenfalls im Jahr 1964 verbrachte er mit seiner Frau sechs Monate im 1935 von rumänischen und jugoslawischen jüdischen Immigranten gegründeten Kibbuz Sha'ar HaAmakim in der Nähe von Kirjat Tiw’on Bezirk Haifa im Norden Israels. Er war von der linksgerichteten zionistischen Bewegung Hashomer Hatzair eingeladen worden.[25][26][27][28] Sein Aufenthalt in dem Kibbuz war aber weniger religiös motiviert noch vom Zionismus bestimmt. Sanders wollte das Wirtschaften in einer kleinen Gemeinde kennenlernen und lernte dort ganz nebenbei – wie er später einmal bemerkte – “…that you could have a community in which the people themselves actually owned the community”. (deutsch: „… dass Menschen sich zu einer Gemeinschaft zusammenschliessen könnten, in der ihnen [denjenigen, die die Gemeinschaft gegründet haben], diese Gemeinschaft tatsächlich auch gehört.“).[20]

Wieder zurück in den USA, ließen seine Frau und er sich in Vermont nieder und kauften für 2.500 US-Dollar ein 85 Acres großes Grundstück in Middlesex im Washington County (einige Meilen nördlich von Montpelier).[29] Sanders finanzierte den Kauf aus einer kleinen Erbschaft, die ihm sein 1962 verstorbener Vater hinterlassen hatte.[30] Zu dieser Zeit wurde eine große Anzahl Menschen des so genannten „Counterculture movement“ („Gegenkultur-Bewegung“), insbesondere die so genannten Back-to-the-Land-Hippies, von den grünen Bergen Vermonts angezogen. John Pollack schätzte, dass im Jahre 1970 etwa 36.000 Hippies nach Vermont eingewandert waren – rund 33 Prozent der Einwohner des Bundesstaates im Alter zwischen 18 und 34. Und Yvonne Daley (The Hippie Legacy., 1983) zählte insgesamt 75 Kommunen in Vermont in der Zeit 1968 bis 1974.[31][32]

Sanders liebte das Leben auf dem Land:

“When I was a kid, I always had a strong feeling for country life. I was not a fan of big cities. After I was married … we bought some land in Vermont. We went up there for basically the same reason, I think, that many others have gone up there: its a beautiful state.”

„Als Kind liebte ich das Landleben. Große Städte konnten mich nicht begeistern. Nachdem ich geheiratet hatte … kauften wir ein Stück Land in Vermont. Ich glaube, wir zogen da hinauf hauptsächlich aus demselben Grund, aus dem viele andere dorthin gezogen sind: Es ist [einfach] ein wundervoller Staat.“

Bernie Sanders: The Jews of Capitol Hill: A Compendium of Jewish Congressional Members (Kurt F. Stone)

In Folge lebten seine Frau und er in einem baufälligen Haus, das sich auf dem Grundstück befand und bis dahin für das Eindampfen von Ahornsaft zu Sirup bzw. Ahornzucker benutzt worden war. Es gab keine Elektrizität und kein fließendes Wasser.[24] In einem Interview mit der Zeitschrift Atlantic beschrieb Sanders jedoch, was er damals empfand:

“It was just fantastic. … I mean, I grew up in a three-and-a-half-room apartment, never owned a damn thing, and owing a piece of land I could walk on was just incredible! This brook is my brook! This tree is my tree!”

„Es war einfach fantastisch. … Ich meine, ich bin in einer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung aufgewachsen, hab’ nie irgendetwas mein eigen nennen können, und ein eigenes Stück Land zu besitzen, auf dem ich herumspazieren konnte, war einfach ein unglaubliches [Gefühl]! Dieser Bach [hier] ist mein Bach! Dieser Baum [hier] ist mein Baum!“[30]

Bernie und Jane Sanders bei einem Wahlkampfauftritt (2016)

Sanders arbeitete in dieser Zeit als Zimmermann, Dokumentarfilmer, freier Autor und Direktor der American People’s Historical Society. 1979 drehte er einen Dokumentarfilm über den amerikanischen Sozialisten und mehrmaligen Präsidentschaftskandidaten Eugene V. Debs, in dem er selbst die Reden Debs' nachsprach.[33][34]

Als seine kinderlos gebliebene Ehe mit Deborah Shiling im Jahre 1966 geschieden wurde, ging Sanders zunächst nach New York zurück, nahm Gelegenheitsjobs an – arbeitete u. a. als Helfer in einem psychiatrischen Krankenhaus – und unterrichtete für kurze Zeit Kinder im Vorschulalter für das Head-Start-Programm.[10][10] 1968 kehrte er aber wieder nach Vermont zurück und arbeitete u. a. als Rechercheur für die Steuerbehörde (Vermont Department of Taxes) und für die 1974 gegründete NGO Bread and Law Task Force, die versuchte, die Ernährung von Menschen mit geringem Einkommen zu verbessern.

In New York hatte Sanders Susan Campbell Mott kennengelernt. Er kaufte ein Grundstück in der im nordöstlichen Vermont gelegenen 200-Seelen-Gemeinde Stannard, Caledonia County, um dort mit Mott zusammenzuleben. Am 21. März 1969 wurde der gemeinsame Sohn Levi Noah geboren. Das Paar trennte sich 1971 und Sanders zog – gemeinsam mit seinem Sohn – nach Burlington.[24][35][20][23]

Seit 1988 ist er mit seiner zweiten Ehefrau Jane O’Meara Sanders verheiratet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liberty Union (LU)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre wurde Sanders Mitglied der noch jungen Liberty Union Party (LU), einem Ableger der Antikriegsbewegung in Vermont.[36][37] Danach trat er als Kandidat der LU bei einer ganzen Reihe von Wahlen an: 1972, um den durch den Tod von Senator Winston L. Prouty vakant gewordenen Senatssitz; ebenfalls 1972 um das Gouverneursamt von Vermont, das jedoch vom Demokraten Thomas P. Salmon gewonnen wurde. Sanders konnte nur 1,5 Prozent der Stimmen gewinnen.[23] 1974 bewarb er sich erneut um den Senatorenposten. Auch bei dieser Wahl, die der Demokrat Patrick Leahy für sich entscheiden konnte, gelang es Sanders lediglich 4,1 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinigen.[23] 1976 versuchte er ein weiteres Mal den Gouverneursposten zu erringen. Die Wahl wurde aber vom Demokraten Richard A. Snelling gewonnen. Sanders errang nur 6,1 Prozent der Stimmen.[23][22] 1977 verließ Sanders die LU und arbeitete in Folge als Autor und Direktor der Non-Profit-Organisation American People’s Historical Society.[38]

Bürgermeister von Burlington[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernie Sanders (1991)

1981 bewarb sich Sanders – diesmal als unabhängiger Kandidat – um das Amt des Bürgermeisters von Burlington, der größten Stadt Vermonts, und schlug den Demokraten Gordon H. Paquette, der das Amt seit 1971 innehatte, nach vier Wahlgängen mit einer hauchdünnen Mehrheit von zwölf Stimmen.[39][40] In dieses Amt wurde er insgesamt dreimal wiedergewählt. Er war ein sehr erfolgreicher Bürgermeister und wurde 1987 zu einem der 20 besten Bürgermeister der USA gewählt. Die New York Times schrieb: "U.S. News and World Report named him one of the nation’s 20 top mayors in 1987, crediting him with preserving affordable housing, holding the line on property taxes and making a serious push for home rule in a state where cities had little autonomy."[41]

„Burlington is now widely heralded as an environmentally friendly, lively, and livable city with a thriving economy, including one of the lowest jobless rates in the country. Burlingtonians give Sanders credit for steering the city in a new direction that, despite early skepticism, proved to be broadly popular with voters.“[42]

Repräsentantenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 bewarb er sich zunächst erfolglos um einen Sitz im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten. Erst bei der Wahl 1990 konnte Sanders eine Mehrheit erreichen und besiegte Peter P. Smith, gegen den er zwei Jahre zuvor verloren hatte. Sanders war von 1991 bis 2007 Mitglied des Repräsentantenhauses und damals der einzige parteilose Abgeordnete sowie derjenige mit der insgesamt längsten Mandatszeit als Unabhängiger. Er vertrat dort den Bundesstaat Vermont, der nur über einen Sitz im Repräsentantenhaus verfügt. Sanders wurde sechsmal wiedergewählt, teilweise mit über zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen (1992: 57,8 %, 1994: 49,9 %, 1996: 55,2 %, 1998: 63,4 %, 2000: 69,2 %, 2002: 64,3 %, 2004: 68,8 %).

Senat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Wahl zum US-Senat am 7. November 2006 kandidierte er für den Sitz des nicht mehr antretenden Jim Jeffords. Er gewann als Unabhängiger gegen den Kandidaten der Republikanischen Partei, Richard Tarrant, mit 65,4 Prozent der Stimmen die Wahl.[43] Sanders trat sein Mandat im US-Senat am 3. Januar 2007 an. 2012 gelang ihm mit 71 Prozent der Stimmen gegen den Republikaner John MacGovern die Wiederwahl. Seit 3. Januar 2013 führt er den Vorsitz im Kriegsveteranenausschuss des Senats. Er hatte sich lange Zeit der Fraktion der Demokratischen Partei angeschlossen, bevor er dieser am 5. November 2015 beitrat.[44]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernie Sanders (2015)

Sanders stimmte gegen die Invasion des Irak durch US-Truppen im Jahr 2003 und gilt als scharfer Kritiker des Bürgerrechte einschränkenden USA PATRIOT Act sowie staatlicher und kommerzieller Einflussnahme in der Medien- und Telekommunikationsbranche. Während der Präsidentschaft von Barack Obama unterstützte er dessen Gesundheitsreformvorhaben zur Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung („Obamacare“) und sprach sich darüber hinaus für eine Bürgerversicherung aus. Sanders fordert die Abschaffung von Studiengebühren an US-amerikanischen Hochschulen, die Erhöhung der Renten und eine bessere Kinderbetreuung. Über einen Schwangerschaftsabbruch sollen Frauen selbst entscheiden, nicht der Staat. Er sieht die skandinavischen Länder in diesen Punkten als Vorbild. Um diese politischen Ziele in den USA finanzieren zu können, möchte er Unternehmen und Reiche, insbesondere Milliardäre, höher besteuern.[45][46][47]

Sanders stimmte gegen eine unter Bill Clinton 1996 verabschiedete Sozialhilfereform.[48] Das Gesetz Personal Responsibility and Work Opportunity Reconciliation Act begrenzte die Auszahlung von Sozialhilfe aus Bundesmitteln auf einen Höchstzeitraum von fünf Jahren pro Familie.[49]

Sanders spricht sich gegen Freihandelsabkommen der USA mit anderen Staaten aus, da er diese für die US-amerikanische Arbeiterschaft als schädlich erachtet und den Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet. Für die etwa elf Millionen illegalen Einwanderer will er einen Weg in die US-Staatsbürgerschaft ermöglichen. Die Zahl militärischer Auslandseinsätze will Sanders reduzieren. Die Führung der Anti-IS-Koalition sollen die USA an Staaten aus der Region abgeben. Kriegsveteranen sollten besser unterstützt werden.[50][45]

Er erkennt das Recht auf Waffenbesitz an und stimmte in der Vergangenheit häufig gegen striktere Gesetze zum Waffenverkauf. Die behördliche Kontrolle der Verkäufer und Käufer von Waffen will er hingegen ausweiten. In der Debatte um die Waffengesetzgebung mahnte er an, dass es in Bezug auf Waffengewalt große Unterschiede zwischen ländlichen Gebieten und Großstädten gebe, daher auch eine Unterscheidung in der Debatte stattfinden müsse.[45][51][52]

Größeres nationales Aufsehen erregte eine pausenlose achteinhalbstündige Filibuster-Rede Sanders’ vor dem US-Senat am 10. Dezember 2010, in der er sich kritisch mit der US-Politik der vergangenen Jahrzehnte auseinandersetzte. Anlass war der Kompromiss der Regierung Obama mit den Republikanern, die unter George W. Bush erfolgten Steuerkürzungen für sehr hohe Einkommen beizubehalten. Sanders kritisierte dies und begründete seine Vorschläge für eine alternative Steuerpolitik. Er sprach auch über die ungleiche Einkommensverteilung, Einflüsse durch Lobbyismus und Regulierungen sowie Deregulierungen. Die zunächst nur vom Parlamentssender C-SPAN übertragene Rede verbreitete sich zahlreich im Internet und wurde daraufhin auch von den Medien aufgegriffen. Des Weiteren sieht Sanders den „War on Drugs“ als gescheitert an und steht einer möglichen Legalisierung von Cannabis und Marihuana[53] positiv gegenüber.[54][55]

2015 brachte er einen Gesetzentwurf im Kongress ein, der die Bundesstaaten zur automatischen Registrierung von Wählern verpflichtet, falls diese ihre Zustimmung nicht ausdrücklich verweigern.[56] Im Fall eines Wahlsiegs bei den Präsidentschaftswahlen will er Obamas Politik fortsetzen, mittels präsidentieller Order Abschiebungen von Eltern von US-Staatsbürgern oder von illegalen Migranten, die als Kinder in die USA gekommen sind, zu verhindern.[57]

Eines der zentralen Themen von Sanders ist die wachsende „Schere“ zwischen Arm und Reich sowie die damit einhergehende Verkleinerung der Mittelschicht, zu deren Bekämpfung er Steuererhöhungen für Reiche sowie eine Steuer auf Börsenspekulation vorschlägt. Banken, die „too big to fail“ sind, sollen entflochten werden, damit eine Bankenpleite nicht die Stabilität des gesamten Finanzmarkts gefährdet. Zudem befürwortet Sanders eine Sanierung der US-amerikanischen Infrastruktur, um so gleichzeitig Arbeitsplätze mit angemessener Bezahlung zu schaffen. Er ist ebenfalls starker Befürworter von Sozialversicherungen und kostenloser Ausbildung. Er brachte einen Gesetzentwurf ein, wonach eine vierjährige Universitätsausbildung für jeden Studierenden kostenfrei sein soll, die Kosten hierfür sollten sich Bundesregierung und Einzelstaaten teilen.[58] Insgesamt sieht er eine Mischform aus Kapitalismus und sozialen Leistungen durch den Staat als erstrebenswert an und ist damit aus deutscher Sicht im Spektrum der klassischen Sozialdemokratie angesiedelt.[45][59]

Er befürwortet ein nationales Verbot der Fracking - Technologie.[60]

Präsidentschaftskandidatur 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernie Sanders (2016)
Sanders vor einer Menge politischer Anhänger (2015)
Sanders während der Memorial Day Ceremony 2016 im Presidio von San Francisco

Am 30. April 2015 kündigte Sanders in Washington seine Kandidatur für die Vorwahlen der Präsidentschaftswahl 2016 an.[61] Seinen Wahlkampf begann er am 26. Mai 2015 in Burlington.[62]

Am 8. Juni 2015 erreichte Sanders bei einer Probeabstimmung der Demokraten in Wisconsin 41 Prozent der Stimmen und lag damit 8 Prozentpunkte hinter seiner Mitbewerberin Hillary Clinton.[63] Am 2. Juli 2015 verkündete Sanders, dass er seit dem 30. April 2015 rund 15 Millionen US-Dollar an Spenden für den Wahlkampf eingenommen habe. Dabei beliefen sich 99 Prozent der Spenden auf jeweils weniger als 250 US-Dollar.[64]

Die Finanzierung seines Wahlkampfes findet größtenteils durch Spenden von Privatpersonen, zumeist aus der Mittelschicht, statt. Er verzichtet auf Spenden von Großkonzernen oder Großbanken, um sich, nach eigener Aussage, nicht von diesen abhängig zu machen. Der Wahlkampffinanzierung durch die Wirtschaft oder private, reiche Spender steht er kritisch gegenüber und befürwortet eine Reformierung der aktuellen Gesetzeslage, die es Unternehmen und Individuen gestattet, Gelder in unbegrenzter Höhe an den Kandidaten ihrer Wahl zu vergeben. Diese Zustände bezeichnete er mehrfach als oligarchisch. Kandidaten, wie seiner parteiinternen Konkurrentin Hillary Clinton oder zahlreichen Republikanern, die von dieser Möglichkeit der Wahlkampfspenden Gebrauch machen, wirft er vor, die 1 % der Topverdiener sowie deren Interessen zu repräsentieren.[65] Sanders entwickelte sich zu einem ernst zu nehmenden Kandidaten mit einem Unentschieden gegen die zuvor als unbesiegbar eingeschätzte Hillary Clinton in Iowa und mit einem Sieg in New Hampshire. Am 14. Juni lag er mit 1876 Delegiertenstimmen hinter Hillary Clinton mit 2746 Delegiertenstimmen (1829 zu 2202 Stimmen ohne Superdelegierte).

Der Wahlkampfslogan von Sanders lautete Feel the Bern, was englisch ausgesprochen sowohl Fühle das Brennen als auch Fühle Bernie bedeuten kann.

Laut einer Umfrage des republikanischen Meinungsforschungsinstituts Frank Luntz war er im Februar 2016 bei 31 % der 18-bis-26-Jährigen der Politiker, den sie am meisten mögen und respektieren (im Vergleich dazu Barack Obama: 18 %, Hillary Clinton: 11 %, Donald Trump: 9 %).[66] Dementsprechend wurde der Wahlkampf auch stärker als bei anderen Kandidaten in den sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook und Twitter ausgetragen.[67]

Am 12. Juli 2016 gab Sanders bekannt, dass er die Kandidatur von Hillary Clinton unterstützen wird.[68]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Speech. A Historic Filibuster on Corporate Greed and the Decline of Our Middle Class, New York 2011.
  • mit Huck Gutman: Outsider in the White House, London – New York 2015 (Verso) (Rezension in deutscher Sprache: Pfahl-Traughber, Armin: Bernie Sanders und die US-Präsidentschaftswahlen, in: www.hpd.de, 5. November 2015).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John Davis: Bernie Sanders for President 2016: A Political Revolution. Old Town Publishing, 2015.
  • Chamois Holschuh (Ed.): Bernie Sanders in his own Words. 250 Quotes from America’s Political Revolutionary. New York 2015.
  • Harry Jaffe: Why Bernie Sanders matters. New York 2015.
  • Armin Pfahl-Traughber: Ein demokratischer Sozialist in den USA. Das Phänomen Bernie Sanders. In: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte Nr. 11 vom November 2015, S. 13–16.
  • Armin Pfahl-Traughber: „A Political Revolution“: Der Demokratische Sozialismus von Bernie Sanders. Ideengeschichtliche Grundlagen und realpolitische Vorbilder. In: Perspektiven ds, 32. Jg., Nr. 2/2015, S. 100–106.
  • Armin Pfahl-Traughber: Amerika skandinavischer machen. Der US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders und seine ungewöhnlichen Positionen. In: Mut Nr. 575 vom Februar 2016, S. 35–40.
  • Darcy G. Richardson: Bernie. A Lifelong Crusade Against Wall Street & Wealth. 2015.
  • Jonathan Tasini: Bernie Sanders and his Vision for America. White River Junction, Vermont 2015 (Chelsea Green Publishing, Rezension in deutscher Sprache: Pfahl-Traughber, Armin: Bernie Sanders’ Vision für eine bessere USA, 30. September 2015).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bernie Sanders – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Bernie Sanders – Zitate (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Senator Bernie Sanders on Democratic Socialism in the United States, eigene Website
  2. TIME Magazine, Here’s How Bernie Sanders Explained Democratic Socialism, 19. November 2015
  3. Bernie Sanders Endorses Hillary Clinton at New Hampshire Rally, NBC News, 12. Juli 2016
  4. Seven Days 15. Juni 2015: U.S. Politics. Larry Sanders on Stickball and Breaking Bread in Brooklyn
  5. Geni.com: Elias „Eli“ Sanders
  6. Geni.com: Dorothy Sanders (Glassberg)
  7. Ein Dorf im Bernie Sanders Fieber, RBB: Kowalski & Schmidt, 3. April 2016, abgerufen am 25. April 2016
  8. Eltern: Benjamin Glassberg/od. Glassburg und Brayna „Bessie“ Greenberg s. Geni.com: Benjamin Glassberg und Geni.com: Bessie Glassberg /Datum der Einwanderung: s. die verschied. Geburtsorte der Kinder
  9. Der Spiegel Nr. 7 (13. Februar 2016) (Printausgabe) S. 90ff.: Der falsche Sozialist
  10. a b c d e Tablet Magazine o.D.: Straight Outta Brooklyn, by Way of Vermont: The Bernie Sanders Story
  11. Nicole Gaudiano: 6 things to know about Bernie Sanders. In: OnPolitics. USA Today. 28. April 2015. Abgerufen am 19. Juli 2015.
  12. Simon van Zuylen-Wood: I'm Right and Everybody Else Is Wrong. Clear About That?. In: National Journal Magazine. 21. Juni 2014. Abgerufen am 18. Juli 2015.
  13. Słopnice – portal gminny. In: www.slopnice.pl. Abgerufen am 3. Februar 2016.
  14. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S. 483
  15. a b Washington Post 29. Januar 2016: The untold story of Bernie Sanders, high school track star
  16. Seven Days 27. Mai 2015: Bernie's Bro: Working-Class Brooklyn Roots Shaped My Brother
  17. Linda Feldmann: Bernie Sanders: ‘I’m Proud to be Jewish’. In: Christian Science Monitor. 11. Juni 2015. Abgerufen am 13. Juni 2015.
  18. Bustle. bustle.com, abgerufen am 3. Februar 2016.
  19. a b The Populist Prophet. Bernie Sanders has spent decades attacking inequality. Now the country is listening. In: The New Yorker 12. Oktober 2015.
  20. a b c d e Bernie Sanders Found Socialism at the University of Chicago. In: Chicago Magazine 4. Mai 2015.
  21. Michael Kruse: Bernie Sanders Has a Secret: Vermont, his son and the hungry early years that made him the surging socialist he is today. In: Politico, 9. Juli 2015. Abgerufen am 18. Juli 2015.  „After he graduated from James Madison High School in 1959, he went to Brooklyn College for a year before transferring to the University of Chicago, where he joined the Congress of Racial Equality, the Student Nonviolent Coordinating Committee, the Student Peace Union and the Young People’s Socialist League.“ 
  22. a b Biographical Directory of the United States Congress: Bernard Sanders
  23. a b c d e Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S. 484
  24. a b c Politico 9. Juli 2015: Bernie Sanders Has a Secret
  25. Jewish Virtual Library: Sha’ar Ha-Amakim
  26. Forward 4. Februar 2016: Revealed at Last! Inside the Kibbutz Where Bernie Sanders Lived and Learned Socialism
  27. Jewish Telegraphic Agency 5. Februar 2016: Mystery solved: Sanders volunteered at kibbutz Shaar Haamakim
  28. Washington Post 5. Februar 2016: The kibbutz Bernie Sanders stayed in may have been revealed
  29. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill. Scarecrow Press 2010, S. 483.
  30. a b Harry Jaffe: Why Bernie Sanders matters. Simon & Schuster 2015 Kap. 4 „The Hippy“ (Keine Seitenangaben).
  31. Vermont Historical Society: Back to the Land: Communes in Vermont
  32. Salon 29. Dezember 2015: Bernie Sanders’ hippie 20s: Drugs, free love and Vietnam!
  33. Smithsonian Folkways (Audioarchiv), Bernard Sanders: Eugene V. Debs: Trade Unionist, Socialist, Revolutionary, 1855-1926
  34. Eugene V. Debs: Trade Unionist, Socialist, Revolutionary, 1855-1926, A Historical Narrative written and produced by Bernard Sanders; Transkript der Dokumentation über Debs, pdf
  35. Politico 9. Juli 2015: Bernie Sanders, the Early Years. Photos of the Democratic candidate from his college years to his time in Congress
  36. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members. S. 484.
  37. The K.F.Stone Weekly (Blog) 3. Mai 2015: All ’Bout Bernie
  38. Jewish Virtual Library: Bernie Sanders
  39. Socialist Candidate Defeats Burlington’s 5-Term Mayor, New York Times, 5. März 1981
  40. A list of Burlington VT’s mayors
  41. Katharine Q. Seelye: As Mayor, Bernie Sanders Was More Pragmatist Than Socialist. In: The New York Times. 25. November 2015, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 5. April 2016]).
  42. What Kind of Mayor Was Bernie Sanders? In: The Nation. ISSN 0027-8378 (thenation.com [abgerufen am 5. April 2016]).
  43. Vermont State archives, Race – 2006 (PDF; 318 kB).
  44. USA: Warum die Jugend Bernie Sanders verehrt – Politik – Süddeutsche.de
  45. a b c d Was will Bernie Sanders? dpa, 1. Februar 2016, abgerufen am 21. Februar 2016.
  46. Marisa Schultz: Bernie Sanders: US should be more like socialist Scandinavia. New York Post, 3. Mai 2015, abgerufen am 26. Juli 2015 (englisch).
  47. Rennen um Präsidentschaftskandidatur: Bernie Sanders fordert Hillary Clinton heraus. 30. April 2015, abgerufen am 26. Juli 2015 (deutsch).
  48. Bloomberg, Bernie Sanders Takes on Clinton Welfare Legacy as He Woos Iowa Unions, 6. August 2015
  49. U.S. Department of Health & Human Services, The Personal Responsibility and Work Opportunity Reconciliation Act of 1996, die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes auf der Seite des US-Gesundheitsministeriums
  50. Bernie Sanders: The TPP Must Be Defeated. Huffington Post, 21. Mai 2015, abgerufen am 26. Juli 2015 (englisch).
  51. Eric Badner: Bernie Sanders wants to 'bring us to the middle' on guns. 5. Juli 2015, abgerufen am 26. Juli 2015 (englisch).
  52. Max Ehrenfreud: Why the most liberal candidate for president opposes strict gun control. 13. Mai 2015, abgerufen am 26. Juli 2015 (englisch).
  53. Los Angeles Times, Campaigning on legalizing marijuana: Is Bernie Sanders smoking something?, 2. Juni 2016
  54. shareribs.com,Telepolis: Der Twitter-Präsident, 14. Dezember 2010
  55. New York Times, Media Decoder: With Filibuster, C-SPAN Has a Hit on Its Hands, 10. Dezember 2010
  56. Raising Enrollment with a Government Initiated System for Timely Electoral Registration (REGISTER) Act of 2015, der Gesetzentwurf auf der Seite des US-Kongresses
  57. The Desert Sun, Bernie Sanders to talk immigration in LA, 4. Juni 2016
  58. USA Today, Bernie Sanders issues bill to make 4-year colleges tuition-free, 19. Mai 2015
  59. Berliner Zeitung: US-Wahlkampf: Bernie Sanders, der amerikanische Oskar Lafontaine, 8. Februar 2016
  60. ABC News, Bernie Sanders Proposes National Ban on Fracking, 11. April 2016
  61. Alan Rappeport: Bernie Sanders, Long-Serving Independent, Enters Presidential Race as a Democrat. New York Times, 29. April 2015, abgerufen am 12. August 2015 (englisch).
  62. Russell Berman: Bernie Sanders Launches His Vermonster Campaign. The Atlantic, 26. Mai 2015, abgerufen am 12. August 2015 (englisch).
  63. Jonathan Topaz: Wisconsin straw poll surprise: A narrow Clinton win. Politico.com, 8. Juni 2015, abgerufen am 29. März 2016 (englisch).
  64. Dan Merica: Bernie Sanders’ campaign raises $15 million in his first quarter as candidate. CNN, 2. Juli 2015, abgerufen am 12. August 2015 (englisch).
  65. Jon Sopel: Bernie Sanders is the ‘no filter’ candidate. BBC News, 22. Dezember 2015, abgerufen am 22. Dezember 2015 (englisch).
  66. Kenneth T. Walsh: Young People Favor Bernie Sanders, Socialism. In: US News & World Report. 19. Februar 2016, abgerufen am 5. April 2016.
  67. Sanders bests Clinton on social media. In: POLITICO. Abgerufen am 5. April 2016.
  68. Sanders unterstützt Rivalin Clinton. US-Vorwahl. In: Zeit. 12. Juli 2016, abgerufen am 13. Juli 2016.