Bernie Sanders

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Bernie Sanders

Bernard (Bernie) Sanders (* 8. September 1941 in New York City) ist ein US-amerikanischer parteiloser Politiker, der den Bundesstaat Vermont seit dem Jahr 2007 im US-Senat vertritt und am 29. April 2015 seine Kandidatur für die Vorwahlen der Demokratischen Partei für die US-Präsidentschaftswahl 2016 bekanntgab.

Sanders, der sich selbst als Sozialist bezeichnet,[1][2] gewann am 7. November 2006 die Wahl zum US-Senator gegen den Kandidaten der Republikaner, Richard Tarrant, und trat im Januar 2007 die Nachfolge des bisherigen Senators von Vermont, Jim Jeffords, an, der nicht zur Wiederwahl angetreten war. Sanders ist der erste bekennende Sozialist in der Geschichte der USA, der in den Senat gewählt wurde.[3] Er ist parteilos, hat sich aber der Fraktion der Demokratischen Partei angeschlossen. Zuvor (1991 bis 2007) war Sanders das am längsten amtierende parteilose Mitglied des Repräsentantenhauses.

Werdegang[Bearbeiten]

Bernie Sanders wurde 1941 als der jüngere der zwei Söhne von Eli Sanders und dessen Ehefrau Dorothy (geb. Glassberg/od. Glassburg) – polnisch-jüdischer Einwanderer – in New York geboren. [4] [5] [6] Nach dem Besuch der P.S. 197 Elementary School [7] wechselte er zur James Madison High School in Brooklyn und studierte nach dem Abschluss im Jahre 1959 zunächst ein Jahr lang Psychologie am Brooklyn College der City University of New York, bevor er zur University of Chicago wechselte und dort mit dem Studium der politischen Wissenschaften begann. 1964 schloss er dieses Studium mit einem Bachelor of Arts in Politikwissenschaft ab. [8] Seine Studienzeit fiel mit der Bürgerrechtsbewegung und dem Krieg in Vietnam zusammen. [9] So wurde er 1963 – noch während seiner Studentenzeit – im Civil Rights Movement aktiv und einer der Organisatoren des Student Nonviolent Coordinating Committees. Er war einer der tausenden von Studenten, die 1963 am Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit teilnahmen. Nach Abschluss seines Studium im Jahre 1964 [10] verbrachte er einige Zeit in mehreren Kibbuzim in Israel, bevor er im Jahre 1968 mit seiner ersten Frau und seinem Sohn Levi nach Vermont zog/sich dort niederliess und dort u.a. als Zimmermann, Dokumentarfilmer, Freelancer Writer, Rechercheur für die Vermont Department of Taxes (Steuerbehörde von Vermont) u.a. arbeitete. [11]

Liberty Union (LU)[Bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre wurde er Mitglied der noch jungen Liberty Union Party (LU) in Vermont – „an offshoot of the antiwar movement in Vermont“ („Ein Ableger der Antikriegsbewegung in Vermont“).[12][13] Danach trat er als Kandidat der LU bei einer ganzen Reihe von Wahlen an: 1972, um den durch den Tod von Senator Winston L. Prouty vakant gewordenen Senatssitz. Im selben Jahr (auch 1972) um das Gouvereursamt von Vermont, das aber vom Demokraten Thomas P. Salmon gewonnen wurde. Sanders konnte nur 1,5 Prozent der Stimmen gewinnen.[14] 1974 bewarb er sich erneut um den Senatorenposten. Auch bei dieser Wahl, die der Demokrat Patrick Leahy für sich entscheiden konnte, gelang es Sanders lediglich 4,1 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinigen.[15] 1976 versuchte er erneut den Gouverneursposten zu erringen. Die Wahl wurde aber vom Demokraten Richard A. Snelling gewonnen. Sanders errang nur 6,1 Prozent der Stimmen.[16][17] 1977 verließ Sanders die LU und arbeitete in Folge als Autor und Direktor der Non-Profit-Organisation American People’s Historical Society.[18]

Bürgermeister von Burlington[Bearbeiten]

1981 bewarb er sich – diesmal als Independent/Unabhängiger – um das Amt des Bürgermeisters von Burlington, der größten Stadt Vermonts, und schlug den Demokraten Gordon H. Paquette, der das Amt seit 1971 innehatte, mit einer hauchdünnen Mehrheit von zwölf Stimmen (nach vier Wahlgängen).[19][20] In dieses Amt wurde er insgesamt dreimal wiedergewählt. 1986 trat Sanders bei der Wahl zum Gouverneur von Vermont an und belegte mit 14,5 Prozent der Stimmen den dritten Platz.

House of Representatives[Bearbeiten]

1988 bewarb er sich zunächst erfolglos um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus. Erst bei der Wahl 1990 konnte Sanders eine Mehrheit erreichen und besiegte Peter Plympton Smith, gegen den er zwei Jahre zuvor verloren hatte.

Sanders war von 1991 bis 2007 Mitglied des Repräsentantenhauses und damit der einzige und am längsten amtierende parteilose Kandidat. Er war Abgeordneter des Staates Vermont, der nur über einen Sitz im Repräsentantenhaus verfügt. Sanders wurde sechsmal wiedergewählt, teilweise mit über zwei Drittel der abgegebenen Stimmen (1992: 57,8 %, 1994: 49,9 %, 1996: 55,2 %, 1998: 63,4 %, 2000: 69,2 %, 2002: 64,3 %, 2004: 68,8 %).

Senat[Bearbeiten]

2006 kandidierte er für den Senat und gewann als unabhängiger Kandidat mit 65,4 % der Stimmen die Wahl.[21] Im Jahr 2012 gelang ihm mit 71 Prozent der Stimmen gegen den Republikaner John MacGovern die Wiederwahl. Seit Januar 2013 führt er den Vorsitz im Kriegsveteranenausschuss des Senats.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Bernie Sanders, 2015

Sanders unterstützte in der Vergangenheit stets die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Er war gegen die Invasion des Irak durch US-amerikanische Truppen im Jahr 2003 und gilt als scharfer Kritiker des USA PATRIOT Act sowie staatlicher und kommerzieller Einflussnahme in der Medien- und Telekommunikationsbranche. Während der Präsidentschaft von Obama unterstützte er dessen (jedoch dann nur zu einem geringen Teil umgesetzte) Gesundheitsreform-Vorhaben zur Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung und sprach sich weitergehend für eine Bürgerversicherung aus.

Größeres nationales Aufsehen erregte eine pausenlose achteinhalbstündige Filibuster-Rede Sanders vor dem US-Senat am 10. Dezember 2010, in der er sich kritisch mit der US-Politik der vergangenen Jahrzehnte auseinandersetzte. Anlass war der Kompromiss der Obama-Regierung mit den Republikanern, die unter George W. Bush erfolgten Steuerkürzungen für sehr hohe Einkommen beizubehalten. Sanders kritisierte dies und begründete eine alternative Steuerpolitik. Er thematisierte später in seiner Rede zudem unter anderem die US-Einkommensverteilung, Einflüsse durch Lobbyismus und Regulierungen/Deregulierungen. Die eigentlich nur vom Parlamentssender C-SPAN übertragene Rede verbreitete sich zahlreich im Internet und wurde daraufhin auch von den Medien aufgegriffen.[22][23] Am 29. April 2015 kündigte er an, sich um die Nominierung als Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 2016 zu bewerben.[24]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernie Sanders – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Bernie Sanders – Zitate (Englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Democracy-Now 2006
  2. Forward (sozialistische jüdische Wochenzeitung)
  3. The Guardian: Democrats pile pressure on Bush as glitches hit US poll, 8. November 2006.
  4. Chicago-Magazin 4. Mai 2015: Bernie Sanders Found Socialism at the University of Chicago
  5. NNDB: Bernie Sanders
  6. The New York Times 21. Januar 2007: The Socialist Senator
  7. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S. 483
  8. Biographical Directory of the United States Congress: Bernard Sanders
  9. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S.484
  10. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S. 484
  11. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S. 484
  12. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S. 484
  13. The K.F.Stone Weekly (Blog) 3. Mai 2015: All ’Bout Bernie
  14. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S.484
  15. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S.484
  16. Kurt F. Stone: The Jews of Capitol Hill – A Compendium of Jewish Congressional Members, S.484
  17. Biographical Directory of the United States Congress: Bernard Sanders
  18. Jewish Virtual Library: Bernie Sanders
  19. New York Times 5. März 1981: Socialist Candidate Defeats Burlington's 5-Term Mayor
  20. A list of Burlington VT’s mayors
  21. Vermont State archives, Race – 2006 (PDF; 318 kB)
  22. Telepolis: Der Twitter-Präsident, 14. Dezember 2010
  23. New York Times, Media Decoder: With Filibuster, C-SPAN Has a Hit on Its Hands, 10. Dezember 2010
  24. http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-04/bernie-sanders-praesidentschaftskandidatur