Gerhard Mantel

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Gerhard Friedrich Mantel (* 31. Dezember 1930 in Karlsruhe; † 13. Juni 2012 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Violoncellist, Hochschullehrer für Musik und Autor instrumentalpädagogischer und musikpsychologischer Publikationen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerhard Mantel wurde an Silvester 1930 in Karlsruhe geboren. Er war das zweite Kind von Georg Mantel, Professor für Klavier und Komposition an der Musikhochschule Karlsruhe, und seiner Frau Margarethe. Mit neun Jahren wandte er sich dem Cellospiel zu. Bereits als Schüler studierte er in Heidelberg bei Professor August Eichhorn Violoncello. Nach dem Abitur führte ihn ein Fulbright-Stipendium nach Athens, Ohio. Anschließend verfeinerte er sein Können in Paris bei Pierre Fournier, Paul Tortelier und André Navarra, außerdem bei Pablo Casals in Prades und in Saarbrücken bei Maurice Gendron. Im Winter 1952/53 wurde er zu einem Gastauftritt beim Musikselskabet Harmonien, dem späteren Sinfonieorchester Bergen, Norwegen, eingeladen. Er wurde sofort engagiert und wirkte dort von April 1953 bis Juni 1954 als Solocellist. Er blieb dem Orchester viele Jahre danach noch verbunden. Von 1956 bis 1958 war er in gleicher Funktion beim Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester des WDR angestellt. Im Anschluss konzertierte er bis 1973 als freiberuflicher Künstler, überwiegend im Duo mit der Pianistin Erika Frieser. Seine solistische und kammermusikalische Konzerttätigkeit führte ihn in die meisten Länder Europas, Nord- und Südamerikas, nach Japan, Korea und in den Nahen Osten. Seine Interpretationen sind auf zahlreichen Schallplatten sowie über 100 Rundfunkaufnahmen dokumentiert.

1973 folgte er dem Ruf auf eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Dort war er Leiter der Celloklasse, Dekan der Künstlerischen Ausbildung und zeitweiliger Prorektor. Nebenher erteilte er Meisterkurse in verschiedenen Ländern. Ebenfalls 1973 begann er, sein Wissen und seine Erfahrung in Lehrbuchform weiterzugeben. Viele seiner Publikationen gelten als wegweisende didaktische und praxisbezogene Literatur. Besonders gilt dies für "Cello üben" (1999) und die dreibändige Celloschule "Cello mit Spaß und Hugo" (1996). 1998 veröffentlichte er 25 im Schwierigkeitsgrad abgestufte selbstkomponierte Stücke für zwei Celli, die er „Duettüden“ nannte. 1994 gründete er zusammen mit der Pianistin Prof. Sibylle Cada an seiner Wirkungsstätte Frankfurt das Forschungsinstitut für Instrumental- und Gesangspädagogik e.V. und fungierte fortan als dessen Leiter. Von 1993 bis 2000 stand er als Präsident der Deutschen Sektion der ESTA (European String Teachers' Association) vor. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Vereins Frankfurter Bachkonzerte e.V. gründete er 1986 das Frankfurter Publikumsorchester und war etwa zehn Jahre lang sein Dirigent und künstlerischer Leiter. Das Orchester hatte erfolgreiche Auftritte u.a. in Frankfurt, Leipzig (Gewandhaus) und Lyon.

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cellotechnik. Bewegungsprinzipien und Bewegungsformen. Überarbeitete Neuauflage. Schott, Mainz u. a. 2011, ISBN 978-3-7957-8749-3.
  • Cello üben. Eine Methodik des Übens nicht nur für Streicher. Von der Analyse zur Intuition. 2. ergänzte Auflage. Schott, Mainz u. a. 1999, ISBN 3-7957-8714-9.
  • Cello mit Spaß und Hugo. Ein neuer Weg zum Cellospiel (zusammen mit Renate Mantel). 3 Bände. Schott, Mainz u.a. 1996, ISBN 978-3-7957-5173-9, -5174-6, -5175-3.
  • Duettüden. 24 Stücke zur Einführung in das Lagenspiel. Für 2 Violoncelli = Duetudes (Partitur). Schott, Mainz u. a. 1998.
  • Einfach üben. 185 unübliche Überezepte für Instrumentalisten. Schott, Mainz u. a. 2001, ISBN 3-7957-8724-6.
  • Mut zum Lampenfieber. Mentale Strategien für Musiker zur Bewältigung von Auftritts- und Prüfungsangst. Atlantis-Musikbuch-Verlag, Zürich/ Mainz 2003, ISBN 3-254-08385-7.
  • Intonation. Spielräume für Streicher. Schott, Mainz u. a. 2005, ISBN 3-7957-8729-7.
  • Interpretation. Vom Text zum Klang. Schott, Mainz u. a. 2007, ISBN 978-3-7957-8731-8.
  • Etüden üben. 3 Bände mit Kommentarband. Schott, Mainz u. a. 2011, DNB 1015442277.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kulturpreis der Stadt Karlsruhe (1955)
  • Bundesverdienstkreuz am Bande (5. Oktober 1999)[1]
  • Ehrenpräsident der Deutschen Sektion der ESTA (European String Teachers' Association) (2000)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundespräsidialamt