Geschichte des Kantons Uri
Die Geschichte des Kantons Uri umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des schweizerischen Kantons Uri von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
Ur- und Frühgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ältesten Funde im Kanton Uri stammen aus einer Zeit von ca. 7500 v. Chr. Es handelt sich dabei um kleinste Werkzeuge aus Bergkristall, der in der Nähe der Stremlücke / Fuorcla da Strem Sut (2832 m ü. M.) abgebaut wurde.[1] Der Burghügel Zwing-Uri nördlich des Dorfs Amsteg war in der Bronzezeit besiedelt. Der bekannteste Fund ist der Goldschatz von Erstfeld aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.[2] Weitere Zeugnisse für die Anwesenheit von Menschen auf dem Kantonsgebiet ist eine bei Hospental gefundene Pfeilspitze aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.
Aus der Römerzeit gibt es in Ursern mehrere Münzen, ein Bronzeglöckchen und eine Fibel in Form eines Meerwesens. Die Stücke stammen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Zudem fand man römische Fibeln im Raum Schattdorf. Die Häufung der Funde legen die Vermutung nahe, dass es in Uri und Ursern in spätrömischer Zeit römische Bauten gab.
Mittelalter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Reichsunmittelbarkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Tal Uri wurde 853 von Ludwig dem Deutschen der von ihm gestifteten Fraumünsterabtei zu Zürich geschenkt. Dadurch gelangte Uri unter die Gewalt der Reichsvogtei von Zürich. Nach dem Aussterben der Zähringer, welche dieselbe besessen hatten (1218), verlieh Friedrich II. die hoheitlichen Rechte über Uri den Habsburgern; aber schon 1231 erwirkten sich die Urner von seinem Sohn König Heinrich VII. die Reichsunmittelbarkeit, welche ihnen 1274 auch von Rudolf von Habsburg bestätigt wurde.
Allerdings gilt die Existenz des Freiheitsbriefes von 1231 als unsicher, da er nur bei Aegidius Tschudi im Chronicon Helveticum erwähnt wird. Zudem ist nicht eindeutig, für wen in Uri die Reichsunmittelbarkeit galt, da damals noch nicht von einem einheitlichen Land Uri gesprochen werden konnte, sondern verschiedene Klöster und Adlige ihre Rechte ausübten[3].
Frühe Eidgenossenschaft
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Gemäss alter Geschichtsschreibung fühlten sich die Urner von den Habsburgern bedroht und schlossen mit Schwyz und Unterwalden das ewige Bündnis vom 1. August 1291. 1309 empfing Uri von Heinrich VIII. die Bestätigung seiner Reichsfreiheit, wurde aber 1315 von Friedrich dem Schönen mit Schwyz und Unterwalden in die Acht, d. h. ungültig erklärt. In der Folge half Uri, den Sieg bei Morgarten zu erkämpfen. In dieser Zeit spielt die Sage von Wilhelm Tell.
Die neuere Forschung kann nicht nachweisen, dass die Habsburger ihr Interessengebiet in die Innerschweiz ausdehnen wollten. Es spielte viel mehr eine Rolle, dass die Rapperswiler an Einfluss verloren. Von Bedeutung waren die Aktivitäten des Werner von Homberg als Kriegsunternehmer, der vermutlich deswegen Reichsvogt im Bereich der Waldstätte wurde. Zusammen mit den weiteren Waldstätten konnten die «Waldleute» am 5. Juni 1327 dem Städtebündnis beitreten. Die Schlacht bei Morgarten wird als eine Episode des Marchenstreits gesehen[3].
Die Eidgenossenschaft verfestigte sich erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts (ab 1450). In der Zeit wurden Erzählungen von einem gemeinsamen Ursprung geschaffen (Befreiungstradition). Dieser Vorgang wiederholte sich im 19. Jahrhundert für die Schweiz.
Südlicher Einfluss
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wirtschaftlich stand Uri spätestens ab 1350 unter starkem Einfluss von Mailand. Die Visconti hatten ein starkes Interesse an der Sicherung der Gotthardroute. Uri wurde damit zu einem lombardischen Alpental[3]. Die Rechte der Klöster (Fraumünster, Wettingen …) und der übrigen Grundherren wurden nach und nach losgekauft. Reibereien zwischen Uri und Mailand führten seit 1403 zu einer Reihe von Feldzügen, deren Resultat 1440 die Erwerbung des Leventinatals als eines urnerischen Untertanenlandes war.
Neuzeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ancien Régime
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Reformationszeit schloss sich Uri stets der streng katholischen Politik von Schwyz und Luzern an. Karl Borromäus sorgte für die Durchsetzung der Gegenreformation.
Die ursprünglichen Gemeinden Silenen, Bürglen und Altdorf verkleinerten sich durch Abkurungen.
Im Bauwesen ist im 16. und 17. Jahrhundert eine Dominanz aus dem Süden zu erkennen. Die Gebäude von Altdorf aus dieser Zeit zeigen durch ihre palazzo-artige Gestaltung eine gehobene Gesellschaftsschicht an.
Die Französische Revolution wurde von der Urner Führungsschicht abgelehnt.
Helvetik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nur unwillig fügte sich Uri der helvetischen Verfassung von 1798, welche es mit Schwyz, Unterwalden und Zug in einem Kanton Waldstätte verschmolz. 1799 wurde das Tal durch einen Aufstand, den Marschall Nicolas Jean-de-Dieu Soult mit großem Blutvergießen dämpfte, dann durch die Kämpfe der Franzosen unter Claude-Jacques Lecourbe und Loyson mit den Österreichern und hernach der Russen unter Suworow regelrecht verwüstet.
Ultramontanismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem die Mediationsakte Uri 1803 als selbständigen Kanton, aber ohne das Livinental, wiederhergestellt hatte, nahm es stets Anteil an den Sonderbestrebungen der ultramontanen Kantone und machte im Sonderbundskrieg einen siegreichen Einfall in sein früheres Untertanenland Tessin. Es kapitulierte jedoch nach dem Fall von Luzern am 27. November 1847 und wurde widerwillig in den neuen liberalen Bundesstaat eingegliedert.
Verfassung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 5. Mai 1850 gab sich Uri seine erste Verfassung, die es 1888 revidierte. Nachdem durch die eidgenössische Volksabstimmung vom 18. Mai 1879 das Verbot der Todesstrafe aus der Bundesverfassung entfernt worden war (mit Ausnahme politischer Vergehen, wo sie Art. 65 weiterhin verbot), war Uri der erste Kanton, der dieselbe wieder einführte (1924 wieder abgeschafft). 1972 wurde das Frauenstimmrecht eingeführt, und 1984 unterzog der Kanton seine Verfassung einer Totalrevision.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1853 wurde in Uri der erste Telegraf installiert, und 1856 setzte mit der Papierfabrik an der Isleten auch die Industrialisierung ein. Der Bau der 1882 eröffneten Gotthardbahn führte 1875 zu sozialen Unruhen in Göschenen. 1884 wurde das erste Telefonnetz im Urnerland eingerichtet.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ralph Aschwanden: Uri. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Hans Stadler-Planzer: Geschichte des Landes Uri: Von den Anfängen bis zur Neuzeit. [2., überarbeitete Auflage]. Schattdorf: Uranos-Verlag, 1993. ISBN 3-9520414-0-8.
- Urs Kälin: Die Urner Magistratenfamilien: Herrschaft, ökonomische Lage und Lebensstil einer ländlichen Oberschicht 1700–1850. Diss. Zürich: Chronos, 1991. ISBN 3-905278-86-3.
- Urs Alfred Müller: Alte Landkarten als kulturhistorische Quellen am Beispiel des Passlandes Uri (15.–18. Jahrhundert). In: Cartographica Helvetica Heft 2 (1990) S. 2–8, doi:10.5169/seals-1131.
- Karl Iten: Uri damals: Photographien und Zeitdokumente, 1855–1925. Altdorf: Gamma, 1984. ISBN 3-906200-03-5.
- Jürg Bielmann: Die Lebensverhältnisse im Urnerland während des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Basel: Helbing & Lichtenhahn, 1972. (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft 126). ISBN 3-7190-0603-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Abteilung Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Uri: Archäologen bergen hochalpinen Steinzeitfund. 11. September 2020, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 22. Januar 2021; abgerufen am 16. Januar 2021. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Andres Furger: Der keltische Goldschatz von Erstfeld. Entdeckungsgeschichte und Fundort. 2014.
- ↑ a b c Roger Sablonier: Gründungszeit ohne Eidgenossen. Politik und Gesellschaft in der Innerschweiz um 1300. Hier+Jetzt, Baden 2008.