Gesundheitsprüfung (Versicherung)

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Bei der Gesundheitsprüfung, allgemein Risikoprüfung berechnet ein Versicherer vor Vertragsschluss das objektive und subjektive Versicherungsrisiko, um zu entscheiden, ob ein Versicherungsantrag angenommen wird und wie hoch sich bei der Antragsannahme der Beitrag berechnet (Versicherbarkeit).[1]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Risikoprüfung spielt im Versicherungswesen vor allem im Bereich der Personenversicherungen eine bedeutende Rolle. Im Mittelpunkt steht dabei der Gesundheitszustand des potentiellen Kunden, unter dessen Kenntnis die Versicherung bewertet, ob oder unter welchen Voraussetzungen ein Versicherungsvertrag zustande kommt. Für den Versicherer ist der Gesundheitszustand relevant, da im Rahmen der Personenversicherung individuelle Risiken versichert werden, deren Tragweite wesentlich von der Gesundheit zum Eintrittszeitpunkt abhängt.

Es werden Daten zum Geschlecht, Alter, Beruf, dem Wohnort, dem derzeitigen Gesundheitszustand, Angaben über gefährliche Sportarten etc. erhoben. Zum subjektiven Risiko zählt hierbei das persönliche Verhalten des Versicherungsnehmers, wie die Einstellung zu Krankheiten oder die weiteren Absicherungen, die der Versicherungsnehmer tätigt.

Einem Versicherungsunternehmen steht es frei, Anträge abzulehnen oder nur unter bestimmten Voraussetzungen anzunehmen. Erst wenn sich Versicherungsnehmer und Versicherer einig sind, kommt ein Vertrag zustande. Beim Invitatio-Modell gilt dies entsprechend, hier ist allerdings die Reihenfolge der Willenserklärungen vertauscht.

Die vorvertragliche Anzeigepflicht ist insbesondere in § 19 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geregelt.

Vorgehensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich gibt es eine Gesundheitsprüfung im Bereich der Krankenversicherung, der Risikolebensversicherung und der Berufsunfähigkeitsversicherung. Daneben kann auch in Kombinationsprodukten eine Gesundheitsprüfung durchgeführt werden.

Ein Versicherer stellt die Gesundheitsfragen grundsätzlich schriftlich im Rahmen der Antragsformalitäten. Gem. § 19 Abs. 1 VVG ist der Versicherungsnehmer verpflichtet, dem Versicherer die ihm bekannten Gefahrumstände, nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat, diesem mitzuteilen. Sollten Angaben für den Versicherer unklar oder unvollständig sein, erhält der Kunde vom Versicherer Fragebögen zu den einzelnen Vorerkrankungen, die vom Kunden ausgefüllt werden müssen.

Im Rahmen der Antragsformalitäten bzw. der Gesundheitsprüfung verlangen Versicherungsgesellschaften nicht selten eine Schweigepflichtentbindung für behandelnde Ärzte. Damit kann der Versicherer die Angaben direkt vom Arzt anfordern und überprüfen.

Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben ist in jedem Fall der Versicherungsnehmer verantwortlich. Aus diesem Grund sollten sich Antragsteller bereits im Vorfeld mit den zu erwartenden Fragen auseinandersetzen. Nicht wenige Versicherungsgesellschaften fragen nach Erkrankungen und operativen Eingriffen der letzten 10 Jahre. Gängige Praxis ist es, die Gesundheitsfragen mit dem Versicherungsvermittler mündlich durchzugehen, während dieser protokolliert. Lässt der Antragsteller Vorerkrankungen oder andere Gefahrumstände unerwähnt, gefährdet er damit den Versicherungsschutz.

Konsequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach Gesundheitszustand hat der Versicherer vier Möglichkeiten:

  • Annahme des Antrags ohne Einschränkung
  • Annahme des Antrags zu einem höheren Beitrag
  • Annahme des Antrags mit einem Ausschluss für bestimmte Erkrankungen oder
  • Ablehnung des kompletten Antrags

Falsche Angaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macht ein Kunde wissentlich oder unwissentlich falsche Angaben, hat dies Konsequenzen für den Versicherungsvertrag.

  • Grundsätzlich hat der Versicherer in diesem Fall das Recht, vom Vertrag zurückzutreten.
  • Sollten falsche Angaben weder vorsätzlich noch grob fahrlässig gemacht worden sein, hat der Versicherer nur die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen. Dazu räumt der Gesetzgeber dem Versicherer die Frist von einem Monat ein, das Rücktrittsrecht ist in diesem Fall ausgeschlossen.
  • Sollten die Angaben grob fahrlässig gemacht worden sein, besteht die Möglichkeit, den Vertrag zu geänderten Konditionen weiterzuführen. Insbesondere kann der Versicherer Leistungen aufgrund einer Vorerkrankung ausschließen oder einen Beitragszuschlag verlangen.
  • Im Falle eines Ausschlusses oder eines Zuschlages von über 10 % der Prämie hat wiederum der Versicherungsnehmer das Recht, den Vertrag innerhalb eines Monats fristlos zu kündigen.
  • Im Falle einer arglistigen Täuschung kann der Vertrag auch angefochten werden.

Seit dem 1. April 2011 unterhält der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zum Zweck der Risikoprüfung und zur Aufklärung von Schadensfällen mit Manipulationsverdacht das Hinweis- und Informationssystem (HIS).[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Wieser: Risikoprüfung in der Lebensversicherung, Graz 2008 (eBook)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erwin Eszler: Versicherbarkeit und ihre Grenzen Hamburger Gesellschaft zur Förderung des Versicherungswesens (Hrsg.) Heft 21, Karlsruhe, 1999
  2. Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherer – HIS. Was es ist und was es leistet GDV, 2015
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